Sohn des N.N.
Lexikon des Mittelalters: Band VIII Spalte 761
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Tiberios II., byzantinischer Kaiser
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Geburtsort und -zeit unbekannt, †
706
Trug bis zur Thronbesteigung den Namen ‚Apsimaros‘,
was auf iranische oder armenische Abkunft hindeutet. Als Drungarios
des Flottenverbandes des Kibyrraioten (Ägäis) begleitete
er 697 im Auftrag des Kaisers
Leontios den Patrikios Johannes mit dem Ziel einer
Rückeroberung Nord-Afrikas und wurde nach der Ermordung des Johannes
auf Kreta zum Kaiser ausgerufen (698). Tiberios
II. brach den Flottenfeldzug ab, kehrte in die Hauptstadt zurück,
setzte Leontios
ab und nahm ihn nach
Verstümmelung in Klosterhaft. Seine Regierungszeit, über die
nur Theophanes und Nikephoros Patriarches berichten, ist
gekennzeichnet von militärischen Unternehmungen gegen die Araber (teilweise
unter Führung seines Bruders Herakleios als 'monostrategos')
und einer straffen Verwaltungsführung. Im Sommer 705 flohTiberios
II. vor dem herannahenden früheren
Kaiser
Justinian II., wurde aber ergriffen
und (im Winter?) in Konstantinpel hingerichtet.
Thiele, Andreas: Tafel 193
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen
Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser
Ergänzungsband"
TIBERIOS III.
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†
705 hingerichtet
Tiberios III. wurde
Stratege
von Kibyrraioton, Führer der Grünen, verjagte 698 den Kaiser
Leontius und ließ sich selbst
zum Kaiser ausrufen. Er war ganz machtlos und wurde 705 hingerichtet.
Ironischerweise war es die nach Afrika gesandte Flotte,
die
Kaiser
Leontius stürzte. Anstatt zurückzukehren und ihre
Niederlage einzugestehen, entschlossen sich ihre Befehlshaber nämlich
zur Revolte. Sie ernannten einen Drungarios (dessen Rang in etwa
dem eines Vizeadmirals entspricht) aus ihren eigenen Reihen zum
Basileus; dessen germanischer Name Apsimar wurde schnellstens
in Tiberios geändert. Als die
Flotte Konstantinopel erreichte, unterstützten die Grünen, die
Leontios nie gemocht hatten, die Sache der Rebellen, und ihre
Hilfe erwies sich als entscheidend. Der Unglückliche verlor
die Nase und soviel Haar, wie nötig war, um ihm eine Tonsur zu schneiden,
und wurde in das Kloster Dalmatus gebracht.
Tiberios erwies sich
als wesentlich effizienter. Mit Hilfe seines Bruders Herakleios
stärkte er die See- und Landesverteidigung Anatoliens und marschierte
im Jahre 700 im sarazenisch besetzten Syrien ein, um Teile Armeniens zurückzuerobern,
wenn auch leider nur für kurze Zeit. In den Jahren 703/04 schlug er
nacheinander mehrere in Kilikien eingefallen arabische Heere zurück
und fügte ihnen schwere Verluste zu. Wäre er im Besitz des kaiserlichen
Diadems geblieben, hätte er möglicherweise noch größeres
zu leisten vermocht und sich einen ehrenvollen Platz unter den byzantinischen
Kaisern erobert. Doch es war ihm nicht vergönnt. Im Jahre 705 wurde
auch er gestürzt. Nach einem Jahrzehnt im Exil und trotz seines häßlichen
Verstümmelungen war Justinian in
die Hauptstadt zurückkehrt.
Als sich am folgenden Morgen die Nachricht verbreitete,
der Kaiser sei wieder da und habe seinen Palast in Besitz genommen, floh
Tiberios
sofort
nach Bithynien. Die Bevölkerung von Konstantinopel, vor die Alternative
einer Kapitulation oder sofortigen Plünderung der Stadt durch fremde
Horden gestellt, entschied sich höchst klugerweise für das erstere.
Tiberios wurde bald
ergriffen und sein Vorgänger Leontios
unter Protest aus dem Kloster geholt. Am 15. Februar 706 wurden
die beiden dann wie Justinian zehn
Jahre zuvor in Ketten durch die Stadt geführt, während ihre ehemaligen
Untertanen nun sie mit Schmähungen bedachten und mit Schmutz bewarfen.
Nach der vorgeschriebenen Runde stieß man sie vor den Kaiser, und
dieser setzte beiden symbolisch einen Purpurstiefel auf den Nacken. Dann
wurden sie zum Richtplatz geführt und der Henker hieb ihnen den
Kopf ab.
Denn nun begann das Terrorregime. Eine noch schlimmere
Orgie des Blutvergießens als jene, die Phokas
100 Jahre zuvor eingeleitet hatte. Paulus Diaconus drückt sich, in
einer abfälligen Anspielung auf des Kaisers fehlende Nase, überaus
deutlich aus: Er habe fast ebenso oft, wie er sich die Schleimtropfen von
den Nasenlöchern wischte, die Hinrichtung eines weiteren Gegners angeordnet.
Tiberios'
Bruder
Herakleios,
der fähigste Feldherr des Reiches, den zu verlieren sich
Justinian gar nicht leisten konnte, wurde mit all seinen Getreuen
an einer entlang der Landmauer errichteten Reihe von Galgen erhängt.
oo N.N.
†
Kinder:
Theodosius Bischof von Ephesos
†
Literatur:
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Norwich John Julius: Byzanz. Der Aufstieg des
oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf und München
1993 Band I Seite 400 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische
Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische
Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband,
R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 193 -