Gainas                                            Römischer Feldherr
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um 360Dezember 400 erschlagen
 

Sohn des N.N. (Gote)
 

Lexikon des Mittelalters:
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Gainas, gotischer Heerführer
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Nach raschem Aufstieg verhalf er mit seinen Hilfstruppen 394 Theodosius I. zum Sieg über Eugenius. In den Osten durch Arcadius zurückberufen, kämpfte er unter Stilicho gegen Alarich I., war als comes rei militaris führend am Sturz des Präfekten Rufinus beteiligt und wurde schließlich magister utriusque militiae. 400 wurde er vom Kaiser mit einem starken Heer mit der Niederwerfung der Revolte des Goten Tribigild in Phrygien beauftragt, aber infolge eines Mißerfolgs des geheimen Einvernehmens mit diesem beschuldigt. Dadurch kompromittiert und beunruhigt durch den verstärkten Einfluß der antigermanischen Partei, erhob er sich und besetzte Konstantinopel, mußte aber die Hauptstadt vor allem auf Betreiben des Bischofs Johannes Chrysostomos bald wieder verlassen. Von dem kaisertreuen Fravitta bedrängt, wurde er im Dezember 400 beim Versuch, über die Donau in seine Heimat zu entkommen, von einem hunnischen Heer besiegt und erschlagen.

R. Klein



Norwich John Julius: Seite 135-141
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"Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches."

Die Armee des Ostens unterstellte Stilicho dem Befehl des gotischen Truppenführers Gainas, und sie setzte sich gleich in Marsch. Darauf machte er selbst sich mit den westlichen Einheiten auf den Weg nach Hause.
Was aber, so fragt man sich, geschah mit der großen Ostarmee, die so hastig von Kaiser Arkadios nach Hause berufen wurde? Gainas, ihr frisch ernannter Feldherr, fühhrte sie wie befohlen auf der Via Egnatia nach Konstantinopel und hielt auf dem Marsfeld vor dem Goldenen Tor, wo der Kaiser seine zurückkehrenden Truppen tradionellerweise  zu empfangen pflegte. Hier erschien denn auch am 27. November pflichtgetreu Arkadios, und zwar in Begleitung von Rufinus, der erwartete, noch am selben Tag zum Mit-Kaiser gemacht zu werden. Plötzlich blitzte ein Schwert auf, andere folgten, und einen Augenblick später fiel Rufinus tot zu Boden. Sein Körper wurde in Stücke gehauen. Laut Claudian soll einer der Attentäter, als er zustach, gebrüllt haben, er handle im Auftrag von Stilicho. Es gibt jedoch keinen anderen Hinweis darauf, daß der Mord vom Magister militum des Westens veranlaßt worden wäre. Der Plan kann ebensogut von Eutropios gefaßt worden sein oder von Gainas und seinen Solddaten auf dem Weg zur Hauptstadt oder auch von allen miteinander.
Im Jahre 399 schaffte es Eutropius, zum Konsul ernannt zu werden - ein Schritt, der seinen Fall zweifellos beschleunigte. Den Titel jetzt einem ehemaligen Sklaven und entmannten Prostituierten verliehen zu sehen war mehr, als die freigeborene römische Bevölkerung von Konstantinopel ertragen konnte. Ironischerweise wurde die Entscheidung nicht durch den Senat oder die römischen Aristokratie herbeigeführt, sondern durch die Goten, denselben Gainas nämlich, dem Stilicho die Armee des Ostens anvertraut hatte und dessen Soldaten vier Jahre zuvor Rufinus erschlagen hatten. Bei seiner Ankunft in der Hauptstadt war seine Ernennung zum Magister militum per orientem bestätigt worden, so daß er -  obwohl selbst gotischer Abkunft - als einer der beiden Feldherren nach Phrygien entsandt wurde, um die im Frühjahr 399 unter den gotischen Siedlern ausgebrochene Revolte niederzuschlagen. Dort eingetroffen, wechselte er jedoch heimlich die Seite. In der darauffolgenden Schlacht zerschlugen er und die Rebellen rasch die römischen Einheiten der Armee und blieben als Sieger auf dem Schlachtfeld zurück. Noch immer als loyaler Diener des Kaisers posierend, sandte er Arkadios eine Nachrichts des Inhalts, die Aufständischen seien zu zahlreich, als daß er sie mit Gewalt beseitigen könne, und man werde sich mit ihnen einigen müssen. An erster Stelle aber stand die Forderung nach der Auslieferung von Eutropios.
Eudoxia verdankte ihre Stellung Eutropios, aber dieser hatte sie zu seinem Unglück einmal zuviel daran erinnert. Auch paßte es ihr nicht, daß er auf ihren Mann soviel Einfluß ausübte.
So erteilte der Kaiser widerwillig den Befehl, Eutropios auszuliefern. Dieser floh voller Schrecken in die Hagia Sophia und warf sich Bischof Johannes Chrysostomos zu Füßen, der seine Erhebung ebenfalls ihm verdankte, was der Eunuch nun wimmernd in Erinnerung rief.
Eutropios war sicher in der Hagia Sophia. Unglücklicherweise, und das wußte er wohl, war er dort jedoch auch gefangen. Es war vermutlich die Auslegung der Bibelstelle, die seinen Widerstand mehr denn je zusammenbrechen ließ und ihn schließlich dazu bewegte, einer Auslieferung unter der Bedingung zuzustimmen, daß er am Leben gelassen würde. Weil Gainas darauf bestand, wurde er nach Zypern verbannt, kurz darauf jedoch wieder zurückgebracht. Unter dem trügerisch durchsichtigen Vorwand, daß  seine Immunität nur in Konstantinopel gewährleistet werden könne, wurde er in Chalkedon vor Gericht gestellt, verurteilt und hingerichtet.
Gainas hatte gewonnnen, doch er konnte seinen Sieg nicht lange genießen. Früh im Jahre 400 kehrte er in die Hauptstadt zurück und versuchte wie Rufinus und Eutropios vor ihm, dort eine Hausmacht aufzubauen. Die gegnerischen Gruppierungen in der Stadt verhinderten jedoh, daß er je einen ähnlichen Grad von Auutorität errang. Ein Versuch, den kaiserlichen Palast zu stürmen - wohl mit dem Ziel, die darin waren zu ermorden und selbst den Thron zu besteigen -, wurde im Keim erstickt. Da hinreichende zeitgenössische Informationen fehlen, ist es unmöglich, die ganze Geschichte zu rekonstruieren. Irgendwann gegen Ende des Sommers, nach sechs Monaten zunehmender Unruhe, befahl Gainas seiner Armee gotischer Soldaten jedenfalls unvermutet, sich auf den Abmarsch vorzubereiten. Die besorgte Einwohnerschaft befürchtete einen neuen Anschlag und lief in den Straßen zusammen; die Stimmung war so spannungsgeladen, daß es zu Kämpfen zwischen den Einheimischen und den abziehenden Soldaten kam. Die meisten von ihnen hatten die Stadt bereits verlassen, doch der Rest fiel dem über Jahre gewachsenen Fremdenhaß zum Opfer, eine leichte Beute, denn sie waren stark in der Minderheit. Man schloß die Tore, um sie an der Flucht zu hindern, und nach dem folgendem Gemetzel zählte man bei Tagesanbruch siebentausend Tote.
Entmutigt und ohne große Hoffnungen zog Gainas mit den Resten seiner Armee durch Thrakien und versuchte dann, den Hellespont nach Asien zu überqueren. Auf der anderen Seite erwartete ihn jedoch eine kaisertreue Armee, und er mußte noch größere Verluste hinnehmen. Darauf kämpfte er sich wieder Richtung Norden vor zur Donau, wo er schließlich dem Hunnen-König Uldin in die Hände fiel; dieser ließ ihm den Kopf abschlagen und als Präsent an Arkadios senden. Damit hatte ein weiterer Abenteurer, der versuchte, die wachsende Verworrenheit im Imperium zu seinen Gunsten zu nutzen, den preis für seine Verwegenheit bezahlt.
 
 
 
 

Literatur:
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Norwich John Julius: Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf und München 1993 Seite 135,137,140 -