Hölbl Günther: Seite 14-24
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"Geschichte des Ptolemäerreiches. Politik, Ideologie und religiöse Kultur von Alexander dem Großen bis zur römischen Eroberung."

Von den anderen in der Folgezeit bedeutsamen sogenannten Diadochen (Nachfolger Alexanders des Großen) übernahm Antigonos Monophthalmos (der Einäugige) zu seiner Satrapie Großphrygien noch Pamphylien und Lykien hinzu.
Inzwischen hatten Krateros, Antipatros, Antigonos und Lysimachos aus Unmut über den selbstherrlichen Perdikkas eine Koalition gebildet (Winter 3221/21). Ihnen schloß sich Ptolemaios an, der möglicherweise wegen der Ermordung von Kleomenes und der Annexion der Kyrenaika in Spannungen mit der Zentralregierung geraten war.
Mit dem Tod von Perdikkas und Krateros hatte das Reich die Spitze der Regierung verloren. Die siegreichen Diadochen der Koalition einigten sich daher wahrscheinlich im Herbst 320 von neuen in der Reichsordnung von Triparadeisos in Nord-Syrien (Diod. XVIII, 39; Arr.: FGrHist. 156 F 9,30-38): Antipatros wurde Reichsverweser (Epimeletes). Als solcher ernannte er Antigonos, den Satrapen von Großphrygien, zum Reichsfeldherrn und Strategen von Asien und beauftragte ihn mit dem Krieg gegen den zum Tode verurteilten Eumenes; seinen eigenen Sohn Kassandros gab er dem Antigonos als Chiliarch der Reiterei mit.
Mit dem von Antipatros ernannten Reichsverweser Polyperchon waren jedoch die auf Selbständigkeit bedachten Diadochen, insbesondere Kasandros, der Sohn des Antipatros, unzufrieden. Kassandros brachte daher sogleich eine Koalition mit Ptolemaios, Antigonos und Lysimachos gegen Polyperchon zustande. Die folgenden Ereignisse werden als 2. Diadochenkrieg (319-315) zusammengefaßt.
Im Winter 316/15 konnte Antigonos Monophthalmos, Stratege von Asien, nach langen Kriegsjahren den Eumenes besiegen. Damit war für Antigonos der Weg frei, seine Macht nach Gutdünken auszuweiten. Im Sommer 315 kam er nach Babylon und forderte vom Satrapen Seleukos Rechenschaft über die Verwaltung der Satrapie. Seleukos verweigerte den Gehorsam, fürchtete um sein Leben und floh zu Ptolemaios. Das gewaltsame Vorgehen des Antigonos, der seit Triparadeisos zumindest in Asien mit übergeordneten militärischen Kompetenzen ausgestattet war, mußte an die einst von Perdikkas angestrebte zentrale Autorität im Alexander-Reich erinnern. Seleukos gelang es sehr rasch, eine Koalition von Ptolemaios, Kassandros und Lysimachos gegen Antigonos zustande zu bringen mit dem Ziel, dessen Oberherrschaft zu verhindern. Auf ihre ultimativen Forderungen ging Antigonos nicht ein und begannn den 3. Diadochenkrieg (auch 2. Koalitionskrieg; 314-311) (Diod. XIX, 56-62).
Antigonos erreichte ein Bündnis mit einigen zyprischen Königen; die anderen, insbesondere Nikokreon von Salamis, waren mit Ptolemaios verbündet - entweder vom 1. Koalitionskrieg her oder aus späterer Zeit. Weiter konnte Antigonos sehr zielstrebig seine Macht über das gesamte Kleinasien und Syrien ausdehnen, bloß in Tyros hat sich die ptolemäische Garnision erst nach einer Belagerung von über einem Jahr ergeben. Vopn seinem lager vor der Stadt verkündete Antigonos weitreichende Beschlüsse seiner Heeresversammlung, darunter seine eigene Ernennung zum „Epimeletes des Königs“ und eine autonome Freiheit für die griechischen Städte. Darauf antwortete Ptolemaios seinerseits mit einer wenig glaubwürdigen, propagandistischen Freiheitserklärung der Griechen.
Der Motor der ptolemäischen Kriegsmaschinerie war Seleukos, der selbst nichts mehr zu verlieren hatte. Er leitete gemeinsam mit Menelaos, dem Bruder des Ptolemaios, die Operationen auf Zypern, das 313 für das PTOLEMÄER-Reich gewonnen werden konnte. Seinen langjährigen Verbündeten, den König von Salamis, Nikokreon, machte Ptolemaios 312 zum Strategen über die gesamte Insel und fügte überdies eine Reihe von Stadtkönigtümern dessen Reich hinzu (Diod. XIX, 79,5). Bald darauf verbanden Ptolemaios und Seleukos ihre beiden Kriegsziele in einer Expedition nach Syrien (Diod. XIX, 80-85): Der eine wollte dort verlorenes Terrain wiedergewinnen, der andere nach Babylonien vorstoßen. So kam es im Herbst 312 zur Schlacht bei Gaza gegen den dort operierenden Sohn des Antigonos, Demetrios. Ptolemaios hatte damals ein großes Kontingent Ägypter im Heer. Die Schlacht war für Ptolemaios und Seleukos siegreich, jedoch mußte Ptolemaios (nach der Niederlage seines Generals Killes gegen Demetrios im Frühling 311) vor dem mit übermächtigen Streitkräften heranrückenden Antigonos zurückweichen (Diod. XIX, 93,2-7), der wieder ganz Syrien besetzen konnte. Zur gleichen Zeit war es dem Seleukos gelungen, mit einem kleinen Expeditionskorps über Petra nach Mesopotamien zu ziehen. Im August 311 eroberte er seine Satrapie Babylonien zurück, wodurch in Asien eine völlig neue Entwicklung begann. Seit dem Jahre 308 konnte Seleukos unbehelligt von Antigonos den gesamten Osten des einstigen Alexander-Reiches bis nach Indien erobern und das SELEUKIDEN-Reich aufbauen.
Um den Herbstbeginn 311 kam es zum Friedensschluß (Diod. XIX, 105), bei dem im wesentlichen der Status quo anerkannt wurde. Dem Antigonos wurde seine Macht über „ganz Asien“ bestätigt, wobei man offenbar auf die Aktivitäten des Seleukos nicht eingegangen ist. Die ptolemäischen Außenbesitzungen Zypern und die Kyrenaika waren gleichfalls nicht Teil des Vertrages.
Der Friede von 311 dürfte auch Ptolemaios wenig befriedigt haben. Unter dem Motto, die Griechenstädte im „rauhen“ Kilikien von der Herrschaft des Antigonos zu befreien, sandte er 310 eine militärische Expedition dorthin, offenbar wegen der günstigen Lage gegenüber Zypern dazu bewogen; das Unternehmen scheiterte am Gegenschlag des Demetrios, des Sohnes des Antigonos, der später den Beinamen Poliorketes erhielt (Diod. XX, 19,2-5).
In Kleinasien gab sich Ptolemaios nicht geschlagen: 309 setzte er seine „Befreiungsaktion“ im Westen (Lykien und Karien) fort und konnte Phaselis, Xanthos, Kaunos, Myndos und offenbar Iasos für sich gewinnen. Auf der Insel Kos schlug der lagische Hofstaat sein Winterquartier 309/08 auf (Diod. XX, 27,1-3). Vor Halikarnassos stoppte jedoch Demetrios von neuem das das ptolemäische Vordringen.
Im Jahre 306 erreichte der Konflikt zwischen Antigonos und Ptolemaios einen ersten Höhepunkt in der bedeutendsten Seeschlacht der Diadochenkriege: Demetrios, mit der Großoffensive gegen Zypern beauftragt, fügte dem Ptolemaios bei Salamis eine vernichtende Niederlage zu, bei der der größte Teil der ägyptischen Kriegsflotte und die Hälfte der Transportschiffe verlorenging (Diod. XX, 46-52; Plut. Dem. 15-16).
Nach dem Sieg seines Sohnes bei Salamis nahm Antigonos im Sommer 306 als ersten von den Diadochen unter Beteiligung seiner Heeresversammlung und der Philoi den Königstitel an und machte Demetrios zu seinem Mitregenten. In der Hoffnung, die anderen Diadochen mühelos zu beseitigen, bekundete Antigonos damit den Anspruch auf die Nachfolge im Alexander-Reich. Als Gegenreaktion, offenbar um den Eindruck der Demoralisierung zu vermeiden, ließ sich nun Ptolemaios seinerseits von seinem eigenen Heer in Ägypten zum König ausrufen. Seinem Vorbild folgten sehr bald die anderen Diadochen, Seleukos, Kassandros und Lisymachos.
Antigonos und Demetrios stießen nun gleichzeitig (Ende Oktober 306) - Antigonos mit einem Landheer, Demetrios mit der Flotte - von Gaza in Richtung Ägypten vor. Von Pelusion aus war der direkte Angriff auf Alexandria geplant. Alerdings erwies sich der Marsch durch das Nildelta mit seinen Sümpfen und vielen Flußarmen als ein hoffnungsloses Unterfangen. Die Landungsversuche des Demetrios konnte Ptolemaios abwehren. Schließlich mußte Antigonos Ende November 306 das Unternehmen wegen der Schwierigkeiten in der Truppenverpflegung abbrechen.
Antigonos hatte mit seiner Erhebung zum Basileus der ARGEADEN-Dynastie offiziell ein Ende bereitet. Mit der Annahme desselben Titels demonstrierten die anderen Diadochen ihre Gleichstellung gegenüber Antigonos und begründeten ihrerseits neue Dynastien. Dennoch ist eine wichtige Differenzierung im Auge zu behalten: Während Antigonos mit dem Königtum Alexanders des Großen den Anspruch auf dessen gesamten ehemaligen Machtbereich zu Ausdruck brachte, erkannten die anderen einander als gleichrangig an, obwohl sie mit ihrem Königtum abenso an Alexander anknüpften. Durch die Annahme des Königstitels lösten diejenigen Diadochen, die sich in der Folge als gleichrangig anerkannten, die Einheit des Alexander-Reiches auf. Antigonos hatte das hinzunehmen, setzte aber den Kampf um weitere Territorioen fort.
Zunächst schickte er nach dem gescheiterten Ägyptenfeldzuig seinen Sohn und Mit-König Demetrios zur Eroberung von Rhodos aus. Die Inselrepublik war schon am Ende des 4. Jh. zum bedeutendsten Umschlagplatz für ägyptisches Getreide geworden und lieferte im Transit Waren aller Art ins Nilland. Die Rhodier hatten den Königstitel des Ptolemaios auch umgehend anerkannt, weil ihnen dies aus wirtschaftlichen Gründen günstiger erschien. Der Erfolg sollte ihnen recht geben: In der berühmten Belagerung von 305/04 v. Chr., in der sich Demetrios den Beinamen Polioketes erwarb, konnten die Rhodier nicht zuletzt durch die militärischen Kontingente und die Nahrungsgüter, die Ptolemaios sandte, standhalten.
Angesichts der immer noch überragenden Macht von Antigonos und Demetrios fanden sich die anderen Diadochen alsbald zu einer neuen Koalition zusammen: 301 verlor Antigonos bei Ipsos (Phrygien) die letzte Schlacht und fand den Tod im Kampf (4. Diadochenkrieg, 303-301). Das Reich des Antigonos wurde unter die drei Sieger von Ipsos aufgeteilt.