Sohn eines Skiren- oder Rugierfürsten Edeko
Lexikon des Mittelalters: Band VI Spalte 1360
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Odoaker (Odowaker, Odoacrus), germanischer Söldnerführer,
König in Italien (seit 476)
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* um 433 †
Herkunft unklar (Vater Edeko wohl hunnischer Magnat am Hofe Attilas; nach anderen Skire). Odoaker leistete nach dem Zerfall des Hunnen-Reiches Söldnerdienst in Gallien, danach für Ricimer in Italien, wo er von meuternden Söldnern zum rex erhoben wurde. Nach der Tötung des Orestes und Absetzung des Romulus Augustus herrschte Odoaker, von Byzanz zum Patricius ernannt, über Italien; der als Kaiser vorgesehene Nepos betrat dieses nicht mehr. Das Verhältnis zum Senat war gut; ab 480 erhielt Odoaker das Recht der Consulsernennung. Der Verdacht einer Beteiligung am Illus-Aufstand 484 führte zu Spannungen mit Byzanz, in deren Folge Odoaker das Rugier-Reich vernichtete und die Reste der romanisierten nordischen Grenzbevölkerung evakuierte. Es gelang Odoaker, durch einen Pachtvertrag Sizilien von den Vandalen zu gewinnen. Die Gründe für den Einmarsch Theoderichs 489 scheinen Konzession von seiten Zenons und Versuch, sich der Ostgoten zu entledigen. Nach dreijährigem Krieg zum Kompromißfrieden gezwungen (Samtherrschaft; während des Krieges bereits Ernennung des Sohnes Thela zum Caesar), wurde Odoaker 493 durch Theoderich getötet; als Grund galt Rache für das rugische Königshaus.
G. Wirth
ODOAKER
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† 493 ermordet
Sohn eines Skiren- oder Rugier-Fürsten Edeko
Odoaker trat nach
dem Tode seines Vaters, der noch Vasallenfürst Atillas
war, in die Dienste des weströmischen Kaisers. Er stieg im Armeedienst
auf, rebellierte gegen Kaiser Romulus Augustulus
und 476 riefen ihn die germanischen Söldner zu ihrem König
aus. Daraufhin setzte er den letzten weströmischen Kaiser Romulus
Augustulus ab, schickte die Kaiserinsignien nach Konstantinopel
und stellte sich als Verwalter (Patricius) der westlichen Reichshälfte
unter die Oberhoheit des oströmischen Kaisers, der weder Odoakers
Patricius-
noch Königswürde anerkannte. Er wurde vom römischen Senat
gefördert, unterstützte und schützte, obwohl Arianer, Kirche
und Papsttum. Er erwarb 477 Sizilien von den Vandalen, 480 das Reich des
Julius Nepos Dalmatien mit Bosnien
und Herzegowina. Er vernichtete das Rugier-Reich in Österreich und
gab das sogenannte Ufer-Noricum auf. Die innere Ordnung ließ er unangetastet.
Er stand besonders im Bunde mit Franken und Westgoten, bekriegte mit ihnen
die Alamannen, Burgunder, Vandalen und Sachsen, später die Ostgoten.
488 ließ der Kaiser Zenon seinen
Vasallen Theoderich mit den Ostgoten
gegen Odoaker ziehen. Dieser wurde
mehrmals in Oberitalien besiegt (am Sontius bei Aquileia, bei Verona; am
11.8.490 an der Adda) und schließlich drei Jahre in Ravenna belagert.
Am 27.2.493 schlossen Odoaker und Theoderich
einen Vertrag, der beiden gemeinsam die Königsherrschaft in Italien
sichern sollte. Kurz darauf wurde Odoaker bei
einem Gastmahl eigenhändig von Theoderich
ermordet.
Literatur:
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Browning Robert: Justinian und Theodora. Herrscher
in Byzanz. Manfred Pawlak Verlagsgesellschaft mbH, Herrsching 1988 Seite
16,31,33,150 - Ensslin Wilhelm: Theoderich der Große. F. Bruckmann
KG München 1959 Seite 32,41,48,61,66,74,77,82, 87,97,100,120,130,143,154,156,166,186,188,195,
214,234,278,323,336,337 - Norwich John Julius: Byzanz. Der Aufstieg
des oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf und München
1993 Seite 198,205,209,243 - Offergeld Thilo: Reges pueri. Das Königtum
Minderjähriger im frühen Mittelalter. Hahnsche Buchhandlung Hannover
2001 Seite 77,132,136 - Riehl Hans: Die Völkerwanderung. Der
längste Marsch der Weltgeschichte. W. Ludwig Verlag 1988 Seite 94,145,206,213,252-259,261,266,283
- Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur
europäischen Geschichte Band II, Teilband 2 Europäische Kaiser-,
Königs- und Fürstenhäuser II Nord-, Ost- und Südeuropa,
R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 488 -