Bald nach der Geburt des Ptolemaios
Memphites soll Ptolemaios VIII. Euergetes
II. mit Kleopatra III.,
der jüngeren Tochter seiner Schwestergemahlin und seiner
eigenen Nichte und Stieftochter, eine intime Beziehung begonnen haben.
141/40 v.u.Z. heiratete er Kleopatra III.
zusätzlich in aller Form und erhob sie zur ebenbürtigen Königin
neben Kleopatra II. Der König
hatte mit dieser Tat seine Schwester zutiefst verletzt und zugleich Mutter
und Tochter zu erbitterten Rivalinnen gemacht. Der durch die Vorgehensweise
des Königs heraufbeschworene Haß der beiden Frauen aufeinander
sowie die wiederaufgebrochene Gegnerschaft zwischen Ptolemaios
VIII. und Kleopatra II.
sollten für Dynastie und Reich die schlimmsten Folgen haben.
Während des Bürgerkrieges mit seiner Schwester
floh Ptolemaios VIII. (Herbst 131 v.u.Z.)
mit seiner zweiten Gattin Kleopatra III.
nach Zypern, um mit den ihm ergebenen Söldnern nach Ägypten zurückzukehren.
Bald danach wird er mit Heeresmacht nach Ägypten zurückgekehrt
sein, denn im Frühling 130 v.u.Z. wurde bereits in Memphis nach ihm
und Kleopatra III. datiert. In diesem
Sinne gehört er auch zur politischen Geschichte, dass nun gleichzeitig
ein neuer eponymer Priester mit der Bezeichnung "Hieropolos" für die
als "Isis, die Große, die Mutter der Götter" vergöttlichte
Kleopatra III. geschaffen wurde. Damit
wurde Kleopatra III. über die
auf der Gegenseite stehende Thea Philometor Soteira hinausgehoben.
Durch die Ermordung des Memphites
war der spätere Ptolemaios IX.
Soter II. zum Kronprinzen aufgerückt; die antike
Überlieferung ist sich darüber einig, dass er der ältere
Sohn von Kleopatra III. war. Ptolemaios
IX. wird demnach 140/39 v.u.Z. zur Welt gekommen sein. Nicht
lange vor dem Tode seines Vaters erhielt er auf Betreiben von Kleopatra
III. die Funktion eines Generalgouverneurs von Zypern.
Kleopatra III., die ihn nicht mochte,
ließ ihn offenbar dorthin abschieben, um seinem jüngeren Bruder,
dem späteren Ptolemaios X. Alexander I.
die Thronfolge zu erleichtern. Abgesehen von diesen beiden Söhnen
hatten Ptolemaios VIII. und Kleopatra III.
noch drei Töchter.
Die älteste war vermutlich Tryphaina,
die 124/23 v.u.Z. Antiochos VIII. Grypos
geheiratet hatte;
obgleich der "Kleopatra"-Name für sie
nicht überliefert ist, hat sie als "Kleopatra
Tryphaina" in
die moderne Literatur Eingang gefunden.
Die zweite Tochter, Kleopatra
IV., wurde noch sehr jung mit ihrem Bruder Ptolemaios
IX.
verheiratet.
Die jüngste Tochter erhielt den Namen
Selene.
Die außergewöhnliche Nachfolgeregelung, die
Ptolemaios VIII. († 28. Juni 116
v.u.Z.) in seinem Testament getroffen hatte, zeigt, dass er
der schwierigen familiären Situation nicht mehr gewachsen war. Sicher
unter dem Einfluß von Kleopatra III.
hatte er das Königreich Ägypten ihr selbst "und demjenigen
von den Söhnen, den sie für die Herrschaft auswählen würde",
hinterlassen. Die Kyrenaika hatte er als selbständiges Königreich
für Ptolemaios Apion vorgesehen.
Was für Zypern bestimmt war, bleibt offen; entweder sollte die Insel
weiterhin von Alexandria aus regiert werden oder einen weitgehend unabhängigen
Herrschaftsbereich des nicht in Alexandria regierenden Sohnes darstellen.
Tatsache ist, dass Ptolemaios VIII. Euergetes
II. die übliche Nachfolgeregelung, die auf den ältesten
Sohn abzielen würde, außer acht ließ und die gesamte Macht
seiner jüngeren Frau übertrug.
Kleopatra III. wollte
ihren jüngeren Sohn Ptolemaios X. Alexander
I. zum Mitregenten nehmen, jedoch konnte ihre Mutter und
Rivalin Kleopatra II. dies vereiteln:
Heer und Volk erhoben in Alexandria den älteren PTOLEMÄER
zum König, so dass Kleopatra III.
nun gezwungen war, ihn als Ko-Pharao zu akzeptieren. Gleichzeitig setzte
Kleopatra II. ihre eigene Teilnahme
an der Regierung durch. Diese Dreierherrschaft ist durch eine demotische
Urkunde vom 29. Oktober 116 v.u.Z. bezeugt; voran stehen die beiden
Pharaoninnen mit Namen Kleopatra, als
dritter erscheint der Pharao Ptolemaios
mit dem Kultnamen Philometor Soter. Noch vor Ende
116 v.u.Z. wird Kleopatra II. gestorben
sein. Von da an regierte nach Ausweis der Urkunden Kleopatra
III. mit Ptolemaios IX. (116
v.u.Z.-107 v.u.Z.). Sie zählten ihre Regierungsjahre vom
Tode Ptolemaios' VIII. an und
propagierten mit ihren Kultnamen ein Bild von dynastischer Solidarität:
Sie war Philometor Soteira, er weiterhin Philometor
Soter, zusammen traten sie als Theoi Philometores Soteres
auf; gelegentlich erschien die regierende Kleopatra
wie zur Zeit des achten PTOLEMÄERS
auch als Thea Euergetis. Der von der Mutter abhängige König
erhielt bald die Spitznamen Lathyros ("Kichererbse")
und Physkon ("Fettwanst"); mit
diesem letzteren war bereits sein Vater Euergetes
II. bedacht worden.
In Alexandria sollten die dynastischen Machtkämpfe
bald wieder ausbrechen. Kleopatra III.
gelang es, das alexandrinische Volk gegen den König aufzuhetzen. Sie
verbreitete das Gerücht, dass Ptolemaios
IX. Soter II. einen Anschlag auf sie inszeniert hätte.
Im Herbst 107 v.u.Z. mußte er aus Alexandria fliehen; seine Schwestergemahlin
Selene und die beiden Söhne, die
sie ihm geboren hatte, mußten zurückbleiben. Während dieser
Vorgänge verließ Ptolemaios X. Alexander
I., der seit 114/13 v.u.Z. auf Zypern als König regierte,
die Insel und begab sich an die ägyptische Grenze. Von Pelusion holte
Kleopatra III. ihren jüngeren
Sohn nach Alexandria und erhob ihn in der Nachfolge Ptolemaios'
IX. zu ihrem Mitregenten auf den Thron des PTOLEMÄER-Reiches.
Es war in der Tat ein revolutionärer Schritt, dass
die Frau an der Spitze des Staates den einen Sohn vertrieb und sich dafür
den anderen in die Funktion eines marionettenhaften Mitregenten holte.
Kleopatra III. ordnete nun eine offizielle
Doppelzählung der Regierungsjahre an, indem ihr elften Jahr mit dem
achten Alexanders gleichgesetzt wurde.
Die Periode begann Anfang November 107 v.u.Z. und endete mit dem Tod der
Königin gegen Anfang September 101 v.u.Z. Die Vorrangstellung
der Königin-Mutter wird durch die auf sie zu beziehende, vorangestellte
höhere Regierungszahl unterstrichen. Zunächst übernahm Ptolemaios
X. das Amt des Alexanderpriesters von seinem vertriebenen, älteren
Bruder (107 v.u.Z.-105 v.u.Z.) Danach kam es zu einem ungeheuerlichen Akt
von seiten der herrschsüchtigen Kleopatra
III.: Sie übernahm für 105/04 v.u.Z. selbst als Frau
dieses höchste hellenistische, männliche Priesteramt und
verstieß damit gegen den innersten Bereich der staatlichen, ptolemäischen
Tradition.
Kleopatra III., die
sich auch im eigenen Bereich auf die jüdischen Feldherrn Chelkias
und Ananias, die Söhne Onias' IV. stützte,
hatte schon vorher mit dem Juden-König Alexander
Iannaios geheim verhandelt. Das Vorrücken
Ptolemaios IX. Soters II. gegen Ägypten veranlaßte
die Königin zum Eingreifen. Vorher brachte sie angesichts der gefährlichen
innenpolitischen Lage ihre drei Enkel (die späteren Könige
Ptolemaios XI., XII.
und Ptolemaios von Zypern) samt
einem großen Teil ihres Schatzes im Asklepieion auf der Insel Kos
in Sicherheit. Kleopatra III. schickte
nun ihren Sohn Alexander mit einer
Flotte nach Phönikien (Spätsommer 103 v.u.Z.); dieser marschierte
von dort sogar nach Damaskus. Sie selbst kam mit ihrer ganzen Heeresmacht
über Land nach Ptolemais, wurde ebenfalls nicht eingelassen und belagerte
die Stadt (etwa September 103 v.u.Z.). Die Stadt Ptolemais mußte
sich offensichtlich am Beginn des Jahres 102 v.u.Z. den Truppen der Kleopatra
III. ergeben. Der König der Juden Alexander
Iannaios begab sich nun zu Kleopatra
nach Ptolemais, um ihr zu huldigen. Mit diesem schloß sie einen Vertrag.
Daraufhin kehrte die Königin nach Ägypten zurück, obgleich
sie ihre Truppen noch bis Ende September 102 v.u.Z. in Ptolemais beließ,
vermutlich um Soter II. von weiteren
Unternehmungen in Syrien abzuschrecken. Kleopatra
III. hatte bereits vor Ausbruch des Krieges von 103 v.u.Z. für
Antiochos VIII. Partei ergriffen, ihm materielle Hilfe und ihre
Tochter Selene als Frau geschickt; diese
hatte Soter II. bei seiner Flucht aus
Alexandria zurücklassen müssen.
Noch vor Ende des 2. Jahrhunderts v.u.Z. kam es zu Konflikten
zwischen Ptolemaios X. und Kleopatra
III. Entweder vor oder nach dem Syrienkrieg flüchtete der
König vor seiner Mutter, ließ sich aber bald zur Rückkehr
bewegen. Im Spätsommer 101 v.u.Z. brachte er sie um. Mit Kleopatra
III. fand eine der herrschsüchtigsten PTOLEMÄERINNEN
ihr Ende, die ihrer Mutter Kleopatra II. um
nichts nachstand.