Sohn des Konsuls und Prätorianer-Präfekten
Agricola
Lexikon des Mittelalters: Band I Spalte 1307
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Avitus, Eparchius, weströmischer Kaiser 455-456
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* zwischen 395 und 400, †
Herbst 456
Aus senatorischem Geschlecht der Auvergne, hochgebildet,
Erzieher am Hof des Westgoten-Königs Theoderich
I., 439 Praefectus praetorio Galliarum; 451 gewann er
die Westgoten als Unterstützung gegen die Hunnen. Unter Maximus
Petronius Magister militum, wurde er als dessen Nachfolger am
9. Juli 455 zum Kaiser erhoben, fand aber nicht die Anerkennung
Ostroms. Während er sich selbst in Italien aufhielt, beauftragte er
den Westgoten-König Theoderich II.,
in Spanien die Sueben zu bekämpfen. Die Westgoten besetzten daraufhin
einen Großteil des Landes. Der Konsulatantritt des Avitus
am 1. Januar 456 wurde von seinem Schwiegersohn Sidonius Apollinaris
in einem Panegyrikus gefeiert (carm. 6f.). Da die Sicherung der durch die
Vandalen gestörten Getreidezufuhr aus Afrika mißlang, ergab
sich eine Mißstimmung gegen den Kaiser, die Ricimer und Maiorianus
zu seinem Sturz nutzten.
Weströmischer Kaiser (seit 455)
Stand in Verbindung zum Hof der Westgoten; mit deren und
des gallischen Adels Unterstützung nach dem Tod des Petronius
Maximus, der ihn zum ersten Reichsfeldherrn ernannt hatte,
zum Kaiser ausgerufen. Avitus,
dem die Anerkennung durch Ostrom fehlte, wurde durch Ricimer und
Majorian
gestürzt.
Avitus (Eparchus A.)
Weströmischer Kaiser 455/56
Wurde um 400 als Sproß eines
vornehmen gallischen Geschlechtes in der Auvergne geboren und hatte Verbindungen
zum Westgotenhof. Nach militärischer Bewährung unter Aetius
waltete
er als praefectus praetorio in Galien, wurde von Petronius
Maximus im Frühjahr 455 zum Reichsfeldherrn
bestellt
und ließ sich nach dessen Sturz mit Hilfe des gallischen Adels und
der Westgoten am 9. Juli 455 in Arles zum Kaiser ausrufen. Er
begab sich nach Rom, unterlag aber am 17. Oktober 456 dem patricius und
Kaisermacher Ricimer und starb vermutlich auf der Flucht nach Gallien.
RE II 2395, KP I 789.
AVITUS
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† 456
ermordet
Wohl Sohn des Consuls und Prätorianer-Präfekten in Gallien Agricola
Avitus war jahrelang
Prinzenerzieher bei den Westgoten und sorgte für die guten westgotisch-weströmischen
Beziehungen. Er war eine treue Stütze des Aetius und brachte
die Koalition gegen Atilla zustande,
die diesen 451 auf den Katalaunischen Feldern besiegte. Er wurde wie sein
Vater Prätorianer-Präfekt in Gallien, von Kaiser
Maximus
zum Magister utriusque militae ernannt und nach dessen Ermordung
auf Betreiben desWestgoten-Königs
Theoderich II. und des gallo-römischen Adels am 9.7.455
in Arles zum Kaiser erhoben. Er ernannte Ricimer zu seinem
Heermeister, der die Vandalen in Sizilien besiegte. Er wurde am 17.10.456
von Ricimer abgesetzt, zum Bischof ernannt, floh und wurde durch
Ricimer
ermordet.
oo N.N.
†
Kinder:
Agricola
†
Agricola erreichte hohe Ämter, wurde wohl Patricius und Präfekt. Lebensdaten und Fakten sind kaum zu greifen. Er war zuletzt Geistlicher.
Ecdicius
†
Ecdicius leitete die Verteidigung von Clermont und mußte letztlich 474 mit dem Schwager kapitulieren. Er diente noch unter Anthemius und Julius Nepos.
Papianilla
†
oo Gaius Sollius Apollinaris Sidonius
5.11.430/33-21./23.11.479/86
Aus altem gallo-römischen Adel. Er wurde vom Schwiegervater
und dessen Nachfolgern gefördert. Er wurde Patricius und Stadtpräfekt
von Rom und um 470 Bischof von Clermont-Ferrand, seiner Heimatstadt.
Er behauptete sie jahrelang gegen die Westgoten, mußte 474 kapitulieren,
wurde bis 476 inhaftiert und war dann wieder Bischof von Clermont. Er unterstützte
noch den Kaiser Julius
Nepos.
Literatur:
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Dahn Felix: Die Völkerwanderung. Germanisch-Romanische
Frühgeschichte Europas. Verlag Hans Kaiser Klagenfurt 1977 Seite 26,106,108,354
- Gottschalk Gisela: Die großen Cäsaren. Ihr Leben, ihre
Taten, ihre Zeit. Scherz Verlag Bern und München 1980 Seite 250,259
- Grant, Michael: Die römischen Kaiser. Von Augustus bis zum
Ende des Imperiums. Eine Chronik. Bechtermünz Verlag Augsburg 1977
Seite 388-391,395-398,401,406,431 - Gregor von Tours: Fränbkische
Geschichte. Phaidon Verlag, Essen und Stuttgart 1988 Buch II Kapitel 11,21
- Günther Rigobert: Römische Kaiserinnen. Zwischen Liebe,
Macht und Religion. Militzke Verlag Leipzig 2003 Seite 102,103- Heuss
Alfred: Römische Geschichte. Georg Westermann Verlag Braunschweig
1960 Seite 488 - Lexikon Alte Kulturen, Meyers Lexikonverlag Mannheim/Wien/Zürich
1990 Band I Seite 254-
Mann Golo: PROPYLÄEN WELTGESCHICHTE.
Eine Universalgeschichte. Vierter Band. Rom Die römische Welt. Verlag
Ullstein GmbH, Frankfurt am Main - Berlin, Propyläen Verlag 1986 Seite
575,580 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln
zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 2 Europäische Kaiser-,
Königs- und Fürstenhäuser II Nord-, Ost- und Südeuropa,
R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 487 -
Veh Otto: Lexikon der römischen
Kaiser. Von Augustus bis Iustinianus I. 27 v. Chr. bis 565 n. Chr. Artemis
& Winkler Verlag Düsseldorf/Zürich 1998 Seite 25 -