Sohn des N.N.
Lexikon des Mittelalters: Band VI Spalte 598
********************
Michael VI., byzantinischer Kaiser 1056/57
---------------
†
Hoher Verwaltungsbeamter, wohl Vorsteher des Amtes für
Finanzierung und Registrierung der Soldaten), aber selbst kein Militär,
aus der Familie BRINGAS,
wurde schon in älteren Jahren (Beiname ‚der Greis‘)
noch zu Lebzeiten der
Kaiserin
Theodora III. am 22. August 1056 zum Kaiser ausgerufen
(Alleinherrscher seit 27. August). Sein Desinteresse an militärischen
Problemen (Vordringen der Selguqen) führte zu einer auch von Patriarch
Michael Kerullarios unterstützten Militärrevolte unter Isaak
I. Komnenos), die Michael VI.
am 3. September 1057 zu Abdankung und Eintritt in ein Kloster
zwang.
MICHAEL VI. "STRATIOTIKOS"
----------------------------------------------
† nach
1057
Michael VI. Stratiotikos
wurde 1056 von der Kaiserin
Theodora adoptiert und wurde 1056
Kaiser. Er wurde 1057 bald vom Militäradel gestürzt
und mußte Mönch werden.
Norwich John Julius: Band II Seite 411-415,418
*****************
"Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches."
Die Berater des Kaiserin mußten sich auf den geeignetsten
Nachfolger einigen, dessen Namen die sterbende Kaiserin dann nur noch billigen
mußte. Ihre Wahl fiel schließlich auf einen älteren
Patrizier namens Michael Bringas, der
zuvor den Rang eines Stratiotikos bekleidet hatte, ein zivildienstliches
Amt, das jedoch mit der militärischen Verwaltung in Verbindung stand.
"Er war", meint Psellos naserümpfend, "weniger zum Herrschen
qualifiziert als dazu, von andern beherrscht zu werden." Doch gerade dies
betrachteten die berechnenden Minister als eindeutigen Vorteil. Sie hätten
sich nichts Besseres wünschen können als eine Null wie Michael,
von dem sie erwarteten, dass er sich für ihre Anregungen nur zu dankbar
zeigte und über den sie das Reich nach eigenem Gutdünken regieren
konnten.
Zum Zeitpunkt, da man sich zu der Entscheidung durchrang
- gegen Mittag am 31. August -, ging es mit Theodora
schon rasch bergab. Sie konnte bereits nicht mehr sprechen,
aber die, die ihrem Bett am nächsten standen, wollten eindeutig bemerkt
haben, dass sie den Kopf zustimmend neigte. Es gab noch eine kurze Verzögerung,
als der Patriarch, der sich wie immer übergangen fühlte, bei
Theodora um die Bestätigung nachsuchte,
dass Michael tatsächlich ernannt
sei. Schließlich erklärte er sich jedoch als zufriedengestellt
und nahm noch am selben Nachmittag die Krönung vor. Wenige Stunden
später war die letzte Vertreterin der makedonischen
Dynastie tot und
Michael VI., manchmal "Stratiotikos",
aber noch öfter "der Alte" genannt,
souveräner Herrscher über das Römische Reich.
Seine Herrschaft begann mit einer eigenartigen Episode.
Am Morgen nach Michaels Thronbesteigung
versuchte ein gewisser Theodosios, ein Vetter oder Neffe von
Konstantin Monomachos, der offenbar
erwartet hatte, als rechtmäßiger Thronfolger anerkannt zu werden,
aus dem Stegreif einen Staatsstreich herbeizuführen. Es gelang ihm
tatsächlich, das größte Gefängnis zu stürmen
und die Gefangenen zu befreien; diese schlossen sich ihm natürlich
an. Alles verlief bestens, bis sie den Palast erreichten und sich dort
den warägischen Sicherheitskräften sowie einer Abordnung Matrosen
der kaiserlichen Flotte gegenübersahen: da verließ ihn plötzlich
die Zuversicht. Er machte kehrt Richtung Hagia Sophia, wo er sich - aus
unerfindlichen Gründen - die Unterstützung des Patriarchen zu
sichern gedachte. Doch er hatte auf den falschen Mann gesetzt. Als er die
Kirche betreten wollte, wurde ihm die Tür vor der Nase zugeschlagen.
Seine Anhänger zerstreuten sich rasch in alle Winde, und nach kurzer
Zeit waren Theodosios und sein Sohn, die in der äußeren
Kirchenvorhalle kauerten und vor lauter Angst nicht mehr davonzulaufen
wagten, die einzigen Rebellen. Sie hatten Glück, entkamen sie doch
mit den Augen; niemand scheint sie ernst genug genommen haben, um sie zu
blenden. Sie wurden nach Pergamon verbannt. Ihre Aktion hatte letztlich
nur die Beliebtheit des neuen Kaisers gefördert und seine Stellung
auf dem Thron gefestigt.
Michael VI. entstammte
einer Seitenlinie jenes Joseph Bringas, der während der Herrschaft
von Romanos II. und
Theophano das Amt des wichtigsten Magistraten innehatte. Verglichen
mit diesem Vorfahren bewies er allerdings ein bedauerlich geringes Maß
an politischem Scharfsinn. Zu einer klugen Herrschaft gehörte in Byzanz
Mitte des 11. Jahrhunderts in erster Linie die Kunst, eine Balance zwischen
den Angehörigen der Zivilverwaltung und der Militäraristokratie
herzustellen. Michael ließ die
einen jedoch gewähren und schikanierte die anderen. Im Frühjahr
1057 - während der alljährlichen Feiern zur Karwoche, an der
der Kaiser traditionellerweise alle belohnte, die sich im vergangenen Jahr
besonders verdient gemacht hatten - erhielten der gesamte Senat und alle
ranghohen Magistraten und Beamten zu ihrer Überraschung einen hohen
Bonus und automatische Beförderung um zwei, andere sogar um drei Ränge.
Dann kam die Armee an die Reihe. Psellos, einmal Augenzeuge, beschreibt,
was geschah:
Die Männer, die sich ihm präsentierten, waren
angesehne Krieger, alles Männer mit gutem Ruf. Nachdem sie sich vor
ihm verneigt und ihm die üblichen Ehren erwiesen hatten, hieß
es, sie sollten sich auf einer Seite aufstellen. Danach hätte
er sie einzeln zur Seite nehmen und ihnen mit einigen Worten danken sollen.
Statt dessen aber gab er eine allgemeine Bewertung für alle ab und
befahl dann den beiden Anführern Isaak Komnenos
und Katakalon Kekaumenos vorzutreten. Dann wandte er sich in aller
Öffentlichkeit mit einer Schimpftirade an
Issak und warf ihm vor, mehr oder weniger Antiochia verloren
und seine Truppen verdorben, keinerlei Zeichen von Führungsqualität
gezeigt sowie öffentliche Gelder veruntreut zu haben, um seine persönliche
Habgier zu befriedigen. Isaak, der
Lob und Beförderung erwartet hatte, schien wie betäubt von der
Heftigkeit dieser Anschuldigungen. Einige andere Feldherren versuchten
etwas zu seiner Verteidigung vorzubringen, aber der Kaiser verbot ihnen
zu sprechen. Eine nach allen Begriffen erbärmliche Vorstellung. Es
bestand nicht der geringste Anlaß für einen derartigen Ausfall
gegen die beiden Feldherren; der Kaiser scheint vielmehr schlicht aus einer
kindischen Rachsucht heraus gehandelt zu haben. Vierzig Jahre lang hatte
Michael
von seiten der Militäraristokratie Kränkung und Herablassung
erfahren. Nun sah er sich endlich in einer Lage, ihnen seine Meinung zu
sagen - und er nahm kein Blatt vor den Mund. Er bedauerte seine Handlungsweise
nicht einmal. Bei einer zweiten Unterredung, die auf die Bitte der beiden
Befehlshaber ein paar Tage später stattfand, hätte sich ihm eine
günstige Gelegenheit geboten, sich zu entschuldigen oder zumindest
einen Funken guten Willens zu zeigen. Er tat nichts dergleichen. Von da
an war sein Niedergang so gut wie sicher.
Außer sich vor Empörung beschlossen die Feldherren
zu handeln, waren sie doch der Ansicht, nun hätten lange genug bürokratische
Angstschisser regiert, lediglich darauf bedacht, ihre Schäfchen ins
trockne zu bringen, während die Armee verkümmerte und die Feinde
des Reichs auf allen Seiten vorrückten. Sie fanden, die Zeit sei reif,
all diesen schwachen, nichtsnutzigen kaiserlichen Oberhäuptern und
den geschlechtslosen Eunuchen, die sie so lange schon manipulierten, ein
Ende zu setzen. Sie wollten die alte römische Tradition des kriegerischen
lmperators wiederaufleben lassen, eines Kaiser-Feldherrn, der sich persönlich
an die Spitze seiner Truppen stellte und sie zum Sieg in der Schlacht führte.
Aber wer war der geeignete Mann? Isaak Komnenos,
naheliegendster Kandidat, weigerte sich hartnäckig, in den Vordergrund
zu treten, und zog sich auf seine Güter in Paphlagonien zurück.
Die Kollegen blieben jedoch - nicht ohne sich damit in Gefahr zu bringen
- in Konstantinopel am Ball, um die Lage auszuloten. Sie sahen sich schon
bald ermutigt, fanden sie doch einen unerwarteten Verbündeten und
erst noch den wahrscheinlich wertvollsten nichtmilitärischen Anhänger,
den sie sich wünschen können: Michael Kerullarios, den
Patriarchen von Konstantinopel. Anstatt die Tür der Hagia Sophia
auch vor ihnen zu verschließen wie ein Jahr zuvor vor dem lächerlichen
Theodosios, ließ er diese Verschwörer nachts heimlich
ein.
Noch am selben Abend trafen sich die militärischen
Anführer in der Dunkelheit des großen Kirchenraumes zu einer
zu einer geheimen Sitzung, um den Sturz von Michael
dem Alten zu planen und über seine Nachfolge zu entscheiden.
Angesichts der offensichtlichen Abneigung von Isaak
Komnenos fiel ihre Wahl zunächst auf die andere Zielscheibe
für den Zorn Kaiser
Michaels, Katakalon Kekaumenos, der außerdem den
Vorzug besaß, dass er um einiges jünger war. Doch dieser schüttelte
den Kopf. Isaak sei der einzige, der
in Frage komme, erklärte er. Er überrage alle anderen weitaus
an imponierender Präsenz und außergewöhnlicher Persönlichkeit.
Wie sollte er ablehnen können, wenn man ihn in aller Form bitte und
ihm erkläre, dass die Wahl einmütig auf ihn gefallen sei. Und
so geschah es, dass Isaak Komnenos
am 8. Juni 1057 auf seinem Gut in Paphlagonien zuließ, dass man ihn
zum römischen Kaiser ernannte. Einen Monat später stieß
Katakalon zu ihm; aufgebrochen in seinem Geburtsort Kolonea, marschierte
er nun an der Spitze von nicht weniger als acht Bataillonen, die er unterwgs
aus gehoben hatte, und zwar fünf byzantinischen und drei aus fremden,
nämlich warägischen, fränkischen und normannischen, Söldnern
bestehenden.
Die von Isaak Komnenos
geführte Bewegung gegen Michael den Alten
oder
Stratiotikos
war mehr als nur ein Aufstand. Sie hatte nichts mit den Revolten militärischer
Anführer wie
Georgios Maniakes oder
Leon Tornikes gemein, wie eindrucksvoll diese auch gewesen sein mögen.
Das hier artete zu einem regelrechten Bürgerkrieg aus, in dem praktisch
das ganze asiatische Heer gegen den Kaiser marschierte, unterstützt
von einem beachtlichen Teil der byzantinischen Bevölkerung aus allen
sozialen Schichten und Lebensbereichen. Nachdem die Soldaten
Isaak
zum Kaiser ausgerufen und in alter Tradition auf einen Schild gehoben hatten,
berief er sich zudem darauf, einen viel legitimeren Anspruch auf den Thron
zu haben als Michael, kam er doch nicht
als Prätendent, sondern als der sowohl in den Augen seines Gefolges
als auch in seinen eigenen rechtmäßige Basileus; bereits ließ
er in seinem Namen Steuern einziehen. Unter diesen Voraussetzungen überrascht
es nicht, dass man ihm kaum nennenswerten Widerstand entgegensetzte, als
er mit Katakalon Richtung Westen nach Konstantinopel drängte. Bei
jedem Zwischenhalt sammelten sich mehr und mehr Ortsansässige unter
seinem Banner, Zivilisten wie Soldaten. Sie kamen in so großer Zahl,
dass mehrere Male ein Chaos auszubrechen drohte. Zum Glück besaß
Isaak offenbar ein bemerkenswertes Organisations- und Befehlstalent.
Es heißt, dass ein Blick von ihm genügte, um jeden Widerspruch
verstummen zu lassen, und dass starke Männer erbebten, wenn er nur
die Stirn runzelte. So ließ er an Ort und Stelle härteste Tests
durchführen, denen jeder Rekrut sich unterziehen mußte. Wessen
Fähigkeiten oder Loyalität als nicht über jeden Zweifel
erhaben schien, erhielt eine Aufgabe hinter der Front, während die
erprobten Haudegen, die alle Befehle gehorsam ausführten, in neue
Kompanien und Regimenter eingeteilt wurden. Jede Einheit hatte ihren festen
Platz im Lager und auch beim Marschieren, jeder Mann innerhalb seiner Einheit.
Dank der eingetriebenen Steuern konnte man den Soldaten den Sold pünktlich
und in voller Höhe auszahlen.
Soviel wir wissen, schöpfte Michael
der Alte keinen Verdacht, bis er von der Ernennung seines Rivalen
erfuhr. Dann ergriff er die einzige Maßnahme, die ihm noch offenstand,
indem er das Heer im europäischen Teil des Reichs zu Hilfe rief und
es durch die wenigen ihm treu gebliebenen asiatischen Abordnungen ergänzte.
Es dürfte sich daraus kaum eine eindrucksvolle Streitmacht ergeben
haben. Wie lsaaks Heer enthielt es
einen großen Anteil fremder Söldner, so dass viele bald gegen
ihre Landsleute kämpfen sollten. Es stand unter der obersten Führung
von Theodor, Domestikos der Scholen, einem ehemaligen
Eunuch im Dienste
Theodoras, der
in den Rang eines Proedros erhoben worden war. Als sein - viel erfahrener
- Stellvertreter amtierte ein Magistros Aaron, Mitglied
einer bulgarischen Fürsten-Familie und zugleich Isaak
Komnenos' Schwager: seine Schwester Katharina
hatte sich ein paar Jahre zuvor mit Isaak
verheiratet.
Anfang August 1057 trafen Theodor und Aaron
mit ihren Einheiten in Konstantinopel ein, setzten unverzüglich nach
Asien über und richteten ihr Hauptquartier in Nikomedia ein, was sich
als ein verhängnisvoller Fehler erweisen sollte. Wären sie nach
Nikäa gezogen, dessen gewaltige Schutzmauern die einzige Straße
zum Straße zum Marmarameer beherrschten, wäre
Isaak, dem keine Schiffe zur Verfügung standen, ein weiteres
Vorrücken schwergefallen. Nun aber kapitulierte die Stadt kampflos
und bot ihm einen idealen Stützpunkt für seine Operationen gegen
Konstantinopel.
Ein paar Wochen lang lagerten die beiden Heere in einem
Abstand von ungefähr acht Kilometern zwischen Nikomedia und Nikäa.
In dieser Zeit versuchten die Soldaten beider Lager anläßlich
inoffizieller Treffen auf Streifzügen ihre jeweils widerwilligen Gegner
zu überreden, die Seite zu wechseln, im großen und ganzen erfolglos.
Am 20. August kam es schließlich zur Entscheidungsschlacht. Sie endete
nicht in der schweren Schlappe, die man hätte erwarten können.
Die Soldaten Theodors und Aarons kämpften ausdauernd;
es gab schlimme Vereluste auf beiden Seiten. Isaak
Komnenos wurde im Gerangel von seinem Heer getrennt und von
vier russischen Hünen angegriffen; er kam nur knapp mit dem Leben
davon. Dennoch war der Ausgang eindeutig, und das geschlagene Heer Michaels
dem Alten eilte schließlich in wilder Hast nach Konstantinopel
zurück, wo seine beiden Oberbefehlshaber ihrem Herrn offiziell den
Rücktritt anboten.
Für Kaiser
Michael den Alten lag nun die letzte Hoffnung in den Mitteln
der Diplomatie. Vielleicht ließ sich mit geschickten Verhandlungen
noch etwas retten. Ein, zwei Tage später brach eine von ihm persönlich
zusammengestellte Delegation zu Komnenos'
Lager auf. Ihr gehörten Michael Psellos, der ehemalige
erste Minister Konstantin Leichudes sowie der Proedros Leon
Alopos an. Das Angebot lautete einfach genug. Isaak
solle sich in Frieden nach Konstantinopel begeben; er werde dort sogleich
zum Cäsar gekrönt mit der Garantie, dass er bei Michaels
Tod die Thronfolge antreten könne. Die drei Gesandten trafen am 25.
August ein und wurden ganz ohne Förmlichkeit empfangen. Beinahe ungezwungen
für Psellos' Geschmack, beschränkte sich Isaak
Komnenos doch zunächst darauf, ihnen Erfrischungen anzubieten
und sich höflich zu erkundigen, ob sie eine gute Reise hatten. Am
zweiten Tag sah der Empfang jedoch ganz anders aus:
Der Anblick, der sich unseren Augen bot, war umwerfend.
Zuerst wurden unsere Ohren vom Jubel des Heeres betäubt. Die Stimmen
ertönten nicht etwa alle gleichzeitig. zunächst bejubeite ihn
die erste Reihe, dann übernahm die zweite den Schrei, dann die dritte
und so weiter. Als schließlich auch die letzte Reihe ihr Hurra gebrüllt
hatte, vereinte sich das ganze Heer zu einem einzigen Schrei, der uns wie
ein Donnerschlag traf.
Der Kaiser [Isaak]
saß auf einem Sofa, das mit zwei Kopfstützen verziert und mit
Gold überzogen war; es stand auf einer hohen Plattform, mit einem
Schemel zu seinen Füßen. Ein herrlicher Mantel gab ihm den Anstrich
großer Würde. Er hielt das Haupt stolz erhoben und drückte
die Brust heraus, wodurch eine kräftige Röte in seine Wangen
stieg, während er durch einen entrückten Blick den Eindruck zu
erwecken suchte, er sei in tiefste Gedanken versunken... Er war umringt
von Soldaten. Unter den ihm am nächsten stehenden und wichtigsten
befanden sich die ranghöchsten Adligen, Männer, welche der statuösen
Großartigkeit der antiken Helden fast gleichkamen... In einem zweiten
Kreis befanden sich ihre Stellvertreter und die erstklassigen Kämpfer,
diese wiederum waren von den leichtbewaffneten Truppen ohne Rüstung
umgeben, und hinter ihnen kamen alle Streitkräfte der barbarischen
Nationen, die sich ihm angeschlossen hatten. Es gab Italiener und Skythen
vom Tauros, Männer von furchteinflößendem Aussehen in fremdländischer
Kleidung, die wild um sich blickten. Manche hatten die Augenbrauen ausgezupft
und trugen Kriegsbematung, andere ihre natürliche Hautfarbe beibehalten...
Und schließlich gab es jene Krieger, die mit langen Speeren bewaffnet
waren und ihre Streitäxte geschultert trugen.
Psellos trug das Angebot seines Herrn in einer
Rede vor, die laut seinen eigenen Angaben selbst Demosthenes Ehre gemacht
hätte. Zuerst, fährt er fort, habe es die unvermeidlichen Proteste
von seiten versammelten Soldatenschaft gegeben. Als er fortfuhr, sei jedoch
allmählich Ruhe eingekehrt, und am Schluß seiner Rede sei klar
gewesen, dass seine Argumente überzeugten. Darauf nahm ihn Isaak
zur Seite und antwortete, dass er mit dem Cäsarentitel vollkommen
zufrieden sei, unter der Bedingung, dass der Kaiser keinen anderen Nachfolger
ernenne, die Ehrungen anerkenne, die er, Isaak,
seinen wichtigsten Verbündeten übertragen habe und dass er ihm
die Vollmacht zusichere, bestimmte militärische und zivile Ernennungen
vorzunehmen. "Heute abend", so habe er geschlossen, "wirst du mit mir speisen.
Morgen wirst du meine Botschaft deinem Herrn überbringen."
Man kann sich Kaiser
Michaels
Erleichterung, als er die Botschaft vernahm, lebhaft
vorstellen. Er sandte Psellos sogleich wieder zurück ins Lager,
um Isaak
mitzuteilen, dass er seine
Bedingungen akzeptiere. Er werde ihn in Konstantinopel wie einen Sohn empfangen
und ihm so viele Ehren und Privilegien zuteil werden lassen, wie er nur
wolle. Isaak war ebenso erfreut und
begann unverzüglich mit den Vorbereitungen für seine Abreise.
Noch am selben Abend traf jedoch ein Bote aus Konstantinopel ein: Michael
sei nach einem Staatsstreich seitens einiger Senatsmitglieder unter Beteiligung
des Patriarchen gewaltsam abgesetzt und gezwungen worden, in der
Hagia Sophia Zuflucht zu suchen. Zuerst hielten sowohl Isaak
als auch Psellos das Ganze für ein bloßes Gerücht.
Als jedoch weitere Boten mit derselben Nachricht eintrafen und immer mehr
Einzelheiten erzählten, ließen sie sich überzeugen. Psellos
gesteht, er habe in jener Nacht kaum schlafen können. Als Vertreter
des abgesetzten Kaisers, welcher sein Bestes getan hatte, um
Isaak vom Thron fernzuhalten, war er so gut wie sicher, dass
er keine Gnade erwarten durfte. Am nächsten Morgen begrüßte
ihn Isaak jedoch mit der üblichen
Freundlichkeit und soll ihn sogar gebeten haben, ihm in der Kunst des Regierens
als Berater beizustehen. Am 1. September des Jahres 1057 hielt Kaiser
Isaak I. Komnenos in Begleitung von Tausenden, die zu seiner
Begrüßung aus der Stadt heraus und über das Marmarameer
gesegelt waren, triumphal Einzug in Konstantinopel. Michael
der Alte war ein Jahr an der Macht gewesen. Es ist seinem Nachfolger
als hohes Verdienst anzurechnen, dass er weder geblendet noch verbannt
wurde. Es reichte vollends, dass er abdankte. Wenig später
starb er als gewöhnlicher Privatmann.
Literatur:
-----------
Browning Robert: Byzanz. Roms goldene Töchter.
Die Geschichte des Byzantinischen Weltreiches. Gustav Lübbe Verlag
GmbH Bergisch Gladbach 1982 Seite 94 - Kashdan A.P.: Byzanz und
seine Kultur. Akademie-Verlag Berlin 1968 Seite 54 - Norwich John
Julius: Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches. Econ Verlag
GmbH, Düsseldorf und München 1993 Band II Seite 411-415,418 -
Runciman,
Steven: Geschichte der Kreuzzüge, Sonderausgabe in 1 Band Verlag H.C.
Beck München 1978 Seite 54 - Thiele, Andreas: Erzählende
genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische
Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband,
R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 198 -