Antigonos, der Sohn
des Philippos, war bereits seit dem Jahre 333 Satrap von Großphrygien.
Er gehörte zu der älteren Generation der makedionischen Generale;
klug, vielerfahren, von ruhiger Entschlossenheit, wie er war, mochte er
während dieser zehn Jahre seiner Macht die Festigkeit gegeben haben,
deren es vor allem in dieser von räuberischenn Bergvölern und
fast unabhängigen Verbündeten umgebenen Provinz bedurfte.
Eben jetzt kam der Satrap Antigonos
von Großphrygien als Flüchtling in das makedonische
Lager; über die Nachrichten, die er brachte, aufs höchste bestürzt,
hielt Antipatros mit Krateros und den Führern des Heeres
Kriegsrat; nach einmütigen Beschluß wurde sofort aufgebrochen,
nach Asien zu marschieren.
Bei der Verteilung der Satrapien im Jahere 323 war bestimmt
worden, dass Antigonos von
Großphrygien mit Leonnatos von Phrygien am Hellespont
mit ihren Heeren ausrücken sollten, für Eumenes Paphlagonien
und Kapapdokien zu erkämpfen. Antigonos
hielt es für geraten, dem Befehl nicht Folge zu leisten; die Expedition
hätte ihm nicht bloß keinen Nutzen gebracht, sondern ihn überdies
von den Befehlen des Reichsverwesers, dem er nichts weniger als dienstpflichtig
zu sein geneigt war, abhängig gezeigt.
Perdikkas konnte 322 daran denken, in einem strengen
Exempel die Autorität des Reiches gegen die Satrapen geltend zu machen.
Antigonos von Großphrygien war
schwerster Unbotmäßigkeit schuldig; es erging ein Befehl der
Könige an ihn, sich zu Gericht zu stellen. Perdikkas konnte
erwarten, dass der stolze Satrap sich nicht stellen, das mit bewaffneter
Macht gegen ihn zu verfahren sein werde.
Perdikkas hatte erwartet,
Antigonos, den wer vor ein makedonisches Gericht geladen, werde
sich der Vorladung weigern und dadurch Gelegenheit geben, gegen ihn als
offenen Rebellen mit aller Strenge zu verfahren; es war nicht zweifelhaft,
dass der Satrap der Macht des Reichsverwesers unterlegen wäre. Antigonos
hatte sich zustellen und seine Unschuld zu erweisen versprochen; er war
heimlich mit seinem Sohne Demetrios
und seinen Freunden aus der Satrapie entwichen, hatte sich nach der Küste
geflüchtet, auf attischen Schiffen, die dort lagen, sich nach Europa
zu Antipatros zu begeben.
Nach des Perdikkas‘ Ermordung wurden Botschaften
an Antipatros nach dem oberen Syrien, an Antigonos,
der sich in Kypros befand, gesendet mit der Weisung, eilig zu den Königen
nach Triparadeisos zu kommen. Das Heer selbst trat unter Führung der
beiden Reichsverweser seinen Rückzug nach Syrien an. Indes waren Antipatros
und Antigonos in die Gegend von Triparadeisos
gekommen und Antipatros‘ Heer hatte jenseits des Orontes ein Lager
aufgeschlagen. In dieser Not versprach Antigonos
zu helfen. Er war mit dem Chiliarchen Seleukos
im Einverständnis; in voller Bewaffnung ging er über die Brücke,
mitten durch die Phalangen hin, einzeln andeutend, dass er vor dem Heere
zu sprechen beabsichtige; die Makedonen wichen dem erlauchte Führer
aus dem Wege und folgten ihm. Während die Menge um ihn herstand und
hörte und er in langer und gewandter Rede Antipatros verteidigte,
brachte sich dieser in Sicherheit.
Großphrygien und Lykien mit den daranstoßenden
Landschaften der Lykaonen und Pamphyler sollte Antigonos
bei der Teilung von Triparadeisos zurückerhalten. Für jetzt bestimmte
Antipatros nach der Teilung des Reichsheeres, dass Antigonos
außer seiner Satrapie als unumschränkter Stratege den
Oberbefehl über das Reichsheer erhalten und seinem Wunsche
gemäß den Krieg gegen die Reste der perdikkanischen Partei,
namentlich gegen Eumenes, fortsetzen sollte. Um nichts, wass die
Vorsicht forderte, zu unterlassen, ernannte er seinen eigenen Sohn Kassandros
zum Chiliarchen; er mochte hoffen, damit Antigonos
eine genügende Schranke gesetzt zu haben.
Seite 94
Indes zog Antigonos mit
dem Reichsheer mit dem Reichsheer und den Königen über den Tauros
heran, mit ihm der Chiliarch Kasandros. Zwischen beiden war
es bereits zu ärgerlichen Zerwürfnissen gekommen; der schroffe
und hochfahrende Chiliarch wollte sich dem besonnenen und streng
militärischen Strategen ebensowenig fügen, wie dieser neben sich
die Anmaßlichkeiten des jüngeren Mannes dulden, der für
sich nichts als den Namen des Vaters und einige unangenehme Erinnerungen
aus dem letzten Lebensjahre Alexanders
hatte. Der alte Antipatros hatte schon einmal den Sohn mit seinen
Klagen und Anschuldigungen gegen Antigonos
zur Ruhe verwiesen; es half nur auf kurze Zeit.