Väterlicherseits Enkelin des Bardas
Skleros; Schwester des Romanos
Skleros
Lexikon des Mittelalters: Band VII Spalte 1988
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Skleroi
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Nach einer kurzen Periode der Zurückdrängung
in den 30-er Jahren des 11.- Jh. florierten die SKLEROI erneut unter
Konstantin
IX. Monomachos, der für seine Geliebte Maria Sklerina
1042
oder 1043 den neuen Hoftitel 'Sebaste' schuf und deren Bruder
Romanos
sehr förderte.
(Tochter), Sebasta 1040
* um 1020
Tochter des Basilios Skleros und der N.N. Argyra, Schwester von Kaiser Romanos III.
oo Konstantin Monomachos, Kaiser
†
Zoe erwies sich als
ebenso tolerant gegenüber ihrem neuen Mann. So brachte sie keine Einwände
gegen seine langfristige Beziehung mit der Nichte seiner zweiten Frau
vor. Diese, eine Dame, von außergewöhnlichem Charme und
Enkelin
väterlicherseits
des alten Bardas Skleros, des einstigen
Rivalen von Basileios II., hatte mit
ihrem Geliebten klaglos die sieben Jahre des Exils geteilt. Als dieser
zurückgerufen wurde, blieb sie zunächst auf Lesbos: offenbar
um ihn nicht zu kompromittieren und seine Chancen auf den Thron beeinträchtigen.
Da sie um die mit dritten Ehen verbundenen Schwierigkeiten nur zu gut wußte,
scheint sie die Möglichkeit seiner Verbindung mit Zoe
gar nicht in Betracht gezogen zu haben. Die Nachricht von der Eheschließung
muß sie daher reichlich schockiert haben. Noch größer
war dagegen wohl die folgende Überraschung, kamen doch Boten mit einem
Brief von Kaiserin
Zoe nach Lesbos, in dem sie sie ihres Wohlwollens versicherte
und sie ermunterte, ebenfalls nach Konstantinopel zurückzukehren.
Dort wandelte sich ihr anfänglich bescheidenes Zuhause unter den Zuwendungen
des treusorgenden Konstantin allmählich
zur herrlichen Villa. Die Beziehung, zuerst mit der notwendigen schicklichen
Diskretion gepflegt, gelangte allmählich an die Öffentlichkeit,
und schließlich gab es ein offizielles Eingeständnis seitens
des Kaisers. Im Verlauf einer sehr eigenartigen Feier, an welcher der gesamte
Senat teilnahm, wurden Monomachos und
die Sklerina - wie man sie allgemein bezeichnete - mittels eines
Vertrags, den die Senatoren kriecherisch "Liebesbecher" nannten, offiziell
miteinander verbunden. Danach schloß sie sich
Monomachos und Zoe in einer
offenbar harmonischen Dreiergemeinschaft an. Psellos beschreibt
sie wie folgt:
Ihre Erscheinung war, ohne im ursprünglichen Sinne
des Wortes schön zu sein, so elegant, graziös und attraktiv,
dass es wirklich schwierig war, etwas an ihr auszusetzen. Was ihren Charakter
und ihr Temperament anging, so konnte sie ein Herz aus Stein betören.
Ihre Art zu sprechen war angenehm und so ganz anders als die aller anderen:
rhythmisch, sanft und harmonisch. Sie besaß eine wunderbare Stimme,
und ihre Diktion war so vollkommen wie ihr Klang süß. Alles,
was sie sagte, war von unbeschreiblichem Charme. Sie verzauberte mich oft,
indem sie mir mit dieser sanften Stimme mit Fragen über die griechischen
Mythen zusetzte, und sie fügte hier und da kleine Anmerkungen an,
die sie bei anderen Fachleuten über dieses Thema aufgeschnappt hatte.
Keine Frau war je eine bessere Zuhörerin als sie.
Sie schmeichelte sich bei beiden Kaiserinnen ein, indem
sie ihnen das gab, was ihnen am meisten Freude machte.
Zoe schenkte sie Gegenstände aus Gold, nicht damit sie
sie behalte, sondern um sie weiterzuschenken, was die alte Dame immer am
liebsten machte. Außerdem verschaffte sie ihr süße Kräuter
und Gewürze aus Indien, duftende Hölzer und Salben, hübsche
kleine Oliven und Zweige weißen Lorbeers, mit einem Wort: alle nötigen
Zutaten für ihre Lieblingsbeschäftigung, das Herstellen von Düften.
Theodora
dagegen gab sie alte Münzen und Medaillen, von denen diese Kaiserin
bereits eine große Sammlung in speziell angefertigten Bronzekästchen
angelegt hatte.
Zu ihrem Pech wurde das herzliche Einvernehmen beider
Kaiserinnen mit ihrer bezaubernden Gönnerin von Konstantinopels Bevölkerung
keineswegs geteilt. Schockiert und empört über die schamlose
Affäre, machten sie ihrem Unmut bald Luft. Psellos verschweigt
es zwar tunlichst, aber Skylitzes berichtet, wie am 9. März
des Jahres 1044 eine kaiserliche Prozession zu Ehren der Heiligen des Martyriums
von Buhrufen der versammelten Menge unterbrochen wurde. "Nieder mit der
Sklerina!" schrien sie. "Es leben unsere geliebten Mütter
Zoe und Theodora,
deren, Leben sie bedroht!" Für einen Augenblick sah es aus, als sei
Konstantins Leben in Gefahr. Das Volk
zerstreute sich jedoch, wenn auch erst nachdem sich Zoe
und Theodora am Palastfenster gezeigt
hatten. Die Prozession wurde abgebrochen. Von da an wagte sich Konstantin
nur noch sehr selten allein in die Öffentlichkeit, sondern
ließ sich praktisch ausnahmslos von Kaiserin
Zoe zu seiner Rechten und seiner Geliebten zur Linken begleiten.
Die Anklage entbehrt gewiß jeglicher Grundlage.
Wie mittlerweile wohl klargeworden ist, gab es zu allen Zeiten viele potentielle
Mordlustige am Hof von Byzanz. Die Sklerina gehörte jedoch
nicht dazu und soweit sich das heute beurteilen läßt, auch Konstantin
Monomachos nicht. Er mag schwach, verantwortungslos und vergnügungssüchtig
gewesen sein, aber es wa kein wirklich böser Zug an ihm. Falls er
tatsächlich die Möglichkeit in Betracht zog, seine Geliebte auf
den Thron zu erheben, wie gemunkelt wurde, hätte er sie adoptieren
und dann zur Mit-Kaiserin erklären können. Zoes
Tod,
geschweige denn derjenige von Theodora,
wäre dazu nicht nötig gewesen. Die Frage ist aber ohnehin akademisch,
denn nicht die Kaiserinnen starben, sondern die Sklerina. Das genaue
Todesdatum ist nicht überliefert. Es heißt, sie sei von einer
Lungenerkrankung
befallen worden, habe keine Luft mehr bekommen und alle ärztliche
Kunst habe sich als umsonst erwiesen; Konstantin
soll wie ein Kind geweint haben und ließ sie im prachtvollen Georgskloster
im Manganenviertel neben dem Grab bestatten, welches für ihn vorgesehen
war. (Dieses Kloster stand neben ihrem Wohnhaus, und es heißt, er
habe es errichten lassen, um einen haben, sie zu besuchen.) Es ist unmöglich,
keine Sympathie für die Sklerina zu empfinden. Nach dem, was
uns berichtet wird, besaß sie Qualitäten, und ihre Liebe zu
Konstantin
Monomachos muß tief und echt gewesen sein. Dennoch wirkte
sich ihre Verbindung dem Kaiser in einer Beziehung verheerend aus, nämlich
was die Folgen für die Zukunft des byzantinischen Teils Unteritaliens
betrifft - doch dafür darf man sie gewiß nicht persönlich
verantwortlich machen.
Literatur:
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Collenberg, Weyprecht Hugo Graf Rüdt von:
Wer war Theophano? Seite 53 - Norwich John Julius: Byzanz. Der Aufstieg
des oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf und München
1993 Band II Seite 386 -