Sohn des Kaisers Nikephoros
I. von Byzanz und der Prokopia
Lexikon des Mittelalters: Band VIII Spalte 79
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Staurakios, byzantinischer Kaiser 28. Juli-2. Oktober
811)
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* 790, † 11. Januar 812
Sohn des Kaisers Nikephoros
I. († 26. Juli 811)
und der Prokopia († vor 802),
im Dezember (wahrscheinlich Weihnachten) 803 zum
Mit-Kaiser gekrönt.
Nach einer Brautschau (vgl. Treradgold, Byzantion 49, 1979, 401f., Ryden,
Eranos 83,1985,179f.: Märchenmotiv), deren Historizität jedoch
sehr zweifelhaft ist, wurde Staurakios
am 20. (oder 25.?) Dezember 807 mit Theophano,
einer Verwandten der Kaiserin
Irene, verheiratet (Anknüpfen an die
isaurische Dynastie). Die Ehe blieb
kinderlos. 808 nahm Staurakios an einem
Zug ins Gebiet der Slaven (Bulgaren?) und 811 an dem in einer Katastrophe
endenden Feldzug des Vaters gegen die Bulgaren teil. Obwohl bei der Schlacht
am 26. Juli 811 auf der Flucht schwer verwundet, wurde
Staurakios
am 28. Juli in Adrianopel zum Kaiser ausgerufen. In Konstantinopel
bestimmte Staurakios angesichts seines
nahen Endes seine Gattin Theophano
zur Regentin. Ein Staatsstreich unter Beteiligung des Patriarchen Nikephoros
führte am 2. Oktober 811 zur Erhebung des Michael
I. Rangabe (oo Staurakios'
Schwester Prokopia) zum Kaiser. Staurakios
ließ
sich zum Mönch weihen, starb jedoch bald an seinen schweren
Verletzungen.
STAURAKIOS
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† 812
Staurakios rettete
sich 811 schwer verwundet aus der Schlacht bei Verbica und wurde Kaiser,
ohne dieses Amt antreten zu können. Khan
Krum belagerte Byzanz und Staurakios
wurde von seinem Schwager Michael zurückgedrängt.
Er wurde Mönch und starb bald.
Norwich John Julius: Band II Seite 20
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"Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches."
Nikephoros eigener
Sohn Staurakios hatte weniger
Glück. Gelähmt durch eine schreckliche Nackenverletzung,
bei der Rückenmark austrat, brachte man ihn nach der Schlacht
bei Verbika nach Konstantinopel zurück, wo er noch immer unter unsäglichen
Schmerzen sechs Monate später starb.
Am Bosporus wurde die Nachricht vom Tod des Kaisers mit
Entsetzen aufgenommen. Obwohl die byzantinische Bevölkerung Nikephoros
nie gemocht hatte, war sie sich der Erniedrigung, die der bulgarische Khan
ihm und damit auch ihnen zugefügt hatte, schneidend bewußt.
Ebensogut wußte man, dass im Reich zwar die Finanzen stimmten, die
Lage vom militärischen Standpunkt her aber kaum hätte schlimmer
sein können. So erscholl der dringende Ruf nach einem neuen starken
Mann, der eine neue Armee rekrutieren und aus einer Position gewisser Stärke
heraus mit KARL DEM GROSSEN verhandeln
konnte, dessen Forderung nach Anerkennung seiner kaiserlichen Ansprüche
immer beharrlicher wurde. Von Staurakios
war nichts dergleichen zu erwarten. Sein Vater hatte ihn zwar bereits 803
zum Mit-Kaiser gekrönt, doch nun lag er gelähmt und von
Schmerzen gequält darnieder; der erlösende Tod würde nicht
mehr lange auf sich warten lassen. Da er kinderlos war, erwartete man allgemein,
dass er zugunsten des einzigen noch verbleibenden männlichen Verwandten
abdankte, von Michael Rangabe, dem
Ehemann seiner Schwester Prokopia.
Dass jener die tödliche Schlacht überlebt hatte, grenzte an ein
Wunder und wurde von vielen als ein Zeichen ausgelegt, dass er göttlichen
Schutz genieße. Aus Gründen, die nicht auszumachen sind, haßte
ihn Staurakios jedoch und machte den
schwachen Versuch, seine Frau Theophano zu
seiner Nachfolgerin zu ernennen. Aber er war nicht in der Lage, seinen
Plan durchzusetzen. Entsprechend wurde am 2. Oktober 811 ohne die Zustimmung
des sterbenden Kaisers und ohne sein Wissen Michael
gekrönt und zum Basileus ernannt - der erste in der Geschichte von
Byzanz, der weder einen griechischen noch einen römischen Namen trug,
sondern einen hebräischen. Staurakios wurde
trotz seines Zustandes eilig in ein Kloster verfrachtet, wo ihn drei Monate
später endlich der wohl sehnlichst erwartete Tod ereilte.
20.12.807
oo Theophano (Athenerin), Verwandte der Kaiserin
Irene
x
†
Literatur:
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Norwich John Julius: Byzanz. Der Aufstieg des
oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf und München
1993 Band II Seite 20 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische
Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische
Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband,
R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 195 -