STAMMTAFEL im Anhang Band IX des Lexikons des Mittelalters
STAMMTAFELN ZUR GESCHICHTE DER EUROPÄISCHEN STAATEN
BAND II Tafel 117
Lexikon des Mittelalters: Band IV Spalte 1978
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Hauteville
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Normannische Adelsfamilie, benannt nach ihrem kleinen Lehen Hauteville-la-Guichard im Cotentin (dep. Manche).
Stammvater der Familie ist Tankred, von dessen
12 Söhnen sich einige etwa seit 1037 als Söldner in Unteritalien
verdingten. 1042 wurde Wilhelm Eisenarm (+ 1046)
als Graf von Apulien zum Führer der normannischen Söldner
gewählt, die ihn in den politischen Wirren zunehmend territoriale
Eigeninteressen zu entwickeln begannen. Auf Wilhelm
Eisenarm folgte sein Bruder Drogo (+
1051), der 1047 von Kaiser HEINRICH
III. mit Apulien und Benevent belehnt wurde. Ihm folgte sein
Bruder Humfried (+ 1057) und diesem
sein Halbbruder Robert Guiscard, der
1046 nach Unteritalien gekommen war und die Eroberung Kalabriens vorantrieb.
1059 ließ er sich durch Papst Nikolaus II. mit Apulien, Kalabrien
und dem noch zu erobernden Sizilien belehnen und gab damit der normannischen
Herrschaft in Unteritalien ein rechtliches Fundament. Während Robert
Guiscard nach und nach die byzantinischen und langobardischen
Herrschaften Unteritaliens beseitigte und sogar einen aggressiven Krieg
gegen Byzanz führte, eroberte sein Bruder Roger
I. (+ 1101) Sizilien und legte sich den Titel eines Großgrafen
zu. Nach dem Tod Roberts Guiscard (+ 1085)
folgte ihm sein Sohn Roger Borsa
als Herzog von Apulien, dessen Halbbruder Bohemund
I. (+ 1111) erhielt Tarent und begründete im Verlauf des
1. Kreuzzuges das Fürstentum Antiochia. Von den nunmehr drei Zweigen
der Familie war langfristig der Rogers I. der erfolgreichere.
Auf Bohemund I. folgten im Fürstentum
Antiochia dessen Sohn Bohemund II (+ 1131),
sodann dessen Tochter Konstanze und
ihr Sohn Bohemund III. (+ 1201).
Auf Herzog Roger Borsa (+ 1111) folgte
in Apulien sein noch minderjähriger Sohn Wilhelm
unter der Regentschaft der Mutter Ala.
Da Wilhelm (+ 1127) kinderlos blieb,
hatte er schon 1125 seinem Onkel, Graf Roger II.
von Sizilien, als Erben eingesetzt, den Sohn des Großgrafen
Roger I., dem zunächst sein Sohn
Simon (+ 1105) nachgefolgt war. Roger
II. gelang die Vereinigung aller normannischen Herrschaftsgebiete
Unteritaliens in seiner Hand. Durch den Gegen-Papst Anaklet II. erreichte
er 1130 seine Erhebung zum König von Sizilien, was Innozenz
II. notgedrungen 1139 bestätigte. Roger II.
(+ 1154) konnte sein Königtum gegen den Angriff Kaiser
LOTHARS III. behaupten, doch gingen ihm drei Söhne im Tod
voraus: Herzog Roger von Apulien (+ 1148),
Fürst Tankred von Tarent und Bari (+ ca. 1140)
und Fürst Alfons von Capua (+ 1144).
Nachfolger wurde somit der einzige Überlebende,
Wilhelm
I. (1154-1166). Rogers II. postum
geborene Tochter Konstanze heiratete
1186 den deutschen Thronfolger HEINRICH VI. und
belebte somit die kaiserlichen Ansprüche auf Unteritalien. Dagegen
erhob der sizilische Hofadel nach dem kinderlosen Tod König
Wilhelms II. (1166-1189) Graf Tankred
von Lecce (1190-1194), einen illegitimen Enkel Rogers
II. (Sohn Herzog Rogers von Apulien),
der sich nur mühsam gegen den festländischen Adel und einen ersten
staufischen Eroberungsversuch behaupten
konnte und bei seinem Tod das Königreich dem noch minderjährigen
Wilhelm
III. unter der Regentschaft der Königin-Witwe
Sibylle hinterließ; der Thronfolger Roger
III., verlobt mit der byzantinischen
Kaiser-Tochter Irene, der späteren Gemahlin PHILIPPS
VON SCHWABEN, war bereits 1193 verstorben. Mit dem Tod Wilhelms
III. nach der staufischen
Eroberung des Königreiches (1194) in deutscher Gefangenschaft erlosch
zu einem unbekannten Zeitpunkt die Familie der HAUTEVILLE
im Mannesstamm.