Michael VI. Stratiotikos                 Kaiser von Byzanz (22.8.1056-31.8.1057)
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um 990 1059
 

Sohn des N.N.
 

Lexikon des Mittelalters: Band VI Spalte 598
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Michael VI., byzantinischer Kaiser 1056/57
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Hoher Verwaltungsbeamter, wohl Vorsteher des Amtes für Finanzierung und Registrierung der Soldaten), aber selbst kein Militär, aus der Familie BRINGAS, wurde schon in älteren Jahren (Beinameder Greis‘) noch zu Lebzeiten der Kaiserin Theodora III. am 22. August 1056 zum Kaiser ausgerufen (Alleinherrscher seit 27. August). Sein Desinteresse an militärischen Problemen (Vordringen der Selguqen) führte zu einer auch von Patriarch Michael Kerullarios unterstützten Militärrevolte unter Isaak I. Komnenos), die Michael VI. am 3. September 1057 zu Abdankung und Eintritt in ein Kloster zwang.



Thiele, Andreas: Tafel 198
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband"

MICHAEL VI. "STRATIOTIKOS"
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    nach 1057

Michael VI. Stratiotikos wurde 1056 von der Kaiserin Theodora adoptiert und wurde 1056 Kaiser. Er wurde 1057 bald vom Militäradel gestürzt und mußte Mönch werden.



Michael VI. Stratiotikos, ein Feldherr und Senator, wurde von der Kaiserin Theodora zu ihrem Nachfolger bestimmt und bestieg am 31. 8.1056 den Thron. Am 31.8.1057 wurde er durch eine Empörung des griechischen Adels in Kleinasien gezwungen, dem Thron zugunsten von Isaak Komnenos zu entsagen.

Norwich John Julius: Band II Seite 411-415,418
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"Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches."

Die Berater des Kaiserin mußten sich auf den geeignetsten Nachfolger einigen, dessen Namen die sterbende Kaiserin dann nur noch billigen mußte. Ihre Wahl fiel schließlich auf einen älteren Patrizier namens Michael Bringas, der zuvor den Rang eines Stratiotikos bekleidet hatte, ein zivildienstliches Amt, das jedoch mit der militärischen Verwaltung in Verbindung stand. "Er war", meint Psellos naserümpfend, "weniger zum Herrschen qualifiziert als dazu, von andern beherrscht zu werden." Doch gerade dies betrachteten die berechnenden Minister als eindeutigen Vorteil. Sie hätten sich nichts Besseres wünschen können als eine Null wie Michael, von dem sie erwarteten, dass er sich für ihre Anregungen nur zu dankbar zeigte und über den sie das Reich nach eigenem Gutdünken regieren konnten.
Zum Zeitpunkt, da man sich zu der Entscheidung durchrang - gegen Mittag am 31. August -, ging es mit Theodora schon rasch bergab. Sie konnte bereits nicht mehr sprechen, aber die, die ihrem Bett am nächsten standen, wollten eindeutig bemerkt haben, dass sie den Kopf zustimmend neigte. Es gab noch eine kurze Verzögerung, als der Patriarch, der sich wie immer übergangen fühlte, bei Theodora um die Bestätigung nachsuchte, dass Michael tatsächlich ernannt sei. Schließlich erklärte er sich jedoch als zufriedengestellt und nahm noch am selben Nachmittag die Krönung vor. Wenige Stunden später war die letzte Vertreterin der makedonischen Dynastie tot und Michael VI., manchmal "Stratiotikos", aber noch öfter "der Alte" genannt, souveräner Herrscher über das Römische Reich.
Seine Herrschaft begann mit einer eigenartigen Episode. Am Morgen nach Michaels Thronbesteigung versuchte ein gewisser Theodosios, ein Vetter oder Neffe von Konstantin Monomachos, der offenbar erwartet hatte, als rechtmäßiger Thronfolger anerkannt zu werden, aus dem Stegreif einen Staatsstreich herbeizuführen. Es gelang ihm tatsächlich, das größte Gefängnis zu stürmen und die Gefangenen zu befreien; diese schlossen sich ihm natürlich an. Alles verlief bestens, bis sie den Palast erreichten und sich dort den warägischen Sicherheitskräften sowie einer Abordnung Matrosen der kaiserlichen Flotte gegenübersahen: da verließ ihn plötzlich die Zuversicht. Er machte kehrt Richtung Hagia Sophia, wo er sich - aus unerfindlichen Gründen - die Unterstützung des Patriarchen zu sichern gedachte. Doch er hatte auf den falschen Mann gesetzt. Als er die Kirche betreten wollte, wurde ihm die Tür vor der Nase zugeschlagen. Seine Anhänger zerstreuten sich rasch in alle Winde, und nach kurzer Zeit waren Theodosios und sein Sohn, die in der äußeren Kirchenvorhalle kauerten und vor lauter Angst nicht mehr davonzulaufen wagten, die einzigen Rebellen. Sie hatten Glück, entkamen sie doch mit den Augen; niemand scheint sie ernst genug genommen haben, um sie zu blenden. Sie wurden nach Pergamon verbannt. Ihre Aktion hatte letztlich nur die Beliebtheit des neuen Kaisers gefördert und seine Stellung auf dem Thron gefestigt.
Michael VI. entstammte einer Seitenlinie jenes Joseph Bringas, der während der Herrschaft von Romanos II. und Theophano das Amt des wichtigsten Magistraten innehatte. Verglichen mit diesem Vorfahren bewies er allerdings ein bedauerlich geringes Maß an politischem Scharfsinn. Zu einer klugen Herrschaft gehörte in Byzanz Mitte des 11. Jahrhunderts in erster Linie die Kunst, eine Balance zwischen den Angehörigen der Zivilverwaltung und der Militäraristokratie herzustellen. Michael ließ die einen jedoch gewähren und schikanierte die anderen. Im Frühjahr 1057 - während der alljährlichen Feiern zur Karwoche, an der der Kaiser traditionellerweise alle belohnte, die sich im vergangenen Jahr besonders verdient gemacht hatten - erhielten der gesamte Senat und alle ranghohen Magistraten und Beamten zu ihrer Überraschung einen hohen Bonus und automatische Beförderung um zwei, andere sogar um drei Ränge. Dann kam die Armee an die Reihe. Psellos, einmal Augenzeuge, beschreibt, was geschah:
Die Männer, die sich ihm präsentierten, waren angesehne Krieger, alles Männer mit gutem Ruf. Nachdem sie sich vor ihm verneigt und ihm die üblichen Ehren erwiesen hatten, hieß es, sie sollten  sich auf einer Seite aufstellen. Danach hätte er sie einzeln zur Seite nehmen und ihnen mit einigen Worten danken sollen. Statt dessen aber gab er eine allgemeine Bewertung für alle ab und befahl dann den beiden Anführern Isaak Komnenos und Katakalon Kekaumenos vorzutreten. Dann wandte er sich in aller Öffentlichkeit mit einer Schimpftirade an Issak und warf ihm vor, mehr oder weniger Antiochia verloren und seine Truppen verdorben, keinerlei Zeichen von Führungsqualität gezeigt sowie öffentliche Gelder veruntreut zu haben, um seine persönliche Habgier zu befriedigen. Isaak, der Lob und Beförderung erwartet hatte, schien wie betäubt von der Heftigkeit dieser Anschuldigungen. Einige andere Feldherren versuchten etwas zu seiner Verteidigung vorzubringen, aber der Kaiser verbot ihnen zu sprechen. Eine nach allen Begriffen erbärmliche Vorstellung. Es bestand nicht der geringste Anlaß für einen derartigen Ausfall gegen die beiden Feldherren; der Kaiser scheint vielmehr schlicht aus einer kindischen Rachsucht heraus gehandelt zu haben. Vierzig Jahre lang hatte Michael von seiten der Militäraristokratie Kränkung und Herablassung erfahren. Nun sah er sich endlich in einer Lage, ihnen seine Meinung zu sagen - und er nahm kein Blatt vor den Mund. Er bedauerte seine Handlungsweise nicht einmal. Bei einer zweiten Unterredung, die auf die Bitte der beiden Befehlshaber ein paar Tage später stattfand, hätte sich ihm eine günstige Gelegenheit geboten, sich zu entschuldigen oder zumindest einen Funken guten Willens zu zeigen. Er tat nichts dergleichen. Von da an war sein Niedergang so gut wie sicher.
Außer sich vor Empörung beschlossen die Feldherren zu handeln, waren sie doch der Ansicht, nun hätten lange genug bürokratische Angstschisser regiert, lediglich darauf bedacht, ihre Schäfchen ins trockne zu bringen, während die Armee verkümmerte und die Feinde des Reichs auf allen Seiten vorrückten. Sie fanden, die Zeit sei reif, all diesen schwachen, nichtsnutzigen kaiserlichen Oberhäuptern und den geschlechtslosen Eunuchen, die sie so lange schon manipulierten, ein Ende zu setzen. Sie wollten die alte römische Tradition des kriegerischen lmperators wiederaufleben lassen, eines Kaiser-Feldherrn, der sich persönlich an die Spitze seiner Truppen stellte und sie zum Sieg in der Schlacht führte. Aber wer war der geeignete Mann? Isaak Komnenos, naheliegendster Kandidat, weigerte sich hartnäckig, in den Vordergrund zu treten, und zog sich auf seine Güter in Paphlagonien zurück. Die Kollegen blieben jedoch - nicht ohne sich damit in Gefahr zu bringen - in Konstantinopel am Ball, um die Lage auszuloten. Sie sahen sich schon bald ermutigt, fanden sie doch einen unerwarteten Verbündeten und erst noch den wahrscheinlich wertvollsten nichtmilitärischen Anhänger, den sie sich wünschen können: Michael Kerullarios, den Patriarchen von Konstantinopel. Anstatt die Tür der Hagia Sophia auch vor ihnen zu verschließen wie ein Jahr zuvor vor dem lächerlichen Theodosios, ließ er diese Verschwörer nachts heimlich ein.
Noch am selben Abend trafen sich die militärischen Anführer in der Dunkelheit des großen Kirchenraumes zu einer zu einer geheimen Sitzung, um den Sturz von Michael dem Alten zu planen und über seine Nachfolge zu entscheiden. Angesichts der offensichtlichen Abneigung von Isaak Komnenos fiel ihre Wahl zunächst auf die andere Zielscheibe für den Zorn Kaiser Michaels, Katakalon Kekaumenos, der außerdem den Vorzug besaß, dass er um einiges jünger war. Doch dieser schüttelte den Kopf. Isaak sei der einzige, der in Frage komme, erklärte er. Er überrage alle anderen weitaus an imponierender Präsenz und außergewöhnlicher Persönlichkeit. Wie sollte er ablehnen können, wenn man ihn in aller Form bitte und ihm erkläre, dass die Wahl einmütig auf ihn gefallen sei. Und so geschah es, dass Isaak Komnenos am 8. Juni 1057 auf seinem Gut in Paphlagonien zuließ, dass man ihn zum römischen Kaiser ernannte. Einen Monat später stieß Katakalon zu ihm; aufgebrochen in seinem Geburtsort Kolonea, marschierte er nun an der Spitze von nicht weniger als acht Bataillonen, die er unterwgs aus gehoben hatte, und zwar fünf byzantinischen und drei aus fremden, nämlich warägischen, fränkischen und normannischen, Söldnern bestehenden.
Die von Isaak Komnenos geführte Bewegung gegen Michael den Alten oder Stratiotikos war mehr als nur ein Aufstand. Sie hatte nichts mit den Revolten militärischer Anführer wie Georgios Maniakes oder Leon Tornikes gemein, wie eindrucksvoll diese auch gewesen sein mögen. Das hier artete zu einem regelrechten Bürgerkrieg aus, in dem praktisch das ganze asiatische Heer gegen den Kaiser marschierte, unterstützt von einem beachtlichen Teil der byzantinischen Bevölkerung aus allen sozialen Schichten und Lebensbereichen. Nachdem die Soldaten Isaak zum Kaiser ausgerufen und in alter Tradition auf einen Schild gehoben hatten, berief er sich zudem darauf, einen viel legitimeren Anspruch auf den Thron zu haben als Michael, kam er doch nicht als Prätendent, sondern als der sowohl in den Augen seines Gefolges als auch in seinen eigenen rechtmäßige Basileus; bereits ließ er in seinem Namen Steuern einziehen. Unter diesen Voraussetzungen überrascht es nicht, dass man ihm kaum nennenswerten Widerstand entgegensetzte, als er mit Katakalon Richtung Westen nach Konstantinopel drängte. Bei jedem Zwischenhalt sammelten sich mehr und mehr Ortsansässige unter seinem Banner, Zivilisten wie Soldaten. Sie kamen in so großer Zahl, dass mehrere Male ein Chaos auszubrechen drohte. Zum Glück besaß Isaak offenbar ein bemerkenswertes Organisations- und Befehlstalent. Es heißt, dass ein Blick von ihm genügte, um jeden Widerspruch verstummen zu lassen, und dass starke Männer erbebten, wenn er nur die Stirn runzelte. So ließ er an Ort und Stelle härteste Tests durchführen, denen jeder Rekrut sich unterziehen mußte. Wessen Fähigkeiten oder Loyalität als nicht über jeden Zweifel erhaben schien, erhielt eine Aufgabe hinter der Front, während die erprobten Haudegen, die alle Befehle gehorsam ausführten, in neue Kompanien und Regimenter eingeteilt wurden. Jede Einheit hatte ihren festen Platz im Lager und auch beim Marschieren, jeder Mann innerhalb seiner Einheit. Dank der eingetriebenen Steuern konnte man den Soldaten den Sold pünktlich und in voller Höhe auszahlen.
Soviel wir wissen, schöpfte Michael der Alte keinen Verdacht, bis er von der Ernennung seines Rivalen erfuhr. Dann ergriff er die einzige Maßnahme, die ihm noch offenstand, indem er das Heer im europäischen Teil des Reichs zu Hilfe rief und es durch die wenigen ihm treu gebliebenen asiatischen Abordnungen ergänzte. Es dürfte sich daraus kaum eine eindrucksvolle Streitmacht ergeben haben. Wie lsaaks Heer enthielt es einen großen Anteil fremder Söldner, so dass viele bald gegen ihre Landsleute kämpfen sollten. Es stand unter der obersten Führung von Theodor, Domestikos der Scholen, einem ehemaligen Eunuch im Dienste Theodoras, der in den Rang eines Proedros erhoben worden war. Als sein - viel erfahrener - Stellvertreter amtierte ein Magistros Aaron, Mitglied einer bulgarischen Fürsten-Familie und zugleich Isaak Komnenos' Schwager: seine Schwester Katharina hatte sich ein paar Jahre zuvor mit Isaak verheiratet.
Anfang August 1057 trafen Theodor und Aaron mit ihren Einheiten in Konstantinopel ein, setzten unverzüglich nach Asien über und richteten ihr Hauptquartier in Nikomedia ein, was sich als ein verhängnisvoller Fehler erweisen sollte. Wären sie nach Nikäa gezogen, dessen gewaltige Schutzmauern die einzige Straße zum Straße zum Marmarameer beherrschten, wäre Isaak, dem keine Schiffe zur Verfügung standen, ein weiteres Vorrücken schwergefallen. Nun aber kapitulierte die Stadt kampflos und bot ihm einen idealen Stützpunkt für seine Operationen gegen Konstantinopel.
Ein paar Wochen lang lagerten die beiden Heere in einem Abstand von ungefähr acht Kilometern zwischen Nikomedia und Nikäa. In dieser Zeit versuchten die Soldaten beider Lager anläßlich inoffizieller Treffen auf Streifzügen ihre jeweils widerwilligen Gegner zu überreden, die Seite zu wechseln, im großen und ganzen erfolglos. Am 20. August kam es schließlich zur Entscheidungsschlacht. Sie endete nicht in der schweren Schlappe, die man hätte erwarten können. Die Soldaten Theodors und Aarons kämpften ausdauernd; es gab schlimme Vereluste auf beiden Seiten. Isaak Komnenos wurde im Gerangel von seinem Heer getrennt und von vier russischen Hünen angegriffen; er kam nur knapp mit dem Leben davon. Dennoch war der Ausgang eindeutig, und das geschlagene Heer Michaels dem Alten eilte schließlich in wilder Hast nach Konstantinopel zurück, wo seine beiden Oberbefehlshaber ihrem Herrn offiziell den Rücktritt anboten.
Für Kaiser Michael den Alten lag nun die letzte Hoffnung in den Mitteln der Diplomatie. Vielleicht ließ sich mit geschickten Verhandlungen noch etwas retten. Ein, zwei Tage später brach eine von ihm persönlich zusammengestellte Delegation zu Komnenos' Lager auf. Ihr gehörten Michael Psellos, der ehemalige erste Minister Konstantin Leichudes sowie der Proedros Leon Alopos an. Das Angebot lautete einfach genug. Isaak solle sich in Frieden nach Konstantinopel begeben; er werde dort sogleich zum Cäsar gekrönt mit der Garantie, dass er bei Michaels Tod die Thronfolge antreten könne. Die drei Gesandten trafen am 25. August ein und wurden ganz ohne Förmlichkeit empfangen. Beinahe ungezwungen für Psellos' Geschmack, beschränkte sich Isaak Komnenos doch zunächst darauf, ihnen Erfrischungen anzubieten und sich höflich zu erkundigen, ob sie eine gute Reise hatten. Am zweiten Tag sah der Empfang jedoch ganz anders aus:
Der Anblick, der sich unseren Augen bot, war umwerfend. Zuerst wurden unsere Ohren vom Jubel des Heeres betäubt. Die Stimmen ertönten nicht etwa alle gleichzeitig. zunächst bejubeite ihn die erste Reihe, dann übernahm die zweite den Schrei, dann die dritte und so weiter. Als schließlich auch die letzte Reihe ihr Hurra gebrüllt hatte, vereinte sich das ganze Heer zu einem einzigen Schrei, der uns wie ein Donnerschlag traf.
Der Kaiser [Isaak] saß auf einem Sofa, das mit zwei Kopfstützen verziert und mit Gold überzogen war; es stand auf einer hohen Plattform, mit einem Schemel zu seinen Füßen. Ein herrlicher Mantel gab ihm den Anstrich großer Würde. Er hielt das Haupt stolz erhoben und drückte die Brust heraus, wodurch eine kräftige Röte in seine Wangen stieg, während er durch einen entrückten Blick den Eindruck zu erwecken suchte, er sei in tiefste Gedanken versunken... Er war umringt von Soldaten. Unter den ihm am nächsten stehenden und wichtigsten befanden sich die ranghöchsten Adligen, Männer, welche der statuösen Großartigkeit der antiken Helden fast gleichkamen... In einem zweiten Kreis befanden sich ihre Stellvertreter und die erstklassigen Kämpfer, diese wiederum waren von den leichtbewaffneten Truppen ohne Rüstung umgeben, und hinter ihnen kamen alle Streitkräfte der barbarischen Nationen, die sich ihm angeschlossen hatten. Es gab Italiener und Skythen vom Tauros, Männer von furchteinflößendem Aussehen in fremdländischer Kleidung, die wild um sich blickten. Manche hatten die Augenbrauen ausgezupft und trugen Kriegsbematung, andere ihre natürliche Hautfarbe beibehalten... Und schließlich gab es jene Krieger, die mit langen Speeren bewaffnet waren und ihre Streitäxte geschultert trugen.
Psellos trug das Angebot seines Herrn in einer Rede vor, die laut seinen eigenen Angaben selbst Demosthenes Ehre gemacht hätte. Zuerst, fährt er fort, habe es die unvermeidlichen Proteste von seiten versammelten Soldatenschaft gegeben. Als er fortfuhr, sei jedoch allmählich Ruhe eingekehrt, und am Schluß seiner Rede sei klar gewesen, dass seine Argumente überzeugten. Darauf nahm ihn Isaak zur Seite und antwortete, dass er mit dem Cäsarentitel vollkommen zufrieden sei, unter der Bedingung, dass der Kaiser keinen anderen Nachfolger ernenne, die Ehrungen anerkenne, die er, Isaak, seinen wichtigsten Verbündeten übertragen habe und dass er ihm die Vollmacht zusichere, bestimmte militärische und zivile Ernennungen vorzunehmen. "Heute abend", so habe er geschlossen, "wirst du mit mir speisen. Morgen wirst du meine Botschaft deinem Herrn überbringen."
Man kann sich Kaiser Michaels Erleichterung, als er die Botschaft vernahm, lebhaft vorstellen. Er sandte Psellos sogleich wieder zurück ins Lager, um Isaak mitzuteilen, dass er seine Bedingungen akzeptiere. Er werde ihn in Konstantinopel wie einen Sohn empfangen und ihm so viele Ehren und Privilegien zuteil werden lassen, wie er nur wolle. Isaak war ebenso erfreut und begann unverzüglich mit den Vorbereitungen für seine Abreise. Noch am selben Abend traf jedoch ein Bote aus Konstantinopel ein: Michael sei nach einem Staatsstreich seitens einiger Senatsmitglieder unter Beteiligung des Patriarchen gewaltsam abgesetzt und gezwungen worden, in der Hagia Sophia Zuflucht zu suchen. Zuerst hielten sowohl Isaak als auch Psellos das Ganze für ein bloßes Gerücht. Als jedoch weitere Boten mit derselben Nachricht eintrafen und immer mehr Einzelheiten erzählten, ließen sie sich überzeugen. Psellos gesteht, er habe in jener Nacht kaum schlafen können. Als Vertreter des abgesetzten Kaisers, welcher sein Bestes getan hatte, um Isaak vom Thron fernzuhalten, war er so gut wie sicher, dass er keine Gnade erwarten durfte. Am nächsten Morgen begrüßte ihn Isaak jedoch mit der üblichen Freundlichkeit und soll ihn sogar gebeten haben, ihm in der Kunst des Regierens als Berater beizustehen. Am 1. September des Jahres 1057 hielt Kaiser Isaak I. Komnenos in Begleitung von Tausenden, die zu seiner Begrüßung aus der Stadt heraus und über das Marmarameer gesegelt waren, triumphal Einzug in Konstantinopel. Michael der Alte war ein Jahr an der Macht gewesen. Es ist seinem Nachfolger als hohes Verdienst anzurechnen, dass er weder geblendet noch verbannt wurde. Es reichte vollends, dass er abdankte. Wenig später starb er als gewöhnlicher Privatmann.
 
 
 
 

Literatur:
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Browning Robert: Byzanz. Roms goldene Töchter. Die Geschichte des Byzantinischen Weltreiches. Gustav Lübbe Verlag GmbH Bergisch Gladbach 1982 Seite 94 - Kashdan A.P.: Byzanz und seine Kultur. Akademie-Verlag Berlin 1968 Seite 54 - Norwich John Julius: Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf und München 1993 Band II Seite 411-415,418 - Runciman, Steven: Geschichte der Kreuzzüge, Sonderausgabe in 1 Band Verlag H.C. Beck München 1978 Seite 54 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 198 -