BEAUNE
Lexikon des Mittelalters:
********************
Beaune (Belna, manchmal Berna)
------------------------------------------
Stadt in Burgund (Dép. Côte-d'Or), erscheint erstmals als
in spätrömischer Zeit errichtetes castrum mit noch
älteren Siedlungsresten. Ein pagus Belnensis, Teil der civitas
Eduensium, wird im 6. Jh. erwähnt. Die Grafschaft fiel im
9. Jh. an Warin und seine
Nachfolger, darauf an Manasses
und Giselbert von Vergy. Die Tochter Giselberts, Liutgard (Liégard), brachte sie in ihre
Ehe mit Otto,
Herzog von Burgund, ein. Der
Widerstand von seiten Rudolfs,
Grafen von. Dijon, der Liutgard entführte und sich 958
Beaunes bemächtigte, war letztlich erfolglos. Die Stadt blieb im
Besitz der Herzöge von Burgund. Ein illegitimer Sohn Herzog Heinrichs I., Odo, wurde vicecomes von Beaune; die
Reihe seiner Nachkommen, von denen einer Cîteaux gründete,
reicht bis ins 12. Jh. Die Pfarrkirche des castrum,
St-Baudèle, wurde am Anfang des 12. Jh. der neuen
Kollegiatkirche Notre-Dame, einer herzoglichen Gründung (Kirche
vor 1162 errichtet) inkorporiert. Ein benediktinische Priorat,
St-Étienne, wurde 1006 neuerrichtet und St-Bénigne de
Dijon unterstellt. Diese Abtei vermochte sich auch das Priorat
St-Martin de l'Aigue unterzuordnen, das ursprünglich von Wilhelm von Volpiano dem Kloster
Fruttuaria übergeben worden war. Templer, Hospitaliter,
Franziskaner und Dominikaner besaßen in Beaune ihre
Niederlassungen; 1443 stiftete der burgundische
Kanzler Nicolas Rolin ein großartig ausgestattetes Spital
(Hôtel-Dieu).
Die Stadt, 1190 mit einer neuen Befestigung umgeben, erhielt 1203 ein
kommunales Privileg. Ihre wirtschaftliche Blüte beruhte auf dem
Tuchgewerbe, dem Vieh- und Weinhandel. Die Herzöge von Burgund
errichteten hier ihr Parlament. Nach der Besetzung Burgunds erhob sich
die Stadt 1478 gegen Ludwig XI., König von Frankreich, der ihr
das Parlament entzog und eine Festung zur Überwachung der Stadt
errichten ließ.
J. Richard