Eutropius                                        Oberster Eunuche und Minister in Ostrom
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um 350 399 hingerichtet
              in Umgebung von Byzanz
 

Sohn des N.N.
 

Lexikon des Mittelalters:
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Eutropius, Eunuch
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   † 399

Trotz unfreier Herkunft stieg Eutropius nach seiner Freilassung (379) am Hof von Byzanz zunächst zum Kämmerer (cubicularius) auf und erreichte schließlich das angesehene Amt des Oberkämmerers (praepositus sacri cubiculi). Nach der maßgeblich von ihm betriebenen Ausschaltung des allmächtigen Praefectus Praetorio Rufinus (395) beherrschte Eutropius bis zu seinem Tode 399 den schwachen Kaiser Arcadius, der ihn 398 zum Patricius und 399 zum Konsul ernannte. Dadurch bestimmte Eutropius in starkem Maße die Politik des östlichen Reichsteils. Beauftragt mit dem Oberbefehl über die Truppen, drängte er die in Kleinasien eingefallenen Hunnen über die östlichen Grenzen zurück. Sein Sturz wurde veranlaßt durch sein militärisches Versagen gegen die gotischen Greuthungen, die unter ihrem Führer Tribigild Phrygien plünderten, vor allem aber durch seine Feindschaft mit der Kaiserin Eudoxia und den sie unterstützenden kirchlichen Kreisen, da Eutropius die bischöfliche Gerichtsbarkeit und das kirchliche Asylrecht einschränken wollte. Ein verzerrtes Bild des Eutropius bietet die zwei Bücher umfassende Invektive des Dichters Claudianus, welche von einem scharfen Antibyzantinismus geprägt ist.

R. Klein



Lexikon Alte Kulturen: Band I Seite 665
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EUTROPIUS
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    399 n. Chr.

römischer Konsul (399)

Eunuch und ehemaliger Sklae; leitete seit Ausschaltung des Flavius Rufinus als Oberstkämmerer die Reichsgeschäfte für Kaiser Arcadius; Zerwürfnis mit Kaiserin Eudoxia führten zu Eutropius' Absetzung und Hinrichtung.



Thiele, Andreas: Tafel 489
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 2 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser II Nord-, Ost- und Südeuropa"

EUTROPIUS
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    †

Sohn eines Sklaven, zuerst auch Sklave, dann Eunuch und Lustknabe reicher Männer. Er wird als alter Mann freigelassen und kaiserlicher Kammerherr von Theodosius I. und Arkadius, den er stärkstens beeinflußt; stürzt 395 Rufinus, den intrigenreichen Gegenspieler und damit allmächtigen Hofeunuch: wird Erster kaiserlicher Kammerherr ("Praepositus sacri cubiculi"), Consul und Patricius, beherrscht Arkadius "wie ein Stück Vieh"  (zeitgenössischer Historiker) und setzt Alarichs Ernennung gegen Stilicho durch: durch diesen und Aelia Eudoxia 399 gestürzt und hingerichet; hob unter anderem fas Asylrecht der Kirche auf.



Norwich John Julius: Seite 133,138
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"Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches."

Nur ein Umstand bewahrte ihn davor, zur geistlosen Marionette von Rufinus zu werden: der Einfluß des sogenannten Vorstehers des Heiligen Schlafzimmers (Praepositus Sacri Cubiculi), eines älteren Eunuchen namens Eutropios. Mit seinem glänzenden Glatzkopf und dem runzligen gelblichen Gesicht war Eutropios äußerlich noch weniger einnehmend als sein Gebieter. Auch wäre wohl seine Vergangenheit als außerordentlichh erfolgreicher Lustknabe und später als Zuhälter an sich nicht gerade als ideale Voraussetzung für eine Vertrauensstellung im kaiserlichen Haushalt gewertet worden. Doch wie Rufinus, den er natürlich verabscheute, war auch er klug, skrupellos und ehrgeizig. Auch er wollte den Kaiser beherrschen und war deshalb entschlossen, seinen Feind zu hintertreiben, wo er nur konnnte.
Er wußte, daß Rufinus plante, seine Tochter mit Arkadios zu verheiraten. Und er wußte auch, daß seine eigene Überlebenschance praktisch gleich Null war, wenn dieser erst einmal Mitglied der kaiserlichen Familie war, denn dann war der Schritt auf den Thron nur noch klein. Die einzige Hoffnung von Eutropios bestand daher darin, eine Rivalin um die Gunst des Kaisers zu finden. Mangels eigener Nachkommmenschaft wählte er eine junge, unwiderstehlich attraktive Fränkin, die in Konnstantinopel eine gute Erziehung und Bildung genossen hatte, daraufhin ihren fremdländischen Namen mit einem vertrauter klingenden griechischen vertauscht hatte und sich nun Eudoxia nannte. Als nun Rufinus sich für kurze Zeit in Antiochia aufhielt, nutze Eutropios die Gunst der Stunde und führte Eudoxia in den Palast ein. Aufgrund seiner langjährigen Übung gelang es ihm rasch, das Interesse des Kaisers auf sie zu lenken, und als der Prätorianer-Präfekt in die Hauptstadt zurückkehrte, waren Arkadios und Eudoxia verlobt. Es war jedoch typisch, daß Eutropios, listig und verschlagen, wie er war, nicht erlaubte, den Namen der Braut bekanntzugeben. So erzählt Zosimos mit großer Schadenfreude und sehr anschaulich die etwas unwahrscheinliche Geschichte, wie sich am Hochzeitsmorgen eine beeindruckende Prozession von Hofbeamten durch die Straßen wand, um die Braut abzuholen. Begierig, einen Blick auf ihre künftige Kaiserin zu werfen, hatt sich vor Rufinus' Haus bereits eine erwartungsvolle Menge versammelt, und die Leute staunten nicht schlecht, als der Zug geradewegs daran vorbeimarschierte und bei der viel bescheideren Residenz von Eudoxia anhielt, die kurz darauf in vollem Brautstaat erschien, um feierlich in den Palast zum wartenden Bräutigam getragen wurde.
Nun da der Kaiser  nur noch auf Eutropios hörte, waren Korruption, Veruntreuung und der offene Kauf und Verkauf von Ämtern einfach noch etwas weiter verbreitet denn zuvor. "Der eine", klagt Claudian,

   gibt seinen Landsitz für die Regierung von Asien, ein anderer benutzt die Juwelen seiner Frau für
   den Kauf von Syrien, ein dritter kauft Bithynien und bezahlt zu teuer dafür, indem er seine Heimat
   opfert. Im öfffentlichen Vorzimmer von Eutropios hängt eine Gebührenordnung mit den Preisen
   der verschiedenen Provinzen ... Der Eunuch versucht, seine persönliche Schändlichkeit mit der
   allgemeinen Schande zu tilgen, und wie er sich selbst verkauft hat, will er nun alles andere
   verkaufen.

Im Jahre 399 schaffte es Eutropios, zum Konsul ernannt zu werden - ein Schritt, der seinen Fall zweifellos beschleunigte. Den Titel jetzt einem ehemaligen Sklaven und entmannten Prostituierten verliehen zu sehen war mehr, als die freigeborene römische Bevölkerung von Konstantinopel ertragen konnte. Ironischerweise wurde die Entscheidung nicht durch den Senat oder die römischen Aristokratie herbeigeführt, sondern durch die Goten, denselben Gainas nämlich, dem Stilicho die Armee des Ostens anvertraut hatte und dessen Soldaten vier Jahre zuvor Rufinus erschlagen hatten. Bei seiner Ankunft in der Hauptstadt war seine Ernennung zum Magister militum per orientem bestätigt worden, so daß  er -  obwohl selbst gotischer Abkunft - als einer der beiden Feldherren nach Phrygien entsandt wurde, um die im Frühjahr 399 unter den gotischen Siedlern ausgebrochene Revolte niederzuschlagen. Dort eingetroffen, wechselte er jedoch heimlich die Seitte. In der darauffolgenden Schlacht zerschlugen er und die Rebellen rasch die römischen Einheiten der Armee und blieben als Sieger auf dem Schlachtfeld zurück. Noch immer als loyaler Diener des Kaisers posierend, sandte er Arkadios eine Nachrichts des Inhalts, die Aufständischen seien zu zahlreich , als daß er sie mit Gewalt beseitigen könne, und man werde sich mit ihnen einigen müssen. An erster Stelle aber stand die Forderung nach der Auslieferung von Eutropios.
Eudoxia verdankte ihre Stellung Eutropios, aber dieser hatte sie zu seinem Unglück einmal zuviel daran erinnert. Auch paßte es ihr nicht, daß er auf ihren Mann soviel Einfluß ausübte.
So erteilte der Kaiser widerwillig den Befehl, Eutropios auszuliefern. Dieser floh voller Schrecken in die Hagia Sophia und warf sich Bischof Johannes Chrysostomos zu Füßen, der seine Erhebung ebenfalls ihm verdankte, was der Eunuch nun wimmernd in Erinnerung rief.
Eutropios war sicher in der Hagia Sophia. Umglücklicherweise, und das wußte er wohl, war er dort jedoch auch gefangen. Es war vermutlich die Auslegung der Bibelstelle, die seinen Widerstand mehr denn je zusammenbrechen ließ und ihn schließlich dazu bewegte, einer Auslieferung unter der Bedingung zuzustimmen, daß er am Leben gelassen würde. Weil Gainas darauf bestand, wurde er nach Zypern verbannt, kurz darauf jedoch wieder zurückgebracht. Unter dem trügerisch durchsichtigen Vorwand, daß seine Immunität nur in Konstantinopel gewährleistet werden könne, wurde er in Chalkedon vor Gericht gestellt, verurteilt und hingerichtet.
 
 
 
 

Literatur:
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Dahn Felix: Die Völkerwanderung. Germanisch-Romanische Frühgeschichte Europas. Verlag Hans Kaiser Klagenfurt 1977 Seite 277 - Günther Rigobert: Römische Kaiserinnen. Zwischen Liebe, Macht und Religion. Militzke Verlag Leipzig 2003 Seite 46,134,136 - Lexikon Alte Kulturen, Meyers Lexikonverlag Mannheim/Wien/Zürich 1990 Band I Seite 665 - Mann Golo: PROPYLÄEN WELTGESCHICHTE. Eine Universalgeschichte. Vierter Band. Rom Die römische Welt. Verlag Ullstein GmbH, Frankfurt am Main - Berlin, Propyläen Verlag 1986 Seite 554,609,620,667 - Norwich John Julius: Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf und München 1993 Seite 54,133,138 - Offergeld Thilo: Reges pueri. Das Königtum Minderjähriger im frühen Mittelalter. Hahnsche Buchhandlung Hannover 2001 Seite 59 - Riehl Hans: Die Völkerwanderung. Der längste Marsch der Weltgeschichte. W. Ludwig Verlag 1988 Seite 28 - Schreiber Hermann: Auf den Spuren der Goten. List Verlag München 1977 Seite 150-154,171,198 -
Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 2 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser II Nord-, Ost- und Südeuropa, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 489 -