Sohn des N.N.
Veh Otto: Seite 78
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"Lexikon der römischen Kaiser. Von Augustus bis
Iustinianus I. 27 v. Chr. bis 565 n. Chr."
Leontios.
Oströmischer Usurpator 483-484
Einfacher Herkunft, erreichte als Militär das Patriziat
und
wurde durch Kaiserin Verina gegen Zeno
483
zum Kaiser erhoben, doch vermochte er sich in Antiochia nur kurz zu
behaupten und wurde nach vierjähriger Belagerung in einer isaurischen
Bergfestung mit seinem Helfer Illus enthauptet.
RE Suppl. VIII 939.
Was dann geschah, ist unklar, denn die ganze Geschichte
über den Illos-Aufstand beruht auf so bruchstückhafter
und gelegentlich widersprüchlicher Überlieferung, dass man immer
wieder auf Spekulationen und Raten angewiesen ist. Der oberste Magistrat
scheint sich klugerweise erneut nach Anatolien zurückgezogen zu haben.
Jedoch brach fast unmittelbar nach seiner Abreise in Syrien ein Aufstand
los, wo ein gewisser Leontios einen
Versuch in letzter Minute unternahm, die althergebrachte Religion wiedereinzusetzen;
Illos
wurden Boten nachgejagt mit dem Befehl, er habe den Oberbefehl über
die östlichen Heere zu übernehmen und die Herrschaft des Kaisers
wiederherzustellen. Da er vermutlich für die Gelegenheit, die sich
in den Augen seines Herrn erneut zu beweisen, dankbar war, begab er sich
unverzüglich nach Syrien. Erst bei seiner Ankunft wurde er gewahr,
dass der dortige Oberbefehlshaber ausgerechnet des Kaisers inkompetenter
und liederlicher Bruder Longinos war, der diese Maßnahem,
die er für eine Usurpation seiner Autörität hielt, schärfstens
mißbilligte. Es kam zu einem heftigen Streit, der dazu führte,
dass Illos Longinos verhaftete und gefangensetzte.
Eine derartige Aktion gegen einen so einflußreichen
und mächtigen Rivalen war natürlich hoch riskant. Als die Neuigkeit
in Konstantinopel eintraf, nahm der Kaiser die Nachricht jedoch noch schlechter
beraten auf. Er befahl die unverzügliche Freilassung seines Bruders,
erklärte Illos zum Staatsfeind und ließ sein gesamtes
Eigentum konfiszieren und verkaufen. Dadurch trieb er ihn praktisch ins
Lager seiner Gegner. Illos verbündete sich nun mit dem Aufrührer;
gemeinsam befreiten sie die alte Kaiserin Verina.
Bereitwillig krönte sie
Leontios
in Tarsos und folgte ihm nach Antiochia, wo er am 27. Juni 484 als Gegen-Kaiser
einen Hof einsetzte.
Die beiden scheinen vorerst zufriedengestellt gewesen
zu sein; zumindest trafen sie keinerlei Vorbereitungen für einen Marsch
auf Konstantinopel. Dadurch erhielt Zenon
Zeit, neue Verbündete zu gewinnen. Zu diesen zählte auch ein
junger Ostgoten-Fürst namens Theoderich,
der seit zehn Jahren eine ständige Bedrohung für Byzanz darstellte,
sich aber jetzt bereit erklärte, an der Spitze seiner Leute im Namen
des Kaisers gegen die Rebellen zu ziehen. In der Folge wurden diese rasch
aus Antiochia und ihr Stammland Isaurien getrieben; die Führer suchten
schließlich im Schloß Papyrios Unterschlupf. Dort starb Verina,
von niemandem betrauert, und dort endete der Aufstand nach einer vierjährigen
Belagerung, die Illos, von jeher Gelehrter und Intellektueller,
mit philosophischen Studien verbracht haben soll. Er und Leontios
wurden von seiner Schwägerin verraten, die 488 durch eine List
- vermutlich das leere Versprechen, sie zu schonen - in das Schloß
gelangt war und den Belagerern die Tore öffnete. Da sie so lange Widerstand
geleistet hatten, wurden die Verteidiger natürlich nicht geschont,
sondern enthauptet und ihre Köpfe nach Konstantinopel gesandt.
Literatur:
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Norwich John Julius: Byzanz. Der Aufstieg des
oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf und München
1993 Band I Seite 203,204 - Veh Otto: Lexikon der römischen
Kaiser. Von Augustus bis Iustinianus I. 27 v. Chr. bis 565 n. Chr. Artemis
& Winkler Verlag Düsseldorf/Zürich 1998 Seite 78 -