Ältester Sohn des Königs
Hugo IV. von Zypern aus seiner 2. Ehe mit der Alice
von Ibelin, Tochter von Seneschall Guido
Lexikon des Mittelalters: Band VI Spalte 1932
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Peter I., König von Zypern aus dem Hause LUSIGNAN
1358-1369
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* um 1328, + 18. Januar 1369
Sohn von Hugo IV. und Alix von Ibelin
1. oo Echive von Montfort
2. oo Eleonore von Aragon
1347 Graf von Tripolis; wegen des Versuchs, in
den Westen zu entweichen, vom Vater gefangengehalten (1349), dann aber
als Thronerbe gegenüber dem Sohn seines älteren Bruders
Guido (+ 1343) bevorzugt, was zu einem
langen Prozeß führte. Am 14. November 1358 zum König
von Zypern gekrönt, erhielt er 1360 auch die Krone von Jerusalem,
1368 die Krone von Armenien. Seine Operationen gegen die Türken
im südlichen Anatolien brachten ihn in Konflikt mit dem Mamluken-Sultan
von Ägypten. Peter I. reiste in
den Westen, um Unterstützung zu suchen, und wurde von den Königen
von Frankreich und England, die einen Kreuzzug planten, freundlich empfangen.
An der Spitze der Kreuzfahrer bemächtigte er sich Alexandrias (September
1365), das er aber bald wieder räumen mußte. Seine Bemühungen
um ein Abkommen mit dem Sultan scheiterten; eine zweite Reise ins Abendland
blieb ergebnislos. Der König, der neue Steuern ausschreiben mußte
und griechischen Bürgern gegen Geld Abgabenbefreiungen gewährte,
entfremdete sich durch sein autoritäres Auftreten seinen Baronen,
die ihn schließlich ermordeten.
PETER I.
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+ 1369 ermordet
Peter I. wurde durch die Vorsorge des Vaters gut erzogen und war wissenschaftlich gebildet. Er war kraftvoll, kriegerisch, impulsiv-leidenschaftlich und auch ein Meister der Verstellung. Er geriet wegen seiner Liebschaft mit einer königlichen Zofe schroff gegen den Vater, der auf eine neue, standesgemäße Ehe drängte. Peter geriet wegen dieser Zofe, die auch sein Bruder Johann liebte, schroff gegen diesen, was zur Todfeindschaft wurde. Er wurde vom Vater zusammen mit Johann zeitweise inhaftiert, da er versucht hatte, der vom Vater nach Italien fortgeschickten Zofe nachzureisen. Peter war 1357/58 Regent für den durch Europa reisenden Vater, folgte ihm 1359 als König von Zypern-Jerusalem und überging dabei die Erbrechte seines Neffen Hugo de Lusignan. Er war vorher Titular-Graf von Tripolis, wurde 1368 König von Armenien-Kilikien und gewann damit wichtige Handelsbeziehungen nach O-Asien. Er geriet damit aber auch verstärkt in die Zange zwischen Ägypten und dem Osmanischen Reich, verlor einen Großteil von Armenien an Ägypten und begründete als ungeschickter Herrscher den beginnenden Niedergang von Dynastie und Königtum. Zypern wurde mehr und mehr nur Spielball der Interessen von Ägypten, Venedig und Genua, die Städte - besonders Famagusta - wurden selbständiger. Peter I. erzeugte mit seinem brutalen Sinn, seiner Wollust und Rachsucht eine Atmosphäre der Verunsicherung und latenter Spannung und wurde letztlich das Opfer einer Verschwörung des Bruders, des Schwagers und dessen Schwagers.
1342
oo Eschiva de Montfort, Tochter des Connetable
von Cypern, Honfroy II. von Toron und Tyrus
+ vor 1353 Cousine
1353
oo Eleonore von Aragon, Tochter des Grafen Peter
von Ribagorza und der Johanna von Foix
+ 1416/17
1368-1379 Mitregentin von Cypern
Unter Peter I. erlebte die Herrschaft der LUSIGNANS ihren Höhepunkt. Der König unternahm erfolgreiche Eroberungszüge nach Kilikien und wurde 1368 zum König des von den Mamluken hart bedrängten Klein-Armenien gewählt, allerdings ohne die Regierung anzutreten. Neben seinen armenischen Abenteuern betrieb Peter I. aber vor allem noch einmal einen wirklichen Kreuzzug zur Wiedereroberung des Heiligen Landes, tatkräftig unterstützt von seinem auch literarisch bedeutsamen Kanzler Philipp von Mezieres. In jahrelangen Reisen durch Europa bereitete er den Feldzug vor, und mit der Eroberung Alexandriens (1365) ließ sich das Unternehmen gut an, mußte aber sofort abgebrochen werden, weil die Beute unermeßlich war, dass das Heer nicht mehr an Krieg dachte, sondern nur noch daran, wie der Raub in Sicherheit gebracht werden könne. Peter I. wurde 1369 das Opfer einer allgemeinen Adelsrevolte, nicht wie man bis vor kurzem annahm, wegen Ehehändeln und Hofintrigen, sondern weil sich die Barone entschlossen gegen seine etwas absolutistischen Tendenzen wehrten. Er hatte nichtadelige Bourgeois in Kronämter einrücken lassen, hielt sich ausländische Söldner, die das Waffenprivileg der Barone zu unterhöhlen drohten, behielt Steuern bei, die ihrer Natur nach zeitlich befristet waren, und löste die Revolution schließlich aus, als er Vasallen ohne den Spruch der Haute Cour einkerkerte. Die Revolution von 1369 hatte zur Folge, dass das Recht von Jerusalem jetzt offiziell auch zum zypriotischen gemacht wurde.
Großer Bildatlas der Kreuzzüge: Seite
142
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Manchmal wird Peter als
begeisterter Kreuzfahrer vom alten Schlag bezeichnet, der von der Wiedererrichtung
der christlichen Herrschaft über Jerusalem träumte. Zutreffender
ist wohl, dass ihm vorrangig an der Sicherheit der Insel Zypern und der
Wahrung ihrer Stellung im Ost-West-Handel gelegen war. Während seiner
Regierungszeit erreichte die Königsherrschaft des Hauses
LUSIGNAN über Zypern ihren Höhepunkt an Macht und
Wohlstand, so dass Zypern zum Zentrum der Angriffe gegen die Muslime wurde.
Zuerst konzentrierte sich Peter
auf die Kriegsführung gegen die türkischen Emirate im südlichen
Kleinasien, die ihre Schiffe zum Angriff auf sein Königreich und zum
Raub an christlichen Kaufleuten aussandten. Im Jahr 1360 wurde ihm von
der armenischen Bevölkerung die Herrschaft über Corycus übertragen.
Im nächsten Jahr nahm er den wichtigsten Hafen Adalia ein. In den
Jahren 1362 und 1363 folgte eine Reihe kleinerer Einfälle in türkische
Küstenstädte.
Da die Ressourcen Zyperns für größere
Unternehmungen nicht ausreichten, brach der König in den Westen auf,
um für Unterstützung zu werben. Der Papst gab seinem Unternehmen
den Status eines Kreuzzuges. Peter
durchreiste bei seiner Suche nach Männern und Geld Frankreich, England,
die Niederlande, Deutschland, Böhmen und Polen. Die von ihm angeworbenen
Truppen segelten 1365 von Venedig ab und trafen sich mit den Zyprioten
auf Rhodos. Im Oktober nahmen sie mit Alexandria die wichtigste Hafenstadt
Ägyptens ein und plünderten sie. Da sie Alexandria nicht halten
konnten, zogen sie sich, beladen mit geraubten Güter, fünf Tage
später nach Zypern zurück.
Nun herrschte Krieg zwischen Zypern und dem Mamluken-Sultanat
von Ägypten. In den nächsten fünf Jahren lösten Friedensverhandlungen
und erneute Flottenangriffe einander ab. Ein Hauptfeldzug im Januar 1367
scheiterte wegen schlechten Wetters. Ein türkischer Angriff auf Corycus,
der gleichzeitig mit einer Meuterei in Adalia erfolgte, spaltete die Aufmerksamkeit
des Königs, der noch im Spätherbst 1367 die Gelegenheit zu Einfällen
in Nordsyrien und Kilikien im Jahr 1368 in Palästina fand. Peter
wurde
zu Beginn des Jahres 1369 während einer Palastrevolution
ermordet.
Pernoud Regine: Seite 228-250
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"Frauen zur Zeit der Kreuzzüge"
Peter I. wurde am
24. November 1358 in der Sophienkathedrale in Nikosia gekrönt. Im
April 1360 erhielt er in der Kathedrale von Famagusta den ebenso glorreichen
wie fiktiven Titel "König von Jerusalem". Gleichzeitig ließ
er seine Gemahlin krönen, "ein schönes Mädchen aus Katalonien
mit Namen Eleonore" schreibt ein Chronist.
Sie war eine Enkelin Jakobs II. von Aragon.
Diese beiden an Leidenschaftlichkeit ebenbürtigen Charaktere - im
Guten wie im Schlechten - übernahmen mehr als 200 Jahre nach
Fulko und Melisende die
Krone
Jerusalems. Die Krönung des Königspaares wurde eine Woche
lang mit rauschenden Festen gefeiert, ganz im Stil des Rittertums des 14.
Jahrhunderts. Die ausgelassene Fröhlichkeit in Famagusta artete in
öffentlichen Aufruhr aus, gegen den mit aller Härte vorgegangen
wurde. Nach den Krönungsfeierlichkeiten gelang es Peter, den Türken
die Stadt Korykos in Kilikien wegzunehmen, nachdem die griechischen und
armenischen Einwohner ihn zu Hilfe gerufen hatten. Noch voller Tatendrang
überfiel er im August 1361 die bedeutende, im Besitz des Emirs Tekke
befindliche Hafenstadt Sattalia (Adalia) an der Küste Pamphiliens.
Nachdem der Emir geflohen war, beauftragte Peter
einen Ritter aus seinem Gefolge, Jakob von Nores, mit der Kontrolle über
den Hafen und die Stadt und kehrte nach Zypern zurück, wobei er unterwegs
noch einige kleinere Plätze an der Küste einnahm. Damit gelangten
wichtige Stützpunkte an dieser Küste, die bislang ganz in türkischer
Hand gewesen war, in zyprischen Besitz. Doch Peter
I. verfolgte ehrgeizigere Pläne; sein Traum war die Rückeroberung
des Königreichs Jerusalem, dessen Titel er trug und als dessen Erbe
er sich fühlte. Auf Zypern war die Hoffnung, das verlorene Königreich
zurückzugewinnen, immer lebendig geblieben, zumal die ständige
Bedrohung durch die Türken tagtäglich an diesen Konflikt erinnerte,
der im Abendland schon fast in Vergessenheit geraten war. Peter
hatte sich vorgenommen, die erloschene Kreuzzugsflamme wieder anzufachen
und wollte selbst nach Europa reisen, um die Christenheit des Mittelalters
aus ihrer Lethargie wachrütteln.
Am 24. Oktobert 1362 schiffte sich Peter
zusammen
mit einem großen Gefolge in Paphos ein. Eleonores
Hemd
nahm er wie einen Schatz mit. Nach einem Zwischenaufenthalt auf Rhodos
landete er in Venedig, wo er den ganzen Dezember verbrachte. Von dort trat
er am 2. Januar seine große Rundreise an, die er sich als junger
Mann erträumt hatte: Sein Weg führte ihn nach Padua, Verona und
Mailand, wo er von den VISCONTIS empfangen wurde, und schließlich
nach Pavia und Genua. Guillaume de Machault, der berühmteste französische
Dichter und Komponist seiner Zeit, bewunderte Peters
Kühnheit
und glänzende Erscheinung. In überschwenglichen Versen schildert
er diese Reise, deren Höhepunkt ein Empfang bei Papst Urban V. in
Avignon bildete. Überall, wohin er kam, wurde Peter
I. geehrt und vom Volk bejubelt.
Er traf sich in Avignon mit dem französischen
König Johann dem Guten und im Sommer weilte er in Flandern,
Brabant und Deutschland. Im Oktober fuhr er über den Kanal nach England,
wo er großartig empfangen wurde. Im Februar 1364 nach Frankreich
zurückgekehrt, nahm Peter I. am
7. Mai an der Beisetzung König Johanns teil
und etwas später in Reims an der Krönung Karls
V. Den folgenden Sommer verbrachte er in Deutschland, in Bayern,
Sachsen, Böhmen, Polen und Österreich, überall gefeiert
und mit Geschenken überhäuft, die er mit fürstlicher Großmut
erwiderte, denn Zypern, inzwischen Zentrum des Handels mit Perlen und Edelsteinen,
verfügte über enorme Reichtümer.
Vermutlich im Juni 1365 schiffte sich Peter
in Venedig ein und machte auf Rhodos Station, wo er zwei Monate blieb.
Inzwischen hatte er einige Fürsten und Ritter für seine Sache
gewinnen können, so dass er immerhin über eine Flotte von 115
Schiffen mit etwa 10.000 Mann verfügte: 1.000 Reiter sowie Bogenschützen
und "Artelleristen", die die Wurfmaschinen bedienten. Auf Rhodos hatten
die im Mittelmeer stets aktiven Johanniter 4 Galeeren mit 100 Kriegern
und Pferden ausgerüstet. Mit dieser Streitmacht holte
Peter zu einem für die ganze damalige Welt überraschenden
Schlag aus. Am 9. Oktober 1365 traf seine Flotte vor Alexandria ein: "Beim
Anblick des königlichen Heeres gerieten die Sarazenen in Panik. Viele
ließen die Stadt im Stich und flüchteten", notiert der Chronist
Machairas. Nachdem sie sich von ihrem Schreck erholt hatten, wollten sie
zum Gegenangriff übergehen, in der Meinung, der König habe keine
Berittenen bei sich, doch sie wurden "vom Entsetzen gepackt, als sie die
Reiterei der Christen sahen", die auf Peters
Anweisung bei Tagesanbruch an Land ging. Sein Kämmerer Perceval de
Cologne, ein Ritter aus dem Poitou, der viele Jahre in Alexandria in Gefangenschaft
verbracht hatte und sich in der Stadt gut auskannte, riet ihm, die Reiterei
vom Alten Hafen aus angreifen zu lassen. Binnen kurzem war "die Stadt Alexandria
eingenommen, verwüstet und gebrandschatzt", wie es bei Guillaume de
Machault heißt, der die Expedition in allen Einzelheiten schildert.
Der Angriff auf die stark befestigte Stadt war allerdings ein gewagtes
und schwieriges Unternehmen. "Aber Gott war den Christen gnädig; als
die Soldaten ihre Pferde bestiegen, näherten sich die Galeeren und
fuhren in den Alten Hafen ein, während das Landheer auf die Stadt
zumarschierte. 5.000 Sarazenen verteidigten die Tore, doch die Christen
zündeten sie an und drangen in die Stadt ein. Unterdessen liefen die
Galeeren in den Alten Hafen ein. So wurde mit Gottes Hilfe Alexandria eingenommen,
die mächtigste Stadt, die die Sarazenen an der Küste besitzen.
Das geschah am Freitag, dem 10. Oktober 1365 um vier Uhr."
Eine schier unglaubliche Blitzaktion: Keinem der früheren
Kreuzzüge war es gelungen, Alexandria einzunehmen. Dieser glänzende
Sieg blieb aber letzten Endes ohne weitreichende Folgen, abgesehen davon,
dass die Teilnehmer sich durch Plünderungen bereicherten. Der König
soll nobel jede Art von Beute abgelehnt haben. Seine Umgebung war sich
jedoch im klaren, dass die Stadt einen unmittelbar bevorstehenden Gegenangriff
der Mamluken nicht standhalten konnte. "Der König beriet sich mit
dem Legaten und den Rittern, die ihm einmütig versicherten, dass sie
keinen Grund sähen, länger in Alexandria zu bleiben, und lieber
in ihr Land zurückkehren wollten." Kurz und gut, die Flotte segelte
nach Limassol zurück, "wo alle, der König, die Ritter und die
Barone, unter großem Jubel an Land gingen". Dass die Stadt gleich
nach ihrer Eroberung wieder aufgegeben wurde, deutete bereits auf tiefgreifende
Wandlungen der Ideale des Rittertums hin: Die Heldentat, die Peter
und seine Kampfgenossen vollbracht hatten, entpuppte sich als völlig
nutzlos.
Während die Reaktionen in Europa unterschiedlich
ausfielen, bereitete der König eine weitere Expedition vor, diesmal
nach Beirut.
Peter konnte seine
Verbitterung über diesen nutzlos vergeudeten Sieg nur schwer verwinden.
Trotzdem gab er die Hoffnung nicht auf, die Christenheit doch noch für
die Befreiung Jerusalems zu gewinnen. Nach einigen militärischen Aktionen
in Tripolis und Tortosa an der syrischen Küste und in Ayas in Kilikien
entschloß er sich, noch einmal nach Europa zu reisen, um die Fürsten
für einen Kreuzzug zu mobilisieren. Mittlerweile erhielt Peter
die
Nachricht, dass die Armenier ihn zum König ernannt hatten.
Seine engen Beziehungen zu den orientalischen Christen und
Peters hohes Ansehen waren der Grund für seine Ernennung
nach dem Tod des armenischen Königs Livon
von Lusignan, der übrigens sein Vetter gewesen war.
Peter scheint keine Eile gehabt zu haben, sich krönen zu
lassen, so sehr war er mit den Vorbereitungen für seine zweite Reise
nach Europa beschäftigt.
Auch diesmal fiel ihm der Abschied von Eleonore
schwer; sie liebten sich anscheinend immer noch leidenschaftlich, denn
er vergaß auch diesmal nicht, ein Hemd von ihr mitzunehmen. Allerdings
war für beide die Ehe kein Hindernis: Wie wir gleich sehen werden,
war Peters Aufenthalt in Zypern nicht
nur mit ehelichen Pflichten ausgefüllt gewesen.
Nach seiner Überfahrt wurde er in Rom von Papst
Urban V. mit den höchsten Ehren empfangen, anschließend begrüßte
man ihn in Treviso und dann in Florenz.
Nach ergebnislosen Verhandlungen trat Peter
am
23. September 1368 die Heimreise nach Zypern an. Seine beiden Geliebten,
von Johann von Morphu bestochen, belogen ihn über das Verhalten der
Königin. Doch der Verdacht der Untreue, der auf der Königin lastete,
und das Leid, das sie seiner Geliebten zugefügt hatte, depremierten
ihn zutiefst. Hinzu kam seine Verbitterung über die Fürsten des
Westens, die auf seine Apelle zu einem neuen Kreuzzug nicht eingegangen
waren. Auf jeden Fall gab das Benehmen des Königs nach seiner Rückkehr
den Seinen Anlaß zu tiefer Besorgnis. Der Zustand des Königs
verschlimmerte sich zusehends. "Er vergriff sich an den Damen Nikosias,
von hohem oder niederen Stand; es wäre eine große Schande, sie
alle aufzuzählen." Von allen Seiten schlug ihm deshalb Haß entgegen,
der beim geringsten Anlaß zum Ausbruch kam. Peter
ließ sich immer öfter zu völlig unberechenbaren Ausbrüchen
hinreißen. Seine Brüder machten ihm wegen seines Verhaltens
heftige Vorwürfe. Peter bekam
nur einen Wutanfall und beschimpfte sie. Die stolze Eleonore
aber brachte er durch seine ständige Untreue immer mehr zur Raserei.
"Allmählich begann die Saat des Hasses aufzugehen",
schreibt Machairas. Die Ritter schlossen sich zusammen und wandten sich
an die Brüder des Königs. "Seit seiner Rückkehr aus dem
Abendland ist er [der König] immer anmaßender geworden und hat
aus Haß gegen uns seinen Eid gebrochen, den er uns geschworen hat."
Vergeblich versuchte einer seiner Vertrauten, der Admiral Johann von Monstri,
den König zur Vernunft zu bringen und die Barone zu besänftigen,
die sich in der Kirche St. Georg der Lateiner versammelt hatten, um einen
Mordanschlag auf den König zu planen. Nachdem sie eine Nacht beraten
hatten und feststand, dass sich Peters Brüder
Johann und Jakob ihrer Verschwörung
anschlossen, "wurden die Ritter... verwegen, und nachdem sie sich untereinander
beraten hatten, sagten sie: 'Wir haben die Brüder des Königs
immer gebeten, auf ihn einzuwirken, damit er verspricht, uns ehrenhaft
zu behandeln, doch wenn wir ihn nicht zügeln, wird er uns alle umbringen.
Bevor er gekrönt wurde, hat er uns sein Versprechen gegeben
und sich nach diesem Eid die Krone aufgesetzt. Aber alle diese Schwüre
sind vergessen, denn er verstößt gegen die Assisen und gegen
Gott. Wer könnte seinen Schwüren und Versprechen in Zukunft noch
Glauben schenken?" Die Verschwörung nahm Gestalt an. "Um Mitternacht
zwangen sie die Brüder des Königs, ihre Pferde zu satteln und
die gefangenen Ritter von ihren Ketten befreien zu lassen. So kamen Jakob
und Marisavon Gibelet wieder frei."
Unterdessen wurde der Geisteszustand des Königs
immer kritischer."Am Mittwoch, dem 17. Januar 1369, zu früher Stunde,
begaben sich alle Ritter zusammen mit dem Fürsten [Johann
von Lusignan] und seinem Bruder [Jakob]
zum Palast des Königs, stiegen vor der Treppe ab und gingen mit den
befreiten Gefangenen hinauf zu den Gemächern des Königs. Der
Fürst klopfte vorsichtig an die Tür. Der Kammerdiener öffnete,
und nach den Brüdern des Königs stürzten alle hinein. Der
König hörte den Lärm, erhob sich vom seinem Bett und schrie:
'Wer sind diese Männer, die gerade hereingekommen sind?' Madame Eschiva
von Scandelion, die bei ihm im Bett lag, erwiderte: 'Das können nur
deine Brüder sein.' Die Dame stand auf, zog sich an, verließ
das Zimmer und ging hinunter in die Kammer, wo sich Sättel für
die Turniere befanden. Dann machte sie die Falltür zu."
"Als der Fürst [Johann]
sah, dass Madame von Scandelion den König verlassen hatte, betrat
er das Gemach und begrüßte ihn... 'Guten Tag, mein Herr.' Der
König antwortete ihm: 'Guten Tag, mein lieber Bruder.' Der Fürst
sagte: 'Wir haben uns die ganze Nacht bemüht, unsere Meinung schriftlich
darzulegen. Wir bringen sie Dir, damit du sie lesen kannst.' Der König
war nur mit einem Hemd bekleidet, und es war ihm peinlich, sich vor seinem
Bruder anzukleiden. Deshalb bat er ihn: 'Mein Bruder, geh ein wenig nach
draußen, damit ich mich anziehen und Euer Schreiben lesen kann.'
Der Fürst zog sich zurück... Der König begann sich anzukleiden,
und als er in den einen Ärmel seines Gewands schlüpfte, wandte
er den Kopf, um den anderen anzuziehen. Da sah er die Ritter in seinem
Zimmer und fuhr sie an: 'Ihr Feiglinge und Verräter, was wollt Ihr
zu dieser Stunde in meinem Zimmer?' Die Ritter waren zu dritt: Philipp
von Ibelin, Herr von Arsuf, Heinrich von Gibelet und Jakob von Gaurelle.
Sie zogen blitzschnell ihre Schwerter, und jeder versetzte dem König
drei oder vier Hiebe. Der König fing an zu schreien: 'Zu Hilfe, Erbarmen!'
da lief Jean Gorap, der Bailli des Hofes, herbei, und als er sah, dass
der König ohnmächtig war, zog er sein Messer und schnitt ihm
den Kopf ab mit den Worten: 'Du wolltest mich heute enthaupten lassen,
da hast Du es, ich schneide Dir den Kopf ab, und Deine Drohung fällt
auf Dich zurück'" Eine grausame Szene, mögen Peters
Vergehen
auch noch so schwer gewesen sein, ein unerhörter Vorgang, für
den es in den Annalen des Feudalismus im Okzident bis dahin kaum ein Beispiel
gegeben hatte."
1342
1. oo Eschiva von Montfort, Tochter des Honfroy
II. von Toron
- vor 1353 Cousine
1353
2. oo Eleonore von Aragon-Ribagorza, Tochter des
Grafen Peter und der Johanna von Foix
um 1338-26.12.1417
1369-1379 Mitregentin
von Zypern
Geliebte:
- Jeanne Laleman, Witwe Johanns von Montolif
- Eschiva von Scandelion
Kinder:
2. Ehe
Peter II. der Dicke
um 1357- Oktober 1382
Margarethe
-
1397
1385
oo Jakob Graf von Tripolis
- 1395/97
Literatur:
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Großer Bildatlas der Kreuzzüge. Sechs
Jahrhunderte abendländischer Kultur- und Glaubensgeschichte. Verlag
Herder Freiburg im Breisgau 1992 Seite 134,140,142 - Lehmann Johannes:
Die Kreuzfahrer. Abenteurer Gottes. Gondrom Verlag Bindlach 1991 Seite
393 - Mayer, Hans Eberhard: Geschichte der Kreuzzüge, Verlag
W. Kohlhammer GmbH 1995 Seite 216,217 - Norwich John Julius: Byzanz.
Der Aufstieg des oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf
und München 1993 Band III Seite 375 - Pernoud Regine: Frauen
zur Zeit der Kreuzzüge. Verlag Herder Freiburg im Breisgau 1995 Seite
228-250 - Runciman, Steven: Geschichte der Kreuzzüge, Sonderausgabe
in 1 Band Verlag H.C. Beck München 1978, Seite 1219-1228,1233 - Thiele,
Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen
Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser
Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 178 -