FOREZ
Lexikon des Mittelalters:
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Forez
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französische Grafschaf. im Massif central, westlich von Lyon,
entspricht teilweise dem heut. dép. Loire.
Das Forez, benannt nach der römischen Villa Forum Segusianorum
(Feurs), entstand durch die Aufgliederung der alten
Großgrafschaft von Lyon. Auf dem Hintergrund der herrschaftlichen
Zersplitterung des 10. Jh. gelang es einer mächtigen Familie des pagus forensis, den ARTAUD (ARTALDEN), den Grafentitel zu
usurpieren (um 970). Die ARTAUD
konkurrierten territorialpolitisch mit dem Erzbischof von Lyon, wobei
sich im Zeitalter des Investiturstreites der Erzbischof an den Kaiser
anlehnte, während der Graf seine Position durch Errichtung von
Burgen (Montbrison) und die Bindung an den König von Frankreich
(Lehnseid 1167) konsolidierte. Ein 1173 geschlossener Vertrag teilte
endgültig die Grafschaft Lyon; die Grafengewalt wurde dabei
territorial auf die Loireebene um Montbrison fixiert. Ein neuer
Konkurrent erwuchs den Grafen von Forez in den Herren von Beaujeu
(Konflikte: 1189-1222; Beaujolais). Die Grafschaft Forez wurde 1230
endgültig konstituiert. Die Machtstellung der Grafen beruhte
wesentlich auf Einkünften, höher als diejenigen ihrer
Vasallen, auf einem Netz von gräflichen Kastellaneien und auf der
Kontrolle über die Burgen der kleineren Adligen.
Die Grafen (zu nennen insbesondere:
Gui II., 1202-41; Jean I.,
1278-1333) beteiligten sich aktiv an den Kreuzzügen und spielten
am Hof der KAPETINGER
eine wachsende Rolle. In ihrer Grafschaft errichteten sie ein immer
stärker ausgebautes Fiskal- und Ämterwesen, zumeist in
Nachahmung des
kapetingischen Vorbildes (zum Beispiel Chambre des Comptes,
1317). Bei den Burgen entwickelten sich kleine Städte, die mit
Privilegien (Chartes de franchises) ausgestatttet wurden.
Im Hundertjährigen Krieg war das Forez zweimal den Beutezügen
von Söldnern ausgesetzt (1357-91, 1435-45). Im 14. Jh. wurde die
Grafschaft der Ländermasse des Hauses
BOURBON einverleibt;
diese Entwicklung wird markiert durch Heiratsverbindungen (Gui VII. oo Jeanne von Bourbon, 1318; Anne Dauphine oo Louis II. von Bourbon, 1368) und
Erbverträge (1368-1402), wobei sich auch das Königtum
einschaltete.
Die Herzöge von Bourbon nutzten die vorhandene administrative
Struktur, um das Forez dem Zugriff der königlichen Gewalt soweit
als möglich zu entziehen und zugleich die Zentralisierung
voranzutreiben; seit 1373 unterstand das Forez direkt dem Parlement,
ohne die Zwischeninstanz eines königlichen Bailli; die Chambre des
Comptes des Florez war dem bourbonischen
Rechnungshof zu Moulins unterstellt.
Im Laufe des 15. Jh. eingetretene Wandlungen in der Ausrichtung des
Handelsverkehrs führten zum Aufstieg der Städte Roanne und
St-Étienne auf Kosten des alten Zentrums Montbrison.
G. Fournier