Sohn des N.N.
Thiele, Andreas: Tafel 193
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen
Geschichte Band III Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser
Ergänzungsband"
LEONTIOS
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705 hingerichtet
695 Kaiser als Haupt der "Blauen"; war Stratege
von Hellas, verlor Karthago und wurde 698 verjagt. Er verjagte
Kaiser Justinian
und wurde von ihm ermordet.
Norwich John Julius: Band I Seite 399
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"Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches."
Dann erhob sich die reiche Aristokratie, die unter der
Herrschaft Justinians II. am meisten
litt. Anführer wurde einer der Ihren, ein Berufssoldat namens
Leontios. Er hatte sich im Armenien-
und Kaukasus-Feldzug ausgezeichnet und war 692 in Ungnade gefallen. Möglicherweise
hatte er die in Sebastopolis geschlagene Streitmacht befehligt. Darauf
war er ins Gefängnis geworfen worden. Es heißt, dort hätten
ihn zwei Mönche aufgesucht. Der eine habe ihm vorausgesagt, er werde
eines Tages das kaiserliche Diadem tragen. Diese Prophezeiung ließ
ihm keine Ruhe mehr, so dass er, als er im Jahre 695 unvermutet freigelassen
wurde und zum Strategos des neuen Themas Hellas ernannt
wurde, auf das kaiserliche Gefängnis marschierte, den Präfekten
überwältigte und alle dortigen Gefangenen freiließ. Viele
davon waren alte Waffenkameraden, die sich sofort für ihn entschieden.
Gemeinsam zogen sie darauf zur Hagia Sophia. Unterwegs riefen sie allen
zu, sich ebenfalls dorthin zu begeben. Bei ihrem Eintreffen sprach sich
der Patriarch, der den Kaiser vor kurzem gekränkt hatte und nun das
Schlimmste befürchten mußte, ohne zu zögern, für sie
aus und pries den Tag als von Gott bestimmt. Dank der begeisterten Unterstützung
der Blauen war Leontios am nächsten
Morgen zum Basileus ausgerufen. Der Aufstand war vorüber. Justinian
wurde gefangengenommen und unter Beleidigungen und Schmähungen seitens
seiner Untertanen in Ketten rund um die Rennbahn geschleppt. Dank der langen
Freundschaft, die den neuen Kaiser
Leontios mit Justinians
Vater Konstantin IV. verbunden hatte,
wurde sein Leben verschont. Man fügte ihm lediglich die inzwischen
üblichen Verstümmelungen von Nase und Zunge zu, bevor er auf
die Krim nach Cherson für immer ins Exil geschickt wurde. Seine habgierigen
Magistraten hatten weniger Glück. An den Füßen hinter schweren
Wagen gekettet, wurden sie vom Forum Augusteum zum Bovisforum - im heutigen
Stadtteil Aksaray - die Mese hinunter zu Tode geschleift und dort verbrannt.
Zehn Jahre und zwei Kaiser später hatte die Bevölkerung
von Byzanz allen Grund, bitter zu bereuen, dass sie Justinian
II. nicht ein ähnliches Schicksal bereitet hatte.
Nur etwas während der sonst vollkommen unspektakulären
Herrschaft Leontios' ist erwähnenswert:
die Eroberung von Karthago durch die Sarazenen und der daraus resultierende
Untergang des Exarchats von Afrika im Jahre 698. Der emporgeschossene Kaiser
hatte sein Bestes getan, um die Lage zu retten, und eine große Flotte
zur Entlastung der belagerten Stadt entsandt, wie er nur aufbieten konnte.
Ironischerweise war es die Flotte, die ihn stürzte. Der Unglückliche
verlor - wie nur allzuleicht vorherzusehen war - die Nase und soviel Haar,
wie nötig war, um ihm eine Tonsur zu schneiden, und wurde in das Kloster
Dalmatus gebracht.
Tiberios wurde bald
ergriffen und sein Vorgänger Leontios
unter Protest aus dem Kloster geholt. Am 15. Februar 706 wurden
die beiden dann wie Justinian zehn
Jahre zuvor in Ketten durch die Stadt geführt, während ihre ehemaligen
Untertanen nun sie mit Schmähungen bedachten und mit Schmutz bewarfen.
Nach der vorgeschriebenen Runde stieß man sie vor den Kaiser, und
dieser setzte beiden symbolisch einen Purpurstiefel auf den Nacken. Dann
wurden sie zum Richtplatz geführt und der Henker hieb ihnen den
Kopf ab.
Thiess Frank: Seite 677,679,690,702
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"Die griechischen Kaiser. Die Geburt Europas."
Die Siiten hatten Theodosiupolis und Kirkesion erobert,
waren aber von dem griechischen Feldherrn Leontios,
der hier zum erstern Mal in Erscheinung tritt, verjagt worden. Konstantin
IV. besaß in ihm einen sehr fähigen Heerführer,
und es ist für sicher zu halten, daß der Krieg, den Leontios
gegen den Gegner Abdalmalik führte,
noch auf Befehl Konstantins erfolgt
war. Er widersprach also nicht dem zwischen Damaskus und Konstantinopel
im Juli 685 geschlossenen Frieden. Leontios
eroberte Armenien, Iberien, sogar das Gebiet der Alanen und Teile Mediens
zurück, und war, als Justinian II.
den Thron bestieg, Stratege des anatolischen Themas, eine überragende
Figur, deren Rat der junge Kaiser nicht in den Wind schlagen konnte.
Der überflüssige Krieg mit den Arabern war
wohl das letzte, was sich die Bevölkerung wünschen konnte, zumal
ihn nicht Leontios, sondern der dreiundzwanzigjährige
Kaiser selbst führen wollte. Er hatte seinen Feldhern ins Gefängnis
gesperrt.
Nachdem Leontios,
der tüchtigste Feldherr, den das Reich besaß, drei Jahre
im Gefängnis gesessen und während dieser Zeit Abdalmalik
den ihm erklärten Krieg erfolgreich weitergeführt hatte, wurde
er plötzlich freigelassen. Er wußte selbst nicht warum und erfuhr
äußerst überraschend seine Ernennung zum Strategen
von Hellas. Leontios war nicht
wohl bei dieser Ehrung. Er kannte den Charakter des Kaisers und die schauderhaften
Zustände am Hofe zu gut, um nicht zu fürchten, daß bei
nächster Gelegenheit irgendeine Laune ihn wieder zum hilflosen Objekt
kaiserlichen Wutausbruchs machen konnten. Zudem mochte er nach seiner Enthaftung
genug über die Unbeliebtheit des Kaisers im Volke und in der Aree
gehört haben.
Leontios, der wohl
nie daran gedacht hatte, Kaiser zu werden, aber innigst gewünscht
haben mochte, das Reich von diesem Kaiser zu befreien, entschloß
sich, noch an demselben Abend zu handeln. Von einigen Offizieren begleitet,
begab er sich zum Palast der Präfektur, brach das Tor auf und sagte,
der Kaiser persönlich werde gleich erscheinen, umd das Schicksal einiger
Gefangener zu kontrollieren. Den Präfekten überrieselte kalter
Schweiß. Er wußte wohl, daß viele in den Kerkern saßen,
die er auf eigene Verantwortung eingesperrt hatte. Da warfen die
Leute des Leontios ihn zu Boden, fesselten
ihm Hände und Füße, befreiten die Gefangenen, bewaffneten
sie und zogen zum Augustusforum vor die Hagia Sophia. Ehe noch die Sonne
aufging, hatten sich Tausende im Hippodrom versammelt, um die Nachricht
vom Sturz des Kaisers zu hören. Leontios
war
mit seinen Leuten in den Heiligen Palast eingedrungen, hatte die Wachen
niedergeschlagen und ihn überfallen. Der übermächtige Zorn
des Kaisers erwies sich in dieser Lage als eindruckslose Verteidigung.
Man schleppte den Tobenden hinaus; unter dem Hohngeschrei der Zuschauer
wurde er um die Rennbahn gejagt, dann schnitt man ihm die Nase ab und schaffte
ihn auf ein Schiff, das ihn nach Cherson brachte. Ganz Konstantinopel feierte
Leontios
als
Erlöser vom Tyrannen, die Blauen sollen ihn zum Kaiser ausgerufen
haben, und der Patriarch Kallinikos krönte ihn.
Leontios schickte
einen Admiral und Patrikios Johannes mit einer Flotte
nach Afrika. Es gelang ihm, die Sperrketten zu durchbrechen, Karthago und
andere Städte zurückzuerobern und dort zu überwintern. Doch
bereits im nächsten Jahr setzte der Rückschlag ein. Johannes
war außerstande, der arabischen Übermacht erfolgreich zu begegnen,
und schaffte seine Truppen nach Kreta, wo diese einen Drungarios
(Major) des Kibyaiotischen Themas mit Namen Apsimar
zum Kaiser ausriefen. Die Rebellion, mit der Leontios
das Reich von Justinian II. befreit
hatte, blieb in den Augen der Armee und Marine ein Soldatenputsch, den
man ohne weiteres durch einen neuen ersetzen konnte.
Leontios
wäre
der letzte gewesen, sich mit einer Empörung abzufinden, die ihren
Ursprung in einer aus Furcht und Schande entstandenen Soldatenabstimmung
hatte. Doch ihm waren die Hände gebunden, weil um diese Zeit in Konstantinopel
eine Pest wütete, die ihm verbot, die Stadt zu verlassen. Apsimar
nutzte die erzwungene Untätikeit des Kaisers und drang, als die Seuche
zu Ende ging, mit Hilfe von Verrat in Konstantinopel ein. Leontius
wurde überwältigt, Apsimar ließ auch ihm die
Nase abscheniden und verbannte ihn in ein Kloster an der
illyrschen Adria. Unter dem Namen Tiberios
III. bestieg er Ende des Jahres 698 den Thron.
Justinians Polizei
erwischte Apsimar, noch ehe es ihm gelang, zu den Arbern zu entweichen,
holte auch Leontios aus dem Kloster.
Beide wurden auf einem Karren durch Konstantinopel gefahren, damit der
Pöbel auf sie speie, danach in die kaiserliche Loge gebracht, wo er
höhnend seinen Purpurschuh auf ihren Nacken setzte, dann um das Hippodrom
gejagt, wie man es einst mit ihm getan hatte, und endlich dem Henker überliefert.
Justinian
ließ zur Freude des Kalifen den besten Feldherrn des Reichs mitsamt
seinen Offizieren an den Mauerzinnen Konstantinopels aufhängen.
Literatur:
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Norwich John Julius: Byzanz. Der Aufstieg des
oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf und München
1993 Band I Seite 399 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische
Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band III Europäische
Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser Ergänzungsband,
R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 193 - Thiess Frank: Die griechischen
Kaiser. Die Geburt Europas. Paul ZsolnayVerlag Gesellschaft mbH Hamburg/Wien
1959 Seite 677,679,690,697,702 -