Begraben: St. Nikolauskathedrale in Famagusta
Illegitimer Sohn des Königs
Johann II. von Zypern von der Marieta von Patras, die
von Königin Helena aus Eifersucht
verstümmelt wurde (Nase abgebissen)
Thiele, Andreas: Tafel 179 a
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen
Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser
Ergänzungsband"
JAKOB II.
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* 1438/39, + 1483
Unehelich, Mutter Marieta de Patras, die von Königin Helene aus Eifersucht verstümmelt wurde: "ohne Nase")
Jakob war schön, stattlich und sorgfältig von der Mutter erzogen worden. Er wurde Diakon, 1452/53 Erzbischof von Nikosia und 1457 apostolischer Protonotar durch die Stiefmutter, um ihn von der Erbfolge auszuschließen. Er mußte zeitweise fliehen, kam 1457 mit Söldnern von Rhodos zurück und ermordete die Mörder seines Schwagers Johann von Coimbra. Er söhnte sich mit dem Vater aus und entging etlichen Anschlägen durch die Stiefmutter und Anhänger der Halbschwester, die er 1458 vorerst anerkannte, um bald darauf ein intrigenreiches Machtspiel gegen sie zu beginnen, unterstützt von Ägypten und sogar den Osmanen, denen eine Frau auf dem Thron zuwider war. Jakob II. wurde 1460/61 König von Zypern, verjagte sie und alle Savoyarden und Franzosen und entledigte sich durch Mord der ägyptischen Söldner, die zur Landplage wurden. Er gewann 1464 mit Venedigs Hilfe Famagusta zurück, bekriegte Ägypten und wurde durch seine Willkür, Frauengeschichten und miesen Günstlinge sehr unbeliebt. Er schlug etliche Verschwörungen brutal-blutig nieder und starb nach einer erhitzenden Jagd an einem Fieber (Gift der Schwester?).
1472
oo Katharina Cornaro
+ 1510
Tochter des venezianischen Patriziers aus alter Dogenfamilie
MARCO und der Florentina Crispo von Naxos, eine Ehe, durch die sich Cypern
ganz in venezianische Abhängigkeit begab, 1473 Regentin, 1474 Königin,
mehr nur venezianische Statthalterin und 1487 zur Abdankung gezwungen mit
Asolo apanagiert, hält da als Mäzen glanzvoll Hof, beeindruckende
Frau.
Dazu kam der "königliche Zehnte" und unter
Jakob II. die rata, eine 3-jährige Sondersteuer
auf alle Nettoeinkünfte (nach den normalen Steuern), für deren
Verwaltung eigens das Neue Büro (nouvel ofice) geschaffen wurde.
Jakob II. kam durch
eine Revolution, die zum Sturz seiner Halbschwester Charlotte
führte,
an die Macht, die inneren Auseinandersetzungen wurden immer mörderischer.
Die Rückeroberung Famagustas (1464) blieb wirkungslos, da Jakob
II. durch seine Heirat mit der venezianischen Patrizierin
Katharina Cornaro unter venezianischen Einfluß geriet.
Pernoud Regine: Seite 276-277
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"Frauen zur Zeit der Kreuzzüge"
Jakob der Bastard
sah hervorragend aus und glänzte durch seine Intelligenz. Johann
II. ließ ihm eine sorgfältige Erzieung zukommen.
Helena gelang es zumindest, ihn von der Thronfolge auszuschließen,
indem sie ihn zwang, in ein Kloster einzutreten. Bereits mit 17 Jahren
wurde er Bischof von Nikosia. Der Chronist Gorgios Bustron bezeichnet
ihn nur als den "Apostel", so wie man den Papst und die Bischöfe
damals nannte.
Jakob entwickelte
jedoch sehr bald Ambitionen und Charaktereigenschafen, die mit einer apostolischen
Stellung schwer zu vereinbaren waren.
Zypern befand sich seit der Niederlge bei Khirokitia
unter ägyptischer Oberhoheit und hatte gleichzeitig unter dem Joch
der Genuesen zu leiden. In Kairo wurde Jakob der
Bastard mit dem Ruf begrüßt: "Lang lebe der König!"
Er hatte sich geschickt als Anhänger der Sultane und als Feind der
zyprischen Machthaber ausgegeben. Es kam zu einem mehr als befremdlichen
Schauspiel: Ein Prätendent der Krone kehrte mit einem ägyptischen
Geschwader auf die Insel zurück, in Begleitung von mamelukischen Soldaten.
Ludwig
und Königin Carlotta flohen in
die Festung Kyrenia, als sie von Jakobs
Ankunft erfuhren. Die Flotte - 80 Galeeren - ging am 18. September 1460
im Hafen von Famagusta vor Anker. Einige Tage später hielt Jakob
mit seinen sarazenischen Soldaten Einzug in Nikosia. So wurde aus dem Bastard
und Apostel schließlich Jakob II.,
König
von Zypern und Jerusalem. Drei Jahre hielten König
Ludwig und Königin Carlotta
zusammen mit fast allen französischen Baronen von Rang und Namen in
der Festung Kyrenia aus.
Jakob II., ein ausgezeichneter
Kämpfer, der unbeirrt und siegessicher seine Ziele verfolgte und in
der Wahl seiner Mittel wenig Skrupel hatte, konnte innerhalb von drei Jahren
die äußerst heikle Lage klären. Ludwig
und Carlotta suchten Beistand bei den
Johannitern auf Rhodos, wo, sie mit den höchsten Ehren ampfangen wurden.
Nach ihrer Rückkehr fanden sie eine Weile in der Festung Paphlos Zuflucht,
die Jakob II. jedoch mühelos einnahm.
1463 fiel ihm auch die Burg Kyrenia in die Hände, nachdem er
den Widerstand der Verteidiger gebrochen hatte.
Ein Jahr später, im August 1464, gelang ihm ein
Müsterstück, indem er Famagusta zurückeroberte, die Genuesen
vertrieb und damit die fast ein Jahrhundert währende Besatzung beendete.
Die zypriotische Bevölkerung hatte unter der geneuesichen Herrschaft
gelitten, die nur aus Unterdrückung, extremen Lasten und Gewalttaten
bestand und den Handel einseitig zugunsten der Genuesen lähmte. Nach
diesem Befreiungssschlag waren Jakobs II.
Macht und Autorität unumstritten.
Trotz aller Macht und allen Ruhms fühlte sich der
König vermutlich unbefriedigt. Er litt unter seiner illegitimen Herkunft
und strebte nach einer offiziellen Anerkennung. Was wäre besser dazu
geeignet gewesen als eine aussichtsreiche Vermählung und eine feierliche
Krönung!
Für ihn - und das ist sehr bezeichnend - waren Krönung
und Vermählung eng miteinander verbunden: Eine Königin an seiner
Stelle zu haben, würde aus ihm einen König machen. Er wandte
sich folglich an die höchste Macht jener Zeit, dem Papst in Rom, denn
damals war seine geistliche Macht noch ungebrochen.
"1471 schickte der König den Erzbischof [von Nikosia]
nach Rom, um mit dem Papst über seine Krönung zum König
von Zypern zu verhandeln, aber auch über seine Heirat mit der
Tochter des Despoten von Morea zu sprechen. Der Despot von Morea befand
sich zu diesem Zeitpunkt in Rom, in Begleitung des Kardinals von Nikäa.
Der Erzbischof wurde vom Papst in Audienz empfangen und überbrachte
ihm seine Botschaft, doch alle seine Bemühungen waren fruchtlos. Der
Papst wollte in die Krönung des Königs nicht einstimmen, solange
die rechtmäßige Erbin noch am Leben war." Jakob
II. seinerzeits verzichtete vermutlich auf die geplante Vermählung,
denn beide Fragen waren für ihn unzertrennbar miteinander verbunden.
Da der Papst ihm die Unterstützung verweigerte,
blieb Jakob II. praktisch keine andere
Wahl, als sich an Venedig zu wenden, das sich auf dem Weg zur beherrschenden
Vormacht befand. Mit dieser Entscheidung war das Schicksal der Insel Zypern
endgültig besiegelt. Das Bündnis mit Venedig wurde durch die
junge, bildschöne Caterina Cornaro
verkörpert, die 1472 in Begleitung ihres Onkels Andrea nach Zypern
kam und in Famagusta "unter großem Jubel" mit
Jakob II. vermählt wurde.
Nachdem der König geheiratet hatte, lebte er nur
noch ein Jahr. Seitdem er nach Zypern zurückgekehrt war, um König
zu werden, regierte er 12 Jahre und 8 Monate, und er starb im Alter von
33 Jahren. Der König mußte seit dem 27. Mai 1473 das Bett hüten;
da es ihm immer schlechter ging, ließ er sein Testament aufsetzen:
"Wenn mich Gott nach seinem Willen zu sich ruft, soll meine Frau Herrin
und Königin von Zypern werden, sie, die jetzt ein Kind erwartet; und
wenn sie diesen Erben geboren hat, soll das Kind das Königreich erben."
Wenige Tage später, am 11. Juni, starb er und wurde in der
St. Nikolauskathedrale in Famagusta in einem prächtigen Marmorsarg
beigesetzt.
1472
oo Katharina Cornaro, Tochter des Marco Cornaro
und der Florentinerin Crispo von Naxos
1454-10.7.1510
Kinder:
Jakob III.
28.8.1473- August 1474
Illegitim
Eugen Prätendent
- nach 1523
Er war 1509/13 in Padua in Haft und starb als venezianischer Pensionär.
Charlotte
- um
1469
oo Sor de Naves Connetable von Zypern
-
Janus Prätendent
- nach 1533
Er war 1509/13 in Padua in Haft und starb als venezianischer Pensionär.
Charla
1468- 1480 (in Haft)
Padua
v oo Alfons von Neapel, Sohn Ferdinands I.
- 1510
Literatur:
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Mayer, Hans Eberhard: Geschichte der Kreuzzüge,
Verlag W. Kohlhammer GmbH 1995 Seite 152,217 - Pernoud Regine: Frauen
zur Zeit der Kreuzzüge. Verlag Herder Freiburg im Breisgau 1995 Seite
276-277 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln
zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs-
und Fürstenhäuser Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994
Tafel 179a -