Einziger Sohn des Bailli
von Zypern Philipp von Ibelin und der Alice
von Montbeliard, Tochter von
Lexikon des Mittelalters: Band V Spalte 511
********************
Johann von Ibelin, Graf von Jaffa 1247-1266
----------------------
* 1215, + 1266
Sohn von Philipp von Ibelin und Alice von Montbeliard
(Mömpelgard), wurde in Zypern erzogen. Um 1229 besaß er
ein - wohl vom Vater ererbtes – Lehen in Akkon. Er nahm am Kampf gegen
FRIEDRICH
II. teil und wurde bei Casal Imbert schwer verwundet. 1241 erwarb
er Ramle, das alte Lehen der
IBELIN, zurück; vor 1247
empfing er die Grafschaft Jaffa und Askalon. Ein Muster ritterlicher
Tugenden (vgl. die bewundernden Schilderungen bei Joinville), war Johann
von Ibelin 1253 lieutenantdes Regenten des Königreiches
Jerusalem, 1254-1456 selbst Regent. Während seiner Regentschaft
begann der von politischen Ränken begleitete Konflikt zwischen den
italienischen Kaufmannskolonien (sogenannter 'Krieg von St. Sabas'). Mit
päpstlicher Unterstützung führte
Johann von Ibelin
eine aggressive Politik gegen die Muslime, die nur zwei Jahre nach seinem
Tode Jaffa eroberten.
Schon seit jungen Jahren an Rechtsfragen interessiert,
wurde er zum Mitglied der großen baronialen Rechtsschule, in der
sein gleichnamiger Onkel bereits eine führende Rolle gespielt hatte.
Johanns
berühmtes
"Livre des Asiesses de la Haute Cour" ist eines der bedeutendsten Rechtsbücher
des 13. Jh., gleichrangig mit den Werken von Beaumanoir und Bracton. Als
origineller politischer Denker hat Johann von Ibelin die Ursprünge
des Königreiches Jerusalem auf einen Herrschaftsvertrag zurückgeführt
und forderte eine Einschränkung der monarchischen Handlungsfreiheit.
Mayer, Hans Eberhard: Seite 238-242
*******************
"Geschichte der Kreuzzüge"
Johann Graf von Jaffa, Hauptvertreter der adligen
Klassengenossen, war von 1254-1256 Bailli des Königreiches Jerusalem.
Die IBELINS verstanden die Regentschaft durchaus auch ihren eigenen
Zwecken dienstbar zu machen, so als Johann von Jaffa im Frühjahr
1256 den Versuch machte, mit dem Reichsheer das zu seiner Grafschaft gehörende
Askalon zurückzuerobern, was mißlang, ihn aber in sehr schwierige
Finanzverhandlungen mit den Johannitern brachte, die seit dem Verlust Askalons
1247 auf die finanzielle Entschädigung pochten, die Kaiser
FRIEDRICH II. ihnen für diesen Fall zugesagt hatte. Er
wurde von seinem Verwandten Johann von Arsuf aus der Regentschaft
verdrängt. Im Februar 1258 inszenierte Johann von Jaffa einen
Coup, der dazu bestimmt war, Johann von Arsuf als Regent zu stürzen.
Er brachte das Kind Hugo II. von Zypern
nach Akkon und ließ seine Mutter, die Königin
Plaisance von Zypern, die Regentschaft für Hugo
II. verlangen. Gerade weil der Anspruch rechtlich unanfechtbar
war, hatte man seit 1253 peinlich vermieden, das Kind nach Akkon zu bringen.
Für den Minderjährigen mußte aber nun ein regierender Vormund
ernannt werden, und der eigentliche Kunstgriff Johanns von Jaffa bestand
darin, Plaisance in diese Stellung
zu manövrieren, wofür nur ihre Verwandtschaft zu Hugo
II. entscheidend war, während ihre sehr entfernte Verwandtschaft
zum landfremden König Konradin,
die an sich über die Regentschaft entschied, nun übergangen werden
konnte, sie aber de facto trotzdem Regentin wurde. Da sie mit Johann
von Arsuf, der jetzt von Hugo als Regent abgelöst wurde, sehr
verfeindet war, hätte Johann von Arsuf an sich von jeder Macht
ausgeschlossen werden müssen. Aber Plaisance
einigte
sich überraschend mit ihm und ernannte ihn zum Verwaltungsbailli,
der sie vertrat. Die Rechnung des Grafen von Jaffa ging nur insoweit auf,
als Plaisance mit ihrem Bruder Bohemund
VI. von Antiochia-Tripolis die Vasallen Jerusalems gegen Genua einte.
Der lange Bürgerkrieg zeigt die Schwäche der
Zentralgewalt, die nach dem Tode Johanns von Arsuf an Gottfried
von Sergines ging (Mai 1259), was aber Johann von Jaffa dadurch
konterkarierte, dass er Königin Plaisance
(+ 1261) zur Maitresse nahm, wogegen Papst Urban IV.
1261 laut wetterte.
Sowohl Johann von Jaffa wie Julian von Sidon trennten
sich nach 1260 von ihren Frauen aus dem kleinarmenischen Königshaus
(dem mongolischen Hauptverbündeten) oder diese sich von ihnen. Allerdings
wollte man auf keinen Fall die Mongolen provozieren, dazu hatte man vor
ihnen zu viel Angst.
Es wirkt wie eine Ironie, dass ausgerechnet jetzt (am
Vorabend der großen mamlukischen Offensive) Johann von Jaffa seine
Rechtskodifizierung vornahm (1265), die keine Auflösungserscheinungen
erkennen läßt, sondern das Bild einer zwar machtlüsternen,
aber doch auch mächtigen Aristokratie zeichnet. Dabei war der Graf
von Jaffa selbst stark verschuldet. Das Reich war in Wirklichkeit in
mehrere sich bekriegende Parteien zerfallen, von denen nur noch die italienischen
Kommunen und die Ritterorden relativ (das heißt im Vergleich zu den
Baronen) mächtig waren. Das Fehlen eines einheitlichen politischen
Willens war das Hauptcharakteristikum dieser Epoche der Kreuzfahrerstaaten.
1237
oo Maria von Armenien, Tochter des Regenten Konstantin
und Alix von Lampron
1220-
1263
Kinder:
Guido Graf von Jaffa
1250/55-14.2.1304
Philipp von Ibelin
- nach 1263
Jakob von Ibelin Graf von Jaffa
um 1240- 1276
1255/60
oo Marie von Mömpelgard
-
Johann von Ibelin
-
Hethum von Ibelin
-
Oshin von Ibelin
-
Margarete von Ibelin Äbtissin in Nikosia
- nach 1319
Isabella von Ibelin
- nach 1298
1270
oo Sempad von Saravantikar
- nach 1298
Marie von Ibelin
- nach
1298
1269/70
1. oo Vahran von Hanousse
- 1270/71
2. oo Gregorios Tardif
- nach 1298
Literatur:
-----------
Jones Terry/Ereira Alan: Die Kreuzzüge.
Bechtermünz Verlag 2000 Seite 239 - Mayer, Hans Eberhard: Geschichte
der Kreuzzüge, Verlag W. Kohlhammer GmbH 1995 Seite 238-242 - Runciman,
Steven: Geschichte der Kreuzzüge, Sonderausgabe in 1 Band Verlag H.C.
Beck München 1978, Seite 977,984,1039,1058-1059,1061,1096,1109 - Zöllner
Walter: Geschichte der Kreuzzüge. VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften
Berlin 1977 Seite 156,220 -