Über Alexanders Mutter
Olympias wurde viel gesagt, obwohl nur
wenig bekannt ist. Sie hatte aus politischen Gründen jung geheiratet,
vermutlich im Jahre 357 v.u.Z. Ihre Heirat schuf die Verbindung zwischen
Epeiros und dem östlichen Nachbarn Makedonien. Nach der Überlieferung
hat Olympias Philipp zum erstenmal
bei der Feier der Mysterien in der Gewölbehalle auf der Insel Samothrake
getroffen. Tatsächlich wurde dieser Kult bald darauf von den makedonischen
Königen bevorzugt, angeblich weil er Olympias'
Geschmack entsprach. Gerüchte und die Behauptungen ihrer Feinde
fügten später hinzu, dass sie den Göttern in exzessiver
Weise diente. Man sagte, sie halte Schlangen für den Kult des Gottes
Dionysos, der in Makedonien lebendig war. Man behauptete sogar, sie ließe
eine zahme Schlange in ihrem Bett schlafen. Eine andere Angelegenheit war
Olympias' Rücksichtslosigkeit.
Während ihres ganzen Lebens zögerte sie nicht mehr als ihre männlichen
Gegner, die Feinde töten zu lassen, die ihr bedrohlich erschienen.
Dabei schreckte sie vor keiner Grausamkeit zurück. Ihre Rache an Philipps
junger Braut ist zweifelsfrei erwiesen, und es ist keineswegs unwahrscheinlich,
dass sich diese auch auf Philipp selbst
erstreckte. Während Alexander
Asien eroberte, stritt sie in der Heimat mit dessen Regenten Antipatros
und mit ihrer eigenen Tochter Kleopatra,
der Herrscherin von Epiros. Ihre Herrschsucht wurde auch von
Aristoteles bemerkt, der ein Freund des Antipatros und ein enger
Vertrauter des Hofes war. Er schrieb, dass Kriegergesellschaften von Frauen
beherrscht werden, nicht zuletzt deshalb, weil ihre Männer solange
auf Kriegszügen abwesend sind. Während er dies schrieb, stand
ihm das schlechte Beispiel der Olympias während
Alexanders Abwesenheit vor Augen. Eine
Inschrift bestätigt, dass sie und nicht Antipatros während
der Abwesenheit des Sohnes der wahre Herrscher Makedoniens war.
Sechs Jahre nach dem Tode Alexanders
nutzte Olympias ihre Chance, sich des
geistesschwachen Philipp III., seiner
Frau und hundert Freunde des Kassandros
zu entledigen. Innerhalb eines Jahres nahm Kassandros
Rache: Olympias wurde in der Küstenstadt
Pydna belagert und mußte ihre Elefanten mit Sägemehl füttern,
während einige ihrer ausländischen Begleiter das Fleisch der
Toten um sie herum aßen; zur Übergabe gezwungen, wurde sie von
Kassandros und den Verwandten ihrer
eigenen Opfer getötet. Genau wie Olympias
Philipp III. getötet hatte, nahm jetzt Kassandros
Rhoxane und Alexanders Sohn
auf seine Rechnung. Der königliche Friedhof in Aigai sah einige wilde
Racheakte. Olympias hatte bereits das
Grab des Iollas, des Sohnes des Antipatros, zerstört,
den sie des Mordes an Alexander beschuldigte.