Aber auch Aspar hatte im Palast Gefolgschaft; an
ihrer Spitze stand Basiliskos, der
Bruder von Kaiserin
Verina. Die beiden hätten verschiedener kaum sein können.
Aspar
war ein ungebildeter Nichtrömer und Arianer. Im Gegensatz dazu war
Basiliskos eine hellenisierter gebildeter
Römer, ein fanatischer Monophysit, für den Christus
mehr Gott als Mensch war. Seine wachsende Begierde nach dem kaiserlichen
Diadem, aus der er keinen Hehl machte, war in Konstantinopel bereits zum
Gespött geworden und auch, dass er, wie sich schon bald erweisen sollte,
völlig ungeeignet war, ein Heer zu führen. Trotz dieser Unterschiede
verband die beiden ihr gemeinsamer Haß auf die Isaurier; und als
der Kaiser sich 468 zu einem großangelegten Seefeldzug gegen Geiserich
und die Vandalen entschloß, überredeten ihn
Verina und Aspar, dazu, Basiliskos
an die Spitze zu stellen. Das Unternehmen wurde ganz groß angelegt;
es heißt, es seien 1.000 Schiffe und 100.000 Mann aus dem gesamten
östlichen Mittelmeerraum aufgeboten worden. Wenn diese Zahlen stimmen,
hätte es der vereinigten See- und Landstreitmacht keine Schwierigkeiten
bereiten dürfen, die Vandalen aus Afrika zu vertreiben, und unter
jedem anderen Oberbefehlshaber wäre das wohl auch geschehen.
Nicht jedoch Basiliskos.
Laut Prokop, der einzigen Quelle für diesen Feldzug, begann dieser
recht vielversprechend: Einmal vertrieb Marcellinus, Herr von
Dalmatien, durch einen erfolgreichen Entlastungsangriff die Vandalen
aus Sardinien, zum anderen landete der byzantinische Feldherr Herkalios
mit einer kleinen Streitmacht in Tripolitanien und rückte von Südosten
aus gegen Karthago vor. In der Zwischenzeit war Basiliskos
in Merkurion in der Nähe von Cap Bon gelandet. Doch anstatt direkt
auf die Hauptstadt der Vandalen zuzumarschieren und den Feind durch einen
Überraschungsangriff zu schlagen, setzte er sich dort fest und zeugte
keinerlei Neigung weiterzuziehen. Dadurch erhielt Geiserich
die Chance, die er brauchte. Er schickte Unterhändler mit der Botschaft
nach Merkurion, er wolle dem Kaiser in jeder Hinsicht willfahren, wenn
dieser ihm nur fünf Tage Aufschub gewähre, damit er die notwendigen
Vorbereitungen treffen könne. Basiliskos,
der sich schon zu dem unblutigen Sieg beglückwünschte, stimmte
nur zu gerne zu. Nach fünf Tagen drehte sich der Wind und Geiserich
ging mit seiner Flotte zum Angriff über. Innerhalb weniger Stunden
war alles vorüber. Der arme Basiliskos,
der schon zu Beginn der Schlacht geflohen war, kehrte nach Konstantinopel
zurück, wo Wut, Enttäuschung und ein Gefühl der Demütigung
im Volk so um sich griffen, dass er in der Hagia Sophia Zuflucht suchen
mußte. Nur durch engagiertes Eintreten seiner Schwester, der Kaiserin,
für ihn ließ Leon sich erweichen,
ihm das Leben zu schenken.
Kaiser
Zenon sah sich zudem konfrontiert mit dem unversöhnlichen
Haß zweier mächtiger Feinde innerhalb seines Hauses: Dem der
Kaiserin-Mutter
Verina
und dem ihres Bruders Basiliskos.
Die beiden verfolgten unterschiedliche Ziele. Basiliskos,
dessen Ansehen infolge des Feldzuges gegen Karthago acht Jahre zuvor verständlicherweise
gesunken war, hatte nach Leons Tod
seine Zurückhaltung wieder aufgegeben und war weiterhin entschlossen,
sich selbst das Diadem zu sichern.
Da Zenon im November
475 aus Konstantinopel geflohen war und Patricius nur als Geliebter
Verinas
von Bedeutung war, wurde Basiliskos
zum
Kaiser ausgerufen. Dies ist ein bedenkenswertes Zeugnis dafür,
was Ehrgeiz vermag. Basiliskos ordnete
sogleich an - oder verhinderte nicht -, dass unter den Isauriern der Hauptstadt
ein Blutbad angerichtet wurde. Falls diese Eliminierung der feindlichen
Partei seinen Thron hätte sicherer machen sollen, muß man sie
als Fehlschlag bezeichnen. Basiliskos
konnte sich nicht lange halten. Er verlor jegliche Unterstützung seiner
Schwester, als er ihren Geliebten ermorden ließ; er brachte seine
Untertanen gegen sich auf, indem er sie mit ungerechtfertigten Steuern
belastete und er machte sich die Kirche auf Dauer zum Feind, da er öffentlich
monphystische Ansichten äußerte und diese auch noch linkisch
im ganzen Reich durchzusetzen versuchte. Selbst der Himmel schien sich
gegen den Usurpator zu stellen; anders konnte man sich jedenfalls den verheerenden
Brand von 476 nicht erklären, der vom Basar der Bronzeschmiede ausging
und übergriff auf die von Julian gegründete
öffentliche Bibliothek Basilike mit angeblich 120.000 Bänden.
Den Flammen fiel außerdem der Palast des Lausos samt seiner berühmten
Sammlung antiker Skulpturen zum Opfer. Nach alledem überrascht es
nicht weiter, dass Illos
des mit seiner Hilfe auf den Thron gelangten Herrschers überdrüssig
wurde, die Partei erneut wechselte und sich zu Zenon
in dessen Schlupfwinkel in den Bergen begab, um seine Wiedereinsetzung
vorzubereiten.
Hauptverantwortlich für den Sturz des Basiliskos
waren jedoch weder Zenon noch Illos,
sondern sein eigener Neffe
Harmatios. Dieser lächerliche
junge Mann, in ganz Konstantinopel als Stutzer und Geck bekannt, war von
seinem Onkel trotz der skandalösen Affäre, die er und Basiliskos'
Frau, seine Tante Zenonis,
unterhielten, in den Rang eines Magister militum erhoben worden.
Dieser Ernennung stieg ihm so zu Kopf, dass er als Achilles verkleidet
im Hippodrom paradierte. Als er an der Spitze des Heeres gegen
Zenon und Illos erschien,
luden ihn die beiden zu Verhandlungen ein. Sie versprachen, ihm das Amt
des Prätorianer-Präfekten und seinem Sohn den Titel eines Cäsaren
zu verschaffen, worauf er sich nur zu gern auf ihre Seite schlug. So kehrte
Zenon im Juli 477 in die Hauptstadt
zurück, ohne dass sich Widerstand geregt hätte. Der Möchtegern-Augustus,
der einmal mehr in die Hagia Sophia Zuflucht suchte, kapitulierte gegen
das Versprechen, sein Blut werde nicht vergossen; der rechtmäßige
Kaiser schickte ihn getreu seinem Wort mit seiner Familie in die Wildnis
Kappadokiens in die Verbannung, wo im darauffolgenden Winter Kälte
und Hunger ihr Los besiegelten.