Im SELEUKIDEN-Reich
regierte seit Herbst 175 v.u.Z. Antiochos IV.
Epiphanes (175 v.u.Z.-164 v.u.Z.), der Bruder von
Seleukos IV. und Kleopatra
I. Nicht lange nach seinem Regierungsantritt war er durch einen
Abgesandten, den Milesier Apollonios, bei einer großen Feier
in Alexandria vertreten (zwischen 174 v.u.Z. und 172 v.u. Z.). Dieser Gesandte
konnte dort bereits die neue seleukiden-feindliche
Einstellung beobachten. Antiochos IV.
leitete umgehend die nötigen Sicherheitsmaßnahmen ein und verlegte
Truppen in das syrisch-palästinensische Grenzgebiet. Außerdem
schickte er zu Beginn des Jahres 173 v.u.Z. denselben Apollonios
mit einer Gesandtschaft nach Rom, die dort um die Erneuerung der seit dem
Frieden von Apameia (188 v.u.Z.) bestehenden societas et amicitia
ersuchen sollte. Der SELEUKIDE war
mit den ihm auferlegten Reparationszahlungen stark in Verzug geraten und
schickte daher 173 v.u.Z. eine besonders große Gabe. Sichtlich wollte
er sich vor der drohenden Auseinandersetzung mit dem
PTOLEMÄER-Reich in Rom diplomatisch absichern. Vielleicht
begann er infolge der Kriegsabsichten Ägyptens nach und nach politische
Hoffnungen aufzubauen, nämlich in dem Sinne, dass er unter Umständen
selbst die Führung des PTOLEMÄER-Reiches
übernehmen könnte; befand sich dieses doch in einem äußerst
beschämenden Zustand unter einem unmündigen Königspaar,
dessen Onkel er war.
Damit nahm gleichzeitig die Entwicklung zum 6. Syrischen
Krieg (Wende 170/169 v.u.Z.-168 v.u.Z.) ihren Lauf. Ohne die militärischen
Notwendigkeiten getroffen zu haben, scheinen die Regenten den Alexandrinern
bei einer Massenversammlung eine rasche Gewinnung von Koilesyrien, vielleicht
sogar des ganzen SELEUKIDEN-Reiches
vorgespiegelt zu haben. Zur propagandistischen Unterstützung proklamierten
sie zwischen 5. Oktober und 12. November 170 v.u.Z. eine gemeinsame Regierung
der drei ptolemäischen Geschwister.
Die Vertreter des Antiochos beschwerten
sich in Rom über die Eröffnung des Krieges durch Ptolemaios
und pochten darauf, dass Koilesyrien dem SELEUKIDEN-Reich
kraft Eroberung durch Antiochos III.
zustand. Durch den Krieg mit Perseus von Makedonien
waren Roms Kräfte gebunden.
Während dieser Verhandlungen betrachtete man den
Krieg als ausgebrochen, und Ägypten war der Aggressor. In der Tat
dürfte das ägyptische Heer erst danach gegen Syrien abmarschiert
sein. Antiochos IV. war bestens vorbereitet;
auch Elefanten und Flotte hatte er, obwohl dem SELEUKIDEN-Reich
seit Apameia diese Waffengattungen verboten waren. Er überschritt
als erster die Grenze und besiegte die ptolemäische
Armee zwischen Pelusion und dem Berge Kaisios. Nach seinem Sieg und einem
kurzen Waffenstillstand konnte sich Antiochos
IV. der Festung Pelusion durch List bemächtigen. Antiochos
IV. hatte in der Zwischenzeit einen großen Teil Unter-Ägyptens
besetzt und versuchte, die Bevölkerung, insbesondere auch die Griechen
von Naukratis, durch Geschenke auf seine Seite zu ziehen. Der buntgemischten
Gesandtschaft aus Alexandria stellte er die Problematik um Koilesyrien
aus der historischen Sicht der SELEUKIDEN
dar. Die damals vom alexandrinischen Hof behauptete Version, wonach Kleopatra
I. Koilesyrien bei ihrer Heirat mit Ptolemaios
V. als Mitgift nach Ägypten gebracht hätte, wies er
entschieden zurück. Eine Entscheidung wollte er erst fällen,
bis seine eigenen Gesandten, die er nach Alexandria geschickt hatte, zurückgekehrt
seien. Anschließend rückte der SELEUKIDE
gegen die Hauptstadt vor, um Druck auszuüben. Die syrischen Gesandten
handelten in Alexandria eine Zusammenkunft der beiden Könige aus.
So sehr hatten Ptolemaios VI. Philometor
und seine Ratgeber Vertrauen in Antiochos IV.
gewonnen. Der junge PTOLEMÄER
begab sich sodann ins Lager seines Onkels, wo eine Vereinbarung
getroffen wurde, deren Inhalt uns verborgen bleibt. Von nun an spielte
sich Antiochos IV. als Protektor
des Philometor auf, soll ihn aber gleichzeitig
aufs gröbste getäuscht haben.
Alexandria hingegen beugte sich weder dem Vertrag des
Philometor mit Antiochos
noch der seleukidischen Macht.
Die Alexandriner riefen nun den jüngeren Bruder erneut zum König
aus, womit sie die Dreierherrschaft auflösten und eine Gegenregierung
bildeten; die nominelle Stellung der 11- bis 12-jährigen
Kleopatra II. als "Königin" blieb während dieser
Vorgänge unangetastet. Diese harte Haltung gab Antiochos
Gelegenheit, unter dem Vorwand, die Interessen des Philometor
zu vertreten, die Mittelmeermetropole zu belagern. Der alexandrinische
Hof versuchte sein Glück mit einer Gesandtschaft an den Senat in Rom
(Sommer 169 v.u.Z.), um die Römer zum Eingreifen zu bewegen. Nachdem
die Gesandtschaft gescheitert war, versuchte Antiochos
es mit einem Sturmangriff, den die Alexandriner zurückschlagen konnten.
Offensichtlich wegen interner Schwierigkeiten in Syrien oder Palästina
mußte Antiochos IV. im Herbst
169 v.u.Z. nach Syrien zurückkehren. Den älteren Ptolemaios
hatte er in Memphis zurückgelassen in der Hoffnung, er
würde den Krieg mit seinem Bruder fortführen; Pelusion hielt
Antiochos weiterhin besetzt.
Damit war der Weg für eine Versöhnung der drei
ptolemäischen Geschwister frei
geworden. Entgegen den Erwartungen des SELEUKIDEN-Königs
kam der ältere Ptolemaios nach
Alexandria. Die Samtherrschaft und ihre Datierung wurden wiederhergestellt.
In der sicheren Erwartung einer neuerlichen Invasion des SELEUKIDEN
wandte sich die ptolemäische Regierung zunächst an
den Bund der Achaier und später an Rom. Der Senat schickte eine Abordnung
unter Führung des C. Popilius Laenas in den Osten. Die Versöhnung
der ptolemäischen Geschwister
betrachtete Antiochos IV. offensichtlich
als Bruch seiner Abmachung mit Philometor,
die er ihm ja aufgezwungen hatte. Auf ein Bündnisangebot des
Perseus im Winter 169/68 v.u.Z. ging er nicht ein, um sich die
Gunst Roms nicht völlig zu verscherzen. Aber er beeilte sich immerhin,
vor der Entscheidung zwischen Rom und Makedonien das PTOLEMÄER-Reich
zu überrumpeln. Antiochos IV. zog
daher im Frühjahr 168 v.u.Z. nicht nur mit einer Landarmee und Schiffsgeleit
gegen Ägypten, sondern schickte eine Flotte samt Heer nach Zypern.
Das zyprische Unternehmen hatte vollen Erfolg. Der ptolemäische
Stratege Ptolemaios "Makron" kapitulierte, übergab die
Insel und trat in seleukidische Dienste.
Dem SELEUKIDEN-König selbst sandte
die ptolemaische Regierung eine Abordnung
entgegen, die an der ägyptischen Grenze um seine Friedensbedingungen
ersuchte. Vermutlich mit Rücksicht auf Rom, das sich einer Vereinigung
der beiden hellenistischen Reiche entgegenstellen würde, verlangte
Antiochos IV. damals bloß Zypern,
Pelusion und das umliegende Land. Dieses Ultimatum lehnte die ptolemäische
Seite ab; es hätte Ägypten bloß eine formale Unabhängigkeit
von Gnaden des SELEUKIDEN gelassen.
Obwohl Antiochos IV.
im Hinblick auf Rom klar sein mußte, worauf er sich nun einließ,
besetzte er rasch den nördlichen Teil Ägyptens (zumindest Delta
und Fajjum) und zog kampflos in Memphis ein, wo er einen seiner Männer,
vielleicht als Statthalter, mit der Organisation betraute. Als König
erließ Antiochos ein Prostagma
für die Kleruchen im Fajjum und stellte damit unter Beweis, dass er
gegen Ende Frühling 168 v.u.Z. die ägyptische Chora de facto
regierte. Es scheint wahrscheinlich, dass Antiochos
versuchte, ein seleukidisches Protektorat
über Ägypten zu errichten, und zwar offiziell im Namen seines
Neffen Ptolemaios'
VI., wobei er sich vielleicht durch irgendein Arrangement
mit der memphitischen Priesterschaft legitimieren ließ. Wie auch
immer, Antiochos IV. rückte danach
zum zweiten Mal mit Heeresmacht gegen Alexandria vor.
C. Popilius Laenas hatte zuletzt auf Delos Quartier
bezogen. Dort erreichte ihn die Nachricht vom römischen Sieg bei Pydna
über Perseus von Makedonien (22.
Juni 168 v.u.Z.) und vom Marsch des Antiochos
auf Alexandria. Damit waren die Voraussetzungen für das
Eingreifen des C. Popilius Laenas gegeben; die römischen Gesandten
fuhren nach Ägypten. Dort trafen sie in Eleusis, einem Vorort von
Alexandria, mit Antiochos zusammen,
und es spielte sich die durch zahlreiche Autoren berühmt gewordene
Szene an dem denkwürdigen "Tag von Eleusis" Anfang Juli 168 v.u.Z.
ab: Popilius verweigerte Antiochos den
Gruß und überreichte das römische Ultimatum, dessen einzige
Aussage lautete: sofortiger Abbruch des Krieges und vollständiger
Rückzug aus dem PTOLEMÄER-Reich
innerhalb einer knappest bemessenen Frist. Als Antiochos
um Bedenkzeit bat, zog Popilius mit einem Stab einen Kreis um den
König und "hieß ihn, in diesem Kreis die Antwort auf das Schreiben
zu erteilen". Der beschämte SELEUKIDE stimmte
also dem Ultimatum zu und handelte auch danach.
Ein Papyrus informiert uns über den Abzug des Antiochos,
der am 30. Juli 168 v.u.Z. Ägypten von Pelusion aus übers Meer
verlassen hat. Die römische Gesandtschaft fuhr anschließend
nach Zypern und erzwang den Abzug des syrischen Heeres von der Insel.
Im SELEUKIDEN-Reich
ging Antiochos IV. nach dem 6. Syrischen
Krieg mit seiner Hellenisierungspolitik brutal gegen die Juden vor. Jerusalem
wurde aufgrund der Erlässe von 167 v.u.Z. in eine griechische Polis
umgewandelt, der Jahwekult verboten und der Tempel dem Zeus Olympios geweiht.
Dagegen entfachte die priesterliche Familie der HÄSMONIER einen
religiös-nationalen Befreiungskampf; das war der große MAKKABÄER-Aufstand.
Nach mehreren Feldzügen gelang es dem Judas Makkabäus,
Jerusalem zu erobern und den Jahwekult wiederherzustellen (164 v.u.Z.).