Von den anderen in der Folgezeit bedeutsamen sogenannten
Diadochen (Nachfolger Alexanders des Großen)
übernahm Antigonos Monophthalmos (der
Einäugige) zu seiner Satrapie Großphrygien noch
Pamphylien und Lykien hinzu.
Inzwischen hatten Krateros, Antipatros,
Antigonos und Lysimachos
aus Unmut über den selbstherrlichen Perdikkas eine Koalition
gebildet (Winter 3221/21). Ihnen schloß sich Ptolemaios
an, der möglicherweise wegen der Ermordung von Kleomenes und
der Annexion der Kyrenaika in Spannungen mit der Zentralregierung geraten
war.
Mit dem Tod von Perdikkas und Krateros
hatte das Reich die Spitze der Regierung verloren. Die siegreichen Diadochen
der Koalition einigten sich daher wahrscheinlich im Herbst 320 von neuen
in der Reichsordnung von Triparadeisos in Nord-Syrien (Diod. XVIII, 39;
Arr.: FGrHist. 156 F 9,30-38): Antipatros wurde Reichsverweser (Epimeletes).
Als solcher ernannte er Antigonos,
den Satrapen von Großphrygien, zum Reichsfeldherrn und
Strategen von Asien und beauftragte ihn mit dem Krieg gegen den zum
Tode verurteilten Eumenes; seinen eigenen Sohn Kassandros
gab er dem Antigonos als Chiliarch
der Reiterei mit.
Mit dem von Antipatros ernannten Reichsverweser
Polyperchon waren jedoch die auf Selbständigkeit bedachten Diadochen,
insbesondere Kasandros, der Sohn
des Antipatros, unzufrieden. Kassandros
brachte daher sogleich eine Koalition mit Ptolemaios,
Antigonos und Lysimachos
gegen Polyperchon zustande. Die folgenden Ereignisse werden als
2. Diadochenkrieg (319-315) zusammengefaßt.
Im Winter 316/15 konnte Antigonos
Monophthalmos, Stratege von Asien, nach langen Kriegsjahren
den Eumenes besiegen. Damit war für Antigonos der Weg frei,
seine Macht nach Gutdünken auszuweiten. Im Sommer 315 kam er nach
Babylon und forderte vom Satrapen Seleukos Rechenschaft
über die Verwaltung der Satrapie. Seleukos
verweigerte den Gehorsam, fürchtete um sein Leben und floh zu Ptolemaios.
Das gewaltsame Vorgehen des Antigonos,
der seit Triparadeisos zumindest in Asien mit übergeordneten militärischen
Kompetenzen ausgestattet war, mußte an die einst von Perdikkas
angestrebte zentrale Autorität im Alexander-Reich
erinnern. Seleukos gelang es sehr rasch,
eine Koalition von Ptolemaios, Kassandros
und Lysimachos gegen Antigonos
zustande zu bringen mit dem Ziel, dessen Oberherrschaft zu verhindern.
Auf ihre ultimativen Forderungen ging Antigonos
nicht ein und begannn den 3. Diadochenkrieg (auch 2. Koalitionskrieg;
314-311) (Diod. XIX, 56-62).
Antigonos erreichte
ein Bündnis mit einigen zyprischen Königen; die anderen, insbesondere
Nikokreon von Salamis, waren mit Ptolemaios
verbündet - entweder vom 1. Koalitionskrieg her oder aus
späterer Zeit. Weiter konnte Antigonos
sehr zielstrebig seine Macht über das gesamte Kleinasien und Syrien
ausdehnen, bloß in Tyros hat sich die ptolemäische
Garnision erst nach einer Belagerung von über einem Jahr ergeben.
Vopn seinem lager vor der Stadt verkündete Antigonos
weitreichende Beschlüsse seiner Heeresversammlung, darunter seine
eigene Ernennung zum „Epimeletes des Königs“
und eine autonome Freiheit für die griechischen Städte. Darauf
antwortete Ptolemaios seinerseits mit
einer wenig glaubwürdigen, propagandistischen Freiheitserklärung
der Griechen.
Der Motor der ptolemäischen
Kriegsmaschinerie war Seleukos, der
selbst nichts mehr zu verlieren hatte. Er leitete gemeinsam mit Menelaos,
dem Bruder des Ptolemaios, die Operationen
auf Zypern, das 313 für das PTOLEMÄER-Reich
gewonnen werden konnte. Seinen langjährigen Verbündeten, den
König von Salamis, Nikokreon,
machte Ptolemaios 312 zum Strategen
über die gesamte Insel und fügte überdies eine Reihe von
Stadtkönigtümern dessen Reich hinzu (Diod. XIX, 79,5). Bald darauf
verbanden Ptolemaios und Seleukos
ihre beiden Kriegsziele in einer Expedition nach Syrien (Diod. XIX, 80-85):
Der eine wollte dort verlorenes Terrain wiedergewinnen, der andere nach
Babylonien vorstoßen. So kam es im Herbst 312 zur Schlacht bei Gaza
gegen den dort operierenden Sohn des Antigonos,
Demetrios. Ptolemaios
hatte damals ein großes Kontingent Ägypter im Heer.
Die Schlacht war für Ptolemaios
und Seleukos siegreich, jedoch mußte
Ptolemaios (nach der Niederlage seines
Generals Killes gegen Demetrios
im Frühling 311) vor dem mit übermächtigen Streitkräften
heranrückenden Antigonos zurückweichen
(Diod. XIX, 93,2-7), der wieder ganz Syrien besetzen konnte. Zur gleichen
Zeit war es dem Seleukos gelungen,
mit einem kleinen Expeditionskorps über Petra nach Mesopotamien zu
ziehen. Im August 311 eroberte er seine Satrapie Babylonien zurück,
wodurch in Asien eine völlig neue Entwicklung begann. Seit dem Jahre
308 konnte Seleukos unbehelligt von
Antigonos den gesamten Osten des einstigen
Alexander-Reiches bis nach Indien erobern und das SELEUKIDEN-Reich
aufbauen.
Um den Herbstbeginn 311 kam es zum Friedensschluß
(Diod. XIX, 105), bei dem im wesentlichen der Status quo anerkannt wurde.
Dem Antigonos wurde seine Macht über
„ganz Asien“ bestätigt, wobei man offenbar auf die Aktivitäten
des Seleukos nicht eingegangen ist.
Die ptolemäischen Außenbesitzungen
Zypern und die Kyrenaika waren gleichfalls nicht Teil des Vertrages.
Der Friede von 311 dürfte auch Ptolemaios
wenig befriedigt haben. Unter dem Motto, die Griechenstädte im „rauhen“
Kilikien von der Herrschaft des Antigonos
zu befreien, sandte er 310 eine militärische Expedition dorthin, offenbar
wegen der günstigen Lage gegenüber Zypern dazu bewogen; das Unternehmen
scheiterte am Gegenschlag des Demetrios,
des Sohnes des Antigonos, der später
den Beinamen Poliorketes erhielt (Diod.
XX, 19,2-5).
In Kleinasien gab sich Ptolemaios
nicht geschlagen: 309 setzte er seine „Befreiungsaktion“ im Westen (Lykien
und Karien) fort und konnte Phaselis, Xanthos, Kaunos, Myndos und offenbar
Iasos für sich gewinnen. Auf der Insel Kos schlug der lagische
Hofstaat sein Winterquartier 309/08 auf (Diod. XX, 27,1-3). Vor Halikarnassos
stoppte jedoch Demetrios von neuem
das das ptolemäische Vordringen.
Im Jahre 306 erreichte der Konflikt zwischen Antigonos
und Ptolemaios einen ersten
Höhepunkt in der bedeutendsten Seeschlacht der Diadochenkriege:
Demetrios, mit der Großoffensive gegen Zypern beauftragt,
fügte dem Ptolemaios bei Salamis
eine vernichtende Niederlage zu, bei der der größte Teil der
ägyptischen Kriegsflotte und die Hälfte der Transportschiffe
verlorenging (Diod. XX, 46-52; Plut. Dem. 15-16).
Nach dem Sieg seines Sohnes bei Salamis nahm Antigonos
im Sommer 306 als ersten von den Diadochen unter Beteiligung seiner Heeresversammlung
und der Philoi den Königstitel an und machte Demetrios
zu seinem Mitregenten. In der Hoffnung, die anderen Diadochen
mühelos zu beseitigen, bekundete Antigonos
damit den Anspruch auf die Nachfolge im Alexander-Reich.
Als Gegenreaktion, offenbar um den Eindruck der Demoralisierung zu vermeiden,
ließ sich nun Ptolemaios seinerseits
von seinem eigenen Heer in Ägypten zum König ausrufen. Seinem
Vorbild folgten sehr bald die anderen Diadochen, Seleukos,
Kassandros und Lisymachos.
Antigonos und Demetrios
stießen nun gleichzeitig (Ende Oktober 306) - Antigonos
mit einem Landheer, Demetrios mit der
Flotte - von Gaza in Richtung Ägypten vor. Von Pelusion aus war der
direkte Angriff auf Alexandria geplant. Alerdings erwies sich der Marsch
durch das Nildelta mit seinen Sümpfen und vielen Flußarmen als
ein hoffnungsloses Unterfangen. Die Landungsversuche des Demetrios
konnte Ptolemaios abwehren.
Schließlich mußte Antigonos
Ende November 306 das Unternehmen wegen der Schwierigkeiten in der Truppenverpflegung
abbrechen.
Antigonos hatte mit
seiner Erhebung zum Basileus der ARGEADEN-Dynastie
offiziell ein Ende bereitet. Mit der Annahme desselben Titels demonstrierten
die anderen Diadochen ihre Gleichstellung gegenüber Antigonos
und begründeten ihrerseits neue Dynastien. Dennoch ist eine wichtige
Differenzierung im Auge zu behalten: Während Antigonos
mit dem Königtum Alexanders des Großen
den Anspruch auf dessen gesamten ehemaligen Machtbereich
zu Ausdruck brachte, erkannten die anderen einander als gleichrangig
an, obwohl sie mit ihrem Königtum abenso an Alexander
anknüpften. Durch die Annahme des Königstitels lösten diejenigen
Diadochen, die sich in der Folge als gleichrangig anerkannten, die Einheit
des Alexander-Reiches auf.
Antigonos hatte das hinzunehmen, setzte aber den Kampf um weitere
Territorioen fort.
Zunächst schickte er nach dem gescheiterten Ägyptenfeldzuig
seinen Sohn und Mit-König Demetrios zur
Eroberung von Rhodos aus. Die Inselrepublik war schon am Ende des 4. Jh.
zum bedeutendsten Umschlagplatz für ägyptisches Getreide geworden
und lieferte im Transit Waren aller Art ins Nilland. Die Rhodier hatten
den Königstitel des Ptolemaios
auch umgehend anerkannt, weil ihnen dies aus wirtschaftlichen Gründen
günstiger erschien. Der Erfolg sollte ihnen recht geben: In der berühmten
Belagerung von 305/04 v. Chr., in der sich Demetrios
den Beinamen Polioketes
erwarb, konnten die Rhodier nicht zuletzt durch die militärischen
Kontingente und die Nahrungsgüter, die Ptolemaios
sandte, standhalten.
Angesichts der immer noch überragenden Macht von
Antigonos und Demetrios
fanden sich die anderen Diadochen alsbald zu einer neuen Koalition zusammen:
301 verlor Antigonos bei Ipsos
(Phrygien) die letzte Schlacht und fand den Tod im Kampf (4. Diadochenkrieg,
303-301). Das Reich des Antigonos wurde
unter die drei Sieger von Ipsos aufgeteilt.