Die Diadochen sind nahezu ohne Ausnahme überragende
Herrschergestalten gewesen, sie waren nicht nur exzellente Heerführer,
sie waren auch Diplomaten hohen Ranges. Der überragende Mann in den
ersten beiden Jahrzehnten nach dem Tode des großen Alexander
war Antigonos, in der Überlieferung
Monophthalmos, das heißt der
Einäugige, genannt. Er ist der letzte unter den Nachfolgern
des toten Alexander gewesen, der nach
der Herrschaft über das Gesamtreich gestrebt und dies wenigstens
zu einem Teil auch erreicht hat. In der Schlacht bei Ipsos (301 v.u.Z.)
ist er gefallen, 81-jährig; mit ihm wurde die Idee des einen
und ungeteilten Alexander-Reiches begraben.
Bei der Neuverteilung der Satrapien wurde
Antigonos, der "Einäugige"
Satrap von Lykien und Pamphylien. Beide Satrapien verband er mit
Phrygien, das er innehatte. Antigonos
gehörte zu den Gegnern des Perdikkas. Er wurde aus seiner Satrapie
verdrängt und mußte sich zu Antipater und Krateros
nach Makedonien begeben. Beim Zusammentreffen des Heeres in Triparadeisos
(321 v.u.Z.) geriet auch Antigonos neben
Antipater und Seleukos in Lebensgefahr.
Hier wurde er beauftragt, einen Teil der in Susa liegenden Schätze
nach Kleinasien zu schaffen. Die Argyraspiden sollten den Transport begleiten.
Sie waren eine Elitetruppe; kein Gegner weit und breit war ihnen gewachsen.
Die Beschlüsse von Triparadeisos kann man nicht als glücklich
bezeichnen. Vor allem war Vorderasien dem Ehrgeiz des Antigonos
Monophthalmos preisgegeben. Er war zum Befehlshaber des Reichsheers
in Asien ernannt worden. Damit hatte das Reich wieder zwei Spitzen,
Antipatros in Makedonien und Antigonos
in Vorderasien. Nominell war Antigonos
als Stratege des Reichsheers in Asien dem Reichsverweser
Antipater unterstellt, doch hat sich Antigonos
wenig darum gekümmert. Antipater hatte seine Tochter Phila
dem Demetrios, dem Sohn des
Antigonos, zur Frau gegeben (wohl noch
im Jahre 321/20 v.u.Z.). Die Verbindung war als Unterpfand der Freundschaft
zwischen Antipater und Antigonos gedacht.
Die Stellung des Antigonos ist, wahrscheinlich
noch im Jahre 321 v.u.Z., dadurch erweitert worden, dass ihn Antipater
zum Strategen von Asien ernannt hat. Damit waren ihm de facto
die Satrapen unterstellt, wenn es diese auch nicht anerkannt haben. Antipater
hatte geglaubt, dem Ehrgeiz des Antigonos
dadurch Zügel anlegen zu können, dass er seinen eigenen Sohn
Kassander zum Chiliarchen ernannt
hatte. In dieser Eigenschaft sollte er dem Antigonos
zur Seite stehen und den Befehl über die Reiterei führen.
Antigonos gehörte
zu den vornehmen Makedonen: Seine Geburt fällt ins Jahr 382 v.u.Z.,
das heißt, er war ungefähr gleichaltrig mit dem Athener Demosthenes.
Mit dem Geschichtsschreiber Marsyas von Pella war er verwandt,
vielleicht sogar mit dem makedonischen Königshause. Als Angehöriger
einer älteren Generation hatte er die Feldzüge
Philipps II. mitgemacht, aber seine Begabung hat hier offenbar
nicht die rechte Entfaltung gefunden, da Philipp
dem Antigonos zwei andere Männer
eindeutig vorgezogen hat, nämlich Antipater und Parmenion.
Eine irgendwie überragende Rolle hat Antigonos
auch beim Alexander-Zug nicht gespielt.
Der König hatte ihm den Oberbefehl über die Infanterie der
Bundesgenossen anvertraut, die in den Alexander-Schlachten
keine Rolle gespielt hat. Antigonos
aber galt als ein Freund der Hellenen, und wenn ihn Bürger
der kleinen Stadt Priene in Ionien im Jahre 334 v.u.Z. zum Proxenos
gemacht haben, so mag dies geschehen sein, weil er der Stadt Wohltaten
erwiesen hatte. Alexander sah in ihm
den rechten Mann, als er ihn im Jahre 333 v.u.Z. zum Satrapen von Großphrygien
ernannte, eine Stellung, die er bis zum Tode des Königs im Jahre 323
v.u.Z. bekleidet hat. Militärische Taten von Bedeutung hat er hier
nicht vollbringen können, doch soll er (nach Curtius Rufus)
über persische Kontingente einen Sieg davongetragen haben. Sie waren
bei dem schnellen Vormarsch Alexanders
in Kleinasien zurückgeblieben. Mit der Satrapie Großphrygien
hat er wahrscheinlich auch Pamphylien und Lykien verbunden, nachdem der
frühere Satrap Nearchos abberufen worden war. Die Satrapie
nahm eine zentrale Lage in Kleinasien ein. Durch ihr Gebiet führten
die Verbindungsstraßen vom Oberen Asien an das Ägäische
Meer, die für den Nachschub und die Ergänzung des Alexander-Heeres
von Bedeutung waren. Alexander konnte
sich auf ihn verlassen. Antigonos war verheiratet mit Stratonike,
einer Makedonin. Sie hatte ihm zwei Söhne geboren: Demetrios
(um 336/35 v.u.Z.) und Philippos,
dem jedoch kein langes Leben beschieden war, denn er starb bereits im Jahre
306 v.u.Z. Er mag um 334/33 v.u.Z. geboren worden sein.
Schlacht bei Ipsos:
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Die Entscheidungsschlacht wurde im westlichen Kleinasien,
in der Nähe von Synnada, bei Ipsos in Phrygien (heute Sispin), geschlagen.
Die Gegner waren ungefähr gleich stark, infanteristisch war Antigonos
zwar überlegen, aber dies wurde durch die größere Zahl
der Elefanten des Seleukos auf der
Gegenseite wieder ausgeglichen. Antigonos
verfügte über 70.000 Mann zu Fuß, 10.000 Reiter und 75
Elefanten, und dazu noch 120 Sichelwagen, diese von zweifelhaftem Kampfeswert,
denn sie waren aus der Mode gekommen.
In der Schlacht bei Ipsos spielte Demetrios,
der Sohn des Antigonos, eine sehr unglückliche
Rolle. Er führte die Reiterscharen in die Schlacht; ihm gegenüber
stand die Reiterei der Verbündeten unter Antiochos,
dem Sohn des Seleukos. Antiochos
hatte auch das Kommando über die Elefanten. Das Fußvolk befand
sich bei beiden Parteien in der Mitte der Schlachtreihe, doch wurde die
Entscheidung von der Kavallerie und den Elefanten herbeigeführt. Antigonos
war immerhin schon 81 Jahre alt, aber von seiner Vitalität hatte er
wenig verloren. Doch soll er sich seiner Sache nicht sicher gewesen sein.
Entschieden wurde die Schlacht durch das Fehlverhalten des Demetrios.
Er hatte zwar die Reiter des Antiochos
geworfen, sich aber zu weit vom Schlachtfeld entfernt, so dass er auf die
Entscheidung keinen Einfluß mehr nehmen konnte. Seleukos
soll mit der Kavallerie die Schlachtreihe des
Antigonos herumgeritten sein. Nicht wenige der Soldaten des
Antigonos wechselten auf die Seite
des Seleukos über. Angeblich soll
Antigonos bis zuletzt auf die Rückkehr
seines Sohnes Demetrios gehofft haben,
aber dies erwies sich als vergeblich. Antigonos,
tödlich getroffen, sah sich von seinem Gefolge verlassen; nur ein
einziger seiner Freunde, Thorax von Larisa, soll bei ihm ausgeharrt
haben. Antigonos‘ Leichnam fiel in
die Hände der Gegner; sie sollen ihn mit königlichen Ehren bestattet
haben. An der Spitze einer Streitmacht von 9.000 schlug Demetrios
den Weg nach Westen ein; ohne weitere Verluste erreichte er Ephesos.
Charakter des Antigonos:
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Von den modernen Geschichtsschreibern hat Beloch
den Antigonos im ganzen sehr positiv
beurteilt. Er hat ihn für den bedeutendsten unter den Feldherren gehalten,
die aus der Schule Parmenions (so Beloch) hervorgegangen
sind. Sowohl als Stratege wie als Taktiker habe er über hohe Qualitäten
verfügt. Erst an der Schwelle des Greisenalters sein Rückgang
seiner geistigen Sopannkraft zu verspüren gewesen. Ganz besonders
hat Beloch den Flottenbau des Antigonos
im Jahre 315 geschätzt. Er habe alles übertroffen,
was die Römer im 1. Punischen Krieg geschaffen hätten. Antigonos
habe nicht nur seine Einnahmen auf beachtlicher Höhe gehalten,
auch seine Verwaltung sei gerecht und zweckmäßig gewesen.
Diese Bemerkungen sind sicher zutreffend. Aber das Wesen
des Antigonos scheint damit nicht voll
erfaßt. Er hat es nämlich nicht verstanden, sich wertvolle Bundesgenossen
zu schaffen. An Kompromissen war ihm nicht gelegen, und seinen Rivalen
Zugeständnisse zu machen, dazu war er nicht bereit. Er wollte eben
alles oder nichts, und dies hat ihn letzten Endes in den Untergang geführt.
Einer Anektode des Plutarch wird man entnehmen können, dass
beide, Antigonos ebenso wie sein Sohn,
weit davon entfernt waren, die anderen Herrscher als ihresgleichen anzuerkennen.
In einem Lehrbrief des Diokles von Karistos wird Antigonos
als der gebildetste unter den Königen bezeichnet. Er wird geradzu
als Kenner der Wissenschaft gerühmt, im besonderen der Mathematik.
Dies mag mit seiner Vorliebe für die Ballistik zusammenhängen.