Weller Tobias: Seite 139,561-563,574,832
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"Die Heiratspolitik des deutschen Hochadels im 12. Jahrhundert."

Über die politischen Hintergründe der Heirat des staufischen Pfalzgrafen mit Margarete kann man nur spekulieren. Möglicherweise stand sie in Zusammenhang mit dem Ausgleich, den HEINRICH VI. zwischen seinem Bruder Otto und seinem consanguineus Odo III. ( 1218), dem Sohn des französischen Kronvasallen Herzog Hugo III. von Burgund ( 1192), vermittelte [712 Odos III. Mutter Alix stammte aus dem oberlothringischen Herzogshaus. Sie war eine Cousine HEINRICHS VI. und Pfalzgraf Ottos und wurde allem Anschein nach Mitte der 1160-er Jahre dem burgundischen Herzog Hugo III. in die Ehe gegeben. Vgl. zu dieser Verbindung unten Seite 561ff.].
Alix schließlich heiratete - wie ihre Geschwister Simon II. und Judith - in den burgundischen Raum. Sie wurde die Gemahlin des französischen Kronvasallen Herzog Hugos III. von Burgund (
1192), der 1162 seinem Vater Odo II. in der Herzogswürde nachgefolgt war. Die Verbindung wird mehrfach in der Chronik Alberichs von Troisfontaines erwähnt. Zudem wird Alix in einer um 1176/79 ausgestellten Urkunde der Herzogin-Witwe Bertha für Belchamp als Ducissa Burgundiae bezeichnet. Die Heirat ist augenscheinlich vor dem Hintergrund der Entzweiung Hugos mit seiner aus der Grafenfamilie von Champagne gebürtigen Mutter Maria ( 1190) zu sehen. Dieselbe hatte nach Odos Tod zumnächst die Regierung für ihren noch jugendlichen Sohn geführt [173 Das Geburtsjahr Hugos III. ist wohl um 1148 anzusetezn (vgl. Petit, Bourgogne 2, 135).]. 1164 jedoch wurde sie vom herzoglichen Hof ausgeschlossen und ihres Wittums enteignet, worauf sie sich an König Ludwig VII. wandte und bei ihm um Unterstützung im Kampf um ihre Rechte suchte. Die KAPETINGER wiederum waren eng mit dem Grafenhaus CHAMPAGNE verwandt. Offenbar war der König bereit, in der Angelegenheit seiner Schwägerin militärisch zu intervenieren. Darauf läßt jedenfalls ein Schreiben FRIEDRICH BARBAROSSAS, an den sich Hugo III. anlehnte, an Heinrich von Champagne schließen: Hierin bat BARBAROSSA den Grafen, er möge Ludwig VII. von dem geplanten Feldzug in das Land des Herzogs von Dijon, den er als seinen geschätzten und treu verbundenen Freund bezeichnete, abhalten; andernfalls werde er dem Herzog mit der ganzen Macht des Reiches zu Hilfe kommen. Zugleich deutete BARBAROSSA aber auch eine Kompromißlinie an und gab seiner Bereitschaft Ausdruck, wischen Hugo und seiner Mutter zu vermitteln. Im Laufe des Jahres 1165 kam es dann in der Tat zu einer Aussöhnung zwischen den beiden.
Die Heirat Hugos III. scheint zeitgleich parallel zu den hier geschilderten Ereignissen vereinbart worden zu sein. Vermutlich war sie ein Resultat der geglückten Mediatorentätigkeit BARBAROSSAS und ist womöglich sogar auf seine Initiative hin zustandegekommen, schließlich handelt es sich bei Alix von Lothringen um die Nichte des Kaisers. Nicht zuletzt als Inhaber der Grafschaft Burgund mußte FRIEDRICH BARBAROSSA ein lebhaftes Interesse an einvernehmlichen Beziehungen zu dem benachbarten Herzog von Burgund haben.
Die Eheverbindung Hugos III. mit Alix war jedoch nicht von Dauer. Um 1178 verstieß er seine Gemahlin und heiratete 1183 Beatrix von Albon, die Witwe des im gleichen Jahr verstorbenen Grafen Alberich Taillefer von St-Gilles, die ihm den Dauphine mit in die Ehe brachte. Bei Alberich von Troisfontaines findet sich denn auch die gallige Bemerkung, Trennung und erneute Heirat des Herzogs seien cupiditate magne terre geschehen [177 Alberich von Troisfontaines, Chron. zu 1184, MGH SS 23, 858. Der ursächliche Zusammenhang, den Alberich hier zwischen der Verstoßung der Alix und der Heirat mit Beatrix konstruiert, kann allerdings so nicht bestanden haben, wie Richard, Bourgogne 158f. mit Anmerkung 4, nachgewiesen hat. Wie aus einer Nachricht bei Wilhelm von Tyros hervorgeht (vgl. Chron., lib. 21, c. 25, CChCM 63, 996f.), war dem Burgunder-Herzog schon 1178 die Hand Sibylles, der Tochter König Amalrichs von Jerusalem (1163-1174) angeboten worden. Damals muß er seiner ehelichen Bande mit Alix also schon ledig angesehen worden sein. Hugo III. scheint das Heiratsprojekt mit der Jerusalemitaner Prinzessin vorübergehend erwogen zu haben, ließ derartige Pläne dann aber wieder fallen.]. Alix kehrte nach ihrer Verstoßung in die lothringische Heimat zurück; 1192 wird sie in einer Urkunde ihres Bruders Simon erwähnt, bevor sie wohl vor 1200 starb. Aus ihrer Ehe mit Hugo III. ging unter anderem Odo III. (
1218) hervor, der 1192 seinem Vater im Herzogtum folgte.
Auch die Ehe zwischen Alix, der Tochter Matthäus' I., mit Herzog Hugo III. von Burgund wird man eher dem Betreiben Kaiser FRIEDRICHS I., ihres Onkels, zuschreiben dürfen als dem Glanz der lothringischen Herzogsfamilie. Es kommt wohl nicht von ungefähr, daß Hugo keine Bedenken trug, seine Gemahlin zu verstoßen, als sich ihm eine einträglichere Verbindung bot, wobei in diesem Zusammenhang letztlich belanglos ist, ob das nicht realisierte Heiratsprojekt mit der Tochter König Amalrichs von Jerusalem oder die 1183 geschlosse Ehe mit Beatrix von Albon der Grund für die Trennung war.
Nach der Jahrhundertmitte heirateten nur noch zwei Mitglieder des Hauses CHATENOIS auf herzoglicher Ebene:
 Sowohl die Eheschließung der Alix mit dem französischen Kronvasallen Hugo III. von Burgund als auch die ihres Bruders Friedrichs des Älteren von Bitsch mit der polnischen Fürsten-Tochter Ludmilla wurden allem Anschein nach vom Kaiserhof vermittelt.