In Makedonien galt dies für Antipatros. Dieser
bewährte General sollte zum Freund des Aristoteles werden.
Er schrieb sogar ein Buch über Makedoniens frühere Kriege gegen
illyrische Stämme. Offensichtlich war er intelligent und vertrauenswürdig.
Er hatte auch Anteil daran, dass der dritte der lynkestischen Brüder
verschont wurde. Dieser, der später doch für schuldig befunden
wurde, war mit einer Tochter des Antipatros verheiratet. Antipatros
wußte seinen Schwiegersohn in Sicherheit und wurde später, in
Alexanders Abwesenheit, zum Gouverneur über ganz Griechenland
und Europa ernannt. Während dieser Zeit hatte er ständig
Schwierigkeiten mit Olympias zu ertragen,
und so kann man sich kaum vorstellen, dass die beiden befreundet waren,
als Philipp getötet wurde. Man
kann jedoch eine Verbindung zwischen Antipatros und dem Griechen
annehmen, der den gefährlichen Mordauftrag an General Attalos
ausführte. Wie Parmenion profitierte Antipatros von
den Ereignissen.
Im selben Sommer (331 v.u.Z.) hatte Antipatros
etwa 15.000 Soldaten für Alexanders
Armee abgestellt. Ihr Aufbruch war nicht nur zu spät für Alexanders
Marsch ins Landesinnere erfolgt, er ermutigte auch
Agis und die Spartaner, im Süden Griechenlands einen Krieg
gegen Makedonien zu beginnen.
Bei Megapolis im Süden Griechenlands fiel Agis
von Sparta schließlich in einer Schlacht, in der seine
Truppen zahlenmäßig unterlegen waren und überflügelt
wurden. Diese Schlacht ermöglichte es Alexander,
seinen eigenen Weg zu gehen.
Alexanders Erlaß
war theoretisch eine "Proklamation", der die Städte aus freiem Willen
folgen sollten. In Wirklichkeit wurde Antipatros aufgefordert, gegen
jede Stadt, die sich weigerte, mit Gewalt vorzugehen.
Krateros hatte 323 v.u.Z. den Befehl, sich um
Makedonien und um die "Freiheit der Griechen zu kümmern, die vorgebliche
Aufgabe des von Philipp II. geschlossenen
Bündnisses. Bis dahin hatten diese Aufgaben in der Hand des Antipatros
gelegen. Dieser sollte jetzt "junge Makedonen" als Verstärkungen heranführen",
während ein schriftlicher Befehl den zurückkehrenden Veteranen
und ihren Familien lebenslängliche Ehrenplätze im Theater zusprach.
In Alexanders Abwesenheit hatten Antipatros
und Olympias weiterhin ihre heftigen
Streitigkeiten ausgetragen. Die Gerüchte im Lager gingen deshalb davon
aus, dass der über 70 Jahre alte Marschall aus guten Gründen
von Krateros abgelöst werden sollte, dem die Aufgabe zufiel,
die Rückkehr der griechischen Vertriebenen voranzutreiben. Aber "Alexander
gab weder durch seine Aussagen noch durch sein Handeln einen offenen Hinweis
darauf, dass Antipatros nicht nach wie vor in hoher Gunst stehe".
Nach Alexanders Tod
erschien ein Pamphlet, das Perdikkas begünstigte und Antipatros
verleumdete. Anfangs kamen beide Männer überein, zusammenzuarbeiten.
Diese Verbindung überdauerte noch das "Auftreten der Könige"
und damit den September des Jahres 323 v.u.Z., drei Monate nach Alexanders
Tod, als es zwei Könige geben sollte, da Rhoxane
den lange erwarteten Sohn gebar. Aber bald darauf verschlechterten sich
die Beziehungen. Die Gefolgsleute des Perdikkas wurden gegen den
betagten Vizekönig ausgespielt. Etwa zwei Jahre nach Alexanders
Tod hatte ein Pamphlet, das Antipatros des Mordes beschuldigte,
bei den Männern des Perdikkas einen großen Einfluß.
Die Beschuldigung klang plausibel. Der Sohn des Antipatros war der
königliche Mundschenk. Eine Feindschaft zwischen Alexander
und Antipatros wurde angenommen, auch wenn sie nie bewiesen werden
konnte. Olympias hatte schon lange
anklagende Briefe über das Verhalten des Antipatros an Alexander
geschickt. Neben allem kehrte Krateros mit 10.000 Veteranen nach
Makedonien zurück und führte den Befehl mit sich, dass Antipatros
ihm sein Kommando übergeben und nach Osten, nach Babylon, kommen solle.
Trotz allem hatte Antipatros nicht gezögert, seine Söhne
bereits vor ihm an den Hof zu senden.