Sohn des N.N.; Begründer der amoritischen
Dynastie
Lexikon des Mittelalters: Band VI Spalte 597
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Michael II. der Stammler, byzantinischer Kaiser 820-829
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2.
Oktober 829
Begründer der amoritischen Dynastie, mit dem Spottnamen Lispler
1. oo Thekla, Tochter seines Waffengefährten Bardanes und Nichte Leons V.
2. oo Euphrosyne, Tochter Konstantins VI.
Sohn von 1.:
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Kaiser Theophilos
Michael I., schon
unter Nikephoros und Michael
I. zusammen mit dem Armenier Bardanes, seinem Vorgänger
Leon V. und dem Usurpator
Thomas (mit denen er in einer Art Clan-Verbindung stand) in
verschiedenen militärischen Ämtern tätig, bekleidete zuletzt
das Amt des Vorstehers der Gardetruppen (Exkubiten) im Range
eines Patrikios. Am 25. Dezember 820 ließ er
Leon
V. ermorden und wurde zum Kaiser ausgerufen. In der Auseinandersetzung
mit dem ehemaligen Gefährten Thomas dem Slaven
erfuhr
das Reich einem seiner blutigsten Bürgerkriege. In seine Regierungszeit
fallen die arabische Eroberung Kretas und der Beginn der Eroberung Siziliens.
In der Frage der Bilderverehrung blieb er zurückhaltend. Durch Krönung
seines Sohnes (12. Mai 821) sorgt er für das Kaisertum in der Familie.
MICHAEL II. "DER STAMMLER"
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829
Michael II. der Stammler stammte aus kleinsten Verhältnissen und war völlig ungebildet, war Kampfgefährte Leons V. und wurde durch diesen Stratege von Armenien. Er stürzte 820 Leon und wurde selbst Kaiser. Er hatte 821-823 Thronkriege gegen den zum Gegen-Kaiser gekrönten Thomas den Slawen (durch den Patriarchen von Antiochia) zu bestehen. Thomas wurde von bilderfreundlichen Kreisen gestützt und belagerte Michael 822/23 in Byzanz. Er setzte sich mit bulgarischer Hilfe durch und ließ Thomas hinrichten. Er verlor Sizilien und Kreta an die Araber. Seine Regierungszeit war eine Zeit ständiger religiöser und sozialer Unruhen.
1. oo THEKLA
N.
823
2. oo EUPHROSYNE
VON BYZANZ, Tochter des Kaisers Konstantin VI. von Byzanz
Norwich John Julius: Band II Seite 43-58
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"Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches."
Mit einem Offizier namens Michael
aus
der phrygischen Stadt Amorion war Leon
schon seit einem frühen Zeitpunkt seiner Karriere befreundet gewesen,
vielleicht sogar vor 803, als beide in die unglückselige Revolte von
Bardanes Turkos verwickelt waren. Was sie verband, ist auf den ersten
Blick nicht leicht zu verstehen. Michael war
ein gutmütiger, ungebildeter Provinzler von niedriger Abstammung
mit einem Sprachfehler. Offenbar standen sich die beiden nahe genug,
dass
Leon Michaels
Sohn Pate stand.
Außerdem gibt es Hinweise darauf, dass Michael
seinem Freund in der Zeit der Schlacht von Wersinkia und des
Marsches auf Konstantinopel von unschätzbarer Hilfe gewesen war. Als
Leon
im Triumphzug in den kaiserlichen
Palast einzog, ritt der Amorier jedenfalls direkt hinter ihm. Beim
Absteigen vor dem Palast trat er auf den Mantel des Kaisers und riß
ihm diesen beinahe von der Schulter. Doch selbst dieser Fehltritt verhinderte
nicht, dass ihn Leon zum
Comes Excubitorum
ernannte,
dem Anführer eines der Eliteregimenter des Palastes.
Nach der Ermordung Kaiser
Leons V. eilten dessen Mörder
in den Raum, in dem Michael noch immer
gefangengehalten wurde. Zu ihrem Ärger merkten sie aber bald, dass
sie nicht in der Lage waren, ihn aus seinen Fesseln zu befreien. So trugen
sie den neuen Kaiser von Byzanz zu seinem Thron und setzten ihn
mit den schweren Eisenketten an den Beinen darauf, während sich ihm
hastig zusammengetrommelte Offiziere des kaiserlichen Hofes zu Füßen
warfen. Erst um die Mittagszeit herum kam ein Schmied mit einem Vorschlaghammer
und einem Stemmeisen, um ihn zu befreien, gerade rechtzeitig, damit er
zur Krönung durch den Patriarchen in die Hagia Sophia humpeln konnte.
Was Theodotos durch den Kopf ging, während er dem Thronräuber
die Krone auf das reichlich verlauste Haupt setzte, ist nicht überliefert.
Zu sagen, Michael II.
habe den byzantinischen Thron mit Blut an den Händen bestiegen, wäre
eine glatte Untertreibung. Gewiß, viele andere Kaiser haben Ähnliches
vor ihm getan. Mit Ausnahme vielleicht von Phokas
im Jahre 602 hatte jedoch keiner den jeweiligen Vorgänger - oder in
einem Fall die Vorgängerin - so kaltblütig vom Thron oder sogar
ins Jenseits befördert und mit weniger gerechtfertigtem Grund. Michael
konnte seinen Mord weder mit Leons
Unfähigkeit noch mit religiösen Gründen rechtfertigen,
da seine Ansichten in bezug auf den Ikonoklasmus vollauf teilte. Kurz,
sein einziges Motiv muß eine Kombination aus Eifersucht und nacktem
Ehrgeiz gewesen sein - gemischt mit einer Spur Aberglauben: Er hatte
die Worte des Eremiten von Philomelion nie vergessen, die dieser 17 Jahre
zuvor ausgesprochen hatte .
Die Bevölkerung von Konstantinopel war sich all
dessen bewußt. Man spottete über Michaels
ungehobeltes
Wesen und seine mangelnde Bildung: es hieß, in der Zeit,
die er brauchte, um die sechs griechischen Buchstaben seines Namens zu
schreiben, hätte jemand anders ein ganzes Buch gelesen. Vom Moment
seiner Thronbesteigung an war er auch eine beliebte Zielscheibe politischer
Pamphlete. Gleichzeitig war er aber auch gefürchtet, hatte er
doch bewiesen, dass er keinerlei Mittel scheute, um seine Ziele zu erreichen.
Und trotz alledem sollte er sich als besserer Herrscher erweisen, als jemand
erwartet hätte. Seine Herrschaft bestimmten, so bewegt sie auch war,
weniger Dummheit und Grausamkeit als vielmehr Mäßigung und gesunder
Menschenverstand.
Es mag ein Beweis für die letztgenannten Tugend
sein, dass Michael am Pfingstsonntag
821 seinen 17-jährigen Sohn Theophilos
zum Mit-Kaiser krönen ließ. Er war sich des Umstands
vollkommen bewußt, dass er innerhalb eines Vierteljahrhunderts der
siebente Kaiser auf dem byzantinischen Thron war und dass zwei von seinen
Vorgängern abgesetzt worden, zwei in der Schlacht gefallen und zwei
weiteren Attentaten zum Opfer gefallen waren. Außerdem waren die
letzten drei nicht mit einander verwandt gewesen, geschweige denn mit ihm.
Mehr als alles andere benötigte das Reich jetzt Stabilität. Theophilos'
Krönung
stellte den ersten Schritt in diese Richtung dar. Aber auch Theophilos
brauchte einen Sohn und Erben, und diesem Ziel diente der zweite Schritt,
den er kurz darauf unternahm, vermutlich noch am selben Tag. Theophilos
wurde
mit Theodora, einer Paphlagonierin
von edler Abstammung und Würde, verheiratet.
Der vom Kalifen
Mamun unterstützte Thomas von
Gaziura oder Thomas der Slawe
setzte im Dezember 821 nach Thrakien über und begann Konstantinopel
zu belagern. Im März 823 stürmten die bulgarischen Scharen des
Khans Omurtag
die Hänge des Hämus-Gebirges in Thrakien hinunter und zerschlugen
die rebellische Armee wenige Wochen später in der Nähe von Hereklea
auf der Keduktos-Ebene. Den Rest der Truppen schlug der Kaiser an der Stelle,
an der die beiden kleinen Flüsse Melas und Athyras vom Hügel
Kushkaya nahe den Mauern des Anastasios herabflossen.
Thomas
und
einer Hand voll Getreuer floh nach Arkadiopolis und wurde von Michael
belagert. Der unterlegene Slawe wurde schließlich in Ketten vor den
Kaiser gebracht. Dieser machte kein Hehl aus seiner Befriedigung. Mit dem
purpurnen Stiefel auf dem Nacken seines Opfers verkündete er dessen
Schicksal: Hände und Füße sollten ihm abgehackt und der
Körper auf einen Pfahl gespießt werden. Das Urteil wurde unmittelbar
darauf vor den Mauern von Arkadiopolis vollstreckt.
Michaels II. Reich
hatte sich kaum etwas vom Chaos erholt, das sein Konkurrenzkampf mit Thomas
dem Slawen über Byzanz gebracht hatte, als es bereits von
zwei weiteren Katastrophen heimgesucht wurde. Diese waren sich in Ursache
und Wirkung eigenartig ähnlich und kosteten ihn letztlich zwei seiner
wichtigsten Stützpunkte im Mittelmeerraum. In der Tat waren Michael
und seine Vorgänger jedoch selbst dafür für verantwortlich.
Frühere Kaiser hatten eine starke Flotte unterhalten, als unabdingbare
Verteidigung gegen die gefährliche Seemacht der
OMAIJADEN-Kalife von Damaskus. Mit dem Übergang des Kalifats
an die ABBASIDEN von Bagdad verlor
diese Macht rasch an Bedeutung, und in der Folge begann man die byzantinische
Flotte zunehmend zu vernachlässigen. Als deshalb eine arabische Flotte
von rund 10.000 Mann und 40 Schiffen im Jahre 825 von Spanien her kommend
in kaiserliche Hoheitsgewässer eindrang, konnte Michael
so gut wie nichts veranlassen, um sie daran zu hindern.
Innerhalb von nur zwei Jahren nach der Eroberung von
Kreta fiel unabhängig davon ein anderes arabisches Heer auf Sizilien
ein, diesmal allerdings auf eine Anforderung hin. Die Truppen sollten Euphemios,
einen ehemaligen byzantinischen Admiral, unterstützen, der einen Aufstand
angezettelt hatte und sich zum Kaiser ausrufen ließ. Er begab sich
deshalb zum Emir von Kairouan und verpflichtete sich, ihm einen jährlichen
Tribut zu entrichten, sobald er sicher an der Macht sei. Der Emir konnte
einer solchen Aufforderung nicht widerstehen. Am 14. Juni 827 segelte eine
Flotte von zwischen 70 und 100 Schiffen Richtung Norden nach Sizilien.
An Bord waren 700 Reiter und 10.000 Fußsoldaten. Damals dauerte es
noch ein halbes Jahrhundert, bis der Fall von Syrakus im Jahre 878 den
Triumph der moslemischen Kräfte auf der Insel endgültig beendete.
Über Michael den Amorier
ist
nichts bekannt, was nahelegt, dass er sich über theologische Fragen
übermäßig den Kopf zerbrochen hätte. Insofern er sich
überhaupt damit befaßte, vertrat er den Ikonoklasmus. Alles
in allem machte sich Michael durch
seine gemäßigte Haltung in Glaubensfragen in kirchlichen Kreisen,
abgesehen von ein paar wenigen Extremisten, durchweg beliebt. Die einzigen
ernsthaften Differenzen, die er mit der Kirche hatte, betrafen nicht die
Ikonenverehrung, sondern seine zweite Ehe, die er vermutlich 824 nach dem
Tod seiner ersten Frau Thekla schloß. Den Moralaposteln der
strengsten orthodoxen Theologie zufolge war eine zweite Heirat, insbesondere
eines Kaisers, nicht tolerierbar. Die Dinge wurden noch komplizierter,
weil die fragliche Dame - es handelte sich um Euphrosyne,
die Tochter Konstantins VI. und Enkelin
von Irene - während vieler
Jahre Nonne auf einer Insel im Marmarameer gewesen war. Wie er es
bewerkstelligte, dass sie von ihrem Gelübde befreit wurde, werden
wir nie erfahren. Es gelang ihm jedenfalls, und soviel wir wissen, war
seine zweite Ehe genauso glücklich wie die erste.
Euphrosyne hielt während seiner letzten Krankheit (einer
Nierenerkrankung) Wache an seinem Bett und schloß ihm,
als er im Oktober 829
starb, schließlich die Augen. Er war
seit einem halben Jahrhundert der erste Kaiser, der als regierender
Monarch in seinem Bett starb, und auch der erste, der einen starken
und gesunden Sohn in der Blüte seiner Jahre zurückließ,
um seine Nachfolge anzutreten.
1. oo Thekla, Nichte des Kaisers Leon V.
823
2. oo Euphrosyne von Byzanz, Tochter des Kaisers
Konstantin VI.
Kinder:
Theophilos
804 20.1.842
Literatur:
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Browning Robert: Byzanz. Roms goldene Töchter.
Die Geschichte des Byzantinischen Weltreiches. Gustav Lübbe Verlag
GmbH Bergisch Gladbach 1982 Seite 59,70,168 - Ferdinandy Michael
de: Der heilige Kaiser. Otto III. und seine Ahnen. Rainer Wunderlich Verlag
Tübingen 1969 Seite 285 - Kashdan A.P.: Byzanz und seine Kultur.
Akademie-Verlag Berlin 1968 Seite 45 - Norwich John Julius: Byzanz.
Der Aufstieg des oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf
und München 1993 Band II Seite 43-58 -
Riche Pierre:
Die Karolinger. Eine Familie formt Europa. Deutscher Taschenbuch Verlag
GmbH & Co. KG, München 1991 Seite 194,387 - Thiele, Andreas:
Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte
Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser
Ergänzungsband, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 195 -