STAMMTAFELN ZUR GESCHICHTE DER EUROPÄISCHEN STAATEN
Tafel 85-86
Lexikon des Mittelalters: Band I Spalte 1337
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Baden, Markgrafen von, Markgrafschaft
Über die Anfänge derMarkgrafen
von Baden, deren Geschichte aus dynastischen Interessen an der
bis 1918 regierenden Familie der Großherzöge
von Baden stets intensiv bearbeitet wurde, sind neuere genealogische
Forschungen vorgelegt worden. Markgraf Hermann (+ 1074 als Mönch
in Cluny) war der Sohn des Herzogs Berthold I. von Zähringen.
Man vermutet in ihm - über seine Mutter Richwara - einen Enkel
Hermanns IV. von Schwaben und damit einen nahen Verwandten des salischen
Königshauses. Damit wird auch erklärt, weshalb ihm als mutmaßlich
ältestem Sohn des ZÄHRINGERS
dessen Grafschaftsrechte im Breisgau und der Name Hermann (anstatt
des zähringischen
Leitnamens Berthold) zukam, der von 6 oder - wie Wunder annimmt - 7 Markgrafen
in unmittelbarer Folge geführt wurde. Der Markgrafentitel, bis 1803
in der Familie weitergeführt, leitete sich von der Mark Verona ab,
in die Markgraf Hermann unter König
HEINRICH IV. eingesetzt wurde. Nach der Burg Baden (oberhalb
der Stadt Baden-Baden) nennt sich erstmals 1112 Hermanns gleichnamiger
Sohn. Während der älteste Markgraf auch nach der
zähringischenBurg
Limburg (Teck) benannt wird und, offenbar als Erbe der Grafen von Calw,
Güter im N-Schwarzwald erwarb, hat sein Sohn durch seine Gemahlin
Judith
die
Besitzungen um Backnang erworben, wo er das Augustinerchorherrenstift St.
Pancratius errichtete (päpstliche Bestätigung 1116), das zur
Grablege der
"HERMANNE" wurde. Hermanns
III. Gemahlin Bertha
gilt nach neueren Forschungen als Tochter König
KONRADS III., brachte die Markgrafen also in nahe Verwandtschaft
zu den STAUFERN, deren Parteigänger
und Helfer sie in den Auseinandersetzungen des 12. und 13. Jahrhunderts
wurden. Ihre territorialen Bemühungen konzentrierten sich vor allem
im Raum zwischen Backnang und Stuttgart; neben den markgräflichen
Städten Besigheim und Backnang ist, wie man heute weiß, auch
Stuttgart von ihnen um 1220 zur Stadt erhoben worden. Mit den STAUFER-Städten
Pforzheim, das Markgraf Hermann V. 1219 ererbt hat, und den gleichzeitig
erworbenen Städten Durlach und Ettlingen, zu denen noch die Pfandschaften
über die Städte Lauffen, Sinsheim und Eppingen kamen, gelang
den Markgrafen der Ausbau ihres Herrschaftsbereiches im Gebiet ihrer späteren
Residenzen (Karlsruhe-Durlach) und ihrer Burg Baden, die zusammen
mit der gleichnamigen Stadt, immer mehr zum Mittelpunkt der Markgrafschaft
wurde. Markgraf Rudolf und seine Mutter
Irmengard gründeten dort 1245
das Zisterzienserinnenkloster Lichental, seitdem die Grablege der Familie.
Auf den zähringischen Besitzungen
Hachberg
und Sausenberg im Breisgau spaltete sich 1190 eine eigene Linie
der Markgrafen von Hachberg ab; Hachberg wurde 1415 durch
Markgraf Bernhard I. zurückgekauft.
Sausenberg
(mit
Rötteln bei Lörrach) fiel 1503 an die
Badische
Hauptlinie
zurück. Diese hatte durch einen Parteiwechsel zu den STAUFER-Gegnern
aus dem Ende der STAUFER weiteren Gewinn
ziehen können - der zusammen mit König
Konradin
1268 in Neapel hingerichtete Friedrich von Baden,
Herzog von Österreich, ist der Sohn Markgraf Hermanns VI.
und der BABENBERGERIN Gertrud von Österreich, deren
Erbe er für sich beanspruchte.
Zu den Grafschaftsrechten im Uf- und Pfinzgau, der staufischen
Burg Mühlburg (heute Stadtteil von Karlsruhe) kamen umfangreiche
Besitzungen des elsässischen Klosters Weißenburg am Westrand
des Nordschwarzwaldes sowie die Vogteirechte über die Klöster
Gottesau (heute in Karlsruhe) und Herrenalb, die in diesem Raum zu einer
Besitzkonzentration führten, während die Markgrafen um Stuttgart
im 14. Jahrhundert den Grafen von Wirtemberg weichen mußten. Trotz
zahlreicher Teilungen der Herrschaft gelang Markgraf
Bernhard I. (1372-1431) durch straffe
Verwaltungsorganisation und Finanzpolitik die Schaffung eines fürstlichen
Territorialstaates, dem freilich durch die habsburgischen
Herrschaftsgebiete in Breisgau und Ortenau wie durch die Territorialpolitik
der Kurpfalz und der wirtembergischen Grafen seine Grenzen gewesen wurden.
Vor allem den letzteren gegenüber bildeten sich im Spätmittelalter
Grenzen heraus, die bis 1803 beziehungsweise bis in die unmittelbare Gegenwart
Bestand hatten. Nach einer weiteren Konsolidierung unter Markgraf
Christoph (1475-1527) kam es nach seinem Tod zu einer Landesteilung
(1535), die in ihrem Hauptergebnis, der Bildung der Markgrafschaften Baden-Durlach
mit Hachberg-Sausenberg (protestantisch) und Baden-Baden (katholisch)
die neuzeitliche Geschichte bis zur Wiedervereinigung 1771 bestimmte.
Bibliographie:
-----------------
F. Lautenschlager, Bibliogr. der bad. Gesch. I, 2, 1930,
1-12; IV (bearb. W. Schulz), 1961, 84-87; VII, 1976, 65ff.
Literatur:
-----------
J. D. Schöpflin, Historia Zaringo-Badensis, 7 Bde,
1763-1766 - E. Heyck, Gesch. der Hzg.e v. Zähringen, 1891 - R. Fester,
Mgf. Bernhard I. und die Anfänge des bad. Territorialstaats, 1896
- Regesten der Mgf.en v. B. und Hachberg, I (bearb. R. Fiester), 1892;
II (bearb. H. Witte), 1901/02 [nur 2 Lfg.]; III (bearb. H. Witte], 1907;
das ganze Werk mit Lücken bis 1453 - F. Wielandt, Mgf. Christoph I.
v. B. 1475-1515 und das bad. Territorium, ZGO 85, 1933, 527-611 - R. Merkel,
Stud. zur Territorialgesch. der bad. Mgft. in der Zeit vom Interregnum
bis zum Tode Mgf. Bernhards I. (1250-1431) [Diss. masch. Freiburg i. Br.
1953] - E. Tritscheler, Die Mgf.en v. B. im 11., 12. und 13. Jh. [Diss.
masch. Freiburg i. Br. 1954] - A.M. Renner, Mgf. Bernhard II. v. B., 1958
- G. Haselier, Die Mgf.en v. B. und ihre Städte, ZGO 107, 1959, 263-290
- H. Decker-Hauff, Gesch. der Stadt Stuttgart I, 1966 - Ders., ZGO 115,
1967, 205-211 - B. Sütterlin, Gesch. B.s I, 1967 - J. Fischer, Territoriale
Entwicklung B.s (HABW, Karte VI, I, 1974) - B. Theil, das älteste
Lehnbuch der Mgf.en v. B. (1381), 1974 - K. Krimm, B. und Habsburg u die
Mitte des 15. Jh., 1976 - G. Wunder, Zur Gesch. der älteren Mgf.en
v. B. (Württemberg. Franken 1978), 13-19 [unter Bezug auf Forsch.
von H. Decker-Hauff).
Stälin Paul Friedrich: Seite 387-389
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"Geschichte Württembergs"
Ein anderer Zweig der ZÄHRINGER, welcher noch
heutzutage als großherzoglich badische
Familie
blüht, leitet sich ab von dem bereits genannten Sohne Herzog Berchtolds
I., Hermann I., Grafen von Lintpurg (nach der Burg des Namens
im badischen
Breisach,
oder auch der Lintpurg bei Weilheim), auch Markgraf genannt. Diese Linie
führte vorzugsweise den markgräflichen Titel; jedoch geht derselbe
schwerlich, wie gewöhnlich angenommen wird, darauf zurück, dass
Herzog Berchtold I. mit dem Herzogtum Kärnten die Markgrafschaft
Verona verwaltet hatte, er ist vielmehr wohl von diesem Geschlechte, wie
dies auch sonst vorkommt, zur Unterscheidung von Grafen geringerer Herkunft
gewählt worden.
Markgraf Hermann I. trat in der Folge im Kloster
Cluny als Mönch ein (+ 1074). Vielleicht dass er durch seine Gemahlin
Judith,
eine gräflich calwische Erbtochter (?), die Besitzungen um
Baden und Bachnang an sein Haus gebracht hat, wenigstens nannte sich sein
Sohn und Nachfolger, Markgraf Hermann II. (+ 1130), ein treuer Kampfgenosse
König HEINRICHS IV.
und V.
im Jahre 1112 zuerst nach Baden. Etwa
seit der Mitte des 12. Jahrhunderts (1151 erstmals urkundlich nachweisbar)
bekleideten des letzteren Sohn, Markgraf Hermann III., sowie dessen
Sohn, Markgraf Hermann IV., auch die Markgrafschaft Verona, mit
der sie wohl zur Anerkennung für ihre treuen Dienste von König
KONRAD III. und Kaiser FRIEDRICH I.
belehnt
wurden und in deren Verwaltung sie sich einige Male nachweisen lassen.
Sie sowohl, als auch vereinzelt noch ihre Nachkommen nannten sich gegen
das Ende des 13. Jahrhunderts Markgrafen von Verona.
Markgraf Hermann
IV. fand auf dem Kreuzzuge Kaiser FRIEDRICHS
I. seinen Tod im heiligen Lande, Hermann V. (+ wohl 1243)
war
ein treuer Anhänger Kaiser FRIEDRICHS II.,
für den er namentlich bei der Bekämpfung seines aufrührerischen
Sohnes König HEINRICHS tätig
wurde, und einer der Führer des großen Heeres, das im Sommer
1241 die Mongolen aus Österreich zurücktrieb. Sein Sohn Hermann
VI. erwarb durch seine Vermählung mit Gertrud, der Erbin
des kinderlosen Herzogs Friedrich von Österreich, Ansprüche auf
letzteres Herzogtum, dessen Titel er führte, und hinterließ
sie bei seinem frühen Tode (1250) seinem Sohne Friedrich, dem
Genossen Herzog Konradins von Schwaben,
der jedoch gleichfalls nicht in den Besitz des Herzogtums gelangte. Stammhalter
der Familie wurde Hermanns V. jüngerer Sohn, Markgraf Rudolf
I. (+ 1288), während schon von einem jüngeren Sohn Markgraf
Hermanns IV., Heinrich (+ 1231), die Hachbergische Linie
des
Hauses ausgegangen war.
Wenngleich die Markgrafen von
Baden vorzugsweise in dem nördlich vom Breisgau gelegenen
Rheintale und in der Gegend der dortigen Nebenflüsse des Rheins: Murg,
Alb und Pfinz sich zur Blüte erhoben, so haben sie doch auch für
Württemberg Bedeutung, und zwar zuerst wegen ihrer umfangreichen Besitzungen
im Murrgau. Ihre Hauptgüter allhier waren die Burg Reichenberg und
der Ort Backnang, wo Markgraf Hermann II. (+ 1130) mit seiner Gemahlin
Judith
die
Kirche zu einem Augustinerstifte erweiterte und für die nächste
Zeit ein Erbbegräbnis der Familie begründete. Wie die letztere
in den Besitz dieser Güter, welche ihr allem nach schon am Anfange
des 12. Jahrhunderts zugestanden haben, gekommen, ist nicht sicher; ohne
Zweifel aber war sie hier Rechtsnachfolgerin der Grafen von Calw, vielleicht
durch die bereits erwähnte Heirat
Markgraf Hermanns I. Weiterhin
erwarb Markgraf Hermann III. im Jahre 1153 den Hof Besigheim als
Geschenk seitens des elsässischen Frauenklosters Erstein und Markgraf
Hermann V. in den Jahren 1212-1220 die Stadt Lauffen als Reichspfandschaft
von Kaiser FRIEDRICH II. Alle Güter,
welche dem letztgenannten Markgrafen und seinem auf einem Kreuzzug verstorbenen
Bruder Friedrich in Ulm zustanden, verwandten dieselben ums Jahr
1220 zur Gründung der dortigen Deutschordens-Kommende.
Das zähringische Wappen
war nach älterer Ansicht ein (goldener) Löwe (in Rot), welcher
jedoch neuerdings als burgundisches Amtswappen betrachtet wird, während
der Adler das Geschlechtswappen bilde (wiederum aber vielleicht ein Amtswappen).
Das badische Wappen war ein roter Schrägbalken
im goldenen Feld, das teckische jedenfalls seit der Mitte des 13. Jahrhunderts
von Schwarz und Gold schrägrechts geweckt.
| Hermann I. | -1074 |
| Hermann II. | 1074-1130 |
| Hermann III. | 1130-1160 |
| Hermann IV. | 1160-1190 |
HACHBERG
BADEN
| Heinrich I. | 1190-1231 | Hermann V. | 1190-1243 |
| Heinrich II. | 1232-1290 | Hermann VI. | 1243-1250 |
| Friedrich I. | 1250-1268 | ||
| Rudolf I. | 1243-1288 | ||
| Hesso | 1288-1297 | ||
| Rudolf II. | 1288-1297 | ||
| Hermann VII. der Wecker | 1288-1291 | ||
| Rudolf III. | 1288-1332 | ||
| Rudolf Hesso | 1297-1335 |
HACHBERG
SAUSENBERG
EBERSTEIN
PFORZHEIM
| Heinrich III. | 1290-1330 | Rudolf I. | 1290-1313 | Friedrich II. | 1291-1333 | Rudolf IV. | 1291-1348 |
| Heinrich IV. | 1330-1369 | Heinrich | 1313-1318 | Hermann IX. | 1333-1353 | Hermann VIII. | 1291-1300 |
| Otto I. | 1369-1386 | Rudolf II. | 1313-1352 | ||||
| Johann | 1386-1409 | Otto | 1313-1384 | ||||
| Hesso | 1386-1410 | Rudolf III. | 1352-1428 | ||||
| Otto II. | 1410-1515 | Wilhelm | 1428-1441 | ||||
| Hugo | 1441-1444 | ||||||
| Rudolf IV. | 1441-1487 | ||||||
| Philipp | 1487-1503 |
PFORZHEIM
| Rudolf V. der Wecker | 1348-1361 |
BADEN
| Friedrich III. | 1348-1353 |
| Rudolf VI. der Lange | 1353-1372 |
| Bernhard I. | 1372-1431 |
| Rudolf VII. | 1372-1391 |
| Jakob I. | 1431-1453 |
| Bernhard II. | 1453-1458 |
| Karl I. | 1453-1475 |
| Christoph I. | 1475-1515 |
| Albrecht | 1482-1488 |
Teilung unter den Söhnen Christophs I. 1536
1. BADEN-BADEN
2. SPONHEIM
3.BADEN-BADEN
| Bernhard III. | 1515-1536 | Philipp I. | 1515-1533 | Ernst | 1515-1553 |
| Bernhard IV. | 1552-1553 | ||||
| Karl II. | 1553-1577 |
BADEN-BADEN
| Philibert | 1536-1569 |
| Philipp II. | 1569-1588 |
RODEMACHERN
| Christoph II. | 1536-1575 |
RODENHEIM
RODEMACHERN
| Philipp III. | 1575-1620 | Eduard Fortunat | 1575-1596 |
RODEMACHERN
BADEN-BADEN
| Hermann Fortunat | 1622-1664 | Wilhelm | 1622-1677 |
| Karl Wilhelm | 1664-1666 | Ludwig Wilhelm | 1677-1707 |
| Ludwig Georg Simpert | 1707-1761 | ||
| August Georg Simpert | 1761-1771 |
DURLACH
HOCHBERG
SAUSENBERG
| Ernst Friedrich | 1577-1604 | Jakob II. | 1577-1590 | Georg Friedrich | 1577-1622 |
| Ernst Jakob | 1590-1591 | Friedrich V. | 1622-1659 | ||
| Friedrich VI. | 1659-1677 | ||||
| Friedrich VII. | 1677-1709 | ||||
| Karl III. Wilhelm | 1709-1738 | ||||
| Karl Friedrich | 1738-1811 | ||||
| Magdalene | (1738-1740) | ||||
| Karl August | (1738-1746) | ||||
| Karl | 1811-1818 | ||||
| Ludwig I. | 1818-1830 |
II. DYNASTIE ZÄHRINGEN-HOCHBERG
| Leopold | 1830-1852 | |
| Ludwig II. | 1852-1856 | |
| Friedrich I. | Regent 1852-1856 | 1856-1907 |
| Friedrich II. | 1907-1918 |