Lexikon des Mittelalters: Band I Spalte 506
********************
Amalfi (Amalphia)
-----------------------
Italienische Küstenstadt in Kampanien am Golf von Salerno, Herzogtum und Erzbistum
Der Erhebung des Herzogtums folgte die Erhebung des Bistums
Amalfi zum Erzbistum durch Papst Johannes XV., wahrscheinlich 987.
Damals stand Amalfi längst unter normannischer Herrschaft.
Bereits 1039 war das Herzogtum durch Fürst Waimar IV. von Salerno
unterworfen worden, hatte jedoch nach dessen Ermordung 1052 die Unabhängigkeit
zurückgewonnen. Indessen dauerte die Bedrohung durch Salerno trotz
des von Papst Alexander II. 1071 unternommenen Vermittlungsversuches
an. Um ihr zu entgehen, unterstellten die Amalfitaner sich Ende 1073 dem
Herzog Robert Guiskard, dessen alsbald nach Amalfi entsandte Truppen
die Stadt jedoch anscheinend wie bei einer Eroberung plünderten. Noch
1080, im Lehneid des Normannen gegenüber Gregor VII., wird
Amalfi naben Salerno unter den Gebieten genannt, deren Inbesitznahme durch
den Herzog der Papst nicht endgültig zustimmte. 1088 erscheint der
bereits 1074 aus Salerno vertriebene Fürst Gisulf II. überraschend
als Herzog von Amalfi, anerkannt durch Urban II. Seine
Herrschaft blieb jedoch Episode. - 1096 revoltierten die Amalfitane rerneut
gegen die normannische Herrschaft. Ein Herzog Marinus übernahm
die Regierung, bis Herzog Roger I. von Apulien 1100 Amalfi wieder
in Besitz nehmen konnte. Das bedeutete den endgültigen Verlust der
früheren Unabhängigkeit, abgesehen von der Teilnahme Amalfis
an der Aufstandsbewegung nach dem Tode Herzog Wilhelms von Apulien 1127,
die schon bald mit der Anerkennung Rogers II.
endete.
Dieser brachte 1131 auch die bis dahin den Bürgern vorbehaltene Burg
gewaltsam in seine Hand.
Im Kampf König
Rogers II. und Papst Anaklets II. mit Innozenz II.
und LOTHAR III. ergriff das mit diesen
verbündete Pisa, zusammen mit Genua auf dem Wege zur bedeutendsten
Seemacht des Tyrrhenischen Meers, die gelegenehit, seine Angriffe gegen
die Küsten des Königreiches Sizilien, besonders auf Amalfi, mit
dem Pisa seit Jahrzehnten in scharfer Handelskonkurrenz stand, zu richten.
Amalfi wurde zuerst 1135, dann nochmals 1137 erobert und völlig zerstört,
die Schiffe im Hafen wurden verbrannt. Von dieser Katastrophe hat es sich
nie wiedererholt. Nach dem Ende der Unabhängigkeit ging nun auch die
überragende wirtschaftliche Stellung verloren. 1156 wurde Amalfi im
Vertrag von Benevent noch eigens als Teil des Königreiches Sizilien
genannt, hatte aber keine tatsächliche Bedeutung mehr. Im späteren
Mittelalter ist es lediglich eines unter vielen kleineren Lehen; 1461 gab
es König Ferdinand
I. von Neapel seiner natürlichen Tochter Maria
bei deren Hochzeit mit Ferdinando Piccolomini als Mitgift.