Chrysaphios                                   Kammerherr des Kaisers Theodosius II.
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    450 zu Tode geprügelt
 

Sohn des N.N.
 

Norwich John Julius: Seite 174
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"Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches."

Einflußreichste Figur am Hof war zu dieser Zeit der Eunuch Chrysaphos; er vermochte im Jahre 448 Edeko, einen Gesandten Attilas, in ein Komplott zur Beseitigung des Hunnen-Königs hineinziehen. Zur Durchführung dieser Verschwörung machte sich noch im selben Jahr eine besonders prächtig ausstaffierte byzantinische Gesandtschaft auf den Weg. Keiner von ihnen war eingeweiht, daß einige der Gesandten von Chrysaphos damit beauftragt waren, während ihrer Mission Attila zu ermorden. Doch dazu kam es nicht. Edeko entdeckte Attila die Verschwörung sogleich.

Günther Rigobert: 2003 Seite 149,150,151,152,153
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"Römische Kaiserinnen. Zwischen Liebe, Macht und Religion."

Aber Pulcheria erlebte neben Höhen auch Tiefen in ihrem Leben. Seit dem Ende der dreißiger Jahre erreichte es ein Eunuch, der Kammerherr des Kaisers und zugleich Kommandant seiner Leibgarde Chrysaphios, in den engsten Freundeskreis des Kaisers zu gelangen unnd zeitweilig beherrschenden Einfluß auf ihn auszuüben. Theodosius II. sah in ihm seinen besten Freund, doch Chrysaphios nutzte die Freundschaft, um seine eigenen Macht zu steigern. Er tat alles, um den Kaiser von den Staatsgeschäften abzuhalten, die er sich dann selber vorbehielt. Einige Jahre, vor allem von 443 bis zum Tode des Kaisers 450, hatte er die Regierung des Oströmischen Reiches unter seiner Kontrolle. Zwar gelang es ihm nicht, führende Militärs wie Flavius Zenon, Konsul des Jahres 448 und ranghöchster Heermeister des Ostreichs von 447 bis 451, auf seine Seite zu bringen. Aber die Heerführer waren stark mit der Abwehr hunnischer Einfälle beschäftigt und besaßen am Kaiserhof keinen besonderen politischen Einfluß. Mit Erfolg gelang es Chrysaphios, die Kaiserin gegen Pulcheria auszuspielen. Er intigrierte gegen Pulcheria und setzte der Kaiserin zu, einen eigenen Kämmerer für sich beim Kaiser zu verlangen, weil Pulcheria als Kaiser-Schwester auch einen habe. Da der Kaiser dies verweigerte, sollte die Kaiserin fordern, daß Pulcheria eine Diakonin als Kammerzofe erhielt, da sie ein Gelübde der Jungfräulichkeit abgelegt hatte. Dies veranlaßte Pulcheria, der Kaiserin ihren eigenen Kämmerer zu überlassen und sich zeitweilig aus dem Palast zurückzuziehen. Pulcheria verlor für mehrere Jahre ihren beherrschenden Einfluß auf den Bruder. Chrysaphios war es dann auch, der den Sturz des Paulinus und des Cyrus betrieb und die Kaiserin im Jahr 443 in das Exil nach Jerusalem verdrängte. Bis zum Tod des Kaisers 450 besaß er einen hervorragenden Einfluß auf die Regierungsgeschäfte am Kaiserhof, und Pulcheria mußte sich in die zweite Reihe zurückziehen. Konkurrenten, die ihm gefährlich werden konnten, vertrieb er oder ließ sie ermorden.
Die kaiserliche Gewalt sollte der alexandrinischen monophysitischen Lehre zum endgültigen Sieg verhelfen. Und solange Theodosius II. lebte, war sich Dioskoros seiner gefestigten Macht sicher.
Aber die Machtverhältnisse änderten sich rasch. Am 28. Juli 450 stürzte der Kaiser während der Jagd vom Pferd und starb. Auf dem Sterbebett noch ließ er seine Schwester Pulcheria zu sich kommen, die er jahrelang hintenan gesetzt hatte und übertrug ihr, da er keine Kinder hinterließ, die Sorge für die Nachfolge.
Dies bedeutet eine Wende in den politischen wie in den kirchlichen Angelegenheiten. Mit Tatkraft und Energie ließ Pulcheria erkennen, daß die Zeit kaiserlicher Schwäche und des Schwankens vorbei war. Die kirchenpolitischen Gegner Alexandrias, die sich um die bisher Zurückgesetzte gruppierten, die wiederum mit Papst Leo I. im Bunde war, gewannen die Oberhand.
Zunächst rechnete Pulcheria mit ihrem erbittertsten Feind Chrysaphios ab. Er wurde gestürzt und zu Tode geprügelt.
 
 
 
 
 

Literatur:
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Günther Rigobert: Römische Kaiserinnen. Zwischen Liebe, Macht und Religion. Militzke Verlag Leipzig 2003 Seite 149,150,151,152,153 - Norwich John Julius: Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf und München 1993 Seite 174 -