Eine neue Periode begann für das SELEUKIDEN-Reich
im Jahre 222 v.u.Z. mit der Throbesteigung des etwa 20-jährigen Antiochos'
III., eines jüngeren Bruders Seleukos'
III. Der junge SELEUKIDEN-König
machte es sich zu seinem Programm, das Reich möglichst in dem Umfang
wiederherzustellen, wie es unter Seleukos I. bestanden
hatte; außerdem sollten nun die einst nicht weiter verfolgten Rechtsansprüche
auf ptolemäische Besitzungen durchgesetzt werden. Zunächst erlebte
das SELEUKIDEN-Reich aber selbst noch
schwere Erschütterungen; in Kleinasien herrschte de facto selbständig
ein Verwandter (vielleicht Vetter) des Königs,
Achaios; in den östlichen Satrapien
hatte sich 222 v.u.Z. der Generalstatthalter Molon gegen Antiochos
erhoben. Dennoch ließ sich Antiochos
im Kronrat davon überzeugen, die Rückeroberung des ptolemäischen
Koilesyrien selbst in Angriff zu nehmen und gegen Molon seine Generäle
zu schicken. So marschierte Antiochos III.
im Sommer 221 v.u.Z. in die Beqa-Ebene ein und griff die ptolemäischen
Schutztruppen in den Festungen Gerrha und Brochoi an. Der Oberkommandierende
in Koilesyrien war dem SELEUKIDEN jedoch
zuvorgekommen und hatte einen Sperriegel mit Wall und Graben errichtet.
Nach empfindlichen Verlusten mußte Antiochos
den Durchbruchsversuch aufgeben, zumal er hörte, dass inzwischen Molon
seine Generäle besiegt hatte. Molon nahm daraufhin den Königstitel
an und ließ sogar eigene Münzen prägen; er vereinigte auf
sich ein Gebiet von Ostiran bis Babylonien. Antiochos
zog mit ungewöhnlicher Energie gegen den Usurpator und besiegte ihn
Anfang 220 v.u.Z.; dieser beging Selbstmord. Im selben Jahr ließ
sich Achaios im Westen gleichfalls
zum König ausrufen; seine Herrschaft blieb aber weiterhin auf Kleinasien
beschränkt: Die unter diesen Umständen naheliegende Kooperation
mit dem PTOLEMÄER-Reich wird bald
begonnen haben. In seiner strategischen Planung, die sowohl gegen
Achaios als auch gegen das ptolemäische
"Syrien und Phönikien" zielen mußte, schien es Antiochos am
günstigsten, zunächst die Seefestung Seleukia in Pierrien zu
gewinnen, in die Euergetes I. 27 Jahre
zuvor eingezogen war; die Stadt fiel im Frühjahr 219 v.u.Z. durch
Verrat in die Hände des SELEUKIDEN.
Damit war der 4. Syrische Krieg (219 v.u.Z.-217 v.u.Z.) angelaufen, der
zugleich einen Kampf um die Vorherrschaft im östlichen Mittelmeer
darstellte, das die PTOLEMÄER mit
ihren starken Flotten beherrschten. Eigentlich wollte Antiochos
nach der Einnahme von Seleukia den Feldzug gegen Achaios
einschieben, da veranlaßten ihn unerwartete Umstände, seine
Pläne zu ändern. Der ptolemäische
Stratege Theodotos war im Zuge höfischer Intrigen in Alexandria
schwer in Mißkredit geraten. Um der Regierung zuvorzukommen, entschloß
er sich zum Verrat und bot dem SELEUKIDEN
an, ihm die ptolemäische Provinz in die Hände zu spielen. Nachdem
Antiochos davon erfahren hatte, zog
er nach Süden; er erhielt kampflos die Städte Tyros und Ptolemais
(Ake); die dort liegenden 40 Kriegsschiffe bedeuteten eine willkommene
Stärkung der seleukidischen Flotte.
Den aus alten Zeiten vorgegebenen Plan, als asiatischer Herrscher in einer
solchen Situation gegen Pelusion zu ziehen, gab Antiochos
aber bald auf, als er von den umfassenden Verteidigungsmaßnahmen
des alexandrinischen Hofes hörte. Vielmehr ging er nun daran, seine
Herrschaft über Palästina auszuweiten, wobei ihm jedoch nicht
die erhofften Sympathien entgegengebracht wurden. Eine Reihe von Städten
mußte Antiochos längere
Zeit belagern; die Einnahme der Küstenstadt Dora gelang nicht, auch
Sidon blieb ptolemäisch. Am Ende
des Jahres 219 v.u.Z., als man einen viermonatigen Waffenstillstand schloß,
müssen die militärischen Verhältnisse in Koilesyrien sehr
undurchsichtig und ineinander verwoben gewesen sein. Für Theodotos
hatte sich der Verrat gelohnt; er übte nun den Oberbefehl über
die seleukidischen Besatzungstruppen
in Koilesyrien aus. Im Frühjahr 218 v.u.Z. ging Antiochos
nach dem Ende des Waffenstillstandes erneut in die Offensive.
In einer kombinierten Land- und Seeschlacht nahe Berytos konnte er den
ptolemäischen Riegel aufbrechen;
wer sich von den Geschlagenen retten konnte, floh nach Sidon. Nun versuchte
Antiochos, das südliche Koilesyrien
von seiner Ostflanke her aufzurollen, erreichte aber auch so sein Kriegsziel
nicht zur Gänze: Die Festungen Gerrha und Brochoi in der südlichen
Beqa sowie Damaskus blieben in ptolemäischen
Händen, desgleichen Sidon. Zuletzt eroberte Antiochos
mit Hilfe der mit ihm verbündeten Nabatäer unter großen
Mühen Philadelphia, wo sich ein starkes ptolemäisches
Widerstandszentrum gebildet hatte. Anschließend führte
er sein Heer in die Winterquartiere nach Ptolemais. Das Jahr 217 v.u.Z.
brachte die Entscheidung. Ptolemaios IV.
marschierte von Pelusion aus nach Norden bis in die Nähe von Raphia
(südwestlich von Gaza). Antiochos
war schon entgegengekommen. Beide Heere hatten eine erstaunliche Stärke
aufzubieten: auf ptolemäischer Seite
waren 70.000 Infanteristen, 5.000 Kavalleristen und 73 afrikanische Elefanten
einsatzbereit, auf Seiten des Antiochos
standen 62.000 Infanteristen, 6.000 Reiter und 102 indische Elefanten.
Die Kerntruppe auf beiden Seiten bildete die makedonisch bewaffnete Phalanx.
Dem SELEUKIDEN standen die Ressourcen
der asiatischen Weiten zur Verfügung; seine Meder und Perser erinnern
an die Heere der achämenidischen
Großkönige; auch 10.000 Nabatäer und Angehörige anderer
arabischer Stämme machten mit. Die Könige eröffneten selbst
am 22. Juni 217 v.u.Z. die Schlacht bei Raphia; an der Seite des Ptolemaios
stand seine Schwester und Gemahlin Arsinoe.
Schon zu Beginn wurden die afrikanischen Elefanten des PTOLEMÄER-Heeres
eingschüchtert, flüchteten gegen die eigenen Reihen und richteten
Unordnung an. Währenddessen konnte Antiochos
mit seinem rechten Flügel den linken des gegnerischen Heeres überwinden
und vernachlässigte siegessicher das übrige Geschehen. "Da trat
plötzlich Ptolemaios, der sich
unter den Schutz seiner Phalanx zurückgezogen hatte, mitten vor die
Reihen der Seinen und zeigte sich beiden Heeren, Schrecken verbreitend
beim Gegner, Mut und Kampfeseifer der eigenen Leute mächtig belebend."
So zeichnet an dieser Stelle Polybios zum letzten Mal in der Geschichte
das Bild eines in Asien kämpfenden Pharaos nach altägyptischem
Muster. Die ptolemäische Phalanx
mit ihrem großen Ägypter-Kontingent erfocht schließlich
für Philopator den Sieg. Antiochos
mußte die Niederlage anerkennen und zog sich nach Antiocheia
zurück; vielleicht aus Angst vor einer Meuterei und wegen der von
Achaios ausgehenden Gefahr wollte er
rasch zu einem Frieden kommen.
Im Spätsommer 217 v.u.Z. drang Ptolemaios
IV. ins seleukidische Syrien
ein und ließ dort einige Städte plündern, wohl um die Verhandlungen
unter Druck zu setzen. Der folgende Vertrag, dessen Einzelheiten wir nicht
kennen, läßt dennoch staatsmäßige Klugheit und eine
auf lange Sicht planende Politik der Balance auf ptolemäischer
Seite erkennen. Man nutzte den Sieg nur dazu, um die ptolemäische
Provinz "Syrien und Phönikien" abzusichern; vermutlich überließ
man den SELEUKIDEN sogar Seleukia in
Pierien, da die Stadt als Enklave nur mit kostspieligem, militärischem
Schutz zu halten und künftigen Beziehungen stets hinderlich gewesen
wäre. Während so das PTOLEMÄER-Reich
mit größten Anstrengungen ein rein defensives Kriegsziel erreichte,
stand Antiochos III. erst am Anfang seiner Aktivitäten. Von seiner
Niederlage erholte er sich sehr rasch und wandte sich zunächst gegen
Achaios (216 v.u.Z.-213 v.u.Z.). Als
dessen Lage bedrohlich wurde, versuchte ihn die ptolemäische
Regierung zu halten (215/14 v.u.Z. und 214/13 v.u.Z.), unter
anderem mit Hilfe angeworbener aitolischer Söldner, die jedoch zu
spät kamen. Mit dem Untergang des Achaios
erlitt auch die ptolemäische Außenpolitik
einen Rückschlag.
Die Passivität des Philopator
ermöglichte Antiochos III. großartige
Erfolge in den östlichen Satrapien (212 v.u.Z.-205 v.u.Z.). Sogar
der indische Maurya-Fürst Sophagasenos und der Parther-König
Arsakes II. erkannten die
seleukidische Oberhoheit an. Antiochos
nahm nun den achämenidischen Titel
eines Großkönigs an und wurde in Anklang an Alexander
"Antiochos der Große" genannt.
Den Pelops, bis dahin Stratege von Zypern, schickte
der Minister und Vormund Agathokles zu Antiochos
III. nach Kleinasien, der dort eben versuchte, in Verfolgung
seines alten Regierungsprogrammes Territorialgewinne zu erzielen, gleichgültig
ob es sich um attalidische, antigonidische
oder ptolemäische Besitzungen
handelte. Gerade wegen der Regierungskrise in Alexandria konnte der SELEUKIDE
gefahrlos mehrere ptolemäische
Orte in Karien in Besitz nehmen, so auch Amyzon im Frühling 203 v.u.Z.
Gegen dieses Vorgehen sollte Pelops protestieren und Antiochos an die Einhaltung
des nach Raphia geschlossenen Vertrages erinnern. Den diplomatischen Missionen
bei Philipp V. und Antiochos
III. war jedoch kein Erfolg beschieden. Im Gegenteil, die beiden
kamen im Winter 203/02 v.u.Z. in einem geheimen Abkommen überein,
das PTOLEMÄER-Reich aufzuteilen,
das heißt jedenfalls sich dessen Außenbesitzungen anzueignen
und die ptolemäische Hegemonie im östlichen Mittelmeer zu beseitigen.
Wohl infolge der geheimen Vereinbarungen mit Philipp
V. von Makedonien verzichtete Antiochos
III. auf weitere Aktivitäten im westlichen Kleinasien und
eröffnete im Frühjahr/Frühsommer 202 v.u.Z. den heute als
5. gezählten Syrischen Krieg. Er marschierte östlich des Antilibanon
nach Süden und eroberte als erstes Damaskus. Bald nachdem die Offensive
des Antiochos bekannt geworden war,
scheint die alexandrinische Regierung mittels einer Gesandtschaft in Rom
um Unterstützung gebeten zu haben. Während des Jahres 201 v.u.Z.
besetzte der SELEUKIDE offenbar ohne
größere Schwierigkeiten weite Teile Palästinas, schließlich
auch Gaza nach längerem Widerstand der ptolemäischen
Besatzung; die phönikischen Küstenstädte blieben ptolemäisch.
Im Winter 201/00 v.u.Z. gelang es dem ptolemäischen
Feldherrn Skopas, nahezu das gesamte verlorene Territorium samt Jerusalem
zurückzuerobern. Damaskus blieb jedoch seleukidisch.
Dies gestattete Antiochos, 200 v.u.Z.
seine zweite Offensive aufzurollen und die Armee des Skopas im Sommer
desselben Jahres bei Panion (das spätere Caesarea Philippi am Südabhang
des Hermon) zu schlagen. Skopas zog sich mit etwa 10.000 Mann nach
Sidon zurück und hielt dort über den Winter 200/199 v.u.Z. der
Belagerung stand. Die ptolemäische
Regierung war nicht mehr imstande, mit Entsatztruppen oder einer Flotte
dem Skopas zu Hilfe zu kommen. Dieser kapitulierte daher im Frühjahr/Sommer
199 v.u.Z. und erhielt freien Abzug; Sidon blieb von da an seleukidisch.
Skopas selbst wurde sofort nach seiner Rückkehr von der alexandrinischen
Regierung mit großen Geldmitteln nach Aitolien geschickt, um gegen
einen drohenden Einfall des Antiochos
nach Ägypten neue Söldner anzuwerben. Dieser kümmerte sich
aber um seine jüngst gewonnene Provinz und brachte schließlich
im ersten Halbjahr 198 v.u.Z. die letzten Reste des ehemaligen ptolemäischen
"Syrien und Phönikien" unter seine Herrschaft. Bald nachdem er die
Annexion Koilesyriens abgeschlossen hatte (198 v.u.Z.), brach der SELEUKIDE
im Frühjahr 197 v.u.Z. zu seinem großen Kleinasienfeldzug auf;
mit Landheer und Flotte wandte er sich von Kilikien aus nach Westen. Inzwischen
war Antiochos III. von Ephesos aufgebrochen
und stand im Frühjahr 196 v.u.Z. bereits auf europäischem Boden.
Das SELEUKIDEN-Reich war nun tatsächlich
zur ersten hellenistischen Großmacht aufgestiegen.
Eine römische Kommission überbrachte in Lysimacheia
am Hellespont dem Antiochos das römische
Forderungspaket nach Räumung der ehemals ptolemäischen
Gebiete. In Lysimacheia hingegen wartete Antiochos
III. mit einem diplomatischen Geniestreich auf: Er verkündete,
dass er eben im Begriff wäre, mit Ptolemaios
Freundschaft zu schließen und eine Eheverbindung in Aussicht
genommen sei. Plötzlich traf eine falsche Nachricht vom Tode des
Epiphanes in Lysimacheia ein, was die Auslösung der Konferenz
bewirkte. Antiochos versuchte sogar,
Zypern im Handstreich zu nehmen, was aber wegen einer zu stürmischen
See nicht gelang.
Tatsache ist, dass im Folgejahr 195 v.u.Z. Kleopatra,
die Tochter Antiochos'
III., mit Ptolemaios V. Epiphanes verlobt
wurde. Die Hochzeit wurde im Winter 194/93 v.u.Z. in Raphia gefeiert. Der
16-jährige König hatte jetzt eine etwa 10-jährige Frau,
Kleopatra I., die man wegen ihrer Abstammung
und ihrer naturgemäß seleukiden-freundlichen
Einstellung "die Syrerin" nannte.
Angesichts dieser Ereignisse kümmerten sich die
Römer nicht mehr weiter um die ptolemäischen
Ansprüche, da vermutlich die alexandrinische Regierung
beim Friedensschluß mit Antiochos
(195 v.u.Z.) auf die Besitzungen in Asien verzichtet hatte. Im Endergebnis
war es Antiochos III. trotz der dynastischen
Verbindung nicht geglückt, den PTOLEMÄER-Hof
zu einer neutralen Haltung zu bewegen; diesem blieb es wiederum versagt,
zur Rettung der eigenen Ansprüche Anschluß an den Krieg Roms
gegen Antiochos zu gewinnen. Die Römer
griffen daher im Frieden von Apameia, den sie 188 v.u.Z. mit Antiochos
III. schlossen, die ptolemäischen
Ansprüche nicht wieder auf. Ein Großteil des seleukidischen
Kleinasien westlich des Tauros wurde dem Pergamenischen Reich zugeschlagen,
so auch das vormals ptolemäische
Ephesos. Mitte 187 v.u.Z. wurde Antiochos der
Große bei der Plünderung eines Bel-Tempels nahe Susa
von den aufgebrachten Bewohnern erschlagen.