Bengtson Hermann: Seite 21,33-35,75
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"Die Diadochen. Die Nachfolger Alexanders des Großen."

Antipaters Autorität war bei den Makedonen unerschüttert, obwohl sein hohes Alter seinen Tribut von ihm forderte. Selbstverständlich war Perdikkas auf die Zusammenarbeit mit dem Strategen von Europa angewiesen; zu sagen aber hatte er ihm nichts, ebensowenig auch dem Krateros. In Europa und in Makedonien lag Antipater im Kampf mit den Griechen im sogenannten Lamischen Krieg (323 v.u.Z.-322 v.u.Z.). Dabei wurde er von Leonnatos und vor allem von Krateros unterstützt.
Der Ausgang des Lamischen Krieges festigte die Stellung Antipaters, der sich inzwischen mit Krateros verbunden hatte. Diesem wurde Phila, eine Tochter Antipaters, zur Frau gegeben.
Nach der Ermordung des Perdikkas traf man mit Antipater, dem Strategen von Europa, in Triparadeisos zusammen. Die Vormundschaft des Arrhidaios und des Peithon über die beiden Könige war beendet, an ihre Stelle trat unter allgemeiner Zustimmung der greise Antipater, dessen Verdienste um das makedonische Königshaus unvergessen waren. Er hatte jedoch einen schweren Stand, denn die Soldaten, von Eurydike, der Gattin des Königs Philipp III. Arrhidaios, aufgehetzt, erhoben sich, und nicht nur Antipater, auch Seleukos und Antigonos gerieten in Lebensgefahr, und auch sonst gab es Schwierigkeiten in Hülle und Fülle. Vor allem erwarteten die Gegner des Perdikkas Belohnung aus der Hand Antipaters. Dazu gab es eine neue Satrapieneinteilung. Antipater sah seine Aufgabe in Asien als beendet an. Er führte die Könige nach Makedonien, das damit Sitz der Zentralregierung des Reiches wurde; aber Pella war fernab von Asien gelegen, die Befehlsübermittlung war schwierig, und die meisten Satrapen strebten nach Selbständigkeit, ohne sich um den fernen Reichsverweser zu kümmern. In Makedonien und Griechenland dagegen verfügte Antipater über eine hohe Autorität, doch fehlte ihm das Charisma Alexanders, und sein vorgerücktes Alter ließ einen baldigen Wechsel an der Spitze des Reiches  befürchten, und wie es nach dem Tode des Antipater weitergehen sollte, darüber hatte man sich in Makedonien keine Gedanken gemacht. Antipater hatte seine Tochter Phila dem Demetrios, dem Sohn des Antigonos, zur Frau gegeben. Die Verbindung war als Unterpfand der Freundschaft zwischen Antipater und Antigonos gedacht. Die Stellung des Antigonos ist, wahrscheinlich noch im Jahre 321 v.u.Z., dadurch erweitert worden, dass ihn Antipater zum Strategen von Asien ernannt hat. Damit waren ihm de facto die Satrapien unterstellt, wenn es diese auch nicht anerkannt haben. Als Antipater im Jahre 319 v.u.Z. durch den Tod abberufen wurde, gab es praktisch zwei Reiche, das makedonisch-griechische und das asiatische Alexander-Reich, wenn auch die Fiktion der Reichseinheit durch die Existenz der beiden Könige, Philipps III. Arrhidaios und Alexander IV., aufrechterhalten wurde. Zu seinem Nachfolger hatte Antipater ohne die hierfür zuständige makedonische Heeresversammlung zu befragen, den Makedonen Polyperchon ernannt, eine wenig glückliche Wahl, wie sich bald zeigen sollte. Antipater hatte geglaubt, dem Ehrgeiz des Antigonos dadurch Zügel anlegen zu können, dass er seinen eigenen Sohn Kassander, einen schroffen und ehrgeizigen Menschen, zum Chiliarchen ernannt hatte.
Die überragende Stellung Antipaters nach dem Tode Alexanders drückt sich in den Ehen seiner Töchter aus. Diese waren die Unterpfänder für Treue und Verbundenheit zwischen Antipater und seinen Schwiegersöhnen. Es waren ohne Ausnahme politische Eheschließungen, wobei die Initiative von beiden Seiten ausgegangen sein kann; Antipater aber schuf sich so eine wertvolle Gefolgschaft.
Von den vier Töchtern Antipaters hat eine, deren Name nicht bekannt ist, einen vornehmen Makedonen, Alexander, den Sohn des Aeropos, geheiratet. Im Jahre 322 v.u.Z. wurden im Hause Antipaters zwei Hochzeiten gefeiert. Seine Tochter Phila, eine liebenswerte und charaktervolle Frau, wurde dem Krateros vermählt, den die Heeresversammlung in Babylon zum "Vorsteher des Königtums" ernannt hatte. Ungefähr zur gleichen Zeit heiratete Antipaters Tochter Nikaia. Ihr Gatte war der Chiliarch Perdikkas. Diese Verbindung ist allerdings schon im Altertum - von Justin - in Zweifel gezogen worden, aber ganz zu Unrecht. Kurze Zeit danach folgte die Hochzeit der Eurydike. Sie wurde die Frau des Satrapen Ptolemaios I. von Ägypten, wahrscheinlich im Jahre 321 v.u.Z. oder 320 v.u.Z. Wenn man auch nicht weiß, von wem die Initiative zu diesen Eheschließungen ausgegangen ist, so wird doch niemand die politische Bedeutung der Verbindungen verkennen.