FORCALQUIER


Lexikon des Mittelalters:
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Forcalquier
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Grafschaft, Grafenfamilie in Süd-Frankreich.

Im Gebiet zwischen dem Comtat Venaissin, das den Grafen von Toulouse, zugleich Markgrafen von Provence, unterstand, und der Grafschaft Provence, die, begrenzt durch Alpen, Durance und Rhône, zu den Besitzungen des Hauses BARCELONA gehörte, stieg im Laufe des 12. Jh. eine aus dem Pyrenäenraum stammende Grafenfamilie auf, die von den Alpengipfeln der Region um Embrun bis in das voralpine Hügelland des Lubéron ein Territorium aufbaute, dessen Zusammensetzung auf den ersten Blick zufällig und disparat wirkt. In ihrer größten Ausdehnung umfaßte die Grafschaft Forcalquier ganz oder teilweise die Diözese Embrun, Gap, Sisteron und Apt und erreichte im Norden den Grenzsaum des Briançonnais, wobei sie Champsaur und Gapençais einschloß, während sie im Süden bis zum rechten Ufer der Durance reichte; das Durancetal, einer der Hauptverkehrswege der südlichen Alpen, bildete die wichtigste Verbindungslinie der gräflichen Besitzungen.
Die Vorstellung von einer Grafschaft Forcalquier tritt nicht vor den ersten Jahren des 12. Jh. auf. In einer Urkunde vom Januar 1111 tritt erstmals der Titel einer 'Gräfin von Forcalquier' auf; er wird geführt von Alix, Tochter des Wilhelm Bertrand, Grafen von Provence, und Witwe des Ermengol, Grafen von Urgel, den Alix 1076/80 geheiratet hatte. Alix gab nach Oktober 1129 ihren Titel 'Gräfin von Avignon' durchgängig zugunsten einer Benennung nach Forcalquier auf. Nach ihrem Tod († 1144/51) führten ihre beiden Enkel Guigo und Bertrand den Grafentitel von Forcalquier. Ein kaiserliches Mandat vom 21. Dezember 1174 zugunsten Wilhelms II., Grafen von Forcalquier, bestätigt das selbständige Hervortreten der Grafschaft. Dennoch mußte Graf Wilhelm II. - nach langem Widerstand - im September 1178 dem Grafen von Provence und König von Aragón, Alfons II., den Vasalleneid leisten. Wilhelms II. Tod am 7. Oktober 1209 markiert auch das eigtliche Ende der Grafschaft. Aus Wilhelms II. Ehe mit Margarete von Bourbon ging nur eine Tochter hervor, Garsende, die Raynier de Sabran, ein Mitglied dieser bedeutenden Adelsfamilie aus der Diözese Uzès, heiratete, ihrerseits aber wieder nur Töchter hatte:
Garsende II. (oo Alfons II., Graf von Provence) und Béatrix de Claustral (oo André, Dauphin des Viennois). Das Ende der Grafschaft Forcalquier sollte die Beziehungen zwischen dem Dauphiné und der Grafschaft Provence tiefgreifend beeinflussen.
Über die innere Entwicklung der Grafschaft ist wegen Quellenarmut wenig bekannt. Der Ort Forcalquier, der wohl wegen seiner starken Burg zum Vorort der Grafschaft wurde, war ein wichtiges geistliches Zentrum (Kapitel St-Mary und drei weitere Pfarrkirchen). 1149 übertrug Graf Guigo seine Sommerresidenz, Manosque, an die Johanniter. Schließlich verlieh 1177 Graf Wilhelm II. den Bürgern von Embrun, das er in pariage gemeinsam mit dem Erzbischof innehatte, in Abstimmung mit diesem das erste städtische Privileg.

V. Chomel