Norwich John Julius: Band I Seite 189-195
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"Byzanz. Der Aufstieg des oströmischen Reiches."

Aber auch Aspar hatte im Palast Gefolgschaft; an ihrer Spitze stand Basiliskos, der Bruder von Kaiserin Verina. Die beiden hätten verschiedener kaum sein können. Aspar war ein ungebildeter Nichtrömer und Arianer. Im Gegensatz dazu war Basiliskos eine hellenisierter gebildeter Römer, ein fanatischer Monophysit, für den Christus mehr Gott als Mensch war. Seine wachsende Begierde nach dem kaiserlichen Diadem, aus der er keinen Hehl machte, war in Konstantinopel bereits zum Gespött geworden und auch, dass er, wie sich schon bald erweisen sollte, völlig ungeeignet war, ein Heer zu führen. Trotz dieser Unterschiede verband die beiden ihr gemeinsamer Haß auf die Isaurier; und als der Kaiser sich 468 zu einem großangelegten Seefeldzug gegen Geiserich und die Vandalen entschloß, überredeten ihn Verina und Aspar, dazu, Basiliskos an die Spitze zu stellen. Das Unternehmen wurde ganz groß angelegt; es heißt, es seien 1.000 Schiffe und 100.000 Mann aus dem gesamten östlichen Mittelmeerraum aufgeboten worden. Wenn diese Zahlen stimmen, hätte es der vereinigten See- und Landstreitmacht keine Schwierigkeiten bereiten dürfen, die Vandalen aus Afrika zu vertreiben, und unter jedem anderen Oberbefehlshaber wäre das wohl auch geschehen.
Nicht jedoch Basiliskos. Laut Prokop, der einzigen Quelle für diesen Feldzug, begann dieser recht vielversprechend: Einmal vertrieb Marcellinus, Herr von Dalmatien, durch einen erfolgreichen Entlastungsangriff die Vandalen aus Sardinien, zum anderen landete der byzantinische Feldherr Herkalios mit einer kleinen Streitmacht in Tripolitanien und rückte von Südosten aus gegen Karthago vor. In der Zwischenzeit war Basiliskos in Merkurion in der Nähe von Cap Bon gelandet. Doch anstatt direkt auf die Hauptstadt der Vandalen zuzumarschieren und den Feind durch einen Überraschungsangriff zu schlagen, setzte er sich dort fest und zeugte keinerlei Neigung weiterzuziehen. Dadurch erhielt Geiserich die Chance, die er brauchte. Er schickte Unterhändler mit der Botschaft nach Merkurion, er wolle dem Kaiser in jeder Hinsicht willfahren, wenn dieser ihm nur fünf Tage Aufschub gewähre, damit er die notwendigen Vorbereitungen treffen könne. Basiliskos, der sich schon zu dem unblutigen Sieg beglückwünschte, stimmte nur zu gerne zu. Nach fünf Tagen drehte sich der Wind und Geiserich ging mit seiner Flotte zum Angriff über. Innerhalb weniger Stunden war alles vorüber. Der arme Basiliskos, der schon zu Beginn der Schlacht geflohen war, kehrte nach Konstantinopel zurück, wo Wut, Enttäuschung und ein Gefühl der Demütigung im Volk so um sich griffen, dass er in der Hagia Sophia Zuflucht suchen mußte. Nur durch engagiertes Eintreten seiner Schwester, der Kaiserin, für ihn ließ Leon sich erweichen, ihm das Leben zu schenken.
Kaiser Zenon sah sich zudem konfrontiert mit dem unversöhnlichen Haß zweier mächtiger Feinde innerhalb seines Hauses: Dem der Kaiserin-Mutter Verina und dem ihres Bruders Basiliskos. Die beiden verfolgten unterschiedliche Ziele. Basiliskos, dessen Ansehen infolge des Feldzuges gegen Karthago acht Jahre zuvor verständlicherweise gesunken war, hatte nach Leons Tod seine Zurückhaltung wieder aufgegeben und war weiterhin entschlossen, sich selbst das Diadem zu sichern.
Da Zenon im November 475 aus Konstantinopel geflohen war und Patricius nur als Geliebter Verinas von Bedeutung war, wurde Basiliskos zum Kaiser ausgerufen. Dies ist ein bedenkenswertes Zeugnis dafür, was Ehrgeiz vermag. Basiliskos ordnete sogleich an - oder verhinderte nicht -, dass unter den Isauriern der Hauptstadt ein Blutbad angerichtet wurde. Falls diese Eliminierung der feindlichen Partei seinen Thron hätte sicherer machen sollen, muß man sie als Fehlschlag bezeichnen. Basiliskos konnte sich nicht lange halten. Er verlor jegliche Unterstützung seiner Schwester, als er ihren Geliebten ermorden ließ; er brachte seine Untertanen gegen sich auf, indem er sie mit ungerechtfertigten Steuern belastete und er machte sich die Kirche auf Dauer zum Feind, da er öffentlich monphystische Ansichten äußerte und diese auch noch linkisch im ganzen Reich durchzusetzen versuchte. Selbst der Himmel schien sich gegen den Usurpator zu stellen; anders konnte man sich jedenfalls den verheerenden Brand von 476 nicht erklären, der vom Basar der Bronzeschmiede ausging und übergriff auf die von Julian gegründete öffentliche Bibliothek Basilike mit angeblich 120.000 Bänden. Den Flammen fiel außerdem der Palast des Lausos samt seiner berühmten Sammlung antiker Skulpturen zum Opfer. Nach alledem überrascht es nicht weiter, dass Illos des mit seiner Hilfe auf den Thron gelangten Herrschers überdrüssig wurde, die Partei erneut wechselte und sich zu Zenon in dessen Schlupfwinkel in den Bergen begab, um seine Wiedereinsetzung vorzubereiten.
Hauptverantwortlich für den Sturz des Basiliskos waren jedoch weder Zenon noch Illos, sondern sein eigener Neffe Harmatios. Dieser lächerliche junge Mann, in ganz Konstantinopel als Stutzer und Geck bekannt, war von seinem Onkel trotz der skandalösen Affäre, die er und Basiliskos' Frau, seine Tante Zenonis, unterhielten, in den Rang eines Magister militum erhoben worden. Dieser Ernennung stieg ihm so zu Kopf, dass er als Achilles verkleidet im Hippodrom paradierte. Als er an der Spitze des Heeres gegen Zenon und Illos erschien, luden ihn die beiden zu Verhandlungen ein. Sie versprachen, ihm das Amt des Prätorianer-Präfekten und seinem Sohn den Titel eines Cäsaren zu verschaffen, worauf er sich nur zu gern auf ihre Seite schlug. So kehrte Zenon im Juli 477 in die Hauptstadt zurück, ohne dass sich Widerstand geregt hätte. Der Möchtegern-Augustus, der einmal mehr in die Hagia Sophia Zuflucht suchte, kapitulierte gegen das Versprechen, sein Blut werde nicht vergossen; der rechtmäßige Kaiser schickte ihn getreu seinem Wort mit seiner Familie in die Wildnis Kappadokiens in die Verbannung, wo im darauffolgenden Winter Kälte und Hunger ihr Los besiegelten.