Fulcher von Chartres                      Chronist des 1. Kreuzzuges
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1059
1127

Sohn des N.N.

Lexikon des Mittelalters:
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Fulcher von Chartres, Chronist des 1. Kreuzzugs und der Frühzeit des Königreiches Jerusalem (Chronik, L.I)
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* 1059, 1127

Wohl an der berühmten Kathedralschule von Chartres zum Priester ausgebildet, nahm 1095 mit Bischof Ivo von Chartres am Konzil von Clermont teil und entschloß sich zur Kreuznahme. Seit 1097 Kaplan Balduins von Boulogne (seit 1100 König von Jerusalem) und - wahrscheinlich bis zu seinem Tode - Kanoniker der Grabeskirche, wurde er möglicherweise 1114 vom Patriarchen Arnulf mit der augustinischen Reform des Konvents betraut. Fulchers Nähe zum Königshaus und seine langjährige Verbundenheit mit dem Hl. Land machen seine in zwei Redaktionen überlieferte »Hist. Hierosolymitana« (drei historische Gedichte wurden ihm fälschlich zugeschrieben) zu einer erstrangigen Quelle. Fulcher zeigt sich als sorgfältiger, selbständig urteilender, insgesamt unparteiischer, den Ausgleich mit Byzanz und den orientalischen Christen suchender, realistischer Berichterstatter. Unter geistesgeschichtlichem Aspekt ist ein christlicher, durch die Ideen der Schule von Chartres geprägter Humanismus beachtenswert. Fulchers wachsender Glaube an ein berechtigtes Selbstbewußtsein des Menschen als des Mitgestalters der Geschichte im Verhältnis zu einem weniger als Herrscher denn als Freund empfundenen Gott fördert das Interesse an der Erforschung der Natur (Totes Meer, Nil) und ihrer Gesetzmäßigkeiten und stimmt zu einer Vorstellung von der Gesellschaft, die Leistung und Aufstiegschancen des einzelnen jenseits geburtsständischer Schranken akzentuiert, in dieser individualisierenden Sicht den Konflikt zw. 'regnum' und 'sacerdotium' entschärft und beide als gleichberechtigte Organismen innerhalb der Christianitas betrachtet. Die sprachliche Dimension seines Humanismus zeigt sich in guter Beherrschung der lateinischen Grammatik, breiter Kenntnis antiker Autoren und eingestreuten metrischen Partien. Die »Historien« wurde besonders im 12. Jh. ausgiebig benutzt und zum Teil heftig kritisiert (Guibert von Nogent, Wilhelm von Malmesbury), bis sie durch die Chronik Wilhelms von Tyrus als »Standardwerk« abgelöst wurde.

V. Epp