Amyntas III.                                   König von Makedonien(393/92-370 v.u.Z.)
----------------
um 430 v.u.Z. 370/69 v.u.Z.
 

Sohn des Prinzen Arrhidaios von Makedonien aus dem Hause der ARGEADEN; Enkel des Prinzen Amyntas, des Sohnes von König Alexander I. Philhellen
 

Illustriertes Lexikon des Altertums: Seite 39
*****************************
Amyntas III., König von Makedonien
----------------

Bestieg den Thron 393 v. Chr. nach der Ermordung von Amyntas II. Mit der Hilfe von Thessalien schlug Amyntas III. die Illyrier zurück. Durch günstige Bündnisse mit verschiedenen Mächten (Chalkidischer Bund, Sparta, Athen und Iason von Pherai) konnte er sein Königreich gegen ausländische Bedrohung absichern und seine Herrschaft in Makedonien sichern. Er starb 370 v. Chr. Amyntas III. war der Vater von Philipp II.

F. Geyer, Makedonien bis zur Thronbesteigung Philipps II., 1930, 110ff.



Lexikon Alte Kulturen: Band I Seite 117
*******************
Amyntas III., makedonischer König 393/392-370
-----------------

Konnte nach der Befreiung Makedoniens von den Illyriern durch Verträge mit verschiedenen griechischen Staaten eine Konsolidierung der Verhältnisse in seinem Land herbeiführen. Von seinen drei Söhnen führte nach ihm Philipp II. das Land zu höchster Machtentfaltung. Amyntas III. wurde in Pydna als Gott verehrt.



Thiele, Andreas: Tafel 236
**************
"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband"

AMYNTAS III.
--------------------
    † 370 v.u.Z.

Sohn des Prinzen Arrhidaios, Urenkel König Alexanders I.

Amyntas III. folgte um 390 v.u.Z. seinem Cousin Amyntas II., führte jahrelange Thronkriege und wurde mehrmals verjagt, 383-381 v.u.Z. von einem entfernten Cousin Argaios II., der 359 v.u.Z. bei Methone gegen Philipp II. fiel. Er schloß sich 375 v.u.Z. dem 2. "Attischen Seebund" an, sicherte letztlich mit Hilfe Thessaliens seine Herrschaft gegen Prätendenten, Illyrer und Olynthos, mit dem er anfangs verbündet war. Amyntas III. verbündete sich mit dem berühmten Tyrannen Jason von Pherai, der letztmals Thessalien einte und zum politischen Höhepunkt führte. Er konnte Makedonien seine Geschlossenheit zurückgewinnen und band Grenzregionen und Stammesfürsten an die Krone.

  1. oo GYGIA N.
              

  2. oo EURIDIKE VON LYNKESTIS
           um 405 v.u.Z. 365 v.u.Z. ermordet

Tochter des Fürsten Sirrhas



Amyntas III. Regierung wurde durch die Zwischenregierung des Argaios von 384 bis 382 v.u.Z. unterbrochen.

Bengtson Hermann: Seite 21,40-52
****************
"Philipp und Alexander der Große. Die Begründer der hellenistischen Welt."

In der Zeit von 393 v.u.Z. bis 370 v.u.Z. hat der König Amyntas III., der Vater Philipps II., regiert. Aber seine Herrschaft war nicht unbestritten. Es gab einen Prätendenten namens Argaios. Ihm werden zwei Regierungsjahre gegeben, vielleicht in der Zeit zwischen 384 v.u.Z. und 382 v.u.Z. In diesen Jahren war Amyntas III. nicht im Land, und die Quellen berichten, er sei ganz aus Makedonien vertrieben worden.
Die Regierung des Amyntas III. war außerordentlich wechselvoll. Er ist übrigens der erste König der Makedonen, von dem ein urkundliches Zeugnis erhalten geblieben ist. In Verbindung mit diesem Vertrag steht die Landschenkung des Amyntas III. an die Chalkidier. Sie muß einer Zeit angehören, in der sich Makedonien in Bedrängnis gefunden hat. Von einem vollständigen Zusammenbruch des Landes wird man jedoch nicht sprechen können, und mit Recht hat Geyer bemerkt: "Amyntas war nach Ausweis der Vertragsbestimmungen wohl hilfsbedürftig, aber doch noch imstande, über die Erzeugnisse seines Landes zu verfügen und wertvolle politische Zugeständnisse zu machen. Bei der Landschenkung mag es sich um Anthemus und um Gemeinden in der Gegend der Seen Koroneia und Bolbe gehandelt haben. Für Makedonien war das ein schmerzhafter Verlust, aber es war noch nicht aller Tage Abend."
So schreibt Isokrates in seinem "Archidamos", Amyntas habe zunächst daran gedacht, Makedonien zu verlassen, um sein Leben vor den Barbaren in Sicherheit zu bringen, dann aber habe er sich nach dem Vorbild des Dionysios von Syrakus wieder aufgerafft und sich auf eine kleine Burg geflüchtet. Von hier aus habe er Hilfe herbeigerufen und in nur drei Monaten das ganze Land zurückgewonnen. - Es besteht gar kein Zweifel daran, dass Isokrates, der ja Zeitgenosse war, hier korrekt berichtet hat. Denn die Invasion der Illyrer war nur eine vorübergehende Erscheinung, sie waren nicht imstande in Makedonien festen Fuß zu fassen, sie sahen sich gezwungen, das Land bald wieder zu räumen. Anders liest man es freilich bei Diodor. Danach habe Amyntas sein Reich verloren, die benachbarten Thessaler aber hätten ihn zurückgeführt. Es gäbe aber, so schreibt Diodor, noch eine andere Überlieferung. Sie berichtet, dass nach der Vertreibung des Amyntas zehn Jahre lang Argaios über Makedonien geherrscht habe, erst danach habe Amyntas die Königsherrschaft zurückgewonnen. Die Intervention der Thessaler ist nicht unwahrscheinlich. Denn sie mußten ein Interesse daran haben, die Illyrer aus Makedonien zu vertreiben und den alten Zustand jenseits der thessalischen Nordgrenze wiederherzustellen.
Wie es heißt, soll Amyntas den Illyrern Tribut gezahlt haben, und sein Sohn Philipp, der spätere König Philipp II., soll als Unterpfand des makedonisch-illyrischen Vertrags den Thebanern in Geiselhaft gegeben worden sein.
Was ist hierzu zu sagen? Zunächst kann von einer 10-jährigen Regierung des Argaios keine Rede sein. Die Chronographen geben ihm zwei Jahre, und dies wird wohl richtig sein. Und wann hat Argaios regiert? Am ehesten kommen die Jahre vor der spartanischen Expedition nach Olynth in Betracht, seine Regierung fiele dann vor 382 v.u.Z. Offenbar haben die Chalkidier den Prätendenten favorisiert, als seine Bundesgenossen eroberten sie weite Teile Makedoniens, vor allem Mygdonien und die Gebiete am Thermäischen Golf, auch die Hauptstadt Pella sollen sie in ihre Gewalt gebracht haben, so dass Xenophon sogar von einer Befreiung der Makedonen von der Königsherrschaft sprechen kann. Nach Griffith fiele die Besetzung Pellas in den Herbst des Jahres 383 v.u.Z.
Amyntas III. hatte übrigens in Derdas II., dem Teilfürsten der Eleimiotis, einen Bundesgenossen. Die Herrschaft des Argaios wird man mit Geyer am ehesten den Jahren von 385 v.u.Z. bis 382 v.u.Z. zuweisen. In seiner Bedrängnis wandte sich Amyntas III. an den thrakischen Herrscher Kotys, den Schwiegervater des attischen Söldnerführers Iphikrates. Nach Aischenes soll Amyntas den Söldnerführer adoptiert haben, die Gründe und der Zeitansatz sind unbekannt, doch wird man die Adoption mit Wahrscheinlichkeit zwischen 386 v.u.Z. und 375 v.u.Z. setzen.
Von größerer historischer Bedeutung ist jedoch die Zusammenarbeit des Makedonen-Königs Amyntas III. mit den Spartanern. Nach der Eroberung Olynths durch die Spartaner schloß sich Amyntas den Athenern an.
Das Ende der Regierungszeit des Amyntas III. - er starb im Jahre 370/69 v.u.Z. in hohem Alter - ist bald erzählt. Am bedeutendsten ist wohl das Bündnis, das er mit dem thessalischen Machthaber Iason von Pherai abgeschlossen hat, es mag in das Jahr 375/74 v.u.Z. gehören, obwohl hier Diodor anderer Meinung ist, denn er teilt diesen Vertrag erst dem letzten Regierungsjahr des Amyntas zu. Bemerkenswert ist auch noch die Teilnahme Makedoniens an dem Friedenskongreß von Delphi im Jahre 371 v.u.Z. Zur Überraschung der Anwesenden soll sich Amyntas für die athenischen Rechte auf Amphipolis eingesetzt haben - wer sich des zwischen Makedonien und Athen abgeschlossenen Bündnisses erinnert, für den wird dies keine Überraschung sein.
Während Geyer den König im ganzen recht günstig beurteilt, indem er seine Energie und seine diplomatische Gewandtheit noch besonders hervorhebt, ist neuerdings Griffith geneigt, gewisse Einschränkungen vorzunehmen. Er lobt zwar seine Tatkraft, seine Hartnäckigkeit und Biegsamkeit, aber er unterläßt es nicht zu bemerken, dass die Nachbarn des Landes ihm schwer zu schaffen gemacht haben, und für den britischen Historiker ist es sogar zweifelhaft, ob Makedonien unter Amyntas III. in den 70-er Jahren des 4. Jahrhunderts v.u.Z. einen Wiederaufstieg erlaubt hat. Es ist immerhin eine erstaunliche Leistung, dass sich Amyntas III. inmitten einer feindlichen Welt zu behaupten vermochte, obwohl er mehrfach am Abgrund gestanden hat. Eine Großmacht war Makedonien unter seiner Herrschaft sicher nicht, aber es war ein bedeutendes Land jenseits der Nordgrenze von Hellas und für die Spartaner ebenso wie für die Athener ein wichtiger Bundesgenosse.
Amyntas III. war das Haupt einer großen Familie. Von seiner Frau Eurydike stammten die Söhne Alexander, Perdikkas und Philipp, von seiner früheren Gattin Gygaia hatte er gleichfalls drei Söhne, sie hießen Archelaos, Atthidaios und Menelaos, dazu noch eine Tochter Eurynoe, die Ptolemaios von Aloros zum Gatten hatte.
 
 
 
 

  1. oo Gygaia
               

    393 v.u.Z.
  2. oo 1. Eurydike
               um 405 v.u.Z.    365 v.u.Z. ermordet

          368 v.u.Z.
        2. oo Ptolemaios von Aloros
                         365 v.u.Z.
 
 
 
 

Kinder:
1. Ehe

  Archelaos
       359 v.u.Z.

  Arrhidaios
      349 v.u.Z. ermordet

  Menelaos
     348 v.u.Z. ermordet

  Er war in Olynthos im Exil und wurde von Philipp II. ermordet.

  Gygaia
      

  oo Bubares
        

  Eurynoe
      

  oo Ptolemaios von Aloros
            365 v.u.Z.

2. Ehe

  Alexander II.
  um 386 v.u.Z. 368 v.u.Z.

  Perdikkas III.
  um 384 v.u.Z. 359 v.u.Z.

  Philipp II.
  382 v.u.Z. 336 v.u.Z.
 
 
 
 

Literatur:
-----------
Bengtson Hermann: Philipp und Alexander der Große. Die Begründer der hellenistischen Welt. Eugen Diederichs  Verlag München 1997 Seite 11,21,38,40-52,189 - Droysen Johann Gustav: Geschichte des Hellenismus. Primus Verlag 1998 Band I Seite 56 - Errington Malcolm: Geschichte Makedoniens. C.H. Beck Verlag München 1986 Seite 34,36,37,39,40,201 - KLEINES LEXIKON DES HELLENISMUS. Harrassowitz Verlag Wiesbaden 1993 Seite 246 - Lauffer Siegfried: Alexander der Große. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München 1993 Seite 23,27 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 236 -