Tochter des Grafen Peter von
Aragon-Ribagorza und der Johanna von Foix, Tochter von
Graf Gaston I.; Enkelin des Königs Jakob
II. von Aragon
Thiele, Andreas: Tafel 154
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen
Geschichte Band II, Teilband 1 Europäische Kaiser-, Königs- und
Fürstenhäuser I Westeuropa"
LEONORE
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+ 1416
1353
oo Peter I. de Lusignan, König von Cypern
+ 1369
Pernoud Regine: Seite 228-250,274
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"Frauen zur Zeit der Kreuzzüge"
In Abwesenheit ihres Gatten ließ Eleonore
dessen schwangere Geliebte an den Hof kommen, mißhandelte sie und
ließ das anschließend geborene Kind verschwinden.
"Wir wollen uns jetzt den Ereignissen zuwenden, die durch
die Sünden der Königin heraufbeschworen wurden. Der Dämon
der Wollust ergriff den Messire Johann von Morphou, dem Grafen
von Rochas [von Edessa], Besitz und entfachte in ihm eine heftige Leidenschaft
für die Königin. Er ließ sich alles mögliche einfallen
und machte den Kupplerinnen allerhand Geschenke, um sein Ziel zu erreichen,
so dass er schließlich Erfolg hatte und die beiden zusammenkamen.
Bald war die Sache stadtbekannt, und jeder wußte, wie es dazu gekommen
war. Von nichts anderem wurde gesprochen, sogar die Dienstboten klatschten
darüber. Auch die Brüder des Königs hörten davon und
waren sehr gekränkt. Sie überlegten, wie sie das Übel aus
der Welt schaffen könnten, um noch größeres Unheil zu verhindern,
wie es dann ja auch geschah.
Die unmittelbaren Folgen von Peters
Ermordung
waren nicht weniger dramatisch als das Ergebnis selbst, wobei die erbitterte
Feindschaft der Handelsmächte und die kurzsichtige, arrogante Haltung
Eleonores das Geschehen bestimmten.
Noch während der Krönung Peters II.
in der St. Nikolauskathedrale von Famagusta kam es zu einem
bezeichnenden Vorfall. Der Chronist Machairas, Augenzeuge und aufmerksamer
Beobachter der Geschehnisse, berichtet: "Als der König die Kirche
verließ und sein Pferd besteigen wollte, stürzten die Venezianer
herbei und ergriffen den rechten Zügel des Pferdes. Die Genuesen wollten
sich diese Ehre nicht nehmen lassen, denn sie hatten einen Anspruch darauf,
rechts neben dem König zu reiten, und die Venezianer links. Die Venezianer
waren in der Überzahl und konnten es auf einen Kampf ankommen lassen.
Es folgte ein großer Aufruhr... Der [genuesische] Podesta, der den
Streit mit den Venezianern kommen sah, hatte den Genuesen geraten, Handwaffen
unter ihrer Kleidung zu tragen... Als man zu Tisch ging, wurde Anweisung
gegeben, den Tisch der Genuesen rechts und den der Venezianer links aufzustellen.
Während die beiden Kommunen aßen, bedrohten sie sich gegenseitig,
indem sie mit den Zähnen knirschten. Während des Essens behielten
die bewaffneten Genuesen die Venezianer ständig im Auge. Nach dem
Essen entfernte sich der König, um sich für den Ball umzuziehen.
Während seiner Abwesenheit beschimpften sich die Genuesen und die
Venezianer gegenseitig. Drei genuesische Kaufleute zogen blitzschnell den
Dolch und stürzten sich auf die Venezianer, von denen einige... sich
mit dem Dolch in der Hand verteidigten. Die bewaffneten Genuesen, die sich
draußen befanden und den Lärm hörten, stürmten den
Palast...
Um zu zeigen, dass er den ärgerlichen Zwischenfall
vergessen hatte, ließ der König Turniere und rauschende Feste
veranstalten. Für eine Weile beruhigten sich die Gemüter.
Die Lage wurde infolge der Spannungen innerhalb der Familie
LUSIGNAN,
das heißt zwischen den Brüdern des toten Königs und Königin
Eleonore, der Mutter Peters II.,
immer komplizierter. Eleonore war enttäuscht
über die kürzlich getroffenen Entscheidungen und die von ihren
beiden Schwägern Johann und Jakob
vorgenommenen
Ernennungen. Gleichzeitig entwickelte sie einen heftigen Groll; mag sein,
dass sie auch Gewissensbisse plagten wegen des gewaltsamen Todes ihres
Mannes. Sie hatte mit ihrer Untreue gehörig zur seelischen Zerrüttung
des Königs und zur Verschärfung der Situation beigetragen, bis
es schließlich zu dem Mord kam. Aus Rachsucht hatte sie diesen Mord
begünstigt oder zumindest wohlwollend geduldet. Nachdem sich nun das
Blatt zu ihren und ihres Sohnes Ungunsten gewendet hatte und ihre beiden
Schwäger allmählich die Macht in Zypern an sich rissen, richtete
sich ihr Zorn gegen diejenigen, zu deren Komplizen sie sich seinerzeit
gemacht hatte. Es war vermutlich nicht so sehr die Erkenntnis, dass sie
ein Verbrechen begangen hatte, die diese
leidenschaftliche, skrupellose
Frau quälte, sondern die Tatsache, dass dieses Verbrechen sinnlos
gewesen war. Indem sie künftig Beistand bei den Genuesen suchte, machte
sie bedenkenlos mit denen gemeinsame Sache, die Unglück und Zwietracht
nach Zypern gebracht hatten. Am 2. Oktober 1373 besetzten 36 genuesische
Galeeren den Hafen von Famagusta. Die erste Reaktion der Genuesen gegenüber
Eleonore muß eine bittere Enttäuschung
für sie gewesen sein. Nach einer feierlichen Messe in der St. Nikolauskathedrale
"führte der Admiral Pietro di Campo Fregoso den König, dessen
Mutter und den Fürsten in den Hof der Festung. Sie [die Genuesen]
entfernten sich nacheinander, verschlossen die Tore und ließen sie
ohne Essen und Trinken den ganzen Tag ohne einen Diener schmachten. In
der Nacht mußten sie auf der Erde schlafen, so wie sie waren, und
wurden wie Hunde behandelt. Die Königin war sehr betrübt, ihren
Sohn ohne Essen und auf dem Boden schlafen zu sehen... Am nächsten
Morgen erlaubten die Genuesen drei Dienern, den Gefangenen, dem König,
der Königin und dem Fürsten, Essen zu bringen. Der Fürst
- Johann von Lusignan - wurde als Mörder
seines Bruders festgenommen."
Eleonore schien
zu glauben, dass sich der Wind zu ihren Gunsten drehte.
Johann konnte jedoch mit Hilfe seines Kochs fliehen. Er brachte
ihm große Stiefel, in denen die Eisenketten, die man ihm um die Füße
gelegt hatte, versteckt wurden. Mit einem Kochtopf auf dem Kopf floh er
aus Famagusta.
Die Gewaltakte häuften sich. Vermutlich steckten
Eleonores Machenschaften dahinter, die sich inzwischen zum Werkzeug
gnadenloser Rache an der Ermordung ihres Mannes gemacht hatte. Der Herr
von Arsuf, Philipp von Ibelin, der König
Peter I. den ersten Hieb versetzt hatte, wurde enthauptet
(seine Frau, "inzwischen Mätresse des Admirals der Genuesen", so Machairas,
hatte ihn verraten). Es folgten Heinrich von Gibelet und ein anderer Edelmann,
denen vorgeworfen wurde, in das Attentat verwickelt gewesen zu sein. Pietro
di Campo Fregoso spielte sich als Herr auf und ging sogar soweit, den armen
Peter
II. zu ohrfeigen, als der sich weigerte, Kyrenia, die sicherste
Festung der Insel, auszuliefern. Zypern mußte sich dem Gesetz der
Besatzer unterwerfen
Der Konnetabel von Jerusalem, Jakob
von Lusignan, hatte sich in Kyrenia verschanzt. Nach vier Monaten
Belagerung zogen sich die Genuesen schließlich zurück, nicht
ohne Peter II. einen Friedensvertrag
abzunötigen, der ihnen praktisch die ganze Insel auslieferte und die
zypriotische Bevölkerung zwang, eine Kriegsentschädigung von
2.140.400 Goldecu zu bezahlen, eine ungeheure Summe damals. Bis zur Auszahlung
des Geldes behielten sie den Hafen und die Stadt Famagusta in ihrer Hand.
Nachdem sie sich Jakobs von Lusignan
bemächtigt und ihn als Geisel nach Genua geschickt hatten, kehrte
für eine Weile Ruhe ein, genauer bis zum Oktober 1374.
Trotz all dieses Unheils - möglicherweise auch aufgestachelt
durch die inzwischen zum Alltag der Insel gehörenden Gewalttaten -
sann die Königin weiter auf Rache. Sie ließ ihren Schwager Johann,
den Fürsten von Antiochia, zweimal bitten, sie in ihrer Residenz in
Nikosia aufzusuchen. Dazu Machairas: "In Ihrem Zorn auf ihn versuchte sie,
seiner habhaft zu werden, um ihn umzubringen. Sie hetzte ihren Sohn, ihn
zu töten, weil er am Tod seines Vaters schuld sei." Der Fürst
hatte sich in die Festung St. Hilarion geflüchtet, fand sich jedoch
schließlich bereit, nach Nikosia zu kommen, wo sich Eleonore
und
Peter II. aufhielten. "Nach dem Essen
ließ der König seinen Onkel rufen. Man hatte hinter den Säulen
Francesco Tamachi versteckt, einen Genuesen im Dienst des Königs,
Frasses Saturno, einen Katalanen und Louis Pons, einen Diener des Königs,
mit einigen Neapolitanern, Lombarden und zypriotischen Rittern."
Als der Fürst sein Pferd besteigen wollte, um zum
König zu reiten, warnten ihn die Diener, bei denen er sehr beliebt
war: "Geht nicht dorthin, man wird Euch töten." Er hörte nicht
darauf und ging hinunter bis zur Freitreppe. Dort erhielt er denselben
Rat. Er wollte nicht daran glauben und sagte: "Sie werden doch ihr Wort
halten!" In der Tat "hatte er zusammen mit der Königin einige Zeit
zuvor die Messe besucht, und alle beide beim Leib Christi geschworen, Frieden
zu wahren." Und Machairas fährt fort: "Kaum hatte er die Füße
in die Steigbügel gesetzt, als sein Pferd strauchelte und stürzte."
Johann
von Lusignan wollte trotz dieses unheilvollen Vorzeichens immer
noch nicht begreifen und ritt zum Schloß.
"Nachdem er vom Pferd gestiegen war, betrat er das mit
goldenen Teppichen ausgelegte Gemach, das Pariser Gemach. Dort saßen
der König und die Königin auf dem Sofa. Er grüßte
sie und seine Verwandten. Der Tisch war gedeckt. Die Königin lud den
Fürsten ein: 'Herr Bruder, eßt mit uns.' Er ließ sich
nichts annmerken und erwiderte: 'Zu Befehl.' Man setzte sich zu Tisch.
Die Königin hatte ein Zeichen ausgemacht: In dem Augenblick, in dem
sie ihr Taschentuch hob, sollte man ein Tablett hereintragen mit dem Hemd,
das ihr Mann getragen hatte, als er ermordet wurde. Sie hatte die Mörder
angewiesen: 'Wenn ich das Hemd zeige, macht Euch bereit, ihn zu töten.'
So geschah es. Der Fürst saß beklommenen Herzens am Tisch. Man
forderte ihn auf: 'Eßt, Herr.` 'Mein Herz, mein Herz, ich weiß
nicht, warum es mich drückt; ich weiß nicht, was ich habe.'
Als die Mahlzeit zu Ende war, brachte man das Hemd herein. Die Königin
sagte: 'Fürst, wem gehörte dieses Hemd?" In diesem Augenblick
stürzten sich die Mörder auf den guten Fürsten und schnitten
ihm die Kehle durch. Es war dasselbe Zimmer, in dem König
Peter getötet worden war."
Eleonores Herz muß sich angesichts all dieser Verbrechen
mit der Zeit immer mehr verhärtet haben. Sie ging schließlich
soweit, gegen ihren eigenen Sohn zu konspirieren. Von einer Zofe gewarnt,
entdeckte Peter II. mehrere, ausgerechnet
an die Genuesen gerichtete Schreiben, die seine Mutter unter der Bettdecke
versteckt hatte. 1377 heiratete der König die Nichte des Herzogs von
Mailand, Valentina Visconti. Streitigkeiten
zwischen Eleonore und ihrer Schwiegertochter
blieben nicht aus, so dass sich Peter II. 1380
veranlaßt fühlte, seine Mutter in ihre Heimat Katalonien zurückzuschicken.
Ab und zu wird sie in den Chroniken der Epoche noch erwähnt,
vor allem weil sie finanzielle Forderungen stellte, nachdem ihr die Einkünfte
aus der Insel Zypern entzogen worden waren. Sie erhielt schließlich
von ihrem Vetter, König Peter IV. von Aragon,
eine stattliche Apanage und Rechte auf die Stadt Valls bei Taragona.
1353
oo 2. Peter I. König von Zypern
1328-17.1.1369 ermordet
Kinder:
Peter II. der Dicke
um 1357- Oktober 1382
Margarethe
- 1397
1385
oo Jakob Graf von Tripolis
- 1395/97
Literatur:
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Pernoud Regine: Frauen zur Zeit der Kreuzzüge.
Verlag Herder Freiburg im Breisgau 1995 Seite 228-250,274 - Runciman,
Steven: Geschichte der Kreuzzüge, Sonderausgabe in 1 Band Verlag H.C.
Beck München 1978, Seite 1222 - Thiele, Andreas: Erzählende
genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband
1 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser I
Westeuropa, R.G. Fischer Verlag 1993 Tafel 154 -