Maniakes Georgios                         byzantinischer Fedherr und Gegen-Kaiser
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    1043
 

Sohn des Goudelios Maniakes
 

Lexikon des Mittelalters: Band VI Spalte 194
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Maniakes Georgios, byzantinischer Feldherr und Gegenkaiser
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     1043

Sohn des Goudelios Maniakes, aus vornehmer kleinasiatischer Familie, nach anderen ein homo novus türkischer Herkunft; unter Romanos III. Argyros 1029 Protospathar und Stratege des taurischen Thema Teluch, dann Stratege der Euphrat-Städte mit Sitz in Samosata; 1032 nahm er Edessa ein (Beute unter anderem der "Abgar-Brief"). 1034 Kapetan in Vaspurkan, wurde er von Michael IV. mit dem Oberkommando der 1038 zur Unterstützung des Emirs gegen innere Feinde nach Sizilien entsandten Truppen betraut. Nach großen Erfolgen (Eroberung 13 ostsizilianischer Städte, Sieg bei Troina 1040) wurde Georgios Maniakes wohl wegen Kompetenzenkonflikt mit Stephanos, dem Schwager des Kaisers, des Hochverrats bezichtigt und 1040 nach Konstantinople gebracht. Da Maniakes' Fähigkeiten nach dem Verlust von Sizilien wieder benötigt wurden, ließ Michael V. Kalaphtes (oder Kaiserin Zoe) Georgios Maniakes frei und erhob ihn zum Kapetan von Italia gegen den aufständischen Argyros. Als der neue Kaiser Konstantin IX. Monomachos, der Argyros auf diplomatischem Weg auf seine Seite gezogen hatte, aufgrund der verleumderischen Anklagen des Romanos Skleros Georgios Maniakes nach Konstantinopel zurückbeorderte, ließ sich dieser zum Kaiser ausrufen (zwischen 12. Juni und September 1042). Während sich das kaiserliche Heer unter dem Kommando des Argyros und des neuen Kapetans Basileios Theodorokanos reorganiserte, setzte Georgios Maniakes im Februar 1043 mit seinen Truppen, darunter normannische Söldner (Maniakatoi), auf einem Teil der kaiserlichen Flotte nach Dyrrhachion über. Möglicherweise wollte Georgios Maniakes seinen Angriff mit den im Sommer 1043 gegen Konstantinopel vorrückenden Russen koordinieren. Nach einem Sieg über Konstantinos Kabasilas, Dux des Westens, fiel Georgios Maniakes in der Schlacht.



Norwich John Julius: Band II Seite 341,354,378,383,388-390
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"Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches."

1030
Etwas nördlich von Antiochia lag ein kleines, vergleichsweise unbedeutendes Thema, nach seiner Hauptstadt Teluch benannt und von einem jungen Strategos von offenbar kolossaler Statur und außergewöhnlicher Fähigkeit regiert: Georgios Maniakes.
Maniakes tat so, als fürchte er sich sehr, stimme sogleich zu, ließ reichlich Speisen und Wein als Zeichen seiner guten Absichten in das Lager der Ungläubigen schaffen und versprach, mit seinen Männern im Morgengrauen aufzugeben und alles Gold und alle Schätze der Stadt zu übergeben. Nichtsahnend erfreuten sich die Sarazenen des Weines und sprachen ihm kräftig zu, da sie sich mit dessen Wirkung nicht auskannten. Maniakes wartete, bis sie wie Steine schliefen, überfiel sie dann mit einem Trupp und befahl, als alle achthundert umgebracht waren, den Leichen Nase und Ohren abzuschneiden. Am nächsten Morgen machte er sich auf die Suche nach seinem geschlagenen Herrscher. Als er schließlich inm Kappadokien auf ihn stieß, zog er einen blutbefleckten Sack hervor und schüttete ihm stolz die grausigen Trophäen vor die Füße. Entzückt ernannte ihn daraufhin Romanos auf der Stelle zum Katapan von Untermedien, also praktisch zum Gouverneur aller Städte am Oberlauf des Euphrat mit der Residenz Samosta. Von dort aus unternahm er eine ganze Reihe siegreicher Feldzüge, die zwei Jahre später in der Eroberung von Edessa gipfelten.
Die Flotte stach im Frühsommer 1038 unter dem Oberkommando von Georgios Maniakes in See, der immer noch vom Ruhm seines Triumphs in Syrien zehrte und nun erster Feldherr des Reichs war. Als man im Spätsommer landete, schien alles auf einen Erfolg hinauszulaufen. So tollkühn die untereinander zerstrittenen Sarazenen auch kämpften, konnte sie doch gegen die anbrandende Flut kaum etwas ausrichten. Das Heer scheint sich langsam, aber stetig auf Syrakus zubewegt zu haben, das 1040 in Maniakes' Hand geriet.
Die Demoralisierung der byzantinischen Streitkräfte und ihr Zusammebnruch nach der Einnahme von Syrakus erfolgten jäh und umfassend. Von Anfang an scheint alles schiefgegangen zu sein. Soweit sich das beurteilen läßt, ist die Schuld zum Teil Maniakes und zum Teil Stephanos, dem Schwager des Kaisers, anzulasten. Maniakes verhehlte seine Verachtung für letzteren nie und vergaß sich ihm gegenüber nach einigen besonders krassen Beweisen von Unfähigkeit so weit, daß er ihn heftig anpfiff, spottend Zweifel an seiner Männlichkeit äußerte und ihn als reinen Zulieferer für die Vergnügungen seines kaiserlichen Schwagers bezeichnete. Da dieser Vorfall Stephanos allein schon durch die Gestalt des Angreifers zutiefst beunruhigt haben muß, entschloß er sich zur Rache und sandte eine Eilbotschaft nach Konstantinopel, in der er Maniakes des Verrrats beschuldigte. Der wurde umgehend nach Konstantinopel zurückbeordert und kurzerhand ins Gefängnis geworfen.
1042
Johannes Skylitzes erzählt dagegen eine ganz andere Version, verweist auf die kaiserlichen Erlasse gegen den Ämterhandel, die Verbesserung in der zivilen und militärischen Verwaltung und mehrere bewunderungswürdige Ernennungen in hohe Ämter, darunter jene von Konstantin Kabasials zum Oberbefehlshaber der Streitkräfte im europäischen Teil des Reichs und, was noch wichtiger war jene von Georgios Maniakes zum Katepan von Italien im Rang eines Magistros, womit er den höchsten Adelstitel außerhalb der kaiserlichen Familie erhielt.
Georgios Maniakes war im April des Jahres 1042 auf die italienische Halbinsel zurückgekehrt. Als der Katepan mit seinem Heer an Land ging, befand sich mit Ausnahme von Trani ganz Apulien nördlich einer Linie von Tarent nach Brindisi in offenem Aufruhr. Brutal und gandenlos schlug sich Maniakes mit Hilfe eines warägischen Regiments und des legendären skandinavischen Krieger-Königs Harald Hardrade in rasender Zerstörungswut von einer aufständischen Stadt zur nächsten durch. Die Gegenseite setzte sich zur Wehr, und eine Zeitlang schien der Kampf ziemlich ausgeglichen, doch dann kam die Wende. Zum zweiten Mal innerhalb von zwei Jahren fiel Georgios Maniakes einer Palastintrige zum Opfer.
Diesmal hieß sein Widersacher Romanos Skleros. Der Bruder der Sklerina besaß Ländereien in Anatolien, die aber an jene Georg Maniakes' grenzten und die Beziehungen zwischen den beiden waren schon seit elf Jahren durch territoriale Streitigkeiten vergiftet. Wie wir wissen, war Maniakes ein gefährlicher Mann, wenn man sich ihm in die Quere stellte. Einige Jahre zuvor hatte er im Lauf einer besonders heftigen Auseinandersetzung Romanos angegriffen und fast totgeschlagen. Damals schwor sein Nachbar Rache. Nun, da er über seine Schwester zum engsten Kreis des Kaisers gehörte, sah er seine Chance zum Ausgleich gekommen. Es fiel ihm nicht schwer, Konstantin IX. zu überreden, Maniakes aus Italien zurückzubeordern, wohin es 1042 entsandt wurde. In der Zwischenzeit nutzte er dessen Abwesenheit, um sein Haus zu plündern, sein Land zu verwüsten und, um das Maß voll zu machen, seine Frau zu vergewaltigen.
Maniakes erhielt die Botschaft, die ihn zurückrief, gleichzeitig mit der Nachricht seines Unglücks. Seine Wut war schrecklich anzusehen. Als im September sein Nachfolger in Otranto eintraf, ergriff er ihn, stopfte ihm Pferdemist in Ohren, Nase und Mund und folterte ihn zu Tode. Der Patrikios Tubakis, der den Unglücklichen aus Konstantinopel begleitet hatte, erlitt ein, zwei Wochen später dasselbe Schicksal. Darauf ließ sich Maniakes, dessen wahnsinnige Wut noch nicht nachgelassen hatte, von seinen Männern - die ihm zugetan waren - zum Kaiser ausrufen und führte sie über die Adria zurück. Er beabsichtigte, über die Via Egnatia nach Konstantinopel zu marschieren und unterwegs zusätzliche Kräfte zu sammeln. Auf dem Weg nach Thessalonike trat ihm im bulgarischen Ostrowo ein kaiserliches Heer entgeegn, um ihn aufzuhalten. Seine Truppen siegten zwar, doch gerade als der Sieg feststand, fiel er einer tödlichen Verletzung zum Opfer. Sein Kopf wurde in die Hauptstadt gebracht und auf dem höchsten Rang des Hippodroms ausgestellt.
 
 
 
 
 

Literatur:
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Norwich John Julius: Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf und München 1993 Band II Seite 341,354,378,383,388 -