Sohn des Patrikios Nikephoros
Lexikon des Mittelalters: Band VI Spalten 2083
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Philippikos Bardanes, byzantinischer Kaiser 711-713
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† 714
Sohn eines Patrikios Nikephoros
Stammte aus einer armenischen Familie, die (anders als
früher angenommen) nicht in Pergamon, sondern vermutlich in Konstantinopel
lebte. 702/03 von Tiberios II. nach
Kephallenia verbannt, wurde Philippikos
Bardanes unter Justinian II. zurückgerufen
und leitete eine militärische Expedition auf der Chersonesos. Dort
wurde er zum Kaiser ausgerufen, kam im November 711 mit Hilfe aufständischer
Truppen und der Chazaren nach Konstantinopel und besiegte
Justinian II. Erst als Kaiser trug Bardanes den Namen
Philippikos
Bardanes (Gründe für den Namenswechsel unbekant).
Während seiner Herrschaft wurde das Reich von Bulgaren- und Arabereinfällen
heimgesucht. Der von Monotheleten erzogene Philippikos
Bardanes widerrief 712 das III. Konzil von Konstaninopel
(680/81), verbannte Patriarch Kyros, setzte an seiner Stelle
Johannes VI. ein und versuchte, den Montheletismus wieder einzuführen.
713 wurde
Philippikos Bardanes durch
eine Militärrevolte
abgesetzt und geblendet; er starb im
Kloster. Nachfolger wurde Anastasius II.
PHILIPPIKOS "BARDANES"
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† 713 ermordet
Philippikos Bardanes
war hoher Würdenträger und General und wurde 711 durch
die Armee zum Kaiser ausgerufen. Er war monophysiten- und monotheletenfreundlich,
verwarf daher das 6. Ökumenische Konzil, was den kirchlichen Bruch
mit dem Papst, der ihn nicht als Kaiser anerkannte, nach sich zog. Es war
auch der politische Bruch zwischen Byzanz und Rom. Philippikos
kämpfte erfolglos gegen die Bulgaren, die 712 vor Byzanz standen und
wurde daher letztlich ermordet.
Der Großlogothet Georg von Syrien
sollte die Auslieferung von Elias und eines weiteren führenden Byzantiners
im Exil verlangen, nämlich eines Feldherrn namens Vardan (hellenisiert
zu Bardanes), den er, wohl zu Recht, für den Verrat des Gouverneurs
verantwortlich hielt.
Cherson und weitere Städte der Krim versagten
Justinian nun offiziell die Gefolgschaft als Kaiser und bekannten
sich zu Bardanes, dem exilierten Armenier, der sich darauf
unter dem schönen alten Namen Philippikos
zum Basileus ausrief. Von diesem Augenblick an herrschte offener
Krieg.
Die byzantinische Flotte und was vom Heer, das unter
dem Kommando des Patrikios Mauros das vor Cherson scheiterte,
übriggeblieben war, schloß sich Philippikos
an und segelte mit ihm an der Spitze nach Konstantinopel zurück. Da
Justinian II. die Stadt verlassen hatte und die Rebellen vor
ihm in Konstantinopel ankamen, verlor er Leben und Thron. Es war ein Glück,
dass Justinian II. als noch erfolgreicher
Herrscher soviel unternommen hatte, um das Kerngebiet des Reichs sowohl
in wirtschaftlicher als auch in militärischer Hinsicht zu stärken,
denn in Konstantinopel war der Kampfgeist inzwischen dem Nullpunkt gefährlich
nahe. Weniger Glück verhieß dagegen der Umstand, dass sein Nachfolger
Philippikos
Bardanes sich rasch als
hoffnungsloser Hedonist erwies,
der Unsummen ausgab, um seinem Vergnügen zu frönen, und sich
in ernsthaften Momenten nur dafür zu interessieren schien, die alten
theologischen Dispute wiederaufleben zu lassen, für die Byzanz über
Jahre hinweg bereits einen so hohen Preis bezahlt hatte. Seiner innersten
Überzeugung nach neigte er wahrscheinlich dem Monophysitismus
zu, derjenigen Irrlehre, die die Gemüter am leichtesten zu erhitzen
pflegte, aber er war wenigstens so klug, dass er nicht versuchte, diese
wiederzubeleben. Dagegen machte er einen entschlossenen Vorstoß,
den monotheletischen Kompromiß wiedereinzuführen, ja, er ging
sogar so weit, in eigener Regie ein ein kaiserliches Edikt zu erlassen,
das die Beschlüsse des 6. ökumenischen Konzils und damit die
30 Jahre zuvor erfolgte Verurteilung dieser Doktrin widerrief.
Papst Konstantin, den bereits das Schicksal seines Freundes
Justinian
in Rage versetzt hatte und der dessen Nachfolger mit unversöhnlicher
Feindschaft gegenüberstand, bekam vollends einen Wutanfall, als die
Nachricht davon Rom erreichte. Den offiziellen Brief, den ihm Philippikos
gesandt hatte und der ihn auf eine Art über seine Thronbesteigung
in Kenntnis setzte, die ihm zutiefst ketzerisch erschien, wies er kurzerhand
zurück. Er reagierte mit einem eigenen Erlaß, indem er schlankweg
verbot, das Porträt des neuen Kaisers auf Münzen zu prägen,
im Briefkopf von Dokumenten auf dessen Herrschaft zu verweisen oder auch
nur dessen Namen in kirchlichen Gebeten einzuschließen. Offensichtlich
als Vergeltung gegen die Entfernung des anstößigen Bildes gab
er schließlich den Auftrag zu einer ganzen Serie ähnlicher Darstellungen
nicht nur vom sechsten, sondern auch von allen anderen Konzilen für
die Wände der Peterskirche.
In einer friedvolleren Zeit hätte es sich der Kaiser
ja gut und gerne nach Herzenslust der so typisch byzantinischen Kombination
von sinnlichen Vergnügen und christologischen Spekulationenen hingeben
und seine Untertanen in Ruhe lassen können, nicht jedoch im Jahre
712. Der Mord an Justinian hatte dem
Bulgaren-Khan
Tervel die Möglichkeit eröffnet, auf die er gewartet
hatte. Unter dem Vorwand, die Ehre gebiete ihm, den ehemaligen Freund zu
rächen, fiel er zum zweiten Mal in das Reich ein. Er drang bis zu
den Mauern Konstantinopels vor und ließ mit seinen Leuten eine Spur
der Verwüstung hinter sich zurück. Justinian
hatte den thrakischen Befestigungen, vielleicht weil er seinem bulgarischen
Verbündeten vertraute, wenig Beachtung geschenkt, und sein Nachfolger
hatte sich noch weniger darum gekümmert. Wollte er die Invasoren zurückschlagen,
hatte er nun keine andere Wahl, als Verstärkung von jenseits des Marmarameers,
aus dem Thema Opsikion, anzufordern.
Doch so unvermeidlich die Entscheidung schien, sie erwies
sich als Anlaß für seinen Untergang. Die Opsikianer waren berüchtigt
für ihre Eigenwilligkeit und brachten einen armenischen Emporkömmling,
der den Thron, gelinde gesagt, mit fragwürdigen Methoden errungen
hatte und nun offenbar leichtfertig damit umgehen wollte, noch lange nicht
so ohne weiteres Loyalität entgegen. Sie legten sich ihren Plan sorgfältig
zurecht. Am Pfingstsamstag, dem 3. Juni 713, kurz nachdem sich der
Kaiser nach einem höchst angenehmen, bei einem Gelage mit Freunden
Morgen zum Mittagsschlaf zurückgezogen hatte, drangen einige Soldaten
in sein Schlafzimmer ein, ergriffen ihn und eilten mit ihm zum Hippodrom.
Dort stach man ihm, im Umkleideraum der Wagenlenker der Grünen,
die Augen aus. Er hatte nur gerade neunzehn Monate regiert.
Literatur:
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Norwich John Julius: Byzanz. Der Aufstieg des
oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf und München
1993 Band I Seite 411 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische
Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische
Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband,
R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 194 - Thiess Frank: Die griechischen
Kaiser. Die Geburt Europas. Paul ZsolnayVerlag Gesellschaft mbH Hamburg/Wien
1959 Seite 710,714 -