Illos                                                Oströmischer Feldherr
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    488 ermordet
     Schloß Papyrios
 

Sohn des N.N.
 

Norwich John Julius: Band I Seite 194,204
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"Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches."

Im Verlauf der Zeit muß Zenon selbst oft den Wunsch verspürt haben, der Verantwortung entfliehen zu können. 479, nur zwei Jahre nachdem er die Macht wieder übernommen hatte, sah er sich erneut einen Aufstand gegenüber. Diesmal ging er von Markian aus, einem Enkel seines kaiserlichen Namenvetters und Sohn des weströmischen Kaisers Anthemius, der mit Leontia, der jüngeren Tochter Leons des Großen verheiratet war. Bis zu einem gewissen Grad brach diese Revolte als Folge der Behandlung seiner Schwiegermutter Verina aus, die vor nicht allzu langer Zeit für ihre Teilnahme am Komplott zur Ermordung von Illos gefangengesetzt worden war. Markian hingegen rechtfertigte sich damit, dass Leontia, da sie in Purpur geboren sei, einen höheren Rang einnehme als ihre ältere Schwester Ariadne, Zenons Frau, die unter der vorherigen Regierung geboren war. Markian und seine Gefolgschaft stürmten den Palast und hätten vermutlich den Kaiser zum zweiten Mal zur Flucht gezwungen, hätte nicht Illos blitzschnell eingegriffen, indem er in stockfinsterer Nacht eine Abteilung Isaurier über den Bosporus führte und die Rebellen überraschte. Deren Anführer wurden ins Kloster verbannt, und zwar nach Cäsarea in Kappadokien. Er konnte entkommen, und versuchte es ein zweites Mal, hatte aber wieder keinen Erfolg. Auch jetzt ließ Zenon, vielleicht wegen seiner kaiserlichen Abstammung, einmal mehr Gnade walten: Markian wurde zum Presbyter geweiht, Leontia trat ins Kloster der Akoimetai ein, und dies ist das letzte, was man von den beiden hörte.
Die beiden Aufstände Markians, zweifellos gefährlich und Ausdruck der allgemeinen Unzufriedenheit, wurden schnell niedergeschlagen. Bedrohlicher und nicht so leicht zu erledigen war dagegen jener der 483 ausbrach und in dessen Mittelpunkt nun Illos stand. Dieser war allerdings regelrecht dazu provoziert worden. Schon sechs Jahre zuvor, kurz nachdem Zenon die Amtsgeschäfte wiederaufgenommen hatte, war ein kaiserlicher Sklave dabei entdeckt worden, wie er ihm mit gezogenem Schwert auflauerte. Keiner machte den Kaiser direkt dafür verantwortlich, und dieser übergab den Sklaven sofort seinem mutmaßlichen Opfer zur Bestrafung. Doch der Vorfall erregte unweigerlich Verdacht. Dann entdeckte die Palastwache erneut einen Mordgesellen, diesmal einen Alanen, der später gestand, er sei vom Präfekten Epinikos und Kaiserin Verina gedungen worden. Da Illos sein Leben in Konstantinopel bedroht sah, gab er vor, sein Bruder sei kürzlich gestorben, und zog sich für eine Weile in seine isaurische Heimat zurück. Als im September jedoch ein Erdbeben die Stadtmauern schwer beschädigte, beorderte ihn Zenon, der befürchtete, die Goten würden diese Gelegenheit zum Angriff nutzen, in die Hauptstadt zurück, ja er ritt ihm sogar bis Chalkedon entgegen. Allein der Feldherr weigerte sich rundweg, die Stadt zu betreten, bevor nicht Verina in seine Gewalt gegeben ward. Da Zenon an seiner Schwiegermutter nichts lag, stimmte er nur zu gerne zu. So wurde diese zunächst nach Tarsos geschickt, wo sie den Schleier nehmen mußte, und dann kurzerhand in einer isaurischen Festung gefangengesetzt.
Danach hellte sich die Atmosphäre für eine Zeitlang auf; Illos wurde zum obersten Magistrat ernannt, und das galt normalerweise als Zeichen hoher Gunst. Doch eines Tages im Jahre 482 stürzte sich auf den Stufen zu seiner Loge im Hippodrom ohne Vorwarnung ein Mitglied der kaiserlichen Leibwache auf ihn. Illos' Waffenträger vermochte den Hieb abzulenken, so dass die Schneide seinen Kopf zwar verfehlte, aber sie trennte sein rechtes Ohr ab, und er mußte für den Rest seiner Tage eine Kopfbedeckung tragen. Diesmal war es nicht so leicht, mit dem Ursprung des Verbrechens fertig zu werden, stellte sich doch heraus, dass niemand anders als Kaiserin Ariadne dahintersteckte, die sich an Illos für das, was er ihrer Mutter - und möglicherweise auch ihrer Schwester - angetan hatte, rächen wollte.
Was dann geschah, ist unklar, denn die ganze Geschichte über den Illos-Aufstand beruht auf so bruchstückhafter und gelegentlich widersprüchlicher Überlieferung, dass man immer wieder auf Spekulationen und Raten angewiesen ist. Der oberste Magistrat scheint sich klugerweise erneut nach Anatolien zurückgezogen zu haben. Jedoch brach fast unmittelbar nach seiner Abreise in Syrien ein Aufstand los, wo ein gewisser Leontios einen Versuch in letzter Minute unternahm, die althergebrachte Religion wiedereinzusetzen; Illos wurden Boten nachgejagt mit dem Befehl, er habe den Oberbefehl über die östlichen Heere zu übernehmen und die Herrschaft des Kaisers wiederherzustellen. Da er vermutlich für die Gelegenheit, die sich in den Augen seines Herrn erneut zu beweisen, dankbar war, begab er sich unverzüglich nach Syrien. Erst bei seiner Ankunft wurde er gewahr, dass der dortige Oberbefehlshaber ausgerechnet des Kaisers inkompetenter und liederlicher Bruder Longinos war, der diese Maßnahme, die er für eine Usurpation seiner Autörität hielt, schärfstens mißbilligte. Es kam zu einem heftigen Streit, der dazu führte, dass Illos Longinos verhaftete und gefangensetzte.
Eine derartige Aktion gegen einen so einflußreichen und mächtigen Rivalen war natürlich hoch riskant. Als die Neuigkeit in Konstantinopel eintraf, nahm der Kaiser die Nachricht jedoch noch schlechter beraten auf. Er befahl die unverzügliche Freilassung seines Bruders, erklärte Illos zum Staatsfeind und ließ sein gesamtes Eigentum konfiszieren und verkaufen. Dadurch trieb er ihn praktisch ins Lager seiner Gegner. Illos verbündete sich nun mit dem Aufrührer; gemeinsam befreiten sie die alte Kaiserin Verina. Bereitwillig krönte sie Leontios in Tarsos und folgte ihm nach Antiochia, wo er am 27. Juni 484 als Gegen-Kaiser einen Hof einsetzte.
Die beiden scheinen vorerst zufriedengestellt gewesen zu sein; zumindest trafen sie keinerlei Vorbereitungen für einen Marsch auf Konstantinopel. Dadurch erhielt Zenon Zeit, neue Verbündete zu gewinnen. Zu diesen zählte auch ein junger Ostgoten-Fürst namens Theoderich, der seit zehn Jahren eine ständige Bedrohung für Byzanz darstellte, sich aber jetzt bereit erklärte, an der Spitze seiner Leute im Namen des Kaisers gegen die Rebellen zu ziehen. In der Folge wurden diese rasch aus Antiochia und ihr Stammland Isaurien getrieben; die Führer suchten schließlich im Schloß Papyrios Unterschlupf. Dort starb Verina, von niemandem betrauert, und dort endete der Aufstand nach einer vierjährigen Belagerung, die Illos, von jeher Gelehrter und Intellektueller, mit philosophischen Studien verbracht haben soll. Er und Leontios wurden von seiner Schwägerin verraten, die 488 durch eine List - vermutlich das leere Versprechen, sie zu schonen - in das Schloß gelangt war und den Belagerern die Tore öffnete. Da sie so lange Widerstand geleistet hatten, wurden die Verteidiger natürlich nicht geschont, sondern enthauptet und ihre Köpfe nach Konstantinopel gesandt.
 
 
 
 

Literatur:
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Norwich John Julius: Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf und München 1993 Band I Seite 194,204 -