SELEUKIDEN
 

Lexikon Alte Kulturen: Band III Seite 370
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Seleukiden
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Hellenistischer, von Seleukos I. Nikator begründete Dynastie (312-64/63 v. Chr.) aus dem makedonischen Adel. Seleukos bemächtigte sich in den Wirren nach dem Tod Alexanders des Großen 312 der Satrapie Babylon und gründete so das SELEUKIDEN-Reich, um 304 kam der Osten des ehemaligen Alexander-Reichs bis zum Indus hinzu. 301 (Schlacht bei Ipsos) auch Syrien; mit seinem Sohn Antiochos I. Soter eroberte er bis zu seinem Tod (281) West- und Süd-Kleinasien. Mitte des 3. Jh. fiel jedoch Baktrien ab, durch die wachsende Macht der Parther ging Parthien verloren. Pergamon war 262, Kappadokien 255 unabhängig geworden, den Krieg zwischen Seleukos II. Kallinikos und seinem Bruder (241-239?) nutzte Attalos I. Soter, um Pergamons Macht auszudehnen. Dazu kamen die Verluste an die PTOLEMÄER in den Syrischen Kriegen (ab 274), der Verlust West-Kleinasiens an Pergamon und Rhodos (188, Friede von Apameia), der jüdische MAKKABÄER-Aufstand (166-160) und die Einnahme Mesopotamiens durch die Parther. Versuche Antiochos' III., des Großen, Antiochos' IV. Epiphanes und Antiochos' VII. Euergetes Sidites, den Zerfall des Reiches zu verhindern, scheiterten. 64/63 wandte Pompeius den Reststaat zur Provinz Syria um. - Durch Mitherrschaft des ältesten Sohnes sollte die Erbfolge der SELEUKIDEN gesichert werden; Antiochos I. führte den Herrscherkult ein, der seit 193 auch für die lebenden Könige bezeugt ist. Als Residenz diente ihnen das neugegründete Antiochia am Orontes, daneben waren Sardes und Seleukia am Tigris wichtige Verwaltungszentren. Das Vielvölker-Reich selbst war in Satrapien, diese in Hyparchien unterteilt, die von häufig souverän agierenden Statthaltern geleitet wurden, daneben gab es eine große Anzahl an Tempelstaaten unnd Städten, die direkt dem König unterstanden. In der Staatsführung wurde der König durch 'philoi' (Freunde) beraten; die Verwaltung lag ganz in den Hänndend er Angehörigen einer griechisch-makedonischen Oberschicht, von der Syrer, Juden und Perser ausgeschlossen blieben. Daneben waren es die Soldaten, die die Reichsteile zusammenhaltzen sollten; dazu wurden sie in Dörfern, den katoikiai, angesiedelt. Auch die Gründung zahlreicher Städte (Dura-Europos, Laodikeia, Apameia am Orontes, Seleukia) sollte die Einheit der kulturell so unterschiedlichen Gebiete fördern. Dies scheiterte jedoch an der Weigerung der SELEUKIDEN, die einzelnen Völker zu integrieren. So war ihrer Hellenisierung ein dauerhafter Erfolg nur an der syrischen Küste und im Inneren Kleinasiens beschieden.

Literatur: Bouche-Leclerq, A.: Histoire des Seleucides. Paris 1913-14 2 Bände. Nachdruck Aalen 1978. - Cohen, G. M.: The Seleucid colonies. Wiesbaden 1978. - Kreissig, H.: Wirrtschaft und Gesellschaft im Seleukidenreich. Berlin (Ost) 1978. - Momigliano, A.: Hochkulturen im Hellenismus. Die Begegnung der Griechen mit Kelten, Juden, Römnern und Persern. München 1979.