Sohn des N.N.
Lexikon des Mittelalters:
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Rufinus, Flavius
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†
unter Theodosius I. einflußreicher Hofbeamter in Konstantinopel, 388 Magister officiorum, versöhnte in diesem Amt 390 den Kaiser mit Bischof Ambrosius von Mailand; 392 Konsul, im gleichen Jahr nach dem Sturz des bisherigen heidnischen Amtsinhabers Tatian Praefectus praetorio orientis. Ab 394 führte er für Arcadius die Regierung, wobei er sich nach dem Tode des Kaisers auch in der Gesetzgebung als eifriger orthodoxer Christ zeigte. Gerüchte über sein Streben nach der Kaiserwürde und seine Verbindungen zu den Goten (Alarich I.), seine Habgier und seine Intrigen sowie sein Gegensatz zu Stilicho führten dazu, daß die nach dem Sieg über Eugenius aus dem Westen zurückgekehrten Truppen ihn am 27. November 395 vor den Toren Konstantinopels in Stücke schlugen. Claudianus richtete gegen ihn eine Invektive.
J. Gruber
römischer Politiker gallischer Herkunft
388 Magister officiorum, 392 Prätorianer-Präfekt,
suchte Rufinus als Sachwalter des Kaisers Arcadius
seine
Stellung am Hof auszubauen. Er wurde jedoch bei einem von Stilicho
angezettelten Anschlag ermordet.
Rufinus hatte mit großer Wahrscheinlichkeit
Theodosios
fünf
Jahre zuvor in Mailand dazu angestiftet, das Massaker von Thessaloniki
anzuordnen. Er war ursprünglich Rechtsvertreter, stammte aus Aquitanien
und galt als ausnehmend schöner Mann. Im Gegensatz zu Stilicho
hatte er jedoch die Position, die er zu Beginn seiner mittleren Lebensjahre
innehatte, weniger militärischen oder diplomatischen Leistungen zu
verdanken als einer Mischung von großer Klugheit und rascher, von
Skrupeln gänzlich unbehinderter Erkenntnis dessen, was ihn zum Vorteil
gereichte. Seine Habgier und sein Geiz waren
in ganz Konstantinopel ebenso berüchtigt wie seine Bestechlichkeit.
Es überrascht deshalb nicht, daß er über enorme und stetig
wachsende Reichtümer verfügte. Vor allem aber war er ehrgeizig,
und sein Ehrgeiz richtete sich auf ein einziges Ziel: den Kaiserthron.
Ein Mann wie Rufinus hätte wohl auch für
einen energischen und eigenwilligen Kaiser eine Gefahr dargestellt. Nur
ein Umstand bewahrte ihn davor, zur geistlosen Marionette von Rufinus
zu werden: der Einfluß des sogenannten Vorstehers des Heiligen Schlafzimmers
(Praepositus Sacri Cubiculi), eines älteren Eunuchen namens
Eutropios.
Mit seinem glänzenden Glatzkopf und dem runzligen gelblichen Gesicht
war Eutropios äußerlich noch weniger einnehmend als sein
Gebieter. Auch wäre wohl seine Vergangenheit als außerordentlichh
erfolgreicher Lustknabe und später als Zuhälter an sich nicht
gerade als ideale Voraussetzung für eine Vertrauensstellung im kaiserlichen
Haushalt gewertet worden. Doch wie Rufinus, den er natürlich
verabscheute, war auch er klug, skrupellos und ehrgeizig. Auch er wollte
den Kaiser beherrschen und war deshalb entschlossen, seinen Feind zu hintertreiben,
wo er nur konnnte.
Er wußte, daß Rufinus plante, seine
Tochter mit Arkadios zu verheiraten.
Und er wußte auch, daß seine eigene Überlebenschance praktisch
gleich Null war, wenn dieser erst einmal Mitglied der kaiserlichen Familie
war, denn dann war der Schritt auf den Thron nur noch klein. Die einzige
Hoffnung von Eutropios bestand daher darin, eine Rivalin um die
Gunst des Kaisers zu finden. Mangels eigener Nachkommmenschaft wählte
er eine junge, unwiderstehlich attraktive Fränkin, die in Konnstantinopel
eine gute Erziehung und Bildung genossen hatte, daraufhin ihren fremdländischen
Namen mit einem vertrauter klingenden griechischen vertauscht hatte und
sich nun Eudoxia nannte. Als nun Rufinus
sich für kurze Zeit in Antiochia aufhielt, nutze Eutropios
die Gunst der Stunde und führte Eudoxia in
den Palast ein. Aufgrund seiner langjährigen Übung gelang es
ihm rasch, das Interesse des Kaisers auf sie zu lenken, und als der
Prätorianer-Präfekt in die Hauptstadt zurückkehrte,
waren Arkadios und Eudoxia
verlobt. Es war jedoch typisch, daß Eutropios, listig und
verschlagen, wie er war, nicht erlaubte, den Namen der Braut bekanntzugeben.
So erzählt Zosimos mit großer Schadenfreude und sehr anschaulich
die etwas unwahrscheinliche Geschichte, wie sich am Hochzeitsmorgen eine
beeindruckende Prozession von Hofbeamten durch die Straßen wand,
um die Braut abzuholen. Begierig, einen Blick auf ihre künftige Kaiserin
zu werfen, hatt sich vor Rufinus' Haus bereits eine erwartungsvolle
Menge versammelt, und die Leute staunten nicht schlecht, als der Zug geradewegs
daran vorbeimarschierte und bei der viel bescheideren Residenz von Eudoxia
anhielt, die kurz darauf in vollem Brautstaat erschien, um feierlich in
den Palast zum wartenden Bräutigam getragen wurde.
Was aber, so fragt man sich, geschah mit der großen
Ostarmee, die so hastig von Kaiser
Arkadios nach Hause berufen wurde? Gainas, ihr frisch
ernannter Feldherr, fühhrte sie wie befohlen auf der Via Egnatia
nach Konstantinopel und hielt auf dem Marsfeld vor dem Goldenen Tor, wo
der Kaiser seine zurückkehrenden Truppen tradionellerweise zu empfangen
pflegte. Hier erschien denn auch am 27. November pflichtgetreu Arkadios,
und zwar in Begleitung von Rufinus, der - nanu? - erwartete, noch
am selben Tag zum Mit-Kaiser gemacht zu werden, und deshalb den Kopf noch
höher trug als gewöhnlich. Nach der Parade schien er sich jedoch
etwas zu entspannen; er mischte sich unter die Truppen und suchte ihre
Unterstützung für seine bevorstehende Erhebung zu sichern. Zunächst
achtete er nicht darauf, daß sie sich langsam um ihn zusammenschlossen.
Und als er es merkte, war es bereits zu spät. Plötzlich blitzte
ein Schwert auf, andere folgten, und einen Augenblick später fiel
Rufinus
tot zu Boden. Sein Körper wurde in Stücke gehauen und
sein Prachthaupt auf einer Pike durch die Starßen getragen. Eine
Gruppe Soldaten mit besonderem Sinn fürs Makabre hieb ihm die rechte
Hand beim Gelenk ab, ging damit von Haus zu Haus mit dem Ruf: "Gebt dem
Unersättlichen!" und zog dabei so an den Sehen, daß die Hand
auf und zu sprang.
Laut Claudian soll einer der Attentäter, als er
zustach, gebrüllt haben, er handle im Auftrag von Stilicho.
Es gibt jedoch keinen anderen Hinweis darauf, daß der Mord vom Magister
militum des Westens veranlaßt worden wäre. Der Plan kann ebensogut
von Eutropios gefaßt worden sein oder von Gainas und
seinen Soldaten auf dem Weg zur Hauptstadt oder auch von allen miteinander.
Wer auch immer dafür verantwortlich war, Rufinus' Tod hatte
kaum Einfluß auf den weiteren Verlauf der Dinge.
Weder der Einfall von 395 in Armenien und Kappadokien,
den Rufinus vermutlich gefördert hatte, noch ein kurzer Vorstoß
nach Bulgarien durch König Uldzin
dreizehn Jahre später hatte dauernde Auswirkungen gezeitigt.
Literatur:
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Browning Robert: Justinian und Theodora. Herrscher
in Byzanz. Manfred Pawlak Verlagsgesellschaft mbH, Herrsching 1988 Seite
85 - Dahn Felix: Die Völkerwanderung. Germanisch-Romanische
Frühgeschichte Europas. Verlag Hans Kaiser Klagenfurt 1977 Seite 91,92
- Günther Rigobert: Römische Kaiserinnen. Zwischen Liebe,
Macht und Religion. Militzke Verlag Leipzig 2003 Seite 134 - Lexikon
Alte Kulturen, Meyers Lexikonverlag Mannheim/Wien/Zürich 1990 Band
I Seite 301 - Norwich John Julius: Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen
Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf und München 1993 Seite
133,137,140,173 - Schreiber Hermann: Auf den Spuren der Goten. List
Verlag München 1977 Seite 139,142,145,149,171 -