Begraben: Abtei Pontigny
Sohn des Herrn Herve III. von Donzy und der Erbtochter
von Le Perche-Gouet
Lexikon des Mittelalters: Band IV Spalte 2185
********************
Herve IV. von Donzy, Herr von St-Aignan, Graf von Nevers
--------------------------
* wohl 1170/75, + 21. Januar 1222
St-Aignan (Berry)
Bedeutender französischer Adliger der Zeit Philipps II. August
Begraben: Abtei Pontigny
Herve IV. entstammte
der Familie der Herren von Donzy, die aufgrund ihrer weitverstreuten
Besitzungen vielfältige Lehensbeziehungen mit oft widersprüchlichen
Loyalitätsverpflichtungen unterhielt. – Herve
IV. geriet um den Besitz der Herrschaft Gien in Konflikt
mit dem Grafen von Nevers, Peter II. von Courtenay
(dem späteren Kaiser von Konstantinopel), den er 1199 besiegte und
gefangennahm. König Philipp II. August schaltete
sich in diesen Streit ein in dem Bestreben, die zum Teil noch an das konkurrierende
königliche Haus PLANTAGENET gebundenen
Donzy auf die kapetingische Seite zu
ziehen. Der König vermittelte die Freilassung Peters,
nötigte ihn aber zugleich, Herve IV.seine
Erbtochter Mahaut zur Frau zu geben;
dieser leistete dem französischen König den ligischen Lehsneid
und willigte in die Abtretung Giens an die Krone ein.
Nunmehr konnte Philipp II. Herve
IV. für seinen vom Papst unterstützten Krieg gegen
König
Johann von England einsetzen: Einnahme von Chateau-Gillard,
Eroberung der Normandie (1203-1204). Auch an den folgenden französischen
Feldzügen in Touraine und Poitou nahm Herve
IV. von Donzy aktiv teil. Obwohl von Papst Innocenz III. als
Ketzer- und Judenfreund gerügt, zog Herve
IV. in den Kreuzzug gegen die Albigenser (Kreuznahme: 1. Mai
1209), lehnte aber ein Amt in der Verwaltung der neueroberten südfranzösischen
Gebiete ab.
Die folgenden Jahre waren unter anderem geprägt
durch Konflikte
Herves IV.
mit Abteien seiner Region (Cluny, Vezalay), gegen die er zum Teil
gemeinsam mit seinem Bruder Gottfried, dem Prior von La Charite,
gewaltsam vorging. Von kirchlicher Seite wurde
Herve IV.
vorgeworfen, in kanonisch unrechtmäßiger Ehe mit Mahaut
zu leben. Diese Streitigkeiten führten zu Interventionen des Königs
und des Papstes.
In der politischen Kriese von 1214 fiel Herve
IV. zu König
Johann von England ab. Nach dem Sieg bei Bouvines zog Philipp
II. mehrere Besitzungen Herves IV.,
die an die angevinischen Gebiete grenzten,
ein und war zugleich bemüht, dessen reiches Erbe dem kapetingischen
Königshaus zu sichern. Daher mußteHerve
IV.sich bereitfinden, seine Erbtochter Agnes mit Philipp,
dem Enkel des Königs, zu vermählen (8. September 1217). Als dieser
Plan wegen des frühen Todes des Prinzen (1218) scheiterte, nahm der
König dem Herve IV. von Donzydas
ausdrückliche Versprechen ab, seine Tochter nur mit königlicher
Zustimmung wiederzuverheiraten.
1218 nahm Herve IV. von Donzyerneut
das Kreuz, kämpfte vor Damiette, verließ aber auf die Nachricht
vom Tode seines Schwiegervaters, Kaiser Peters
von Konstantinopel, im August 1219 abrupt das Kreuzfahrerheer,
um dessen französische Territorien in Besitz zu nehmen, was zum Teil
nur unter Schwierigkeiten gelang (Widerstand des Bischofs von Auxerre).
Herve
IV. fiel 1222 Gerüchten zufolge einem Giftmord
zum Opfer. Seine Gemahlin Mahaut (+ 1257)
heiratete in 2. Ehe 1226 den Grafen Gui von Forez, die Tochter Agnes
(wohl 1221) Gui von Chatillon, Graf von St-Pol; die Ehe blieb kinderlos.
1218
Etwa um die gleiche Zeit verhandelten zwei französische
Edelleute, Graf Herve von Nevers und Hugo von Lusignan, Graf von
La Marche, mit den Genuesen wegen Schiffen, die eine Gruppe französischer
und englischer Kreuzfahrer nasch dem Osten bringen sollte. Obwohl der Graf
von Nevers ein sattsam bekannter schlechter Sohn der Kirche war, gestattete
der Papst, die Beförderung mittels einer Sondersteuer zu finanzieren,
die den Geistlichen Frankreichs auferlegt wurde und ein Zwanzigstel ihrer
Einkünfte ausmachte. Den beiden Grafen schlossen sich in Genua der
Erzbischof Wilhelm II. von Bordeaux, die Bischöfe von Paris, Laon
und Angers und andere geringere Kirchenfürsten an.
Pernoud Regine: Seite 89
*************
"Herrscherin in bewegter Zeit. Blanca von Kastilien,
Königin von Frakreich."
Nachdem Ludwig alle
Vorbereitungen getroffen hatte, bestimmte er, daß die Schiffe am
Freitag, dem 20. Mai 1216, um neun Uhr abends auslaufen sollten. Aber in
der Nacht wurde das Wetter wieder schlecht. Einige mußten umkehren,
unter ihnen Enguerrand von Coucy und Herve de Donzy, Graf von
Nevers, der übrigens während des ganzen Feldzuges eine recht
zwielichtige Rolle spielen würde - er war eine Zeitlang Johann
Ohnelands Bundesgenosse gewesen, und es hieß, daß
seine Tochter Agnes mit dem Sohn des Königs vermählt werden
sollte.
1199
oo 1. Mahaut von Courtenay, Tochter des Kaisers
Peter
1190- 1257
1226
2. oo Guido IV. d‘Albon Graf
von Forez
- 1241
Kinder:
Agnes
um 1205- 1225
1221
oo Gui von Chatillon, Graf von St-Pol
um 1200-
1226
Literatur:
-----------
Pernoud Regine: Herrscherin in bewegter Zeit.
Blanca von Kastilien, Königin von Frakreich. Diederichs Verlag München
1991 Seite 89 - Runciman, Steven: Geschichte der Kreuzzüge,
Sonderausgabe in 1 Band Verlag H.C. Beck München 1978 Seite 931 -