Rufinus                                           Prätorianer-Präfekt
----------                                           Stellvertretender Reichsverweser für Ostrom
um 335 27.11.395 ermordet
Elusia (Aquitanien) Konstantinopel
 

Sohn des N.N.
 

Lexikon des Mittelalters:
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Rufinus, Flavius
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unter Theodosius I. einflußreicher Hofbeamter in Konstantinopel, 388 Magister officiorum, versöhnte in diesem Amt 390 den Kaiser mit Bischof Ambrosius von Mailand; 392 Konsul, im gleichen Jahr nach dem Sturz des bisherigen heidnischen Amtsinhabers Tatian Praefectus praetorio orientis. Ab 394 führte er für Arcadius die Regierung, wobei er sich nach dem Tode des Kaisers auch in der Gesetzgebung als eifriger orthodoxer Christ zeigte. Gerüchte über sein Streben nach der Kaiserwürde und seine Verbindungen zu den Goten (Alarich I.), seine Habgier und seine Intrigen sowie sein Gegensatz zu Stilicho führten dazu, daß die nach dem Sieg über Eugenius aus dem Westen zurückgekehrten Truppen ihn am 27. November 395 vor den Toren Konstantinopels in Stücke schlugen. Claudianus richtete gegen ihn eine Invektive.

J. Gruber



Lexikon Alte Kulturen: Band I Seite 301
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RUFINUS
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* um 335, 27. November 395
                  Konstantinopel

römischer Politiker gallischer Herkunft

388 Magister officiorum, 392 Prätorianer-Präfekt, suchte Rufinus als Sachwalter des Kaisers Arcadius seine Stellung am Hof auszubauen. Er wurde jedoch bei einem von Stilicho angezettelten Anschlag ermordet.



Norwich John Julius: Seite 133,137,173
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"Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches."

Rufinus hatte mit großer Wahrscheinlichkeit Theodosios fünf Jahre zuvor in Mailand dazu angestiftet, das Massaker von Thessaloniki anzuordnen. Er war ursprünglich Rechtsvertreter, stammte aus Aquitanien und galt als ausnehmend schöner Mann. Im Gegensatz zu Stilicho hatte er jedoch die Position, die er zu Beginn seiner mittleren Lebensjahre innehatte, weniger militärischen oder diplomatischen Leistungen zu verdanken als einer Mischung von großer Klugheit und rascher, von Skrupeln gänzlich unbehinderter Erkenntnis dessen, was ihn zum Vorteil gereichte. Seine Habgier und sein Geiz waren in ganz Konstantinopel ebenso berüchtigt wie seine Bestechlichkeit. Es überrascht deshalb nicht, daß er über enorme und stetig wachsende Reichtümer verfügte. Vor allem aber war er ehrgeizig, und sein Ehrgeiz richtete sich auf ein einziges Ziel: den Kaiserthron.
Ein Mann wie Rufinus hätte wohl auch für einen energischen und eigenwilligen Kaiser eine Gefahr dargestellt. Nur ein Umstand bewahrte ihn davor, zur geistlosen Marionette von Rufinus zu werden: der Einfluß des sogenannten Vorstehers des Heiligen Schlafzimmers (Praepositus Sacri Cubiculi), eines älteren Eunuchen namens Eutropios. Mit seinem glänzenden Glatzkopf und dem runzligen gelblichen Gesicht war Eutropios äußerlich noch weniger einnehmend als sein Gebieter. Auch wäre wohl seine Vergangenheit als außerordentlichh erfolgreicher Lustknabe und später als Zuhälter an sich nicht gerade als ideale Voraussetzung für eine Vertrauensstellung im kaiserlichen Haushalt gewertet worden. Doch wie Rufinus, den er natürlich verabscheute, war auch er klug, skrupellos und ehrgeizig. Auch er wollte den Kaiser beherrschen und war deshalb entschlossen, seinen Feind zu hintertreiben, wo er nur konnnte.
Er wußte, daß Rufinus plante, seine Tochter mit Arkadios zu verheiraten. Und er wußte auch, daß seine eigene Überlebenschance praktisch gleich Null war, wenn dieser erst einmal Mitglied der kaiserlichen Familie war, denn dann war der Schritt auf den Thron nur noch klein. Die einzige Hoffnung von Eutropios bestand daher darin, eine Rivalin um die Gunst des Kaisers zu finden. Mangels eigener Nachkommmenschaft wählte er eine junge, unwiderstehlich attraktive Fränkin, die in Konnstantinopel eine gute Erziehung und Bildung genossen hatte, daraufhin ihren fremdländischen Namen mit einem vertrauter klingenden griechischen vertauscht hatte und sich nun Eudoxia nannte. Als nun Rufinus sich für kurze Zeit in Antiochia aufhielt, nutze Eutropios die Gunst der Stunde und führte Eudoxia in den Palast ein. Aufgrund seiner langjährigen Übung gelang es ihm rasch, das Interesse des Kaisers auf sie zu lenken, und als der Prätorianer-Präfekt in die Hauptstadt zurückkehrte, waren Arkadios und Eudoxia verlobt. Es war jedoch typisch, daß Eutropios, listig und verschlagen, wie er war, nicht erlaubte, den Namen der Braut bekanntzugeben. So erzählt Zosimos mit großer Schadenfreude und sehr anschaulich die etwas unwahrscheinliche Geschichte, wie sich am Hochzeitsmorgen eine beeindruckende Prozession von Hofbeamten durch die Straßen wand, um die Braut abzuholen. Begierig, einen Blick auf ihre künftige Kaiserin zu werfen, hatt sich vor Rufinus' Haus bereits eine erwartungsvolle Menge versammelt, und die Leute staunten nicht schlecht, als der Zug geradewegs daran vorbeimarschierte und bei der viel bescheideren Residenz von Eudoxia anhielt, die kurz darauf in vollem Brautstaat erschien, um feierlich in den Palast zum wartenden Bräutigam getragen wurde.
Was aber, so fragt man sich, geschah mit der großen Ostarmee, die so hastig von Kaiser Arkadios nach Hause berufen wurde? Gainas, ihr frisch ernannter Feldherr, fühhrte sie wie befohlen auf der Via Egnatia nach Konstantinopel und hielt auf dem Marsfeld vor dem Goldenen Tor, wo der Kaiser seine zurückkehrenden Truppen tradionellerweise zu empfangen pflegte. Hier erschien denn auch am 27. November pflichtgetreu Arkadios, und zwar in Begleitung von Rufinus, der - nanu? - erwartete, noch am selben Tag zum Mit-Kaiser gemacht zu werden, und deshalb den Kopf noch höher trug als gewöhnlich. Nach der Parade schien er sich jedoch etwas zu entspannen; er mischte sich unter die Truppen und suchte ihre Unterstützung für seine bevorstehende Erhebung zu sichern. Zunächst achtete er nicht darauf, daß sie sich langsam um ihn zusammenschlossen. Und als er es merkte, war es bereits zu spät. Plötzlich blitzte ein Schwert auf, andere folgten, und einen Augenblick später fiel Rufinus tot zu Boden. Sein Körper wurde in Stücke gehauen und sein Prachthaupt auf einer Pike durch die Starßen getragen. Eine Gruppe Soldaten mit besonderem Sinn fürs Makabre hieb ihm die rechte Hand beim Gelenk ab, ging damit von Haus zu Haus mit dem Ruf: "Gebt dem Unersättlichen!" und zog dabei so an den Sehen, daß die Hand auf und zu sprang.
Laut Claudian soll einer der Attentäter, als er zustach, gebrüllt haben, er handle im Auftrag von Stilicho. Es gibt jedoch keinen anderen Hinweis darauf, daß der Mord vom Magister militum des Westens veranlaßt worden wäre. Der Plan kann ebensogut von Eutropios gefaßt worden sein oder von Gainas und seinen Soldaten auf dem Weg zur Hauptstadt oder auch von allen miteinander. Wer auch immer dafür verantwortlich war, Rufinus' Tod hatte kaum Einfluß auf den weiteren Verlauf der Dinge.
Weder der Einfall von 395 in Armenien und Kappadokien, den Rufinus vermutlich gefördert hatte, noch ein kurzer Vorstoß nach Bulgarien durch König Uldzin dreizehn Jahre später hatte dauernde Auswirkungen gezeitigt.
 
 
 
 

Literatur:
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Browning Robert: Justinian und Theodora. Herrscher in Byzanz. Manfred Pawlak Verlagsgesellschaft mbH, Herrsching 1988 Seite 85 - Dahn Felix: Die Völkerwanderung. Germanisch-Romanische Frühgeschichte Europas. Verlag Hans Kaiser Klagenfurt 1977 Seite 91,92 - Günther Rigobert: Römische Kaiserinnen. Zwischen Liebe, Macht und Religion. Militzke Verlag Leipzig 2003 Seite 134 - Lexikon Alte Kulturen, Meyers Lexikonverlag Mannheim/Wien/Zürich 1990 Band I Seite 301 - Norwich John Julius: Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf und München 1993 Seite 133,137,140,173 - Schreiber Hermann: Auf den Spuren der Goten. List Verlag München 1977 Seite 139,142,145,149,171 -