Kallisthenes                                    Griechischer Historiker
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um 370 v.u.Z. 327 v.u.Z. hingerichtet
 

Sohn des N.N.; Neffe des Aristoteles
 

Illustriertes Lexikon des Altertums: Seite 213
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Kallisthenes
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Griechischer Historiker; ein Neffe von Aristoteles. Kallisthenes war Alexanders offizieler Geschichtsschreiber im persischen Feldzug. Er pries Alexander „in den Himmel“ - er deutete an, Alexander sei ein Sohn des Zeus. Trotzdem wandte sich Kallisthenes 327 v. Chr. gegen Alexanders Versuch, an seinem Hof die Proskynese, den Kniefall, einzuführen. Bald darauf beschuldigte Alexander ihn der Teilnahme an einer Verschwörung und ließ ihn hinrichten. Kallisthenes' nicht überlieferte Alexander-Geschichte dürfte vielen späteren Autoren als Vorlage gedient haben.

Literatur:
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Jakoby, Fragmente griech. Historiker, 1923, 124; L. Pearson, Lost Histries of Alexander, 1960,  22-49; Berve, Alexander 2, 408.



Lexikon Alte Kulturen: Band II Seite 407
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Kallisthenes, griechischer Geschichtsschreiber
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* um 370 Chr. 327 v. Chr.
Olynthos            Baktra

Großneffe und Schüler des Aristoteles

Kallisthenes stellte sein schriftstellerisches Schaffen in den Dienst der makedonischen Politik und verherrlichte Alexander den Großen in seinem Werk ‚Taten Alexanders‘ (Alexandros praxeis; mindestens bis 331 v. Chr. reichende erste selbständige Darstellung dieses Stoffs); galt fälschlich als Verfasser des phantasiereichen Alexander-Romans. Seine  'Griechische Geschichte' (Helenika) umfaßte in zehn Büchern die Jahre von 386 bis 356. Alle Werke sind nur fragmentarisch überliefert. Wegen angeblicher Teilnahme an einer Verschwörung gegen Alexander hingerichtet.

Ausgabe: FGrH Band IIB, 1. Berlin 1927. Nachdruck Leiden 1962.



Lexikon der Antike: Seite 274
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Kallisthenes,
um 370 v.u.Z.-327 v.u.Z.

Griechischer Historiker, Neffe des Aristoteles

Kallisthenes nahm als makedonischer Hofhistoriograph am Perserfeldzug Alexanders des Großen teil und beschrieb die "Taten Alexanders", worin er dessen Leistungen legendär verherrlichte und den König als Vorkämpfer des Panhellenismus feierte. Zu einem Bruch mit Alexander kam es wegen der Proskynese, die Kallisthenes verweigerte. Deshalb wurde er 327 v.u.Z. hingerichtet. Das Geschichtswerk von Kallisthenes wurde zum Ausgangspunkt einer Alexander-Legende. Unter dem Namen des Kallisthenes ist ein populärwissenschaftlicher, romanhafter Alexander-Roman überliefert, der in 30 Sprachen übersetzt und bis ins Mittelalter hinein gern gelesen wurde.

Literatur:
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A. Ausfeld, Der griechische Alexanderromen, Leipzig 1907; G. Kroll, Historia Alexandri Magni, Berlin 1926.



Fox Robin Lane: Seite 219,220-223
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"Die Suche nach Alexander."

An einem Abend sollte Versuch bei einem Fest unternommen werden. Jeder Gast mußte nach dem Mahl einen goldenen Becher nehmen und daraus trinken, während Alexander sich dem Feuer zuwandte. Dann folgten der Trinkspruch und ein Trankopfer. Bis dahin verlief alles in Übereinstimmung mit den Gebräuchen bei jedem griechischen Trinkgelage. Danach mußte jeder die persische Rolle spielen und seine Hand, Alexander zugewandt, küssen. Alle Gäste gehörten zum engsten Kreis der Höflinge, und so mußten sie sich dabei nur leicht nach vorn beugen, wie es bei den hohen Beamten der Fall war, die in Persepolis dargestellt sind. Keiner aus diesem Kreis mußte sich zu Boden werfen. Statt dessen ging danach jeder der Gäste zu Alexander und tauschte einen Kuß mit ihm, vielleicht auf die Wange und vielleicht auf den Mund. Der Becher ging rundherum, und jeder Gast kam der Forderung nach. Aber als Kallisthenes, der Vetter des Aristoteles, an der Reihe war, trank dieser, unterließ jede Geste und ging direkt auf Alexander zu. Hephaistion hatte den König in ein Gespräch verwickelt, so dass er das Versäumnis des Hofgeschichtsschreibers nicht bemerkte. Aber ein Leibwächter wies darauf hin, und so verweigerte Alexander seinen Kuß. "Sehr schön", sagte Kallisthenes. "So gehe ich um einen Kuß ärmer."
Der Protest des Kallisthenes ist bezeichnend für ihn. Als ein "Schmeichler, dessen Geschichte aus Alexander einen Gott machen wollte", kann er die "Proskynese" nicht im griechischen Sinne als Geste angesehen haben, die nur einem Gott zusteht. Er dürfte sich ihr kaum aus religiösen Gründen widersetzt haben. Er wußte natürlich, dass die Geste bei den Persern eine soziale Rangabstufung beschrieb. Dies war für ihn schmerzlicher. Aristoteles hatte behauptet, die Barbaren seien von Natur aus Sklaven, und für seinen Schüler war die "Proskynesis" damit ein Beweis für den verachtenswerten Mangel an Freiheit. Kallisthenes war in seiner Erziehung verwurzelt. Er hatte die Themen der griechischen Kultur als Student förmlich aufgesogen. Er analysierte die griechischen Mythen. Er stimmte der Ansicht zu, dass ein Teil der Ägypter athenischer Abstammung sei. Er hatte früher in seiner Geschichte beschrieben, wie die Wellen an der lykischen Küste einen Bogen bildeten und dem vorbeiziehenden Alexander damit die Proskynesis" erwiesen. Eine solche Erniedrigung mochte zu barbarischen Wellen passen, aber für einen Griechen schmeckte sie nach Sklaverei und Hochmut.
In der Stellung des Kallisthenes liegt eine tiefe Ironie. Am Anfang hatte er Alexander als den göttlichen Sohn des Zeus gerühmt, als Rächer der Schmach, welche die Griechen durch die persischen Könige erlitten hatten. Es ist wahrscheinlich, aber nicht gewiß, dass seine "Taten Alexanders" im Jahr der Gefangennahme des Dareios endete. In diesem Jahr hatte sich aber das Bild Alexanders geändert. In den wenigen bekannten Sätzen der Geschichte des Kallisthenes könnte sich sogar ein Hinweis darauf finden, dass bereits diese Änderung für ihn ein Verrat am Gedanken des griechischen Rachefeldzugs darstellte. Als er die Geschichte von Gaugamela niederschrieb, mag Kallisthenes im Nachhinein bei Parmenion einen Abscheu gegenüber barbarischem "Hochmut" und barbarischer "Zügellosigkeit" gesehen haben. Der Lobredner begann sein Mißfallen zu äußern.
Es gibt noch andere Berichte über die Spitzfindigkeiten des Kallisthenes und seine fehlende Bereitschaft, ein Zugeständnis zu machen. Eine davon ist wichtig, nicht zuletzt wegen ihrer Herkunft. Chares, der Zeremonienmeister des Hofes, berichtete, wie einmal beim Mahl ein Becher mit unverdünntem Wein die Runde machte und zu Kallisthenes kam. Dieser weigerte sich zu trinken und wurde deshalb mit dem Ellbogen angestoßen. Darauf entgegnete Kallisthenes: "Ich will nicht von Alexander trinken und danach auf Asklepios, den Gott der Medizin, angewiesen sein." Wie die "Proskynesis" gehörte auch das Trinken von unverdünntem Wein zur "Zügellosigkeit" und zum "Hochmut" der Barbaren.
Nach dem Protest des Kallisthenes wurde die "Proskynesis" vermutlich nicht bei den makedonischen Offizieren eingeführt. Aber die Bindungen zwischen dem Geschichtsschreiber und den makedonischen Generälen sind wahrscheinlich nicht eng gewesen. Er kämpfte nicht, und er trank nicht, und er war in gewisser Weise auch zu klug. Alexanders taktvoller Versuch hätte einen besseren Ausgang verdient. Aber der Widerstand war damit nicht beendet. Als er offen ausbrach, hatte er sich unerwartet bei einer anderen Gruppe gebildet: nicht bei den treuen Makedonen, bei den Männern wie dem loyalen Krateros, und nicht bei Philipps Veteranen, die insgesamt zufrieden ihren Dienst verrichteten, sondern bei einer Gruppe, welche die Kluft zwischen den Generationen wieder einmal deutlich machen sollte.
Bei einem kleinen baktrischen Dorf, vielleicht nahe dem heutigen Aqcha, waren vier Abteilungen gegen die letzten Rebellen des Spitamenes ausgeschwärmt. In dieser Zeit wurde im Lager eine ernste Verschwörung gegen Alexander aufgedeckt. Sie entstand bei den königlichen Pagen, den jungen Söhnen der Adeligen, die am Hof ausgebildet wurden. Acht von ihnen hatten den Entschluß gefaßt, Alexander zu töten, wenn er am Abend zu seinem Zelt zurückkehrte. Die Bewachung des königlichen Zeltes war ein Privileg der Pagen. Aber ausgerechnet in dieser Nacht war Alexander lange beim Wein sitzen geblieben. Die Leidenschaft, die für Persepolis und für Kleitos das Ende bedeutete, hat Alexander in diesem Fall das Leben gerettet. Als er erst in der Morgendämmerung vom Wein aufstand, kam er zu seinem Zelt, als die Gruppe der Verschwörer bereits abgelöst war. So legte er sich sicher zum Schlafen nieder.
Als die Pagen in dieser Nacht lange Zeit gewartet hatten, war die Verschwörung bereits einige Tage alt. Nach dem Scheitern offenbarte sich einer der Verschwörer seinem unschuldigen Bruder. Die Hinrichtungen erfolgten bald darauf in aller Öffentlichkeit, vermutlich durch Steinigung. Für die Verschwörung können verschiedene Motive gefunden werden. Der Rädelsführer soll ausgepeitscht worden sein, als er bei einer Eberjagd dem König das Vorrecht nahm, zuerst zu schießen. Er nahm diese Bestrafung eben so übel, wie dies auch früher bei Persern der Fall gewesen war. Zur Rache zettelte er eine Verschwörung an. Bei mindestens zwei Verschwörern scheinen die Väter kurz zuvor ihren Posten verloren oder ihn gegen einen anderen eingetauscht zu haben. Dies könnte sie ebenfalls bewogen haben, sich daran zu beteiligen, auch wenn die Beteiligung anderer Komplizen gegen die familiären Bindungen stand. Spätere Berichte betonen vor allem die Überzeugungen der Pagen: den Verlust ihrer Freiheit und den Haß gegen die östliche Form des Königtums. In diesem Fall mag daran sogar etwas Wahres gewesen sein.
Hinter der Verschwörung können aber keine makedonischen Traditionen gestanden haben. Einer der Verschwörer war ein Thraker. Der Grund war anscheinend eher allgemeiner Natur. Schließlich waren die Pagen unerfahrene Jugendliche. Selbst wenn Alexander einen Sohn oder zwei Väter vor den Kopf gestoßen hatte, muß man dies nur als Teil ihrer täglichen Erfahrungen sehen. So wurde hinter der Verschwörung ein Älterer gesehen: Kallisthenes wurde ergriffen und verantwortlich gemacht.
Wie Aristoteles war er sicherlich dazu aufgefordert worden, bei der Erziehung der Pagen zu helfen. Schließlich war sein Geschichtswerk fertiggestellt, und die Aufgabe des Erziehers entsprach ihm. Die jüngsten Ereignisse könnten ihn nur dazu gebracht haben, seine Meinung von der einzig sicheren Zuhörerschaft, die er hatte, auszusprechen, wobei einige seiner Schüler durch die Vorgänge dafür empfänglich waren. Die griechische Philosophie hatte gewichtige Dinge darüber zu sagen, wie wichtig es sei, einen Tyrannen zu töten, und die Geschichte zeigte, dass Tyrannenmörder oft jung waren. Da er seine eigene griechische Kultur verriet, schien Alexander ein verachtenswerter Despot zu sein. Wie Aristoteles sah auch Kallisthenes in solchen barbarischen Sitten eine sklavische Gesinnung. Er, der die "Proskynesis" vereitelt hatte, könnte seine Prinzipien sehr wohl seinen Schülern vor Augen geführt haben. Damit wäre er der erste in der Reihe der Philosophen gewesen, die später das Recht zum Mord oder Selbstmord gegen die zügellose Herrschaft eines hellenistischen Königs diskutierten.
Ohne die Anstiftung durch Kallisthenes ist die Verschwörung der Pagen in ihren Zielen und dem Zusammenhalt nicht so leicht zu erklären. Alexander war nicht in der Stimmung, ihm eine weitere Chance zu geben. Das Schicksal des Kallisthenes wurde oft diskutiert, ein Beweis für die Emotionen, die es unter den sympathisierenden Griechen hervorrief. Ptolemaios war davon unbeeindruckt, Aristobulos weniger. Der Hofmarschall Chares zeigte eine aufschlußreiche persönliche Einschätzung. Kallisthenes wurde "sieben Monate lang gefangengehalten, damit ihm später in der Gegenwart des Aristoteles von der Versammlung der Alliierten in Griechenland der Prozeß gemacht werden konnte". Dies war eine Antwort auf Aristobulos und andere, die protestierten, dass Kallisthenes ohne Gerichtsverhandlung hingerichtet wurde.
Die zeitgenössischen Autoren schrieben dem Geschichtsschreiber wenigsten fünf verschiedene Todesarten zu. Dies ist ein Zeichen dafür, dass sein Tod bei den Freunden in Griechenland heftige Reaktionen hervorrief. Der Lebenslauf des Kallisthenes war widersprüchlich. Er hatte damit begonnen, ein Loblied über einen Herrscher in Kleinasien zu schreiben, der der Gönner des Aristoteles war und den Barbaren durch eine List sterben ließen. Seine Erziehung und die ständige Übung hatten ihn im Glauben an die griechische Welt bestärkt, gebildet durch ein Gefühl für Einzelheiten der Vergangenheit, für Mythen und für die frühe Dichtkunst. Die politische Freiheit war eine andere Angelegenheit, weiter entfernt von diesem Studenten, der seine Zeit mit Siegerlisten der Pythischen Spiele Griechenlands verbrachte. Die Gönnerschaft und die Macht brachten ihn dann dazu, das Loblied des neuen Zeussohnes zu singen. Vielleicht glaubte er teilweise sogar selbst daran. Doch als der Rächer Griechenlands zum Erben des Dareios wurde und Anzeichen zu erkennen waren, dass er Barbaren ernsthaft als Freunde und Diener betrachtete, wollte Kallisthenes keine Kompromisse eingehen. Das Küssen der Hand und der Einsatz für Türsteher, für Bagoas und für unverdünnten Wein: Das war "Zügellosigkeit und Hochmut". Unter seinen Schülern stachelte er jugendliche Tyrannenmörder an, aber kein Höfling wurde mit ihm in Zusammenhang gebracht. Der "Tyrann" verfolgte immer noch seine Pläne: den Marsch bis zum Ende Asiens und ein Zukunft, in der die Söhne der "Barbaren" immer mehr Raum einnehmen sollten. Männer, die er mochte und schätzte, wenn sie zuerst seine Sprache lernten und sich seinem Hof unterstellten.
 
 
 
 

Literatur:
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Bamm Peter: Alexander der Große. Ein königliches Leben. Droemersche Verlagsanstalt AG Zürich 1968 Seite 245,301,303/04 - Bengtson Hermann: Die Diadochen. Die Nachfolger Alexanders des Großen. C. H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung München 1987 Seite 119 - Bengtson Hermann: Philipp und Alexander der Große. Die Begründer der hellenistischen Welt. Eugen Diederichs  Verlag München 1997 Seite 131,137,158,170,194,201,223,236,241,243,264 - Droysen Johann Gustav: Geschichte des Hellenismus. Primus Verlag 1998 Band I Seite 147,310,311,314/Band III Seite 480 - Droysen Johann Gustav: Geschichte Alexanders des Großen. Akademische Verlagsgesellschaft Athenaion Kettwig 1990 - Errington Malcolm: Geschichte Makedoniens. C.H. Beck Verlag München 1986 Seite 17,105,227 - FISCHER WELTGESCHICHTE. Band 6 Der Hellenismus und der Aufstieg Roms. Die Mittelmeerwelt im Altertum II. Fischer Bücherei KG, Frankfurt am Main 1965 Seite 212 - Fox Robin Lane: Die Suche nach Alexander. Georg Westermann Verlag GmbH Braunschweig 1990 Seite 219,220-223 - Geyer, Fritz: Alexander der Große und die Diadochen. Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig 1925 Seite 40,45,54,67,113,145 - Herm Gerhard: Die Welt der Diadochen. Alexanders Erben kämpfen um die Herrschaft. C. Bertelmann Verlages GmbH, München 1978 Seite 27 - KLEINES LEXIKON DES HELLENISMUS. Harrassowitz Verlag Wiesbaden 1993 Seite 50,209, 211,223,228,697 - Kreißig Heinz: Geschichte des Hellenismus. Akademie-Verlag Berlin 1982 Seite 56 - Lauffer Siegfried: Alexander der Große. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München 1993 Seite 22,53,74,84,136,208,219 -