Harpalos                                         Makedonischer Schatzmeister
------------
um 360 v.u.Z. 324 v.u.Z. ermordet
 

Sohn des Fürsten Machatas
 

Lexikon Alte Kulturen: Band II Seite 204
*******************
Harpalos
-----------
     324 v. Chr.
      auf Kreta

Jugendfreund und Schatzmeister Alexanders des Großen während des Perserfeldzuges

Harpalos war wegen Veruntreuung von Geldern nach Megara geflohen (333-331), wurde aber wieder von Alexander dem Großen eingesetzt und leitete von Ekbatana aus Materialnachschub und Heeresergänzung; seit 330 in Babylon. Wegen erneuter Veruntreuung floh er 324 bei der Rückkehr Alexanders aus Indien mit 5.000 Talenten und mit einem Söldnerheer nach Athen. Dort wurde er inhaftiert, entkam aber und wurde Ende 324 auf Kreta ermordet. Die Frage nach dem Verbleib seiner Schätze führte zu Bestechungsprozessen gegen führende athenische Politiker (Demosthenes).

Literatur:
-----------
Jaschinski, S.: Alexander und Griechenland unter dem Eindruck der Flucht des Harpalos. Bonn 1981 - Seibert, J.: Alexander der Große. Darmstadt 1981.



Lexikon der Antike: Seite 221
*****************
Harpalos
-----------

Harpalos war ein Jugendfreund Alexanders des Großen, der ihn zu seinem Reichsschatzmeister ernannte. Während Alexanders Indienzug verpraßte er in Babylon einen Teil der ihm anvertrauten Gelder, floh 324 v.u.Z. unter Mitnahme von 5.000 Talenten und 6.000 Söldnern und versuchte in Athen Zuflucht zu erlangen. Als Alexander die Auslieferung forderte, floh er nach Kreta, wo er von einem seiner Offiziere ermordet wurde. In Athen kam es über den Verbleib seines Geldes später zu einem Prozeß, in den auch Demosthenes verwickelt wurde.



Illustriertes Lexikon des Altertums: Seite 180
*****************************
Harpalos
-----------

Makedonischer Adeliger, guter Freund Alexanders des Großen, der 337 v.u.Z. von Philipp II. verbannt wurde. Unter Alexander verwaltete Harpalos zunächst die Kriegskasse, doch floh er 333 v.u.Z. aus unbekannten Gründen nach Griechenland. 331 v.u.Z. kehrte er zurück und wurde Oberschatzmeister mit Sitz in Babylon. Er veruntreute Geld und floh bei Alexanders Rückkehr aus Indien (324 v.u.Z.) nach Athen. Er bestach mehrere einflußreiche Athener, fand aber dennoch keinen Unterschlupf und zog mit Geld und Soldaten weiter nach Kreta, wo er ermordet wurde.



Fox Robin Lane: Seite 247,248,267,268
**************
"Die Suche nach Alexander."

Im Lager wurde ein satirisches Spiel aufgeführt, das sich über Alexanders lebenslangen Freund Harpalos lustig machte. Er war zurückgelassen worden, um den Schatz in Babylon zu bewachen, da er hinkte und für den aktiven Kriegsdienst nicht geeignet war. Seine Befehle, in Babylons Hängenden Gärten europäische Blumen anzupflanzen, hatten ihn nicht weit gebracht; nur Efeu hatte die Hitze überlebt. Statt dessen hatte er dann die berühmtesten freizügigen Damen Athens, Thais' Rivalinnen, nach Babylon geholt. Er verliebte sich prompt in die erstbeste von ihnen. Es gab Gerüchte, dass die beiden sich nur von erlesenen Speisen ernährten, die mit dem Schiff vom Roten Meer gebracht werden mußten. Als das Mädchen starb, verließ Harpalos Babylon, da er beabsichtigte, auf der Straße nach ihrer Geburtsstadt Athen ein riesiges Denkmal zu ihren Ehren errichten zu lassen. Dann hatte er sich aber in Tarsos an der Westküste Kleinasiens in der Nähe eines alten königlichen Schatzhauses niedergelassen und sich ein anderes Mädchen aus Athen dorthin geholt. Schließlich besaß er in dieser Stadt Freunde, denen er schon mit einer großen Ladung Korn geholfen hatte, als eine Nahrungsmittelknappheit herrschte. Die Männer sagten, dass seine erste Mätresse als Göttin verehrt würde; seine zweite Mätresse genoß die Ehren einer Königin.
Eine Geschichte, derzufolge er schon einmal geflohen sei, ist möglicherweise eine Verwechslung mit einer früheren offiziellen Mission in Griechenland, aber sein Rückzug aus Babylon nach Tarsos und sein aufwendiger Lebensstil waren sicher nicht in Ordnung und nur durch Alexanders Abwesenheit möglich. Als die ersten Nachrichten von der "Flucht" des Harpalos bei Alexander eintrafen, soll er den Boten festgenommen haben, da er den Bericht für unmöglich hielt. Die Nachrichten könnten mit den jüngsten Verstärkungsabteilungen aus Mesopotamien gekommen sein. Es gibt keinen Grund, an den klaren Hinweisen zu zweifeln, dass daraufhin am Jhelum ein Schauspiel aufgeführt wurde, in dem Harpalos als ein Mann verspottet wurde, der den Geist seiner verstorbenen Mätresse mit Hilfe der Magier beschwören wollte. Das Ganze war für die Soldaten, an deren Heldentaten Harpalos keinen Anteil hatte, ein köstlicher Spaß. Alexander wußte, dass er seinen Freund zur Ordnung rufen mußte, wenn er nach Zentralpersien zurückgekehrt war. Tarsos war stark befestigt und mit Geldmitteln gut versorgt. Möglicherweise würde Harpalos nicht freiwillig kommen, und vielleicht war er mit seiner Verachtung für den abwesenden König nicht allein.
Während Alexander in Susa auf eine Erklärung von Harpalos wartete, floh dieser mit 5.000 Talenten aus einem nahegelegenen Schatzhaus, mit 6.000 Söldnern und mit seiner kleinen Tochter. Er brachte alle nach Athen, wo einst seine Frau ihr Gewerbe ausgeübt hatte. Dort konnte er wegen seiner früheren Kornlieferungen mit einem freundlichen Empfang rechnen. In oder bei Susa hatte Alexander Erlasse verkündet, welche die Pläne des Harpalos beeinflußten. Die Satrapen erhielten von Alexander den Befehl, ihre Söldnerarmeen aufzulösen. Möglicherweise brachte dieser Befehl Harpalos endgültig dazu, die Flucht zu ergreifen: Er hatte 6.000 dieser Söldner bei sich, die ihn begleiten konnten. Aber als er im Juni floh, eröffnete Alexander bereits einen größeren Plan für die griechische Welt, in die sich Harpalos zurückzog. Er hatte vor, alle Vertriebenen wieder in ihre Städte zurückzuführen. Der Erlaß brachte eher die Vertriebenen innerhalb Griechenlands zurück, weitere mögliche Rekruten, die sonst durch die stärkste Waffe des Harpalos, die riesige Summe des Schatzes, hätte angeworben werden können. Außerdem setzte der Erlaß den Zufluchtsort des Harpalos, Athen, weiter unter Druck.
Harpalos hatte in Athen letztlich keine Freude gefunden. So hatte er sich nach Kreta zurückgezogen, wo ihn ein Spartaner aus seinem Stab ermordete. Seine Truppen waren daraufhin nach Nord-Afrika abgezogen. Harpalos war es nicht gelungen, in Griechenland andere Abtrünnige zu finden, auf die er sich verlassen konnte.
 
 
 
 

Literatur:
-----------
Bamm Peter: Alexander der Große. Ein königliches Leben. Droemersche Verlagsanstalt AG Zürich 1968 Seite 248 - Bengtson Hermann: Philipp und Alexander der Große. Die Begründer der hellenistischen Welt. Eugen Diederichs Verlag München 1997 Seite 195,207 - Droysen Johann Gustav: Geschichte des Hellenismus. Primus Verlag 1998 Band I Seite 68,116,151,360,176,210,237,402,406, 426,429/Band II Seite 63 - Fox Robin Lane: Die Suche nach Alexander. Georg Westermann Verlag GmbH Braunschweig 1990 Seite 247,248,267,268 - Geyer, Fritz: Alexander der Große und die Diadochen. Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig 1925 Seite 60,83,97, 112,118 - Herm Gerhard: Die Welt der Diadochen. Alexanders Erben kämpfen um die Herrschaft. C. Bertelmann Verlages GmbH, München 1978 Seite 31 - KLEINES LEXIKON DES HELLENISMUS. Harrassowitz Verlag Wiesbaden 1993 Seite 411,471 - Kreißig Heinz: Geschichte des Hellenismus. Akademie-Verlag Berlin 1982 Seite 60,69,72 - Lauffer Siegfried: Alexander der Große. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München 1993 Seite 92,110,167,177 -