SELEUKIDEN-Reich 305-64 v.u.Z.

Großreich als Nachfolgestaat des Alexander-Reiches in Vorderasien, verlor Pergamon 262 v.u.Z., Kappadokien 255 v.u.Z., Baktrien 239/38 v.u.Z., Judäa ab 167v.u.Z., Iran um 160 v.u.Z. und Mesopotamien 129 v.u.Z. Das Restreich in Nord-Syrien und Kilikien wurde 64/63 v. u.Z. römische Provinz.
 

KLEINES LEXIKON DES HELLENISMUS.: Seite 718-719
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VI. DAS ENDE DER SELEUKIDEN:
1. Die folgenden Jahrzehnte des raschen Niedergangs bis zum endgültigen Verschwinden des
    SELEUKIDEN-Reiches sind beherrscht von blutigen Kämpfen zwischen zwei Linien des Hauses,
    begründet von den Brüdern Demetrios II. und Antiochos VII., und vom häufigen Eingreifen der
    mit diesen Linien vielfach verschwägerten PTOLEMÄER sowie der Römer.
2. Demetrios II. (2. Regierungsperiode 129-125) war beim Partherzug seines Bruders als
    Gegenkandidat nach Syrien entlassen woorden (130). Gegen ihn stellte Ptolemaios VIII. den
    Alexander Zabinas (130/29-123) auf, einen angeblichen Sohn des Alexander I. oder
    Adoptiv-Sohn des Antiochos VII. 125 wurde Demetrios von Alexander II. besiegt; seine
    ehemalige Frau Kleopatra Thea ließ ihn ermorden, bald darauf den Seleukos V. (125), ihren
    ältesten Sohn von Demetrios; sie erhob den jüngeren Sohn, Antiochos VIII. Epiphanes
    Philometor Kallinikos "Grypos" (125-96), zum Mitregenten. Alexander II. wurde von Ägypten
    fallengelassen und 123 von Antiochos VIII. besiegt und hingerichtet. Antiochos VIII. zwang 121
    seine Mutter zum Selbstmord, sah seine Herrschaft aber schon bald bestritten: Seit (spätestens)
    114/13 trat gegen ihn sein Vetter und Halbbruder Antiochos IX. Philopator "Kyzikenos" (in
    Kyzikos erzogen; ca. 114-95) auf, ein Sohn des Antiochos VII. und der Kleopatra Thea.
    Antiochos VIII. wurde 113 vertrieben, konnte sich aber 111 wieder in Kilikien und Tteilen
    Nord-Syriens festsetzen, während Antiochos IX. besonders in Koilesyrien herrschte, wo er gegen
    die Juden zu kämpfen hatte. In ihre wechselvollen Kämpfe wirkte der gleichzeitige Zwist im
    verschwägerten PTOLEMÄER-Haus hinein; Antiochos VIII. wurde von Ptolemaios X.,
    Antiochos IX. von Ptolemaios IX. unterstützt. Antiochos VIII. verlor Teile Kilikiens an Rom
    (103), die Ansprüche auf Kommagene als Mitgift seiner Tochter Laodike und wurde 96 ermordet.
3. Die letzten Jahre des SELLEUKIDEN-Reiches sind gekennnzeichnet durch das (nicht nur aus
    Quellenmangel) schier unübersichtliche Durcheinander der Kämpfe zwischen der jüngeren Linie
    (Antiochos IX., X.) und den fünf zum Teil auch untereinander verfeindeten Söhnen des Antiochos
    VIII., von denen jjeder nur in Teilen  des im wesentlichen auf Syrien zusammengeschrumpfften
    SELEUKIDEN-Reiches regierte.
    Seleukos VI. Epiphanes Nikator (96-95), ältester Sohn des Antiochos VIII., schlug 95 seinen
    Oheim Antiochos IX. (Selbstmord), wurde aber noch 95 von dessen Sohn Antiochos X. Eusebes
    Philopator (95-92 oder 83) verdrängt und von den Einwohnern von Mopsuestia (Kilikien) getötet:
    sein Bruder Antiochos XI. Epiphanes Philopator (94) wollte ihn an Antiochos X. rächen, wurde
    geschlagen und ertrank. Inzwischen hatte Ptolemaios IX. den 4. Bruder Demetrios III. Theos
    Philopator Soter "Eukairos" (96/95-88) gekrönt; er herrschte um Damaskus, der 3. Bruder
    Philipp I. Epiphanes Philadelphos (94-83) in anderen Teilen des Rest-Reichs; beide hatten gegen
    ihren Vetter Antiochos X., Demetrios auch gegen die Juden zu kämpfen. 88 wurde er von den
    Arabern und Parthern gefangengenommen und starb in parthischer Gefangenschaft. Um 87 erhob
    sich der jüngste Bruder, Antiochos XII. Dionysios Epiphanes Philopator Kallinikos in
    Damaskus gegen Philipp I.; er fiel um 84 gegen die Nabatäer.
    In diesen anarchischen, Syrien ruinierenden Zuständen rief die Bevölkerung einen fremden
    Herrscher ins Land: Tigranes II. von Armenien machte Syrien zur armenischen Provinz (83-69).
    Philipp I. starb wenig später in einem kilikischen Rest-Reich. Das Schicksal des Antiochos X. ist
    unklar; nach Josephos fiel er schon 92 gegen die Parther; nach Appian und anderen lebte er noch
    83 und verlor sein Teil-Reich an Tigranes.
    Als Tigranes' armenisches Großreich 69 zusammenbrach, fiel Syrien mit Duldung des Lucullus an
    den Sohn des Antiochos X., Antiochos XIII. Philadelphos "Asiatikos" (69-64), der 75 als Sohn
    der PTOLEMÄERIN Kleopatra Selene erfolglos Ansprüche auf den ägyptischen Thron
    erhoben hatte. Schon um 76/66 vertrieb ihn mit  arabischer Hilfe Philipp II. (67/66-66/65), ein
    Sohn Philipps I., der sich eine kleine Herrschaft in Kilikien gerettet hatte; seine Herrschaft wurde
    schon 66/65 durch Aufständische beendet; er zog sich nach Kilikien zurück und bewarb sich 57/56
    vergeblich (Einspruch Roms) um den ptolemäischen Thron und die Hand der Berenike IV.
    (Tochter des Ptolemaios XII.). Antiochos XIII. war inn Gefangenschaft des Emirs
    Samsikeramos geraten; 65/64 entlassen, regierte er noch einmal kurze Zeit, wurde aber 64 von
    Pompeius entthront und bald von Samsikeramos beseitigt. Syrien wurde römische Provinz.
 

Seleukidische Herrscher
Seleukos I. Nikator (griech. "der Siegreiche", König ab 306) (312 v. Chr. - 281 v. Chr.)
Antiochos I. Soter (281 v. Chr. - 261 v. Chr.)
Antiochos II. Theos (261 v. Chr. - 246 v. Chr.)
Seleukos II. Kallinikos (246 v. Chr. - 225 v. Chr.)
Seleukos III. Soter Keraunos (225 v. Chr. - 223 v. Chr.)
Antiochos III. der Große (223 v. Chr. - 187 v. Chr.)
Seleukos IV. Philopator (187 v. Chr. - 175 v. Chr.)
Antiochos IV. Epiphanes (175 v. Chr. - 164 v. Chr.)
Antiochos V. Eupator (164 v. Chr. - 162 v. Chr.)
Demetrios I. Soter (162 v. Chr. - 150 v. Chr.)
Alexander I. Balas (150 v. Chr. - 145 v. Chr.)
Demetrios II. Nikator (145 v. Chr. - 139/138 v. Chr.) (zum ersten Mal)
Antiochos VI. Epiphanes Dionysos (145 v. Chr. - 142 v. Chr.)
Diodotos Tryphon (142 v. Chr. - 138 v. Chr.)
Antiochos VII. Euergetes Sidetes (139/138 v. Chr. - 129 v. Chr.)
Demetrios II. Nikator (129 v. Chr. - 125 v. Chr.) (zum zweiten Mal)
Alexander II. Zabinas (128 v. Chr. - 123 v. Chr.)
Seleukos V. Philometor (126 v. Chr. - 125 v. Chr.)
Kleopatra Thea (125 v. Chr. - 121 v. Chr.)
Antiochos VIII. Epiphanes Philometor (123 v. Chr. - 96 v. Chr.)
Antiochos IX. Philometor (114 v. Chr. - 95 v. Chr.)
Seleukos VI. Epiphanes (96 v. Chr. - 95 v. Chr.)
Antiochos X. Eusebes Philometor (95 v. Chr. - 83 v. Chr.)
Demetrios III. Theos Philopator (95 v. Chr. - 88 v. Chr.)
Antiochos XI. Epiphanes (95 v. Chr. - 92 v. Chr.)
Philipp I. Epiphanes Philadelphos (92 v. Chr. - 83 v. Chr.)
Antiochos XII. Dionysos Epiphanes (87 v. Chr. - 84 v. Chr.)
Tigranes der Große (83 v. Chr. - 69 v. Chr.)
Seleukos VII. (70er Jahre v. Chr.)
Antiochos XIII. Philadelphos (69 v. Chr. - 64 v. Chr.; 58 v. Chr.)
Philipp II. Philoromaeus (60er Jahre v. Chr. als Klientelkönig des Gnaeus Pompeius Magnus)