Johann                                                      Graf von Touraine
----------                                                    Dauphin von Frankreich
31.8.1398-5.4.1417
Paris         Compiegne

Begraben: Abtei Saint-Corneille zu Compiegne
 

4. Sohn des Königs Karl VI. von Frankreich und der Isabeau von Bayern-Ingolstadt, Tochter von Herzog Stephan III.
 

Markale Jean: Seite 252,260,298
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„Isabeau de Bavarie“

Der zweite Sohn Jean war mit Jakobäa von Bayern vermählt, wurde bei seiner künftigen Gemahlin am Hennegauer Hof erzogen und befand sich eindeutig im Bannkreis des Burgunders.
Am 5. April 1417, eineinhalb Jahre nach seinem Bruder, starb der neue Dauphin Jean in Compiegne, auch er ohne Nachkommen, an einer Krankheit, bei der er sich, wie die Beschreibungen der Chronisten vermuten lassen, wahrscheinlich um eine vereiterte Mittelohrentzündung handelte. Da die Ärzte auch dagegen kein Mittel kannten, kann man auch hier annehmen, dass es sich um einen natürlichen Tod handelte. Aber die dubiosen Umstände, die den Tod des Dauphin Jean begleiteten, etwa die Tatsache, dass man ihn daran hinderte, nach Paris zurückzukehren so sehr sich Isabeau de Bavarie auch bemühte, ihren Sohn wieder zurückzubekommen, all dies belastet die Affäre mit einem mehr als sicheren Verdacht, der zumindest noch mehr begründet ist als im Fall seines Bruders Louis. Und diesmal war das Ableben des Dauphins für den Herzog von Burgund absolut nicht von Vorteil, denn Jean war, nach dem, was uns überliefert ist, voll und ganz Johann Ohnefurcht ergeben, stand er doch unter dem Einfluss seiner Gemahlin Jakobäa von Bayern und seiner Schwiegereltern, die ebenfalls voll auf der Seite des Burgunders standen. Zudem äußern sich gerade die burgundischen Chronisten besonders ausführlich über die Möglichkeiten eines Giftmordes an Prinz Jean. Einer von ihnen behauptet gar, der Dauphin sei daran gestorben, dass er sich ein in Gift getränktes Kettenhemd angelegt und dass dieses Gift sich im Nu in seinem Körper verbreitet habe. Auf alle Fälle kann Johann Ohnefurcht mitnichten im Zusammenhang mit dem plötzlichen Dahinscheiden des Dauphins Jean beschuldigt werden. Wenn es ein Giftmord war, was nicht bewiesen ist (das Gegenteil freilich ebenso wenig), wer ist aber dann dieses Verbrechens anzuklagen? Johann Ohnefurcht nutzte die Gelegenheit, um ein Manifest zu veröffentlichen, worin er nicht zögerte, den Tod von Louis wie von Jean als Folge eines zweifachen Verbrechens darzustellen, das er seinen Gegnern, den Armagnacs oder den Räten des Königs, zur Last legte. Doch niemand kommt im Zusammenhang mit dem Tod des Dauphins Jean auf Yolande von Aragon zu sprechen.

Damit wurde der vierte Sohn Johann Dauphin, der durch seine Heirat mit Jakobäa von  Bayern-Hennegau-Seeland-Holland-Friesland große Teile der Niederlande für das französische Königshaus einbringen konnte. Er ist - vielleicht sicherheitshalber - nach seiner Verlobung am hennegauischen Hof seiner Schwiegereltern erzogen worden, starb aber ebenfalls bei einem Frankreichbesuch ganz plötzlich, vermutlich an Gift.
 
 
 
 

6.8.1415
  oo 1. Jakobäa Gräfin von Bayern-Holland
          25.7.1401-8.10.1436
 
 
 

Literatur:
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Calmette Joseph: Die großen Herzöge von Burgund, Diederichs Müncchen 1996, Seite 135,139,142 - Ehlers Joachim/Müller Heribert/ Schneidmüller Bernd: Die französischen Könige des Mittelalters. Von Odo bis Karl VIII. 888-1498. Verlag C. H. Beck München 1996 Seite 303,321,324 - Hoensch Jörg K.: Kaiser Sigismund, Verlag C.H.Beck München 1996, Seite 229,231,236,269,272,597 - Markale, Jean: Isabeau de Bavarie. Eugen Diederichs Verlag München 1994 - Schnith Karl Schnith (Hrsg.): Frauen des Mittelalters in Lebensbildern, Verlag Styria Graz-Wien-Köln 1997, Seite 353,363,365,370, 373 - Spindler Max: Handbuch der bayerischen Geschichte Erster Band Das alte Bayern. Das Stammesherzogtum bis zum Ausgang des 12. Jahrhunderts. C. H. Beck'sche Verlagsbuchhandlung München -