Begraben: Seligenthal, Landshut
2. Sohn des Herzogs Otto II. der Erlauchte von Bayern
und
der Agnes von Braunschweig, Tochter von Graf Heinrich I.
Rall, Hans und Marga: Seite 39
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"Die Wittelsbacher. Von Otto I. bis Elisabeth I."
3. HEINRICH XIII.
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* 19.11.1235, + 3.2.1290
Landshut
Burghausen
Grabstätte: Zisterzienserinnenkloster Seligenthal bei Landshut
oo 1244 (1250 oder 1253 vollzogen)
ELISABETH
* 1236, + 24.10.1271
Grabstätte: Zisterzienserinnenkloster Seligenthal bei Landshut
Eltern: Bela IV. König von
Ungarn aus dem Stamm Arpads,
und Maria Laskaris, Tochter des Kaisers
Theodor I. von Konstantinopel
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Bosls Bayerische Biographie: Seite 323
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Heinrich XIII., Herzog von Bayern
----------------- als H I. Herzog von Nieder-Bayern
* 19.11.1235,+ 3.2.1290
Burghausen
Begraben: Seligenthal, Landshut
Vater:
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Herzog Otto II. (um 1206-1253)
Mutter:
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Agnes von der Pfalz (+ 1267)
1250
oo Elisabeth von Ungarn (um 1236-1271)
Erhielt bei der Landesteilung 1255 Nieder-Bayern,
sein Bruder Ludwig II. die Pfalz und Ober-Bayern.
Mehrere Bruderkriege.
Residierte in Landshut.
Stiftete dort das Predigerkloster.
Durch seine Politik Verlust des BABENBERGER-Erbes in
Österreich.
Ebenso Verlust der bayerischen Kurstimme an Böhmen.
Literatur:
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NDB 8; Riezler.
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Thiele Andreas:
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„Erzählende genealogische Stammtafeln“
Heinrich I. regierte 1253-1255 gemeinsam mit seinem älteren Bruder Ludwig II. und teilte Bayern nach Erbstreitigkeiten auf, wobei er den Part Nieder-Bayern mit Straubing, Landshut, der Grafschaft Bogen-Windberg, Chiemgau, Traungau, Reichenhall, Rosenheim, Innviertel und anderen Gebieten erhielt. Er wählte 1257 zusammen mit seinem Bruder König RICHARD von Cornwall mit, stand jahrelang erbittert gegen König Ottokar II. von Böhmen, den er 1258 mit Hilfe des Bruders zurückschlug. Er geriet seitdem aber in erbitterte Gegnerschaft zum Bruder wegen Besitz- und Rechtsfragen und trotz alljährlicher Vermittlungen und Waffenstillstände konnte diese Feindschaft nicht beendet werden. Er beendete weitgehend die vielen Fehden seines Vaters mit den bayerischen Bischöfen, die aber immer wieder in seinen Kriegen gegen Böhmen und den Bruder aufflackerten. Er trat seine Ansprüche auf Steiermark an den Schwiegervater ab, was zur Verschärfung seiner Feindschaft zu Böhmen und zu neuen böhmischen Angriffen führte, die er zur allgemeinen Überraschung erneut zurückschlug. Er unterstützte in der Salzburger Stiftsfehde 1256 den päpstlichen Kandidaten Ulrich von Seckau gegen den oberbayerisch-böhmischen Kandidaten Philipp von Kärnten. 1273 schloss er überraschend Frieden mit Böhmen, wurde Ottokars wichtigste Hilfe im Reichskrieg gegen RUDOLF I. von Habsburg, musste sich 1276 unterwerfen, fiel wieder ab und machte 1278 die Schlacht bei Dürnkrut mit und musste sich endgültig unterwerfen. Er setzte in der Folgezeit die Fehden gegen den Bruder, den Erzbischof von Salzburg und die bayerischen Bischöfe fort, gewann unter anderem vom Bischof von Passau Vilshofen und Pfarrkirchen dazu, versuchte bis zuletzt vergeblich, den älteren Bruder wegen der Kurstimme aus der Pfalz zu verdrängen.
Spindler Max:
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"Geschichte Bayerns"
Herzog Ottos II. Söhne traten ein schweres
Erbe an, doch war ihr Weg vorgezeichnet. Beide waren von ihrem Vater frühzeitig
in die Politik eingeführt worden, der ältere hatte sich bereits
in der Kriegsführung bewährt. Für beide waren schon im Knabenalter
Gattinnen auserwählt worden, entsprechend dem doppelpoligen Charakter
der bayerischen Politik, für den in Heidelberg geborenen und im deutschen
Westen beheimateten Ludwig Maria, die Tochter Herzog Heinrichs von Brabant,
für Heinrich Elisabeth,
die Tochter
König Belas IV. von Ungarn,
mit Rücksicht auf Bayerns Interessen im Osten. Im Sommer 1255 begab
sich
Heinrich zum zweiten Male zu seinem Schwiegervater, bei dem
er 1253/54 fast ein Jahr geweilt hatte, um für dasselbe Ziel wie damals
zu wirken, die Gewinnung der Steiermark, die Bela
seit dem mit Ottokar geschlossenen
Frieden von 1254 in der Hand hatte, wie früher ohne Erfolg. Die beiden
Brüder waren gleichberechtigte Erben. Es war ihre Absicht, gemeinsam
zu regieren, wie ihre ersten Regierungshandlungen beweisen. Allein es kam
sehr rasch zu Differenzen. Im Herbst 1254 versprachen sie sich noch gegenseitig,
ihre Herrschaft einträchtig auszuüben. Etwa ein halbes Jahr später,
um Ostern (28. März) 1255, schritten sie überraschend zur Teilung.
Sie betrachteten sichtlich die in ihren Händen vereinigte Gesamtmasse
an Gütern und Rechten als ihr ererbtes Eigentum und verfügten
in diesem Sinn darüber, wie der Bauer über seinen Hof, entsprechend
der Bildung des Territoriums, die persönlicher Leistung zu verdanken
war, und auch veranlasst durch die privaten Erwerbstitel, auf denen große
Teile davon beruhten. Der Vorgang war in Deutschland ohne Vorbild. Es widersprach
dem geltenden Reichsrecht, nach welchem die Fürstentümer unteilbar
waren, doch wurde noch unter ihrer Regierungszeit der Teilungsgrundsatz
von der Reichsgewalt anerkannt. Es wäre politisch sinnvoll gewesen
und hätte dem Land viel Unheil erspart, wenn der eine der Brüder
die Pfalzgrafschaft, der andere das Herzogtum übernommen hätte.
Allein Ludwig war nicht gesonnen, sich auf die Pfalz, obwohl sie ihm vertrauter
war als seinem Bruder, zu beschränken und sich mit der Pfalzgrafschaft
und der mit ihrem Inhaber verbundenen Stellung des Reichsverwesers bei
Thronvakanz und des ersten weltlichen Fürsten in Deutschland zu begnügen.
Da das Herzogtum größer war als die Pfalzgrafschaft und die
Stammgüter barg, begehrte er an ihm Anteil, und so wurde es zerlegt.
Er erhielt zur Pfalzgrafschaft noch das obere Bayern, Heinrich das
niedere. Mit diesen Teilen waren Ober- und Nieder-Bayern als politische
Begriffe geschaffen. Nieder-Bayern war eine in sich ruhende kompakte
Landmasse, ein weites Bauernland zwischen Freising und Landshut im Westen,
Cham im Norden und Reichenhall im Süden, mit den alten AGILOLFINGER-Gauen
und Herzogs-Pfalzen, mit vier Bischofssitzen mitten im Land oder an der
Grenze, Salzburg, Freising, Regensburg, Passau, deren Inhaber als Reichsfürsten
unabhängig waren und von Österreich und Böhmen umworben
wurden und dort gegen den niederbayerischen Herzog immer Hilfe fanden,
während Ludwig von Ober-Bayern mit Bischöfen weniger zu rechnen
und keine Landesgrenzen gegen sie zu wahren und abzustecken hatte. Das
Niederland war der Erbe der traditionellen bayerischen Ostpolitik, mit
Beziehungen nach Ungarn und Böhmen, mit der Aufgabe, den wichtigen
Grenzübergang nach Böhmen, die Further Senke, zu bewachen. Es
war noch nicht ins Gleichgewicht gekommen, seit vom Block des Mutterlandes
die Marken weggebrochen waren, namentlich seit das Land ob der Enns, bayerisches
Altsiedelgebiet, verlorengegangen war, und besaß das natürliche
Ziel, die Inn-Salzach-Linie wieder zur Mittelachse des Landes zu machen.
Die Teilung hatte schwerwiegende Folgen, deren nächste
darin bestand, dass sich zwei Hauptstädte ausbildeten. An Regensburg,
der bayerischen "houbestat" der Kaiserchronik, waren beide Brüder
interessiert, sie übten dort burggräfliche Rechte aus, und die
inneren Grenzen der Teil-Herzogtümer liefen hart an der Stadt vorbei,
aber es war nicht gelungen, der Stadt ihren alten Charakter zu erhalten.
Heinrich wählte Landshut als Sitz, das schon Vater und Großvater
bevorzugt hatten und für das er im Jahre nach der Teilung eine in
der Forschung vielbeachtete Polizei- und Marktordnung erließ. Beide
Brüder hatten dem Reich und den Nachbarn gegenüber bayerische
Interessen im Auge, aber diese deckten sich nicht. Heinrich hatte
die böhmische und österreichische Frage zu lösen, Ludwig
wurde durch die Pfalz und die staufische
Tradition, um die hauptsächlich er sich annahm, auf die Reichspolitik
hingewiesen. Wie das Ziel, so waren die Kräfte zersplittert, es mangelte
an gegenseitiger Unterstützung und an Einheitlichkeit der Linie. Ein
gemeinsames Anliegen war jedoch die vom Vater bereits eingeleitete
Befriedung des Landes. Die beiden Brüder verglichen sich 1253/55 mit
den Bischöfen von Regensburg und Salzburg, Freising und Passau. Über
die Klöster, die in den Wirren viel gelitten hatten, ergoss sich in
den ersten Jahren ihrer Regierung ein ganzer Segen von Gunsterweisungen.
Mit dem Stadtbürgertum wurden Bindungen hergestellt. Heinrich krönte
sein Befriedungswerk durch einen Landfrieden, den er für sein Herzogtum
zusammen mit den Bischöfen von Passau, Freising und Bamberg im Jahre
1256 errichtete.
Der unberechenbare und gefährliche Nachbar der beiden
Brüder, der in die SO-Position der BABENBERGER und STAUFER
in ihrem ganzen Umfang einzurücken versuchte und alle Länder
zwischen dem Fichtelgebirge und der Adria in seine ausschweifenden territorialstaatlichen
Pläne einbezog, war Ottokar II. von Böhmen,
Gatte der Schwester Friedrichs des Streitbaren, Margarete
von Österreich. Abgewiesene Erbansprüche auf Bogensches
Gebiet, die vermutlich unter Berufung auf die böhmische Gattin Herzog
Ludwigs erhoben worden waren, mussten ihm den Vorwand zu einem zweiten
überraschenden Einfall geben, der ihn im August 1257, nachdem er sich
im April zuvor des Bischofs von Passau in einem Vertrag versichert hatte,
an der Spitze bedeutender Streitkräfte durch passauisches Gebiet bis
in das Herz Nieder-Bayerns, bis südlich von Landshut, führte.
Der vom Zaun gebrochene Feldzug scheiterte schmählich, dank der Eintracht
und Wachsamkeit der Herzöge. Heinrich stellte den Eindringling
und verlegte ihm den Rückzug, während Ludwig vom Rhein herbeieilte.
Ottokar musste um Waffenruhe nachsuchen,
die ihm gewährt wurde und es ihm ermöglichte, nach dem salzburgischen
Mühldorf auszuweichen. Die Gegner folgten und brachten ihm beim Innübergang
schwere Verluste bei. Er selbst konnte entkommen, während der größere
Teil seiner Truppen in Mühldorf eingeschlossen wurde und erst nach
Annahme der auferlegten Bedingungen freien Abzug erhielt. Ottokar
musste Neuburg und Schärding preisgeben, auf Ried im Innviertel und
auf das ehemals Bogensche Schüttendorf verzichten, in einem Frieden,
den Ludwig, dessen Kriegstüchtigkeit sich wie 1253 bewährte und
die Entscheidung herbeigeführt hatte, im November 1257 in Cham vermittelte.
Der Einbruch Ottokars,
seine Verbindung mit Salzburg und Passau hatte die Gefahr, in der Nieder-Bayern
schwebte, blitzartig geoffenbart. Trotzdem schwand das Einvernehmen zwischen
den beiden Brüdern,
Heinrich musste fortan die Last der Abwehr
allein tragen, ohne Unterstützung durch Ludwig, der auch durch seine
staufische Restaurationspolitik in
seiner Entschlussfreiheit gehemmt war. Nach seinem Erfolg in Steiermark
hatte Ottokar Schärding zurückgefordert und mit Krieg gedroht.
Heinrich hatte sich abgesichert und noch im Jahre 1260 Braunau befestigen
und dort in kürzester Frist eine Innbrücke bauen lassen, um einen
Brückenkopf und militärischen Stützpunkt an der Aufmarschstraße
ins Land ob der Enns zu gewinnen. Mit dem Kauf der kraiburgisch-ortenburgischen
Eigengüter um Eggenfelden, Pfarrkirchen, Vilshofen und Griesbach das
Jahr zuvor, 1259, und dem Gewinn der seit langem begehrten passauischen
Lehen der BOGENER und ORTENBURGER im Jahre 1262 waren am unteren Inn klare
Machtverhältnisse geschaffen und schien das passauische Tor für
Böhmen geschlossen. Im Salzburger Bistumsstreit erschien Heinrich
in der 2. Hälfte des Jahres 1262, unterstützt von salzburgischen
Ministerialen, vor der Stadt, um Ulrich mit Gewalt zurückzuführen,
eroberte den Stadtteil rechts der Salzach, brannte ihn, nachdem er die
Burg nicht nehmen konnte, nieder und ließ oberhalb von Hallein eine
Feste erbauen. Das Jahr darauf schritt, er noch vor Ablauf des Winters,
ein zweites Mal zur Belagerung der Salzburg, musste aber, als Ottokar anrückte,
davon abstehen, zumal sein rücksichtsloses Eingreifen ein Spaltung
der Bürgerschaft und Ministerialität bewirkt hatte. Die Folge
war ein Aufstand in der Stadt, bei welchem schließlich die Gegner
Philipps die Oberhand behielten und diesen zwangen, die Stadt zu räumen,
so dass im Februar Ulrich an der Seite Heinrichs in Salzburg einziehen
konnte. Nur vier Monate waltete er seines Amtes, dann resignierte er, in
Erkenntnis seiner "Unzulänglichkeit und der menschlichen Bosheit".
Heinrich hatte, obwohl Sieger, die Partie verloren. Der Erfolg Ottokars
schuf eine für Bayern gefährliche Situation. Gedeckt
durch die Kurie, die Bischöfe von Salzburg und Passau und durch seine
neue Stellung im Reich, durch den Rückhalt, den er an RICHARD
von Cornwallis besaß, seit er sich im September 1262 eindeutig
zu ihm bekannt hatte, bereitete Ottokar einen Schlag gegen Bayern vor,
der vernichtend gedacht war. RICHARD
hatte
ihm im Besitz von Böhmen und Mähren bestätigt und ihn mit
Österreich und Steier belehnt. An der Wende des Jahres 1265 übertrug
er ihm das Reichsvikariat rechts des Rheins und damit den Schutz des Reichsgutes
und die Wahrnehmung der königlichen Rechte bis zu seiner Ankunft in
Deutschland. Die Auswirkungen bekamen die beiden
WITTELSBACHER
zu spüren. Der militärische Schlag des Böhmen gegen Bayern
misslang. Er musste über Eger den Rückzug antreten, indes Heinrich
feste
Plätze im Mühlviertel brechen ließ.
Heinrich vermied
eine direkte militärische Begegnung, da er Ottokar
nicht gewachsen war und sein Bruder ihn nicht unterstützte.
Auf eine Mahnung von höchster kirchlicher Seite und unter dem Einfluss
seiner Gattin Kunigunde von Ungarn,
einer Nichte der niederbayerischen Herzogin, ließ sich Ottokar
1267 zu einer Versöhnung mit Heinrich herbei, die freilich
nur vorübergehend war. Als aber dann, nachdem er auch das Spanheimische
Erbe an sich gebracht und Krain und Kärnten gewonnen hatte, König
Stephan von Ungarn dem böhmischen Druck, der nunmehr von
Mähren bis Istrien reichte, mit Waffengewalt zu begegnen suchte und
in Österreich und Steiermark einbrach, während Herzog Heinrich
im Frühjahr 1271 zur Unterstützung seines Schwagers vom Westen
her vorrückte und das Land ob der Enns von Vöcklabruck bis Wels
verheerte, entstand für Ottokar
eine Situation, die zu einem ernsten Wandel seiner bayerischen Politik
führte. Der doppelten Gefahr nicht gewachsen, verstand er sich zu
einem kurzdauernden Frieden mit Ungarn im Juli 1271, der auch Bayern mit
einschloss und der Ausgangspunkt für eine Sonderabmachung mit Bayern
wurde, die bis in die letzten Jahre Ottokars
Bestand war und ihm Rückenfreiheit gegen Ungarn verschaffte. Auch
Heinrich
strebte nach einem Ausgleich. Die Krankheit an der Nieder-Bayern litt,
war nicht bloß Ottokar und sein
Machtstreben allein, sondern der Rückhalt, den der Böhme an den
bayerischen Bischöfen genoss. Im Frieden von Anfang 1273 rückte
Ottokar erstmals, ein Erfolg
Heinrichs,
von den bayerischen Bischöfen ab. Heinrich opferte das ungarische
Bündnis, das als Druckmittel für ihn wertvoll gewesen war, aber
ihn bisher nur Opfer gekostet hatte. Er verzichtete auf territoriale Apirationen
in der gesamten Ländermasse Ottokars, also auch auf den 1268 ererbten
Besitz Friedrichs des Streitbaren von Österreich. Im einzelnen gab
er den ererbten Lehensbesitz um Schüttenhofen und Winterberg preis,
während er seine Güter in der Wachau behauptete. Ottokar
verzichtete seinerseits auf alle Ansprüche auf Güter und Rechte
in den Grafschaften Bogen und Deggendorf und auf die Burgbezirke Schärding,
Floß und Parkstein. Die Burg Ried im Innviertel blieb in seinem
Besitz.
Heinrich erkannte 1273 RUDOLF
von Habsburg nicht an. Die Misshelligkeiten wegen der 7. Kurstimme,
in deren Ausübung er mit Böhmen konkurrierte, gefährdeten
sein böhmisches Bündnis nicht. Im Oktober 1274 traf er sich mit
Ottokar in Pisek. Gleich ihm blieb
er dem Nürnberger Reichstag vom 19. November fern, auf dem unter dem
Vorsitz des Pfalzgrafen, wie es üblich war, wenn ein König Klage
erhob, die Reichsgüterrevindikationen eingeleitet wurden, von denen
Ottokar mit Österreich, Steiermark,
Kärnten, Krain, dem Egerland, der Windischen Mark (= Unterkrain) und
Portenau (Pordenone, westlich von Udine) betroffen war. Damit war die böhmische
Frage, die für RUDOLF eine Existenzfrage
war, aufgerollt. War Ottokar auch nicht
mit Namen genannt worden, so wusste jedermann, dass er gemeint war. Eine
zweite Klage richtete sich direkt gegen ihn, da er noch nicht um Belehnung
nachgesucht hatte. Es wurde entschieden, dass, wer seine Lehennahme ohne
rechtmäßigen Grund über Jahr und Tag versäume, seine
Lehen verwirkt habe. Von dieser Entscheidung war Heinrich mitbetroffen,
da er sich gleichfalls noch nicht hatte belehnen lassen. Dennoch blieb
er wie Ottokar auch dem Würzburger
Reichstag vom 23. Januar 1275 fern. Als ihm daraufhin von RUDOLF
mit
Klage vor dem Fürstengericht gedroht wurde, ließ er sich dazu
herbei, den Augsburger Tag vom Mai 1275 mit Vertretern zu beschicken, im
Gegensatz zu Ottokar, gegen den diesmal
die Entscheidung fiel. In eben dem Augenblick, in dem durch RUDOLF
die Frage der Zukunft des Babenbergischen Erbes noch einmal gestellt wurde
und eine endgültige Entscheidung sich anbahnte, gingen die beiden
wittelsbachischen
Brüder getrennte Wege. Die Gegensätze hatten sich durch Heinrichs
Hinwendung zu Ottokar und infolge des
durch die Wahl RUDOLFS neu belebten
Streites um die beiden Fürstentümer und die daraus fließenden
Rechte, besonders das Wahlrecht, vertieft. Sie führten nach dem Augsburger
Reichstag zu offenen Feindseligkeiten und Raub und Brand auf beiden Seiten.
Es war vorauszusehen, dass Nieder-Bayern wegen seiner für beide Gegner
wichtigen Lage eine entscheidende Bedeutung in der kriegerischen Auseinandersetzung
mit Ottokar zukommen würde. Noch
war der Böhme mächtiger als der König. Heinrich fühlte
sich auf der böhmischen Seite stark und unterschätzte den seinen
Einfluss vorschiebenden König, der die Ausfallbastion gegen Bayern
und geistliche Mauer, die Ottokar im
Westen um seine Länder gezogen hatte, zum Einsturz brachte. Da der
Erzbischof von Salzburg, der neue Patriarch von Aquileja und die Bischöfe
von Bamberg und Passau, sowie Ungarn und Tirol auf die Seite RUDOLFS
traten,
wurde Heinrich allmählich wankend. Auch der Papst mahnte ihn
am 26. September 1274 zum Gehorsam gegen König
RUDOLF. Schließlich entfremdete sich Ottokar
seinen Bundesgenossen selbst im Streit um die Kurstimme. Durch
Bemühungen König RUDOLFS und
des Papstes kam es zu einer Begegnung der beiden Brüder in Nürnberg,
die nach einem am 2. Februar 1276 geschlossenen Waffenstillstand am 29.
Mai 1276 in Regensburg zu einem Vergleich führten. Auch als im Juni
1276 über Ottokar die Oberacht
ausgesprochen wurde, trat Heinrich noch nicht aus der Reserve hervor.
Erst als rundum der Abfall von Ottokar einsetzte,
als der Burggraf von Nürnberg im August Eger eroberte, als Ottokar
Kärnten, Krain und die Steiermark verlor und ein völliger
Zusammenbruch bevorstand, erschien Heinrich im September 1276 in
Regensburg in letzter Stunde vor der Eröffnung des Feldzuges vor RUDOLF,
nahm sein Herzogtum von ihm zu Lehen und gab sein Bündnis mit Ottokar
preis, aber nicht ohne sich Vorteile zu wahren, die das eigentliche
Ziel seiner Politik offenbaren. Die Bedingungen Heinrichs waren:
sein ältester Sohn Otto
sollte mit Katharina, der jüngsten
Tochter RUDOLFS, verheiratet werden,
die Mitgift 40.000 Mark betragen. Als Pfand forderte er in Wahrnehmung
alter Rechte und Ansprüche das Land ob der Enns. Ende September musste
es ihm RUDOLF in Passau unter dem Druck
der Lage, mit Zustimmung der anwesenden Fürsten, überlassen,
nachdem Heinrich erneut mit Abfall gedroht hatte. Daraufhin öffnete
Heinrich
die Donausperren bei Straubing und Passau und gab dem König den Weg
nach Wien frei, während Ottokar
ihn im Nordosten Böhmens erwartete.
Herzog Heinrich schickte
ein Kontingent zum Reichsheer und rückte selbst ins Land ob der Enns
ein, während RUDOLF
gegen Wien
marschierte, begleitet von Ludwig, der einen wesentlichen Anteil am militärischen
Erfolg hatte, indem er Klosterneuburg im Handstreich nahm, den Weg zur
Stadt damit frei machte und mit anderen Fürsten den Frieden vermittelte,
der am 21. November 1276 zustande kam. Ohne eigentlich geschlagen zu sein,
musste Ottokar, der über Heinrichs
Abfall maßlos enttäuscht war, Österreich, die Steiermark,
Kärnten, Krain und die Windische Mark, Eger und Portenau herausgeben.
Heinrich hatte sein territoriales Ziel erreicht. Er nahm das von
ihm besetzte Gebiet unter seine Verwaltung, urkundete in Linz, Steyr, Wels
und anderen Orten, bestätigte Besitzungen und verlieh Freiheiten und
gab Anweisungen an alle Amtleute im Land ob der Enns. RUDOLF
versuchte wohl einen Ausgleich zwischen den beiden Brüdern anzubahnen,
traf jedoch keine Anstalten, die Abmachungen von Regensburg und Passau
durchzuführen und Heinrich auf seiner Seite zu halten, sondern
ließ alles offen, so dass Heinrich seine Beziehungen zu Ottokar
nicht aufgab und sich nicht scheute, von ihm schwere Geldsendungen
anzunehmen.
Heinrich glaubte, als der Endkampf herannahte, mit dem
Land ob der Enns ein Faustpfand in der Hand zu haben und nahm eine durchsichtige
Haltung ein. Während Pfalzgraf Ludwig vom Rhein herbeieilte, hinderte
er den Bischof von Basel und schwäbische Hilfstruppen am Durchzug
durch sein Land und stellte es gleichzeitig den Seinen frei, Ottokar
Hilfe zu leisten. Er selbst nahm wie Ludwig am Kampf, der auf dem Marchfeld
bei Dürnkrut am 26. August 1278 stattfand, nicht teil.
Heinrich sah sich jetzt nur noch einem der beiden
Rivalen gegenüber, dem Sieger, der wohl von Anfang an den Sieg für
sich und sein Haus auszunützen entschlossen war und nicht im entferntesten
daran dachte, die wittelsbachischen
Nachbarn bei der Neuordnung des Südostens zum Zuge kommen zu lassen.
Obwohl sich Heinrich mit seinem Bruder Ludwig in der Handfeste von
Vilshofen vom 23. Oktober 1278 aussöhnte, musste er im Mai 1279 auf
das Land ob der Enns verzichten, als König
RUDOLF ihn mit einer Heerfahrt drohte. Was Heinrich blieb,
war am Ende die Braut für seinen Sohn Otto,
aber ohne die seinerseits ausbedungene Mitgift, die jetzt auf 3.000 Mark
heruntergesetzt wurde und für die ihm RUDOLF
einige Burgen und Herrschaften, die Neuburg am unteren
Inn, sowie Freistadt, Klingenberg und Mauthausen in Ober-Österreich
nördlich der Donau als Sicherheit gab. Die territorialen Hoffnungen
Heinrichs zerstoben in nichts. Wie 1246, so ging auch bei der Neuverteilung
des Südostens 1282 das wittelsbachische
Bayern leer aus.
Heinrich vermochte sich aus der Umklammerung durch
Österreich, Salzburg, Tirol und den eigenen Bruder nicht mehr befreien.
Am 2. Februar 1290 ist er gestorben, ohne seiner Politik eine neue
Wendung gegeben zu haben. Sein großer außenpolitischer Erfolg
war die Abwehr Ottokars von Böhmen
in den Jahren 1257 bis 1273. In all seinen anderen politischen Plänen
war er gescheitert, in der Kurfrage, im Streit um das fürstliche Erbe,
in seinen großen territorialen Aspirationen. Nicht zuletzt weil ihm
der Erfolg versagt blieb, erscheint er als unzuverlässig und unstet,
als ein Störenfried am Rand der großen politischen Geschehnisse,
als "Ersatz-Kurfürst", als "beharrlicher Zänker", zu Unrecht
Er war nur in seinen politischen Mitteln beweglich und wandelbar, in der
Zielsetzung war es beständig, auch waren seine Ziele klar erkannt
und von der Teilhabe am Ganze und von Bayern her richtig gesehen. Vornehmlich
er hatte die Folgen des Teilungsvertrags mit seiner Fiktion einer bloßen
Nutzteilung und seinen Unklarheiten zu büßen. Sein eigentlicher
Widersacher war sein Bruder, der aus Sorge um seine Machtstellung am Rhein
und im Reich ihn niederhielt, meist auf der Seite seiner Gegner stand,
wie zuletzt noch sein Bündnis mit ALBRECHT
bewies, und es unterließ, im Zusammenwirken mit ihm die großen
Möglichkeiten zum Tragen zu bringen, die die bayerische Vergangenheit
in sich barg.
1244
oo Elisabeth von Ungarn, Tochter des Königs
Bela IV.
1236-24.10.1271
Kinder:
Agnes
1254-19.10.1315
Agnes
17.7.1255-10.5.1260
Agnes
29.10.1256-16.11.1260
Elisabeth Nonne in Seligenstedt
23.4.1258-8.8.1314
Otto III.
11.2.1261-9.9.1312
Heinrich
23.2.1262-16.9.1280
Sophie
1264-4.2.1282
8.11.1277
oo Poppo VIII. Graf von Henneberg
-4.2.1291
Katharina
9.8.1267-9.1.1310
1287
oo Friedrich Tuta Markgraf von Meißen
1269-16.8.1291
Ludwig III. Herzog von Nieder-Bayern (1290-1296)
9.10.1269-13.5.1296
Stephan I.
14.3.1271-21.3.1310
Literatur:
-----------
Benker Gertrud: Ludwig der Bayer. Ein Wittelsbacher
auf dem Kaiserthron. Eugen Diederichs Verlag München 1997 Seite 14,40
- Franzl, Johann: Rudolf I. Der erste Habsburger auf dem deutschen
Thron, Verlag Styria 1986, Seite 95,106,116,122,136,141,145,147, 150,192,295,242
- Hoensch, Jörg K.: Premysl Otakar II. von Böhmen. Der
goldene König. Verlag Styria Graz Wien Köln 1989 Seite 46, 50,82,88,109-112,136,139,141,143-146,161,164,171,202,204,208,212-218,221,223,237,241,244,249
- Hundt, Barbara: Ludwig der Bayer. Der Kaiser aus dem Hause Wittelsbach
Bechtle Verlag Esslingen München 1989 Seite 43,67,74 - Krieger,
Karl-Friedrich: Die Habsburger im Mittelalter. Von Rudolf I. bis Friedrich
III. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart/ Berlin/Köln 1994 Seite 21,40,43,46,51,54
- Rall, Hans und Marga: Die Wittelsbacher. Von Otto I. bis Elisabeth
I., Verlag Styria Graz/ Wien/Köln 1986 Seite 39-44 - Spindler
Max: Handbuch der bayerischen Geschichte Erster Band Das alte Bayern. Das
Stammesherzogtum bis zum Ausgang des 12. Jahrhunderts. C. H. Beck'sche
Verlagsbuchhandlung München -