Sohn des N.N.
Norwich John Julius: Band I Seite 335
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"Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches."
Und ausgerechnet aus Afrika kam schließlich die Erlösung. Als Exarch in Karthago regierte damals ein gewisser Herakleios, der zwanzig Jahre zuvor im Krieg gegen Persien einer von Maurikios' wichtigsten Befehlshabern gewesen war. Als sein Stellvertreter amtierte sein Bruder Gregor. Die beiden Männer waren mitterweile nicht mehr die Jüngsten und zu alt, um selbst noch aktiv etwas zu unternehmen, was über den Abbruch der Beziehungen mit Konstantinopel und die Einstellung der Kornversorgung hinausging, von der die Hauptstadt abhing, aber sie brachten im Verlauf des Jahres 608 ein beachtliches Heer zusammen, rüsteten eine Kriegsflotte und unterstellten sie dem Befehl ihrer Söhne: die Landtruppen Niketas, einem Sohn Gregors, und die Flotte einem Sohn von Herakleios, der denselben Namen trug wie sein Vater.
Thiess Frank: Seite 102,240,261,316,323,329
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"Die griechischen Kaiser. Die Geburt Europas."
Romanos und der zweite Narses waren waren strategisch
wie taktisch hervorragende Truppenführer, Herakleios,
der Vater des gleichnamigen Kaisers, war ein Mann mit eisernenen
Nerven und ein Löwe an Tapferkeit.
Das nächste Jahr zeigt den Krieg von seiten der
Byzantiner ohne jeden strategischen Plan. Er ist nun endgültig zum
Kleinkrieg geworden, in dem Herakleios einige persische Kastelle
erobert, das mesopotamische Land verwüstet und den Versuch macht,
die locker gewordene Disziplin wiederherzustellen. Philippikos wird
nach Konstantinopel abberufen und durch den Magister militum und
Patricius Priskos abgelöst. Aber des Kaisers Schwager,
beleidigt über die Entehrung, will seinem Nachfolger noch rasch einen
Tiefschlag versetzen und zieht den Kern des Heeres unter Herakleios
nach Arnmenien zurück.
Der erste Exarch Gennadius mußte noch während
des Perserkrieges gegen die schwer überwindlichen Bergstämme,
deren Nachfahren sich heute Algerier und Tunesier nennen, kämpfen.
Zuletzt fielen sie 595 in das Exarchat ein und wurden von Herakleios,
der nach dem Frieden mit Persien Exarch von Afrika geworden war,
zerschlagen.
In Ravenna erstickte Smaragdus jeden Versuch einer
Verschwörung, während in Karthago Herakleios mit eiserner
Faust Ruhe hielt und auf die Stunde wartete, in der er es wagen konnte,
den Tyrannen zu stürzen. Offenbar verstand er es, den Mann zu spielen,
der nach außenhin den Eindruck kaiserlicher Gesinnung erweckte, während
er mit der Vorsicht des erfahrenen Taktikers jeden Meter sicherte ehe er
aus diesem fernen Winkel des Reichs den vernichtenden Stoß gegen
den Usurpator führte. Mit der schon erwähnten Aufstellung einer
Phokas-Säule in Karthago mußte
der Eindruck gehorsamer Erbötigkeit erweckt werden, um dem Mißtrauen
des Tyrannen keinen Anlaß zur Abberufung der noch von Maurikios
eingesetzten Exarchatsbeamten zu geben.
Jedenfalls stand im Jahre 609 auch Sergios schon
in geheimer Verbindung mit dem Exarchen Herakleios.
Trotz seines berechtigten Mißtrauens ahnte er nicht,
daß seit dem Jahre 608 Priskos dem Exarchen von Afrika
genaue Situationsberichte gab. Diesen verdankte Herakleios eine
sichere Kenntnis der Zustände in Konstantinopel, das nicht zu erobern
war, wenn Garnision und Parteien auf des Kaisers Seite standen. Zufolge
seiner hohen Stellung war Priskos wahrscheinlich imstande, unter
kaiserlichem Siegel diese Briefe an den Exarchen zu befördern. Herakleios
wird zu vorsichtig gewesen sein, um ihm zu antworten. Ähnlich dürfte
die briefliche Verbindung des Patriarchen mit Herakleios vor sich
gegangen sein.
Doch um dieselbe Zeit befand sich der Neffe des Herakleios,
Niketas,
schon in der Pentapolis und marschierte auf Alexandreia. Die improvisierte
Abwehr des Kaisers stieß auf einen organisierten Angriff, hinter
dem die noch in Angst verklemmte Begeisterung des Volks stand. Die Revolution
des Herakleios, obwohl sie ausgezeichnet vorbereitet war und auf
jahrelangen, mit größter Umsicht abgeschirmten Planung beruhte,
hing gleichwohl in einem Netz von unberechenbaren Zufällen.
Herakleios,
der seinen Ruhm im Perserkrieg einer glücklichen Verbindung von kaltblütiger
Vorsicht und entschlossener Kühnheit verdankte, hatte mit seinem Plan
eines kombinierten Angriffs von Landtruppen und Flotte auch die Möglichkeit
einer Niederlage in Ägypten ins Auge gefaßt. Für diesen
Fall wäre die Flotte, welche sein gleichnamiger Sohn führen
sollte, in eine prekäre Lage geraten und Karthago fast wehrlos der
Gefahr eines Angriffs von Italien her ausgesetzt gewesen. Daß der
Exarch sich keinen Illusionen über einen raschen Sieg bei so gewaltigen
Entfernungen hingab, zeigt, daß er gegen die Bitten des Senats die
Flotte so lange zurückhielt, bis er wußte, daß Ägypten
fest in seiner Hand war. Erst im Mai des Jahres 610 verließ der sechsunddreißigjährige
Admiral
Herakleios der Jüngere mit den Bildern
der Mutter Gottes an Bord, Karthago.
oo Epiphanea
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Kinder:
Herakleios I.
575 † 11.2.641
Maria
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Gregoria
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Theodoros
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Literatur:
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Norwich John Julius: Byzanz. Der Aufstieg des
oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf und München
1993 Band I Seite 335 - Thiess Frank: Die griechischen Kaiser. Die
Geburt Europas. Paul ZsolnayVerlag Gesellschaft mbH Hamburg/Wien 1959 Seite
102,194,238,240,244,261,270,316, 323,329,360,378,429 -