Ebenso wie Phila ist
auch Kleopatra eine legitime Gattin
des Königs gewesen, Phila am Anfang,
Kleopatra am Ende seiner Regierung.
Philipps Vermählung mit Kleopatra
hat zu einem schweren Zerwürfnis im Königshaus geführt,
denn Olympias hat zwar die Nebenfrauen
geduldet, aber nicht Kleopatra. Sie
hat sogar Makedonien verlassen, da sie zu Tode gekränkt war, und sich
in ihre Heimat Epirus begeben. Das aber war die Trennung von ihrem Gemahl,
ein Bruch, der nicht mehr geheilt worden ist.
Nach einer Erzählung Justins habe Olympias
in ihrem unauslöschlichen Haß gegen ihren ungetreuen
Gatten die Leiche des Mörders Pausanias bekränzen lassen,
eine ganz wertlose Version, denn es ist ja bekannt, dass Olympias
beim Tode Philipps II. sich in Epirus
befand.
Auf die Kunde von Philipps
Ende war Olympias sofort aus dem epirotischen
Exil nach Makedonien zurückgekehrt.
Die Anwesenheit der Olympias
in Makedonien war eine schwere Belastung, denn herrschsüchtig,
wie sie war, lebte sie in ständigem Streit mit Antipater, dem
Stellvertreter Alexanders, über
den sie sich mehrfach bei Alexander
beschwert hat. Alexander hat sich nicht
gescheut, auch die Verwandten des Attalos in den Tod zu schicken.
Während Kleopatra, die Witwe
Philipps II., von Olympias
gezwungen wurde, Selbstmord begehen mußte, wurde ihr
Bruder Hippostratos auf Befehl Alexanders
umgebracht. Kleopatra starb den Tod
durch Erhängen, ihre Tochter von Philipp
mit Namen Europa wurde im Schoß
der Mutter ermordet. Dasselbe gilt von der Behauptung Plutarchs und
Justins, Olympias habe den Mörder
Pausanias angestiftet, während Alexander Mitwisser gewesen
sei. Auch dies ist wenig glaubhaft.
Schwierigkeiten hatte Antipater mit der Herrschsucht
der Königin-Mutter Olympias, die
in viele Dinge hineinredete, aber Alexander hat
sich ganz eindeutig auf Antipaters Seite gestellt und sich die politischen
Aktivitäten seiner Mutter in Makedonien verbeten, worauf diese, zutiefst
gekränkt, das Land verlassen hat, um in ihre Heimat Epirus zurückzukehren.
Die Legende vom Giftmord an ihrem Sohn Alexander
wird wohl von Olympias stammen,
die dem Antipater und seinem Hause spinnefeind war.
Zu seiner Mutter, der epirotischen Prinzessin Olympias,
soll Alexander ein ganz besonders enges
Verhältnis gehabt haben. Als sein Vater Philipp
die junge Kleopatra zu seiner
legitimen Gattin erhob, da verließen Mutter und Sohn den makedonischen
Hof. Mit seiner Mutter hat Alexander
auf seinem Asienfeldzug eine ausgedehnte Korrespondenz unterhalten, aber
die Beziehungen waren nicht ungetrübt, denn mit vielen Dingen, die
Olympias ihm vortrug, war der Sohn
nicht einverstanden. Olympias hat im
Jahr 331 v.u.Z. aus Ärger über den Reichsstatthalter Antipater
noch einmal Makedonien verlassen. In Epirus geriet sie abermals in
Streit, dieses Mal mit ihrer Tochter Kleopatra,
der Gattin Alexanders des Molossers.
Von einem besonders herzlichen Verhältnis zwischen
Mutter und Sohn kann keine Rede sein, dazu war Olympias eine Frau, die
in ihrer maßlosen Herrschsucht über Leichen ging, wenn dies
ihrem Interesse entsprach. Von dieser Seite her hat Alexander wenig menschliche
Wärme erfahren, sein vielfach unberechenbares Wesen wird man wohl
auf die Mutter zurückführen müssen.
Olympias war von
Polyperchon, dem unzulänglichen Nachfolger Antipaters,
317 v.u.Z. nach Makedonien zurückgerufen worden. Sie hatte nichts
Eiligeres zu tun, als das regierende Herrscherpaar in Makedonien, Philipp
III. Arrhidaios und Eurydike,
gefangenzusetzen. Wir wissen nicht, ob die Überlieferung hier korrekt
ist, die davon berichtet, dass Olympias die
beiden Gefangenen in unvorstellbarer Weise gequält habe. Schließlich
habe sie einen Thraker damit beauftragt, Philipp
III. zu erstechen, während Eurydike
zum Selbstmord durch Erhängen gezwungen wurde. Dies alles
geht auf das Schuldkonto der Olympias,
aber sie hatte wenig Nutzen davon, denn Kassander,
ihr grimmigster Feind, ließ sie in Pydna und später in Amphipolis
belagern. Kassander aber stellte sie,
nachdem er ihrer habhaft geworden war, vor die makedonische Heeresversammlung,
sie endete durch die Schwerter der Makedonen, denn ihr Wüten
gegen Kassander und seine Freunde hatte
man ihr nicht verziehen. Der Tod der Olympias
fiel in das Frühjahr 316 v.u.Z.
Niemand kann behaupten, Olympias
habe die Interessen ihres Sohnes Alexander und
seiner Familie in glücklicher Weise vertreten. Das Gegenteil ist der
Fall gewesen, ihre Politik war auf unerbittlichem Haß gegen Antipater
und Kassander gegründet, und
hier kannte sie kein Erbarmen. Der einzige Maßstab ihres Handelns
war ihre überschäumende Herrschsucht, die sich in furchtbaren
Exzessen Luft machte. Solange sie lebte, war ihre Existenz ein einziger
schwerer Alpdruck, schon Alexander
hatte seine liebe Not gehabt, die Mutter in Briefen zu ermahnen, nicht
zu weit zu gehen. Und sein Tod in Babylon vollends war auch für Olympias
ein großes Unglück, weil ihr nun der Kompaß
fehlte, nach dem sie sich hätte richten können. Ernst Kornemann
hat Olympias ein "balkanisches Teufelsweib"
genannt. Im Sinne Alexanders hat Olympias
nichts geleistet, sie war und blieb eine Belastung, und wenn
auch Alexander alles versucht hat,
ihren Ehrgeiz in geregelte Bahnen zu lenken, so waren seine Mühen
doch zumeist vergebens. Man muß zugeben, dass Olympias
die Untreue ihres Gatten zu schaffen gemacht hat, sie wurde geradezu aus
der Bahn geworfen und hat niemals wieder festen Grund unter den Füßen
gefunden. Wenn sie die junge Witwe Philipps II.,
Kleopatra, und deren Tochter Europa
umgebracht hat, so war auch dies ein Zeichen ihres abgrundtiefen
Hasses.