Bengtson Hermann: Seite 12,19,26,33-39,49,58,64,70,90,102,113,117,121,132,49,58,64,70,90,
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"Die Diadochen. Die Nachfolger Alexanders des Großen."

Die Diadochen sind nahezu ohne Ausnahme überragende Herrschergestalten gewesen, sie waren  nicht nur exzellente Heerführer, sie waren auch Diplomaten hohen Ranges. Der überragende Mann in den ersten beiden Jahrzehnten nach dem Tode des großen Alexander war Antigonos, in der Überlieferung Monophthalmos, das heißt der Einäugige, genannt. Er ist der letzte unter den Nachfolgern des toten Alexander gewesen, der nach der Herrschaft über das Gesamtreich gestrebt und dies wenigstens zu einem Teil auch erreicht hat. In der Schlacht bei Ipsos (301 v.u.Z.) ist er gefallen, 81-jährig; mit ihm wurde die Idee des einen und ungeteilten Alexander-Reiches begraben.
Bei der Neuverteilung der Satrapien wurde Antigonos, der "Einäugige" Satrap von Lykien und Pamphylien. Beide Satrapien verband er mit Phrygien, das er innehatte. Antigonos gehörte zu den Gegnern des Perdikkas. Er wurde aus seiner Satrapie verdrängt und mußte sich zu Antipater und Krateros nach Makedonien begeben. Beim Zusammentreffen des Heeres in Triparadeisos (321 v.u.Z.) geriet auch Antigonos neben Antipater und Seleukos in Lebensgefahr. Hier wurde er beauftragt, einen Teil der in Susa liegenden Schätze nach Kleinasien zu schaffen. Die Argyraspiden sollten den Transport begleiten. Sie waren eine Elitetruppe; kein Gegner weit und breit war ihnen gewachsen. Die Beschlüsse von Triparadeisos kann man nicht als glücklich bezeichnen. Vor allem war Vorderasien dem Ehrgeiz des Antigonos Monophthalmos preisgegeben. Er war zum Befehlshaber des Reichsheers in Asien ernannt worden. Damit hatte das Reich wieder zwei Spitzen, Antipatros in Makedonien und Antigonos in Vorderasien. Nominell war Antigonos als Stratege des Reichsheers in Asien dem Reichsverweser Antipater unterstellt, doch hat sich Antigonos wenig darum gekümmert. Antipater hatte seine Tochter Phila dem Demetrios, dem Sohn des Antigonos, zur Frau gegeben (wohl noch im Jahre 321/20 v.u.Z.). Die Verbindung war als Unterpfand der Freundschaft zwischen Antipater und Antigonos gedacht. Die Stellung des Antigonos ist, wahrscheinlich noch im Jahre 321 v.u.Z., dadurch erweitert worden, dass ihn Antipater zum Strategen von Asien ernannt hat. Damit waren ihm de facto die Satrapen unterstellt, wenn es diese auch nicht anerkannt haben. Antipater hatte geglaubt, dem Ehrgeiz des Antigonos dadurch Zügel anlegen zu können, dass er seinen eigenen Sohn Kassander zum Chiliarchen ernannt hatte. In dieser Eigenschaft sollte er dem Antigonos zur Seite stehen und den Befehl über die Reiterei führen.
Antigonos gehörte zu den vornehmen Makedonen: Seine Geburt fällt ins Jahr 382 v.u.Z., das heißt, er war ungefähr gleichaltrig mit dem Athener Demosthenes. Mit dem Geschichtsschreiber Marsyas von Pella war er verwandt, vielleicht sogar mit dem makedonischen Königshause. Als Angehöriger einer älteren Generation hatte er die Feldzüge Philipps II. mitgemacht, aber seine Begabung hat hier offenbar nicht die rechte Entfaltung gefunden, da Philipp dem Antigonos zwei andere Männer eindeutig vorgezogen hat, nämlich Antipater und Parmenion. Eine irgendwie überragende Rolle hat Antigonos auch beim Alexander-Zug nicht gespielt. Der König hatte ihm den Oberbefehl über die Infanterie der Bundesgenossen anvertraut, die in den Alexander-Schlachten keine Rolle gespielt hat. Antigonos aber galt als ein Freund der Hellenen, und wenn ihn Bürger der kleinen Stadt Priene in Ionien im Jahre 334 v.u.Z. zum Proxenos gemacht haben, so mag dies geschehen sein, weil er der Stadt Wohltaten erwiesen hatte. Alexander sah in ihm den rechten Mann, als er ihn im Jahre 333 v.u.Z. zum Satrapen von Großphrygien ernannte, eine Stellung, die er bis zum Tode des Königs im Jahre 323 v.u.Z. bekleidet hat. Militärische Taten von Bedeutung hat er hier nicht vollbringen können, doch soll er (nach Curtius Rufus) über persische Kontingente einen Sieg davongetragen haben. Sie waren bei dem schnellen Vormarsch Alexanders in Kleinasien zurückgeblieben. Mit der Satrapie Großphrygien hat er wahrscheinlich auch Pamphylien und Lykien verbunden, nachdem der frühere Satrap Nearchos abberufen worden war. Die Satrapie nahm eine zentrale Lage in Kleinasien ein. Durch ihr Gebiet führten die Verbindungsstraßen vom Oberen Asien an das Ägäische Meer, die für den Nachschub und die Ergänzung des Alexander-Heeres von Bedeutung waren. Alexander konnte sich auf ihn verlassen. Antigonos war verheiratet mit Stratonike, einer Makedonin. Sie hatte ihm zwei Söhne geboren: Demetrios (um 336/35 v.u.Z.) und Philippos, dem jedoch kein langes Leben beschieden war, denn er starb bereits im Jahre 306 v.u.Z. Er mag um 334/33 v.u.Z. geboren worden sein.

Schlacht bei Ipsos:
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Die Entscheidungsschlacht wurde im westlichen Kleinasien, in der Nähe von Synnada, bei Ipsos in Phrygien (heute Sispin), geschlagen. Die Gegner waren ungefähr gleich stark, infanteristisch war Antigonos zwar überlegen, aber dies wurde durch die größere Zahl der Elefanten des Seleukos auf der Gegenseite wieder ausgeglichen. Antigonos verfügte über 70.000 Mann zu Fuß, 10.000 Reiter und 75 Elefanten, und dazu noch 120 Sichelwagen, diese von zweifelhaftem Kampfeswert, denn sie waren aus der Mode gekommen.
In der Schlacht bei Ipsos spielte Demetrios, der Sohn des Antigonos, eine sehr unglückliche Rolle. Er führte die Reiterscharen in die Schlacht; ihm gegenüber stand die Reiterei der Verbündeten unter Antiochos, dem Sohn des Seleukos. Antiochos hatte auch das Kommando über die Elefanten. Das Fußvolk befand sich bei beiden Parteien in der Mitte der Schlachtreihe, doch wurde die Entscheidung von der Kavallerie und den Elefanten herbeigeführt. Antigonos war immerhin schon 81 Jahre alt, aber von seiner Vitalität hatte er wenig verloren. Doch soll er sich seiner Sache nicht sicher gewesen sein. Entschieden wurde die Schlacht durch das Fehlverhalten des Demetrios. Er hatte zwar die Reiter des Antiochos geworfen, sich aber zu weit vom Schlachtfeld entfernt, so dass er auf die Entscheidung keinen Einfluß mehr nehmen konnte. Seleukos soll mit der Kavallerie die Schlachtreihe des Antigonos herumgeritten sein. Nicht wenige der Soldaten des Antigonos wechselten auf die Seite des Seleukos über. Angeblich soll Antigonos bis zuletzt auf die Rückkehr seines Sohnes Demetrios gehofft haben, aber dies erwies sich als vergeblich. Antigonos, tödlich getroffen, sah sich von seinem Gefolge verlassen; nur ein einziger seiner Freunde, Thorax von Larisa, soll bei ihm ausgeharrt haben. Antigonos Leichnam fiel in die Hände der Gegner; sie sollen ihn mit königlichen Ehren bestattet haben. An der Spitze einer Streitmacht von 9.000 schlug Demetrios den Weg nach Westen ein; ohne weitere Verluste erreichte er Ephesos.

Charakter des Antigonos:
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Von den modernen Geschichtsschreibern hat Beloch den Antigonos im ganzen sehr positiv beurteilt. Er hat ihn für den bedeutendsten unter den Feldherren gehalten, die aus der Schule Parmenions (so Beloch) hervorgegangen sind. Sowohl als Stratege wie als Taktiker habe er über hohe Qualitäten verfügt. Erst an der Schwelle des Greisenalters sein Rückgang seiner geistigen Sopannkraft zu verspüren gewesen. Ganz besonders hat Beloch den Flottenbau des Antigonos im Jahre 315 geschätzt. Er habe alles übertroffen, was die Römer im 1. Punischen Krieg geschaffen hätten. Antigonos habe nicht nur seine Einnahmen auf beachtlicher Höhe gehalten, auch seine Verwaltung sei gerecht und zweckmäßig gewesen.
Diese Bemerkungen sind sicher zutreffend. Aber das Wesen des Antigonos scheint damit nicht voll erfaßt. Er hat es nämlich nicht verstanden, sich wertvolle Bundesgenossen zu schaffen. An Kompromissen war ihm nicht gelegen, und seinen Rivalen Zugeständnisse zu machen, dazu war er nicht bereit. Er wollte eben alles oder nichts, und dies hat ihn letzten Endes in den Untergang geführt. Einer Anektode des Plutarch wird man entnehmen können, dass beide, Antigonos ebenso wie sein Sohn, weit davon entfernt waren, die anderen Herrscher als ihresgleichen anzuerkennen. In einem Lehrbrief des Diokles von Karistos wird Antigonos als der gebildetste unter den Königen bezeichnet. Er wird geradzu als Kenner der Wissenschaft gerühmt, im besonderen der Mathematik. Dies mag mit seiner Vorliebe für die Ballistik zusammenhängen.