Sohn des Seigneur Gottfried von Gie, Herr von Chatillon-sur-Loing
Lexikon des Mittelalters: Band VII Spalte 416
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Rainald von Chatillon, Fürst von Antiochia, Herr
von Transjordanien aus dem Hause DONZY
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* , + 7. Juli 1187
Chatillon-sur-Loing
Jüngerer Sohn von Herve II., Herrn von Donzy (Nievre)
Rainald kam 1147 in
das Königreich Jerusalem, diente zunächst Balduin
III. und danach Konstanze von Antiochia, die er 1153
heiratete. Er fiel 1156 gemeinsam mit
Thoros II.
von Kilikien in das reiche byzantinische Zypern ein. 1158 konnte
er mit Unterstützung Balduins III.
und Dietrichs von Elsaß, des Grafen von Flandern, die von den Muslimen
eroberte Festung Harenc zurückgewinnen, sah sich aber angesichts eines
byzantinischen Vergeltungsfeldzuges für seinen Angriff auf Zypern
bald in die Vasallität des byzantinischen Kaisers gedrängt (1159).
Von 1160 an verbrachte er 16 Jahre lang in muslimischer Gefangenschaft
des Statthalters von Aleppo. 1176 freigelassen, ging er nach Jerusalem,
da seine Gemahlin (+ 1163) das Fürstentum dem Sohn aus ihrer 1. Ehe,
Bohemund
III., vererbt hatte. 1177 heiratet Rainald
von Chatillon die Witwe des Herrn von Transjordanien, Stephania.
Als Seigneur dieses Lehnsfürstentums des Königreiches Jerusalem
kontrollierte
Rainald
(über die
Festungen Kerak und Montreal) wichtige muslimische Handels- und Pilgerwege.
Als er 1182 unter Bruch des Wafenstillstandes von 1180 eine muslimische
Karawane überfiel und die von Saladin
geforderte Wiedergutmachung verweigerte, kam es erneut zum offenen Krieg,
den Rainald
im Roten Meer mit 5 schnellen
Galeeren führte.1186 war
Rainald von Chatillon
an der Absicherung der Krönung von Sibylle,
der Schwester
Balduins IV. von Jerusalem,
und ihres Mannes Guido von Lusignan
beteiligt.
Rainalds hinterhältiger
Überfall auf eine große muslimische Karawane an der Route von
Damaskus nach Ägypten lieferte Anfang 1187 Saladin
den willkommenen Casus belli. Der Krieg führte rasch zur vernichtenden
fränkischen Niederlage bei Hattin (4. Juli 1187). Der gefangene Rainald
von Chatillon wurde Saladin vorgeführt,
der ihn, als Rainald den geforderten
Übertritt zum Islam verweigerte, mit eigener Hand enthauptete.
Saladin
sah sich nach eigenem Briefzeugnis bei diesem Tötungsakt als Diener
Gottes, der ein Gelübde erfüllte. Im Abendland wurde Rainald
als exemplarischer christlicher Ritter und Märtyrer gewürdigt,
so vor allem bei Petrus von Blois ("Passio reginaldi" 1187).
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Andreas Thiele: Tafel 173
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"Erzählende genealogische Stammtafeln"
Rainald von Chatillon war
Herr zu Kerak, von Montroyal und Graf von Moab (Gebiet östlich des
Toten Meeres)und galt als einer der übelsten und hemmungslosesten
Fehdehähne der Kreuzzugszeit. Er wurde 1152-1163 auch Fürst von
Antiochia und mußte 1158 nach Kriegen auch die byzantinische Lehenshoheit
anerkennen. Er führte ständig brutale Plünderungsfeldzüge
durch und kaperte auch im Roten Meer und im östlichen Mittelmeer.
Er machte etliche Schlachten mit, wie 1153 die Schlacht bei Askalon, das
damit gewonnen wurde und die 1177 bei Ramla. Er setzte zeitweise Saladins
Schwester gefangen und geriet selbst 1161-1176 in islamische Gefangenschaft.
Rainald
brach jeden Waffenstillstand sofort wieder, wurde 1187 in der Schlacht
bei Hittin gefangengenommen und von Saladin
hingerichtet.
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Rainald war ein tapferer,
aber charakterloser französischer Ritter, welcher 1152 durch seine
Vermählung mit der Fürstin Konstanze I. Fürst von
Antiochia wurde. Er machte 1159 einen Raubzug nach der Insel Zypern, wurde
aber vom byzantinischen Kaiser Manuel I.
zum Abzug gezwungen. Im Jahre 1160 geriet er in die Gefangenschaft der
Seldschuken und machte nach seiner Freilassung nach 16-jähriger Gefangenschaft
verwegene Streifzüge bis nach Ägypten und Arabien, schlug einen
Angriff Saladins auf die Burg Kerak
(Petra) 1183 ab, fiel aber in der Schlacht bei Hittin am 5.7.1187
in die Gefangenschaft Saladins
und
wurde von diesem, der ihm den Tod geschworen hatte, mit eigener Hand niedergestoßen.
Hans Eberhard Mayer: Seite 104-107,117-119,122-124
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"Geschichte der Kreuzzüge"
Während der Belagerung von Askalon hatte sich Konstanze
von Antiochia ganz überraschend zu einer neuen Ehe entschlossen,
wählte aber keinen der politisch irgendwie erwägenswerten Kandidaten,
sondern Rainald von Chatillon, einen
hübschen und tollkühnen Krieger, der aber von zügellosem
Temperament, mittellos, ohne Anhang und politischen Weitblick war. Bis
zu seinem Ende blieb er ein draufgängerischer Abenteurer, der die
Tragweite und Folgen seiner Handlungen nie zu ermessen und abzuschätzen
vermochte. Balduin III. war schlecht
beraten, als er dieser Verbindung zustimmte, denn Rainald
offenbarte
sofort brutale Charakterzüge, als er nach seiner Hochzeit den Patriarchen
von Antiochia verhaften ließ und ihn mit honigbestrichenem Kopf der
syrischen Sonne und den Fliegen aussetzte. Auf energische Vorstellungen
Balduins
III. mußte Rainalds
allerdings
zurückstecken.
Rainald von Antiochia benutzte
die durch die Krankheit Nur d-Dins entstandene
Pause, um mit Unterstützung Balduins III.
und
des gerade anwesenden Grafen Dietrich von Flandern den Sarazenen die Festung
Harim zu entreißen (Februar 1158), die Antiochia am Orontes nach
Osten hin abschirmte.
Der Fürst von Antiochia versäumte nichts, um
sich unbeliebt zu machen. Vor allem hatte er den byzantinischen Kaiser
und auch König Balduin durch eine
zusammen mit dem armenischen Fürsten Toros
unternommene Expedition gegen die reiche byzantinische Insel Zypern ergrimmt
(1156), wo die Antiochener drei Wochen lang eine einzige Orgie der Verwüstung,
des Mordes und des Raubes inszenierten. Hier zeigte sich erstmals, dass
in Rainald
die ritterliche Beutegier
über jede vernünftige Erwägung dominierte. Sein Verhalten
veranlaßte den König von Jerusalem ein Jahr später zu einer
engeren Anlehnung an Byzanz. Im Herbst 1158 brach Kaiser
Manuel mit seinem Heer auf. Rainald
wartete die Ankunft des ihm weit überlegenen Byzantiners gar nicht
erst ab, sondern zog ihm gnadesuchend nach Mamistra in Kleinarmenien entgegen,
warf sich barfuß und barhäuptig dem Kaiser zu Füßen
und versprach, die Zitadelle von Antiochia zu übergeben und einen
griechischen Patriarchen einzusetzen. Im Jahre 1161 geriet Rainald
von Antiochia in die Gefangenschaft des Gouverneurs von Aleppo,
wo er 16 Jahre lang bleiben mußte. Niemand bemühte sich um eine
Auslösung.
Rainald wurde einer
der Führer der anderen Partei, in der stärker auf Abenteuer und
Besitzerwerb bedachte Neuankömmlinge dominierten. Er war 1176 endlich
aus der Gefangenschaft entlassen worden, konnte aber nicht mehr nach Antiochia
zurück, sondern erlangte durch eine geschickte Heirat die mächtige
Herrschaft Oultrejourdain mit der starken Festung Kerak als Mittelpunkt.
Dazu gelang ihm die Ausgliederung Hebrons aus der Krondomäne, als
dessen erster Seigneur er 1177 erscheint. Dies verletzte die ungeschriebene
Regel, dass ein Herr von Oultrejourdain keine anderen Seigneurien besitzen
durfte und brüskierte daher um so mehr Humfred II. von Toron, der
1148 und 1149 mit der Übernahme der königlichen Kastellanie in
Hebron die Voraussetzungen dafür geschaffen hatte, dass Hebron an
ihn fallen werde, wenn es überhaupt zur Seigneurie erhoben werden
sollte.
Rainald war 1180
der Hauptarrangeur der Verlobung seines Stiefsohnes Humfred IV. von Toron
mit der Prinzessin Isabella von
Jerusalem, Tochter des Königs
Amalrich I. Nach der Thronbesteigung von Sibylle
und Guido von Lusignan scheint Rainald
von Chatillon weniger zufrieden gewesen sein. Im Frühjahr
1187 lieferte er dem Sultan Saladin
den gewünschten Kriegsgrund, als er während des noch laufenden
Waffenstillstandes eine sarazenische Karawane überfiel, die von Damaskus
nach Ägypten wollte. Er hatte Saladin
durch ähnlich unüberlegte Handlungen schon früher ergrimmt,
als er ohne Rücksicht auf Frieden oder Krieg Pilgerzüge nach
Mekka angriff und die Küste des Roten Meerews in einem aufsehenerregenden
Beutezug plünderte. Saladin konnte
die ständige Gefährdung des Hauptverbindungsweges zwischen Ägypten
und Syrien in Transjordanien auf die Dauer nicht hinnehmn und erklärte
den Krieg, als Rainald jede Wiedergutmachung
verweigerte. Das Königtum war zu schwach, um den Herrn von Oultrejourdain
Vernunft aufzuzwingen. Dass Rainald
die Bitte des Königs abschlug, war nicht ganz ohne Vorbild, aber es
war eine beispiellose Negierung der Krone, als er antworten ließ,
er habe in Transjordanien keinen Waffenstillstand mit den Sarazenen und
sei dort ebenso Herr des Landes wie der König bei sich. Es lief ja
de facto auf eine Unabhängigkeitserklärung hinaus. Er wurde in
der Schlacht bei Hattin gefangengenommen und von Sultan
Saladin eigenhändig geköpft.
1152
1. oo 2. Konstanze I. von Antiochia, Tochter Bohemunds
II.
1128- 1163/67
1177
2. oo 3. Stephanie von Milly, Erbtochter des Philipp
-
Erbin
von Oultrejourdain
Kinder:
1. Ehe
Agnes (Anna)
1154- 1184
1172
oo 2. Bela III. König von Ungarn
um 1148-23.4.1196
Alix von Chatillon
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1235 nach 11.10.
22.4.1204
oo Azzo VI. Markgraf d'Este
-18.11.1212
Literatur:
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Browning Robert: Byzanz. Roms goldene Töchter.
Die Geschichte des Byzantinischen Weltreiches. Gustav Lübbe Verlag
GmbH Bergisch Gladbach 1982 Seite 129 - Jones Terry/Ereira
Alan: Die Kreuzzüge. Bechtermünz Verlag 2000 Seite 150,154,158
- Kugler Bernd: Geschichte der Kreuzzüge. Reprint-Verlag-Leipzig
1880 - Lehmann Johannes: Die Kreuzfahrer. Abenteurer Gottes. Gondrom
Verlag Bindlach 1991 Seite 238,259,267,271,278 - Norwich John Julius:
Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf
und München 1993 Band III Seite 143, 148,153 - Payne Robert:
Die Kreuuzüge. Zweihundert Jahre Kampf um das Heilige Grab. Albatros
Verlag Düsseldorf 2001 Seite 168,174,176,195 - Runciman, Steven:
Geschichte der Kreuzzüge, Sonderausgabe in 1 Band Verlag H.C. Beck
München 1978, Seite 650-759 - Zöllner Walter: Geschichte
der Kreuzzüge. VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften Berlin 1977
Seite 112,114-117,244 -
Thiele