Antipaters Autorität war bei den Makedonen
unerschüttert, obwohl sein hohes Alter seinen Tribut von ihm forderte.
Selbstverständlich war Perdikkas auf die Zusammenarbeit mit
dem Strategen von Europa angewiesen; zu sagen aber hatte er ihm
nichts, ebensowenig auch dem Krateros. In Europa und in Makedonien
lag Antipater im Kampf mit den Griechen im sogenannten Lamischen
Krieg (323 v.u.Z.-322 v.u.Z.). Dabei wurde er von Leonnatos und
vor allem von Krateros unterstützt.
Der Ausgang des Lamischen Krieges festigte die Stellung
Antipaters, der sich inzwischen mit Krateros verbunden hatte.
Diesem wurde Phila, eine Tochter Antipaters, zur Frau gegeben.
Nach der Ermordung des Perdikkas traf man mit
Antipater, dem Strategen von Europa, in Triparadeisos zusammen.
Die Vormundschaft des Arrhidaios und des Peithon über
die beiden Könige war beendet, an ihre Stelle trat unter allgemeiner
Zustimmung der greise Antipater, dessen Verdienste um das makedonische
Königshaus unvergessen waren. Er hatte jedoch einen schweren Stand,
denn die Soldaten, von Eurydike, der
Gattin des Königs Philipp III. Arrhidaios, aufgehetzt, erhoben
sich, und nicht nur Antipater, auch Seleukos
und Antigonos gerieten in Lebensgefahr,
und auch sonst gab es Schwierigkeiten in Hülle und Fülle. Vor
allem erwarteten die Gegner des Perdikkas Belohnung aus der Hand
Antipaters. Dazu gab es eine neue Satrapieneinteilung. Antipater
sah seine Aufgabe in Asien als beendet an. Er führte die Könige
nach Makedonien, das damit Sitz der Zentralregierung des Reiches wurde;
aber Pella war fernab von Asien gelegen, die Befehlsübermittlung war
schwierig, und die meisten Satrapen strebten nach Selbständigkeit,
ohne sich um den fernen Reichsverweser zu kümmern. In Makedonien
und Griechenland dagegen verfügte Antipater über eine
hohe Autorität, doch fehlte ihm das Charisma Alexanders,
und sein vorgerücktes Alter ließ einen baldigen Wechsel an der
Spitze des Reiches befürchten, und wie es nach dem Tode des
Antipater weitergehen sollte, darüber hatte man sich in Makedonien
keine Gedanken gemacht. Antipater hatte seine Tochter Phila
dem Demetrios, dem Sohn des
Antigonos, zur Frau gegeben. Die Verbindung
war als Unterpfand der Freundschaft zwischen Antipater und Antigonos
gedacht. Die Stellung des Antigonos
ist, wahrscheinlich noch im Jahre 321 v.u.Z., dadurch erweitert worden,
dass ihn Antipater zum Strategen von Asien ernannt hat. Damit waren
ihm de facto die Satrapien unterstellt, wenn es diese auch nicht anerkannt
haben. Als Antipater im Jahre 319 v.u.Z. durch den Tod abberufen
wurde, gab es praktisch zwei Reiche, das makedonisch-griechische und das
asiatische Alexander-Reich, wenn auch
die Fiktion der Reichseinheit durch die Existenz der beiden Könige,
Philipps III. Arrhidaios und Alexander
IV., aufrechterhalten wurde. Zu seinem Nachfolger hatte Antipater
ohne die hierfür zuständige makedonische Heeresversammlung zu
befragen, den Makedonen Polyperchon ernannt, eine wenig glückliche
Wahl, wie sich bald zeigen sollte. Antipater hatte geglaubt, dem
Ehrgeiz des Antigonos dadurch Zügel
anlegen zu können, dass er seinen eigenen Sohn Kassander,
einen schroffen und ehrgeizigen Menschen, zum Chiliarchen ernannt
hatte.
Die überragende Stellung Antipaters nach
dem Tode Alexanders drückt sich
in den Ehen seiner Töchter aus. Diese waren die Unterpfänder
für Treue und Verbundenheit zwischen Antipater und seinen Schwiegersöhnen.
Es waren ohne Ausnahme politische Eheschließungen, wobei die Initiative
von beiden Seiten ausgegangen sein kann; Antipater aber schuf sich
so eine wertvolle Gefolgschaft.
Von den vier Töchtern Antipaters hat eine,
deren Name nicht bekannt ist, einen vornehmen Makedonen, Alexander,
den Sohn des Aeropos, geheiratet. Im Jahre 322 v.u.Z. wurden im
Hause Antipaters zwei Hochzeiten gefeiert. Seine Tochter Phila,
eine liebenswerte und charaktervolle Frau, wurde dem Krateros
vermählt, den die Heeresversammlung in Babylon zum "Vorsteher des
Königtums" ernannt hatte. Ungefähr zur gleichen Zeit heiratete
Antipaters Tochter Nikaia. Ihr Gatte
war der Chiliarch Perdikkas. Diese Verbindung ist allerdings
schon im Altertum - von Justin - in Zweifel gezogen worden, aber ganz zu
Unrecht. Kurze Zeit danach folgte die Hochzeit der
Eurydike. Sie wurde die Frau des Satrapen Ptolemaios
I. von Ägypten, wahrscheinlich im Jahre 321 v.u.Z. oder
320 v.u.Z. Wenn man auch nicht weiß, von wem die Initiative zu diesen
Eheschließungen ausgegangen ist, so wird doch niemand die politische
Bedeutung der Verbindungen verkennen.