Sohn des Grafen Humfried
von Apulien aus dem Hause
HAUTEVILLE und der
Gaitelgrima
von Salerno, Tochter von
Fürst Waimar IV.
Bünemann, Richard: Seite
26,79,82,88,101,130,171,173,176-181,254
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"Robert Guiskard 1015-1085. Ein Normanne erobert
Süditalien."
Trotz seiner Streitigkeiten mit dem Bruder bat Humfred
Robert
auf dem Sterbebett Anfang des Jahres 1057, als Vormund das Land seines
unmündigen Sohnes Abälard zu verwalten.
Roberts energische Gemahlin Sichelgaita
veranlaßte sofort, daß alle normannischen Lehnsleute des
Herzogs
sich versammelten und ihren ältesten Sohn, Roger Borsa, Roberts
zweiten Sohn, zum Herrn wählten. Nur
Abälard, der sich
um das Amt seines Vaters betrogen fühlte, hat opponiert.
Der Fürst von Capua hat sich durch die
Strafexpedition
des Herzogs nicht erpressen lassen, sein Bündnis mit dem Papst
preiszugeben.
Richards Reaktion war, Roberts Todfeind, Abälard,
zum
Aufruhr gegen den Guiskard anzustiften. Der Sohn des Grafen
Humfred
setzte sich in Santa Severina im kalabrischen Marquesato fest. Er
verwüstete
die umliegenden Besitzungen des verhaßten Onkels, der ihm den
größten
Teil des väterlichen Erbes vorenthalten hatte. Als Robert
den
Neffen belagerte, lächelte ihm das Glück an einer anderen
Front.
Nun hatte der Herzog den Rücken frei und konnte
die schleppende Belagerung Abälards in Kalabrien
erfolgreich
zu Ende bringen. Das Übergabedatum von Santa Severina ist
umstritten.
Obgleich Malaterra es anders will, sieht es so aus, als ob der zornige
Neffe bei freiem Abzug nach Apulien vor dem Belagerungsbeginn von
Salerno
kapituliert hat. Auch Abälards Bundesgenosse Wilhelm
Arenga
gab Castroviollari auf. Santa Severina scheint vor Mitte März 1076
übergeben worden zu sein. In Nord-Apulien erlitt sein Sohn
Bohemund
bei Troia eine empfindliche Niederlage. Abälard nahm
Ascoli
Satriano.
Wir wissen, daß der KOMNENE
sich Ende Mai oder Anfang Juni brieflich an den Grafen Hermann von
Cannae, den Stiefbruder Abälards, wandte. Abälard
war
von seinem Onkel für friedlos erklärt worden. Die beiden
Neffen
gehörten zu den erbittersten Widersachern
Guiskards. Mit dem
landflüchtigen Abälard hat Alexios
vielleicht sogar selbst Fühlung aufgenommen. Nach August soll Roberts
Erzfeind in Konstantinopel gewesen sein. Jedenfalls war er als kaiserlicher
Geldbote zu HEINRICH IV. vorgesehen.
Der Chronist nennt außer Gocelinus
Roberts Neffen Abälard
und Gottfried von Conversano unter den Urhebern des Komplotts.
Die
Verschwörer zogen es vor, sich einem fremden Herrscher zu
unterwerfen,
anstatt dem blutsverwandten Parvenü zu diesen. Der Kaiser im
fernen
Konstantinopel konnte nicht so lästig sein wie der Herzog im nahen
Melfi.
Als Guiskard 1071 Palermo belagerte,
verbündeten
sich erneut seine Feinde. Schon bald traten auch Abälard und
dessen Stiefbruder Hermann von Cannae der "Liga" gegen den
Herzog
bei. Abälard zog Wilhelm Hareng mit, einen
Lehnsmann
seines verhaßten Onkels aus Kalabrien. Mit dem Fall von Cannae
waren
die Frondeure in Apulien für diesmal pazifiziert. Abälard
und Hareng kämpften in Kalabrien weiter.
Die schwere Krankheit, die Robert im April
1073
in Trani befiel, wurde zum Test der mit dem Lehnswesen
verschränkten
Zentralgewalt seines Herzogtums. Dank Sichelgaitas Initiative
wählten
die Vasallen ihres todkranken Gemahls dessen unmündigen Sohn Roger
Borsa zu iherem Herrn. Nur Abälard weigerte sich, Rogers
Lehnsmann zu sein. Humfreds Sohn wollte selbst als Herzog "in
dieses
Amt erhoben werden." Sicher hat die couragierte Herzogin auf der
Wahlversammlung
jede Opposition erstickt. Der unversöhnliche Abälard
verschanzte
sich im Marchesato in Kalabrien im festen Santa Severina. Er konnte
nicht
vergessen, so Malaterra, daß ihm von seinem Onkel als Vormund
"die
Erbschaft vorenthalten war." Abälards Verbündeter, Wilhelm
Hareng, besetzte Castrovillari in Nord-Kalabrien nordwestlich von Roberts
erster Burg Scribla. Die beiden verwüsteten die Umgebung.
Schließlich mußte Abälard Santa
Severina vor Hunger aufgeben. Der Onkel gewährte ihm freien Abzug,
obgleich er wußte, daß der Neffe "überall dort, wohin
er ging, nach Kräften Aufruhr erregen würde." Nach Malaterra
schlossen Abälard und Guiskard einen
Übergabevertrag.
Der Herzog versprach, sobald er zu einem gewissen Kastell auf dem Monte
Gargano in Apulien käme, Abälards Bruder Hermann, der
in Mileto in Kalabrien eingekerkert war, freizulassen. Als Robert
Santa
Severina hatte, erklärte er jedoch, in den nächsten sieben
Jahren
nicht nach den Gargano zu kommen. Abälard hatte sich von
Santa
Severina nach Sant'Agatra di Puglia südlich Bovino abgesetzt und
die
Rebellion nach Apulien getragen. Wilhelm Hareng übergab
Castrovillari
bald danach. Mit Abälards Schwager Gradilon
plünderten
die beiden in den nächsten Jahren das apulisch-kampanische
Grenzgebiet.
Auf die Dauer konnten die Aufrührer sich nicht behaupten. Durch
Vermittlung
seiner Mutter, einer Schwester Guidos von Conza, erhielt
Abälard gegen Übergabe von Sant'Agata auch diesmal
freien
Abzug. Die Kapitulation erfolgte 1077 oder Anfang 1078. Die
lästigen
Kämpfe gegen Abälard
und dessen Verbündete hatten
sich seit 1073 dahingeschleppt.
Ein schwerer Schlag für den Guiskard aber
war das Bündnis von Bari mit Abälard, das am 3.
Februar
1079 zur Erhebung der immer noch mächtigen Stadt führte.
Treulos
hatte Argyritzos, der "erste Bürger" Baris, sich mit Roberts
Todfeind verbündet und diesem eine Tochter zur Frau
gegeben.
Der Neffe bewies militärisches Geschick, soll
Troia
angegriffen, Bohemund zur Flucht gezwungen und Ascoli Satriano
genommen
haben. Vor den Toren der Stadt Cosenza kam es zu einer der wenigen
Feldschlachten
des "Bürgerkriegs".
Abälard, der die Baresen anführte,
wurde schwer verwundet. Sein Panzerhemd "wird von einer Lanze
durchbohrt."
Die Baresen flohen hinter ihre festen Mauern. Angesichts der
großen
Armee ergab sich die Stadt.
Abälard soll als einziger vom Frieden
ausgeschlossen und aus Bari verbannt worden sein. In einer
Schenkungsurkunde
seines Onkels für das Kloster Montecassino vom Juni 1080 erscheint
jedoch auch der Neffe unter den Signataren, die der Dotation zustimmen.
Falls das Dokument echt ist, müßte Abälard
damals
von Guiscard jedenfalls vorübergehend wieder in Gnaden
aufgenommen
worden sein.
Im Vergleich zu den Empörungen früherer Jahre
hat es sich 1081 bis 1083 nur noch um ein letztes Aufflackern des
Widerstands
gehandelt. Abälard setzte sich offenbar endgültig in
das
Rhomäerreich ab, wo er jung gestorben sein soll. Sein Bruder
Hermann
ist spätestens 1096 wieder im Besitz der Grafschaft Canne. Abälard
verlor
alles, weil er kompromißlos war und nach dem Herzogsamt strebte.
Rechtlichen Anspruch hatte er darauf nicht. Das Amt dees
Heerführers
der apulischen Normannen ist nicht erblich, sondern ein Wahlamt
gewesen.
Mit dem Landbesitz seines Vaters Humfred, den der Onkel dem
Neffen
zu großen Teilen entwendete, hat es eine andere Bewandnis.
Mit der Bestrafung Gradilons wollte der HAUTEVILLE
seiner eigenen Sippe ein warnendes Bespiel geben. Schließlich war
dieser Gegner ein angeheirateter Verwandter. Eine Körperstrafe am
Neffen Abälard hätte zuviel Unmut erregt. Durch
rechtswidirge
Aneignung von seines Bruders Humfred Eigenland hat Robert
sich in Abälard einen Todfeind geschaffen.
oo N.N., Tochter des Argyritzos, des "ersten
Bürger"
Baris
†
Literatur:
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Bünemann, Richard: Robert Guiskard
1015-1085.
Ein Normanne erobert Süditalien. Böhlau Verlag GmbH &
Cie,
Köln 1997 Seite 26,79,82,86,
88,92,101,130,171,173,176-181,185,191,195,203,232,245,248,254 -